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Die Sabina Pilguj Kolumne

Ab sofort gibt es für die fleißigen Leser unter euch, neue aufregende Kolumnen von der engagierten psychotherapeutische Heilpraktikerin, Tierpsychologin (ATN) und Begründerin der Methode "Dog Reläx", Yogalehrerin und Buchautorin Sabina Pilguj!

Zu Ihren Werken über unsere geliebten Vierbeiner gehören u.a. „Dog Reläx“, in welchem es über das entspannte Miteinander von Mensch und Hund geht und „Weisheiten der Schnüffelnasen“, der tierischen Anleitung zum Glücklich sein!

Nun hat sie ihr neues Projekt „Wertschätzung teilen“ ins Leben gerufen. „Wie wertvoll und wichtig es ist, Wertschätzung zu teilen, habe ich nicht nur durch Hunde, sondern auch durch meine Arbeit mit Menschen lernen dürfen. Wertschätzung und Empathie zu teilen kostet nichts, nur ein wenig Bemühung.“
Mein Hund ist manchmal so sensibel und feinfühlig - Hochsensibilität bei Hunden

„Stell dich nicht so an, Du bist ja empfindlich wie eine Mimose“!

Wenn der Hund sich in eine „Mimose“ verwandelt, hat es der Halter nicht immer einfach. Mein Podenco Amigo mag es, im Garten zu chillen und ein Sonnenbad zu nehmen, aber wehe, wenn am frühen Morgen oder Abend der Rasen auf einmal feucht ist – dann verabscheut er den feuchten Rasen und manchmal hat es den Anschein, er würde über glühende Kohlen laufen, damit die Pfoten nicht nass werden. Für Außenstehende unerklärlich, aber für feinfühlige Wesen ist es schon ein großer Unterschied, was sie mit ihren Pfoten wahrnehmen. Es gibt Hunde, die lieben es sehr im Sommer ins Wasser zu springen, aber wenn es regnet, weigern sie sich aus dem Haus zu gehen. Die Hündin Tanita verweigert den Gang vor die Tür, wenn es regnet und stürmt, die Besitzerin muss der Galgohündin einen Regenschutz anziehen und ihre ganze Überredungskunst einsetzen, damit der Gassigang starten kann.

Sind es etwa Mimosen? Na ja, etwas sehr empfindlich sind die Zwei schon.


Mein Podenco „Amigo“ ist von Geburt an so ein Sensibelchen. Er ist anders als andere Hunde, denn er hat eine besondere feine Wahrnehmung. Er ist hochsensibel und es ist für den Hundehalter wichtig, diesen angeborenen Wesenszug zu erkennen.

In dem Buch „Ich bin wie ich bin – genial und total normal“ erzählt der Podenco Amigo aus seinem Leben als hochsensibler Hund. Eigentlich möchte er mit seiner Geschichte den Kindern Mut machen, ihren besonderen Wesenszug zu erkennen und wertzuschätzen, aber es ist ebenfalls eine Inspiration für Erwachsene, um sich oder ihre sensiblen Hunde besser zu verstehen.






Wenn die Wahrnehmung ein wenig sensibler scheint

Feinfühlige Hunde reagieren sensibler mit ihren Sinnen.

Amigo erzählt von seiner Hundeschulerfahrung:

… „Ich kann mich noch gut an die allererste Stunde erinnern. Alle Zweibeiner mussten sich in einer Reihe aufstellen und wir Hunde uns direkt neben unseren Menschen hinsetzen. Während die anderen jungen Hunde brav saßen und vor sich hindösten, war mir langweilig und ich schaute mich um, wo und wie man wohl am besten dort rennen und toben konnte. Dann erzählte die Hundetrainerin etwas, sie sabbelte und sabbelte … Ich konnte schon gar nicht mehr zuhören, so viele Worte waren das. Langweilig.

Ich fand es auch total blöd, dass links und rechts neben mir so viele Menschen und Hunde saßen. Es war mir alles viel zu eng und viel zu nah. Ich fühlte mich unwohl und merkte, dass ich zappelig wurde. Still auf einer Stelle sitzen, wollte und konnte ich auch nicht mehr. Und schon gar nicht, wenn mich all die anderen so komisch anguckten. Ich konnte es beinahe gar nicht mehr aushalten und fing an zu fiepen und zu quietschen. Ich konnte gar nicht anders! Ich war überwältigt von all den Gefühlen und Eindrücken. Es waren so viele Reize, die auf mich einströmten, dass ich es kaum aushalten konnte und immer genervter und quengeliger wurde. Dann schauten mich alle Zwei- und Vierbeiner noch komischer und auch ein wenig strafend an. Das war furchtbar! Diese komischen und merkwürdigen Blicke machten mir sogar richtig Angst! Es war schrecklich, von allen so angeschaut zu werden. Ich mochte es nicht, wenn alle mich anguckten und ich quasi wie im Rampenlicht stand.

Einige andere Hundebesitzer tuschelten und sagten leise „Der Hund kann sich überhaupt nicht benehmen. Er muss lernen, sich zusammenzureißen…“. Sabina bemühte sich, das einfach zu überhören und kümmerte sich nicht weiter um die Kommentare, aber ich habe sofort gefühlt, was die anderen Menschen über mich dachten“…..



Hochsensible Hunde sind schnell reizüberflutet, sie

- riechen
- hören
- fühlen
- schmecken
- sehen

empfindsamer als „normal sensible“ Hunde. Wobei dies keine Wertigkeit, in Form von besser oder schlechter sein soll. Es wird angenommen, dass es sich bei Mensch und Tier um eine angeborene Gabe handelt.


Beispiele:

Sensible Nase
Einige Hunde sind sehr geruchsempfindlich, darum gehen diese am Silvesterabend ungern nach Draußen, denn nicht nur die Böller und Raketen sind für die Hunde unangenehm, sondern auch der Geruch vom Schwarzpulver und den anderen Chemikalien ist für die empfindlichen Hundenasen extrem unerträglich.

Sensible Ohren
Ängstliche oder geräuschsensible Hunde mögen keinen lauten Krach. Sie reagieren sehr empfindlich auf Geräusche. Da wird der Smoothi-Mixer oder der Staubsauger schon einmal zu einem bedrohlichen Monster. Und wehe, es naht ein lautes Gewitter. Einige Hunde zeigen von Geburt an eine Empfindlichkeit auf Alltagsgeräusche, ohne dass sie schlimme Erfahrungen gemacht haben.

Sensibles Empfinden
Dann gibt es Hunde, die in ihrem Fühlen, d.h. in ihrer körperlichen Empfindung sehr sensibel sind. Sie fühlen sich an einigen Orten schnell unwohl und mögen nicht einfach so angefasst werden.Empfindungssensible Vierbeiner mögen es nicht, sich auf dem Pflaster oder Steinboden im Straßencafe oder auf der Terrasse hinzulegen. Sie bleiben lieber sitzen oder bestehen auf ihre Kuscheldecke, um es sich gemütlich zu machen. Darum haben einige Hundebesitzer immer eine Decke für ihren vierbeinigen Freund dabei. Hunderassen, die wenig Fell am Bauch haben scheinen oftmals empfindsamer zu sein. Sie mögen sich mit ihrer sensiblen Haut verständlicherweise nicht überall hinlegen.

Sensibles Schmecken
Einige Hunde sind sehr wählerisch in ihrer Futterwahl oder zeigen öfters Futtermittelunverträglichkeiten

Sensibles Sehen
Ein Besuch in der Stadt oder an Orten mit viel Unruhe und viel Betrieb kann sensible Hunde, die sehr viel mehr wahrnehmen, schnell überfordern.


Hochsensible Menschen und Hunde

Oftmals ist der Zweibeiner geneigt, Aussagen zu tätigen, wie zum Beispiel „Stell dich nicht so an“, „Man bist Du empfindlich“, „Du bist so komisch, anders“ oder „Du Mimose“ . Dies wird manchmal einfach so daher gesagt, übrigens nicht nur über unsere vierbeinigen Begleiter, sondern auch zu anderen Menschen, egal, ob Kind oder Erwachsener. Meistens verbindet man mit dem Begriff „Mimose“ eine negative Konnotation. Da ist eben jemand anders, anders als das Raster, welches in der heutigen Gesellschaft als Norm deklariert wird. Und doch gibt es da eine Spezies Mensch und Tier, die eben noch etwas mehr sensibler ist, nämlich hochsensibel. Hochsensibilität ist ein Phänomen, beim dem Betroffene stärker als der Durchschnitt Reize der Umwelt wahrnehmen und auf diese viel intensiver reagieren, um diese auch verarbeiten zu können.

Der russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow ist in der Hundeszene bekannt, er entdeckte das Prinzip der klassischen Konditionierung. Ein wichtiger Aspekt in der Hundeerziehung und dem Hundetraining. Für seine Versuche zum bedingten Reflex (Pawlow`scher Hund) erhielt er den Nobelpreis. Er stelle aber auch Versuche zur menschlichen Empfindsamkeit und deren Belastbarkeit an. Sensiblere Menschen und Tiere reagieren in bestimmten Situationen durch ihre Feinnervigkeit eben anders. Neben den sensibleren Menschen gibt es aber noch eine weitere feine Abstufung: Die Hochsensiblen.






Hundeverhalten einmal anders betrachtet – hochsensible Hunde

Es gibt aktuell meines Wissens nach noch keine Studie zu hochsensiblen Hunden, aber ich möchte behaupten, dass es sie gibt. Und aus diesem Grund kann ich meinen Podenco Ibicenco „Amigo“ sehr gut verstehen und ich bezeichne ihn als hochsensiblen Hund. Er hat extrem feine Sinneswahrnehmungen und zeigt manchmal Verhaltensweisen, die ich in meiner langjährigen Arbeit als Kinderyogalehrerin und Coach so bei hochsensiblen Kindern wieder finde. Amigo ist per se kein hibbeliger, hyperaktiver oder ängstlicher Hund. Er ist im Haus ein total ausgeglichener, ruhiger Schmusehund. In seinen Genen liegt die Jagdleidenschaft mit all seinen Sinnen zu jagen, und diese funktionieren allesamt extrem gut, im Vergleich zu anderen Hunderassen. Ein Podenco sieht, riecht, und hört alles. Amigo hört im wahrsten Sinne des Wortes das Gras wachsen. Im entgeht absolut kein Geräusch!

Hunde die alles wahrnehmen, wirken manchmal wie „hyperaktiv“, weil sie ihre feinen Antennen immer auf Empfang gestellt haben und mit ihren Sinnen alles wahrnehmen. So ist es auch bei den Kindern, die hyperaktiv scheinen oder in eine „ADHS-Schublade“ gesteckt werden und durch ihr manchmal unverständliches, unerklärbares Verhalten, eben noch laut und wild und dann auf einmal so leicht verletzlich zu sein, aber zu den hochsensiblen Kindern gehören. Die Eltern dieser Kinder haben es nicht immer einfach und es bedarf sehr viel Einfühlung, Verständnis und Geduld. Und eins haben hochsensible Kinder und Hunde gemeinsam: auf eine grobe, autoritäre, wenig einfühlsame Erziehung reagieren sie mit Verweigerung.

Mein Podenco Amigo fühlt sich bei vielen Eindrücken in der Stadt sehr leicht überreizt und der feinnervige Hund kommt dann schlecht zur Ruhe. Er braucht seinen Rückzugsort. Dieses Verhalten zeigt sich so, dass er sehr gerne auf dem Rasen liegt und sich sonnt, aber zum Schlafen geht er immer an einen ruhigen Ort ins Haus. Das kenne ich auch nur zu gut. Ich relaxe sehr gerne im Garten, würde dort aber niemals wirklich schlafen können. Es gibt noch viele weitere Beispiele, in denen Amigo von seinem Verhalten oder Charakter her zeigt, dass er definitiv zur Gruppe der hochsensiblen Hunde gehört. Und genau diese Hunde nehmen mehr Reize auf, die verarbeitet werden müssen und dies kann für eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen sorgen. Darum ist es sehr wichtig, dass die hochsensiblen Hunde in ihrem Alltag immer wieder zur Entspannung finden, und dass ihre Überempfindlichkeit auch wirklich ernst genommen wird.


Eine gewisse Empfindlichkeit bei Hunden kann man durch gezieltes Training minimieren. Aber Hochsensibilität/Hochsensivität kann man nicht desensibilisieren, diese ist immer vorhanden.

Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Und sicherlich sind die laufenden Studien zu dem Thema „Hochsensible Menschen“ erst der Anfang. Ich bin mir sicher, dass sich der Focus auch auf die Hunde richten wird. Aber letztendlich ist ein wenig mehr Gefühl ja kein Manko und in jedem Macho steckt auch manchmal eine Mimose. Das ist nicht nur bei den Hunden so, sondern auch bei den Menschen. Und das ist auch gut so, denn es sind doch gerade die feinfühligen, empathischen Menschen, egal, ob Mann oder Frau, die die Welt ein wenig positiver erscheinen lassen und denen ein harmonisches Miteinander am Herzen liegt. Mit viel Gefühl kann sich so auch mehr Mitgefühl entwickeln und die Botschaft „Ich bin wie ich bin – total genial und normal“ wirkt als ein „Mutmacher“ mehr Gefühle zu haben.



Autoreninfo
Sabina Pilguj, Autorin, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Yogalehrerin, IBIZA-Coaching (Ich bin Ich – zentriert und achtsam) – Potentialentfaltung für Hochsensible und Hochsensitive Erwachsene und Kinder, Begründerin von Dog Reläx © - Entspannter Mensch – Entspannter Hund.

Weitere Infos und Blog: www.ibi-za.de

Sabina Pilguj hat das Projekt"Wertschätzung teilen - Empathie verbindet" ins Leben gerufen. "Wie wertvoll und wichtig es ist, Wertschätzung zu teilen, habe ich nicht nur durch Hunde, sondern auch durch meine Arbeit mit Menschen lernen dürfen. Wertschätzung und Empathie zu teilen kostet nichts, nur ein wenig Bemühung". Hier geht es zum Herzensprojekt : www.hunde-weisheiten.de oder Hunde Weisheiten (bei Facebook).

www.dog-relax.com



Buchinfo Buchcover
Das Buch ist überall erhältlich:

„Ich bin wie ich bin – genial und total normal“
• Gebundene Ausgabe: 96 Seiten , 14.60 Euro
• Verlag: ViaNaturale Verlag; Auflage: 1. (1. April 2017)
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3981797817
• ISBN-13: 978-3981797817
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