Wahl-O-Mat

CairnLover
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Original von Shibaherz:

Schon zu DDR-Zeiten, haupsächlich vor 1961, ein Brain-Drain ohnegleichen. 3 Mio. Flüchtlinge insgesamt. Dieser Brain-Drain setzte sich nach 1989 fort.


Das ist eine interessante Sichtweise, die ich so zum ersten Mal lese.

Bisher kenne ich es nur so, dass die Einen unter Lebensgefahr und Zurücklassen von allem, was ihr Leben bis dahin ausmachte, geflüchtet sind, um dem Sozialismus zu entkommen.

Während die anderen dort geblieben sind und nach der Wende anfangs für die 100 D-Mark Begrüßungsgeld in den Westen kamen.

Brain-Drain. Ich lache mich tot. Das würden meine Schwiegermutter und der Rest der 3 Millionen ganz entschieden anders sehen. In einem Land, in dem 1 gearbeitet und 3 subventioniert zugeschaut haben, war dieser Brain-Drain sicher zu verschmerzen.

Aber es sind ja auch Menschen freiwillig in die DDR gegangen. Wie z.B. die Eltern unserer Kanzlerin.

Und sorry. Die FDP ist wirtschaftsliberal, aber nicht Rechts. Nichts soll den freien Handel einschränken. Damit hat sie in der Vergangenheit immer prima zur CDU gepasst.

Sollte die neue Regierung nach Rechts rücken, dann sicher nicht wegen der FDP.
Aber es besteht immer die Gefahr, wie an Volksverhetzer Seehofer gut zu sehen, dass die Parteien nach rechts rücken, um den rechten Rand abzuschöpfen. An ihm ist aber auch gut zu sehen, dass das der betreffenden Partei absolut nichts bringt.
weckener
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Ich habe gelesen, das nun in den Bundestag 78 % Juristen und Rechtsanwälte sind. Da ist es doch kein Wunder, das wir "normale Bürger" und die Abgeordneten sich nicht verstehen. Wo wollen sie unsere Sorgen und Nöte im Alltag verstehen, sie haben ja noch nie damit zu tun gehabt. Ihnen ist es nie passiert, das der Monat mehr Tage als Geld hat, das Alleinerziehende keine Arbeit bekommen, weil sie keine Möglichkeit haben die Kinder unterzubringen. Da können sie uns locker erzählen von Hartz IV kann man Geld sparen um ein neues Gerät, Zahnersatz, Brillen, für die Rente etwas zu sparen.... Mit dem Stift und theoretisch ist das alles rechenbar, aber die Wirklichkeit ist anders. Kochbücher für Bedürftige.... gab es schon früher, der Hausfrau in den 1900 Jahren wurden 3 mal ausgekochte Suppenknochen beim Metzger verkauft um damit eine schmackhafte, gesunde Suppe zuzubereiten..., Tee kann man auch ganz oft wieder nehmen, schmeckt dann immer noch... Ich habe ein solches Kochbuch, erschreckend was da vorgeschlagen wurde...

Mich wundert nun nichts mehr, das im Bundestag so weitab von der Realität entschieden wird....

Ich war in den letzten Monaten vor Grenzöffnung in der DDR, als Bildungsurlaub, wir konnten schon sehr offen miteinander sprechen, trotz amtlichem "Beistand". Wenn wir über unser Leben berichteten, glaubten uns die Menschen nicht, sie haben im Fernsehen Denver und Dallas gesehen und glaubten fest, so leben wir. Von den Ängsten um einen Arbeitsplatz, Reisewünsche, die wir mangels Geld nicht leisten können, Stress... alles haben sie vehement von sich gewiesen und uns als Handlanger des Kaders verdächtigt. Allerdings war es schon so, liebe Mitbürger, die ihre Verwandten im Osten besuchen wollten, haben sich einen Mercedes gemietet, sind aufgetreten wie Graf Koks und haben Märchenstunden wie auf dem Basar gemacht... Dabei waren sie kleine Lichter und hatten ein ganz normales Leben....
Shibaherz
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@CairnLover: in puncto Ökonomie scheinst Du nicht viel drauf zu haben. Schulden sind im Kaitalismus an und für sich nichts Schlechtes, sie gehören notwendig dazu.
Es kommt auf die Kreditwürdigkeit an. Wie kannst Du dann die DDR mit der Bundesrepublik vergleichen? Die DDR-Produkte wurden auf dem Weltmarkt nicht nachgefragt.

Und, CairnLover, ich war als Jugendliche selbst DDR-Flüchtling und weiß, wovon ich rede. Ich habe alles „am eigenen Leib“ erfahren und versucht, ohne Hass zu verarbeiten. Während Du Deine Informationen aus 2. Hand hast und Dir gemäß Deinem ideologischen Schematismus zurechtbiegst.

Es gab in der DDR keine freie Berufswahl. Selbst ein Gregor Gysi musste zunächst mal Rinderzüchter werden Das bestandene Abitur (zur EOS = Erweiterte Oberschule wurde ohnehin nur ein verschwindend kleiner Teil zugelassen) berechtigte nicht zu einem Studium. Es war eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Daneben kam es auf die Bewertung der „gesellschaftlichen Aktivität“ an; die „Arbeiter- und Bauernquote“ musste erfüllt werden; vielleicht galten die Eltern als ideologisch unzuverlässig, hatten Westkontakte usw. usf.
Überhaupt war irgendeine Form von Eigeninitiative in dem System grundsätzlich nicht gefragt.

1958 wurde „Republikflucht“ unter Strafe gestellt; dessen ungeachtet schwoll der Flüchtlingsstrom bis zum Mauerbau kontinuierlich an. Unter den Flüchtlingen waren viele Abiturienten, Studenten und Akademiker. Das ist der „Brain-Drain“, CairnLover, über den Du Dich „totlachst“. Ich weiß nicht, was Du damit meinst: (in der DDR) „... war dieser Brain-Drain sicher zu verschmerzen“. Im Endeffekt eben nicht, und besonders schwer eben auch nach der Wende.

Sowohl vor 1961 wie nach 1989 sind auch andere, aktive Menschen gegangen, die sich eine eigene Existenz aufbauen wollten. Jedenfalls alles Menschen, die sich nicht gern sagen ließen, was sie zu denken und zu tun hätten, Menschen mit Eigeninitiative.

In die andere Richtung setzten sich wenige und eher problembeladene Existenzen ab, z. B. Männer, die ihren Unterhaltsverpflichtungen entkommen wollten.
Der Vater von Angela Merkel dagegen war ev. Pfarrer. Zufällig weiß ich genau über die Nöte der ev. Kirche in der DDR Bescheid und ihre Mühe, Pfarrstellen zu besetzen. Der Rat der EKD hatte bereits 1949 an die westlichen Gliedkirchen appelliert, die Kirchen in der DDR personell zu unterstützen. (Hintergrund: viele Pfarrer aus der SBZ/DDR hatten sich in den Westen abgesetzt).

Was die FDP angeht, ich beurteile sie nach ihren pol. Zielen, nicht nach ihrem wohlklingenden Namen. „Wirtschaftsliberal“ heißt eben auch: möglichst wenig Solidarität mit den Sozialschwachen, möglichst wenig Solidarität mit den schwachen Ländern in Europa.
Auch bei der AfD gibt es immer noch Wirtschaftsliberale, sie mischen sich mit Neonazis.

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CairnLover
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Original von Shibaherz:

@CairnLover: in puncto Ökonomie scheinst Du nicht viel drauf zu haben. Schulden sind im Kaitalismus an und für sich nichts Schlechtes, sie gehören notwendig dazu.
Es kommt auf die Kreditwürdigkeit an. Wie kannst Du dann die DDR mit der Bundesrepublik vergleichen? Die DDR-Produkte wurden auf dem Weltmarkt nicht nachgefragt.

Das war für Jahrzehnte alles kein Problem. Dafür hatte sie den großen Markt Ihrer Besatzer. Und nur weil die die DDR nicht mehr wollten, gab es überhaupt eine Wiedervereinigung. Ist doch ganz einfach.

Man merkt überdeutlich, dass Du ein Kind der DDR bist.
Denn Du siehst dieses Land als autonomen Staat oder schreibst zumindest so darüber.
Andere sehen das völlig anders.
Die sehen, dass dieser Teil Deutschlands nach dem verlorenen Krieg russisches Protektoriat war und dort mit deren Absprache eine sozialistische Regierung aufgebaut wurde.
Dass Adenauer um den Preis eines neutralen Staates nicht bereit war, diesen Teil Deutschlands zurückzunehmen, weil Deutschland verpflichtet wurde, bei der Wiedervereinigung alle Länder zu entschädigen.
Dass dort Menschen lebten, die nicht freiwillig dort lebten und mit den Vorstellungen dieser Besatzer und der installierten Regierung nicht leben wollten.
Da kamen sie nicht her und da wollten sie auch nicht bleiben.

Du kannst in meinen Augen nicht von Brain Drain sprechen. Denn zuallererst hätte das Gehirn dieser Menschen dem Land gehören müssen, in dem sie gefangen waren bzw. den Russen. Das hat es aber in dem Sinn nie getan.

Und so, wie dort intelligente Menschen schon sehr früh behandelt wurden, hat es das Land auch nicht anders verdient, als von diesen Menschen verlassen zu werden. Wer sich denen verweigert hat, wurde in die Kohlegrube geschickt oder ähnliches. Scheiß auf den Intellekt. Das war deren Devise.

Hallo, die Menschen sind geflüchtet. In den Westen. Auch, weil sie da teilweise tatsächlich ursprünglich herkamen.
Wer weiß, wie viele nach dem Krieg aus Russland kommende Männer erst mal dort hängen geblieben sind.
Die haben alles, was sie dort besessen haben, zurückgelassen. Die wollten da auf gar keinen Fall bleiben. Das tut kein Mensch ohne Not.
Und das waren eben die Aktiven. Die sind geflohen, so lange sie konnten.
Für mich bleibt der Begriff Brain Drain in dem Zusammenhang nicht mehr als ein ganz schlechter Witz.

Die Passiven und die, die an das neue System glaubten, sind wohl geblieben.

Nach der Wiedervereinigung sind sehr viele in den Westen gekommen. Die DDR wurde schließlich platt gemacht. Glashütteuhren z.B. wurden hier für 10 DM beim Woolworth verramscht. Was sollten sie machen? Da bleiben und darauf warten, dass sich irgendwann genug Westunternehmen dort ansiedeln?
Trotz aller anschließenden Bemühungen der Regierung hat es für viele Unternehmen ja bis heute nicht gereicht, dort Arbeitsplätze zu schaffen.
Zuletzt geändert am 01.10.2017 19:58 Uhr
Shibaherz
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CairnLover, Du hast sie doch nicht mehr alle
Meinst Du im Ernst, ich sei der Meinung, die Bevölkerung auf dem Gebiet der SBZ/DDR hätte nach dem Krieg bei freien Wahlen dem „sozialistischen Experiment“ unter sowjetischer Regie zugestimmt?

Die Westmächte haben sich Deutschland gegenüber nach 1945 anders verhalten als nach dem 1. Weltkrieg, wegen der Ost-West-Konfrontation.
Deutschland hat inzwischen insgesamt ca.71 Mld. € an Entschädigungsleistungen für Nazi-Unrecht gezahlt, sowohl an Staaten wie an Einzelpersonen (vornehmlich in Israel), was im Lichte der angerichteten Verwüstungen und Tötungen sicher nicht viel ist. Aber solange es keinen Friedensvertrag der ehem. Kriegsgegner mit Deutschland gibt, wird daran wenig zu ändern sein.

Brain-Drain hat mit nationalen oder sonstigen Zugehörigkeitsgefühlen gar nichts zu tun, ist ein quasi-.neutraler Begriff. Man spricht davon auch z. B. im Zusammenhang mit den vielen deutschen Wissenschaftlern, die nach ihren Ausbildungen wegen besserer Arbeitsbedingungen und besserer Vergütung, z. T. auch wegen Familiengründung, in den USA verblieben.

Glashütte übrigens, unweit meines Geburtsortes gelegen, beherbergt inzwischen wieder ein Unternehmen mit Weltgeltung.

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CairnLover
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Original von weckener:

>.... der Hausfrau in den 1900 Jahren wurden 3 mal ausgekochte Suppenknochen beim Metzger verkauft um damit eine schmackhafte, gesunde Suppe zuzubereiten...,


Auch wenn ich dem Rest deines Beitrags zustimme, mit der großen Armut, die im 19. Jahrhundert und auch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert herrschte, kannst Du Hartz4 beim besten Willen nicht vergleichen.

Nur mal zur Erinnerung: Früher mussten Menschen für sich selbst sorgen, egal in welcher Lebenslage sie sich befanden. Dazu mussten auch die Kinder etwas beitragen.
Ab dem 1. Juli 1853 durften Kinder in D erst ab dem vollendeten zehnten, ab dem 1. Juli 1854 ab dem elften und ab 1. Juli 1885 ab dem zwölften Lebensjahr arbeiten. Die tägliche Arbeitszeit für jugendliche Arbeiter unter 14 Jahren wurde auf sechs Stunden begrenzt.
Im Jahr 1891 verbot das Arbeitsschutzgesetz vom 1. Juni 1891 die Beschäftigung von Kindern unter 13 Jahren in Fabriken vollständig.

Ich würde behaupten, dass viele Menschen zu der Zeit nicht so gut leben konnten, wie heute ein Hartz4 Empfänger. Selbst wenn beide Elternteile an 6 Tagen die Woche 16 h in der Fabrik gearbeitet haben, hat das Geld kaum gereicht.
Deshalb gab es Arbeitskämpfe, die auch Todespfer forderten.

Im Vergleich dazu ist das Leben mit Hartz4 totaler Luxus und ausreichend Suppe mit frischen noch nie ausgekochten Knochen sollte damit den Monat über kein Problem sein, wenn man denn kochen kann.
Das ist wohl auch der tiefere Grund, warum es in D Familien gibt, die seit Generationen von Hartz4/Sozialhilfe leben können.

Die Sache ist wohl eher die, dass unser Anspruch an das Leben heute, auch wenn wir in Hartz4 kommen, ziemlich hoch ist und uns die reine Befriedigung von Grundbedürfnissen schon lange nicht mehr ausreicht.
Shibaherz
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OmG CairnLover, woran Du Dich schon wieder aufhängst.
Armut wird immer sozial relativ empfunden. Natürlich schicken arme Leute Hänsel und Gretel heute nicht mehr in den dunklen Wald, schon deshalb nicht, weil dort blutrünstige Wölfe umherstreifen

Luxus ist das Leben mit Hartz IV für einen Deutschen sicher nicht, der seine Möglichkeiten mit denen von Freunden, Nachbarn oder ehem. Arbeitskollegen vergleicht, die ein sicheres durchschnittliches Einkommen auf der Basis einer qualifizierten Berufstätigkeit haben. Auch wenn deren Zahl wegen der vielen prekären Beschäftigungsverhältnisse abnimmt.
Ein afrikanischer Immigrant indessen mag den Sozialtransfer hier als „Luxus“ empfinden, wenn er ihn mit seinem früheren Leben in Afrika vergleicht.

Auch viele DDR-Bürger, wie sie weckener beschrieben hat, empfanden sich als arm im Vergleich zum Luxusleben ihrer westdeutschen Besucher. Und sie empfanden diese Armut zugleich als große Ungerechtigkeit, denn sie sahen sich selbst ja nicht als dümmer oder fauler an als jene.

„Grundbedürfnisse“, auch solche kultureller Art, allgemeinverbindlich festzusetzen, blieb historisch gesehen den Kommunisten vorbehalten.
Womit ich es nicht schönreden will, dass in Teilen der Welt nicht einmal sie befriedigt werden.

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Shibaherz
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@weckener: Vorsicht ist hier angebracht – diese Melodie wird auch auf den Schalmeien der „Rattenfänger“ (nicht bloß von Hameln) gespielt.
„Zu tun“ haben Juristen wohl doch schon mit den Alltagsnöten der Bevölkerung: in Sozial-, Familien- und Amtsgerichten. Sie erfahren sie nur nicht an sich selbst.
Aber es stimmt, das Parlament soll nicht nur für die versch. ideol. Überzeugungen einen Raum der Darstellung und Konkurrenz bieten, es soll auch in seiner Zusammensetzung die unterschiedl. gesellschaftl. Interessen repräsentieren. Aber der Inhaber eines mittelständischen Betriebes, der selbst. Handwerker, ein Facharbeiter und erst recht ein Landwirt können sich eben nicht einfach für eine politische Tätigkeit beurlauben oder beurlauben lassen. Was da bedenklich stimmt, ist generell die Über-Repräsentanz des öff. Dienstes, ob nun wie früher durch Lehrer oder wie jetzt durch Juristen. Das hat dazu geführt, dass der Politikersprech schon lange nicht mehr mit der Alltagssprache übereinstimmt.

Historisch gesehen, ist ein Parlament ohnehin keine volksnahe Veranstaltung, sondern als politisches Instrument der bürgerlichen Schichten gegen die Feudalgewalten entstanden. Das Problem des Nicht-Verstanden-Werdens stellt sich für die Sozialdemokratie heute gravierender als für die bürgerlichen Parteien.

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Zuletzt geändert am 02.10.2017 15:59 Uhr
weckener
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Sicher ist Armut von damals nicht mit der heutigen zu vergleichen, aber ich wollte darauf hinweisen, das Politiker damals wie heute den Betroffenen Ratschläge geben, die wirklich unter aller Vorstellungskraft sind. Da wird vom Jobcenter darauf hingewiesen, langt das Geld nicht, geh doch zur Tafel... Wie viele Alte, die mit einer winzig Rente leben müssen, schämen sich, dort vorstellig zu werden. Die sehen, das bei weitem nicht als normal an, viele haben ihr Leben lang gearbeitet, aber im Niedriglohnbereich, dann kam noch der Euro und es blieb nur wenig übrig. Dann sind viele Verordnungen gekommen, weshalb Kosten nicht übernommen werden, z.B. Brillen, Zahnersatz, Zuzahlungen für Medikamente, usw. Wenn dann Politiker gefragt werden, was sie machen würden, dann hören die Leute nur, wieso ist doch genügend Geld um sich das leisten zu können....
Ja ich weiß, letztes Jahrhundert vor dem Dritten Reich, da gab es auf der Straße wilde Prügeleien von Männern, die ums Essen und über das Überleben kämpften, keine Arbeit hatten.... Nach dem ersten Weltkrieg war ihre Welt zusammengebrochen und Mord und Totschlag war an der Tagesordnung. Ein Grund das Hitler so leichtes Spiel hatte, er versprach Arbeit, Lohn und ein sicheres System. Was er auch zu Anfang gehalten hat, den Menschen ging es besser und wie in der Türkei bei Erdogan, sind sie ihm in allen Dingen gefolgt.
Meine Mutter hat mir oft darüber erzählt, wie sie als kleines Kind nicht allein auf die Straße gehen durfte, weil die Kämpfenden vor niemand Halt gemacht haben...

Zu den Flüchtlingen aus der DDR möchte ich Euch erklären, wie ich und meine Arbeitskollegen die "Flüchtlinge" erlebt haben. In dem Betrieb in dem ich gearbeitet habe, kamen immer wieder welche, die bei uns arbeiten sollten. Es war ein Betrieb wo es Ingenieure und deren Sachbearbeiterinnen gab. Also nur Schreibsachen... , besonders Stressig war es nicht, wir wurden vom Staat unterstützt, durften keine Gewinne machen...
Die geflohenen (noch vor der Öffnung der Grenze) kamen mit sehr hochgesteckten Erwartungen. Sie glaubten, weil sie unter lebensgefährlichen Umständen in den Westen kamen, hätten sie Anrecht auf ganz besondere Behandlung. Besonders erbost waren sie, weil sie nun 8 Stunden arbeiten sollten, wie oft habe ich gehört, "das haben wir drüben auch nicht machen müssen, 2-4 Stunde ok, aber den ganzen Tag???" Zu Anfang haben meine Kollegen/innen sich um sie gekümmert, haben geholfen und versucht sie zu integrieren. Aber nachdem sie oft vor den Kopf gestoßen wurden, war damit Schluss. Die "Neuen" blieben nicht lang, wegen unzumutbaren Arbeitsbedingungen.... Sie wollten nicht einsehen, das das bei uns so läuft....
Sie hatten keine besondere Ausbildung, waren einfach gekommen um besser leben zu können, im Luxus, wie sie glaubten, wie wir leben... Sie haben im TV das gesehen und waren enttäuscht. Einige, das habe ich später gehört, sind wieder zurück in die DDR gegangen... Der Westen hatte für sie nicht viel zu bieten...
Shibaherz
Beiträge: 20947
Der Räsonnements gibt es viele. -
Auf der anderen Seite gibt es auch Erfolgsgeschichten, wie bei einem Neffen von mir, der nach der Wende bei einem westdeutschen Spielautomatenhersteller anheuerte und es dort zum Prokuristen brachte. Ein Sohn von ihm arbeitet bei der Produktentwicklung von Nokia in Stuttgart als Abteilungsleiter.

Wir feiern morgen den „Tag der deutschen Einheit“, haben aber, trotz Länderfinanzausgleich und Soli, in Ost und West weder die gleichen Lebensverhältnisse noch die gleiche mentale Einstellung im Hinblick auf das politisch Wünschenswerte und Machbare. 56 Jahre Diktatur werfen einen langen Schatten.

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