Wahl-O-Mat

tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 9014

na ja ....

die Links führen mich leider immer wieder zu dogSpot in diesen Thread
Allerdings, den Link kopieren und in den Browser einfügen funzt eins A . Zum Glück und demnach hat die AfD hier in meinem Wahlkreis (NRW, Steinfurt 3) 6,3 % Erst- und 6,8 % Zweitstimmen bekommen. Immer noch zuviel, aber immerhin gerade mal die Hälfte vom Bundesergebnis !!!
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Zuletzt geändert am 26.09.2017 15:22 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20947
Ja, Tomstep, finde ich auch beachtenswert. Dafür ist sie im Osten stärkste Partei geworden. Ganz besonders in den grenznahen Regionen zu Polen und zur Tschechoslowakei, was gern unterschlagen wird. Z. B. in Westpolen brummt der Bär, fährt man zurück ins deutsche Vorpommern, denkt man, man ist auf dem Friedhof, so ruhig und still ist es

Christian Lindner möchte keiner Koalition angehören, die ein „Wählerbeschaffungsprogramm für Protestparteien“ sei. Er möchte den Protest lieber selbst anführen. Vorzugsweise in der Regierung, zur Not aber auch in der Opposition. D. h. z. B., Griechenland aus der Eurozone werfen. Oder auch, die Eurozone im Ganzen begraben. Der FDP- Protest betrifft nicht nur und nicht mal in erster Linie die Migrationsfrage.
Deshalb ist der Ausgang der Koalitionsverhandlungen offen und es durchaus möglich, dass wir noch mal zur Wahlurne müssen.
Schäuble hat seinen Stuhl bereits, wenn auch ungern, für einen zukünftigen FDP-Finanzminister geräumt.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 9014
joh, diese sogenannten "Protestwähler" finde ich schon ein seltsames Völkchen. Weil sie den sog. "Volksparteien" einen Denkzettel verpassen wollen, wählen sie die AfD.
Für mich ist das in etwa so: Ich gehe in eine Kneipe und dort schmeckt mir das Bier gar nicht und um dem Wirt dann einen Denkzettel zu verpassen, gehe ich auf die Toilette und trinke aus der Kloschüssel.
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Zuletzt geändert am 29.09.2017 16:53 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20947
Eklig oder lustig, wie man´s nimmt. - Auf das, was ich meinte, gehst Du leider nicht ein. Ich sehe keinen so großartigen Unterschied bei den politischen Hauptzielen von AfD und FDP. Gegen den € zu sein, gehörte zu den Gründungs-Rechtfertigungen der AfD, und das haben sie auch nicht aufgegeben. Sie sind sich auch – gegen die CDU – einig in dem Pochen auf ein Einwanderungsgesetz. Nur die CSU ist so einfältig, immer wieder von einer Höchstgrenze für Asyl-Antragsteller zu faseln.
Die AfD ist was für die „Schmuddelkinder“ (einschließlich der Neonazis, die sie in ihren Reihen duldet). Die FDP bedient das „gehobene Bürgertum“.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 29.09.2017 19:25 Uhr
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 9014
darauf wollte ich auch garnicht eingehen. Mir ging es um die sogenannten Protestwähler und deren, in meinen Augen etwas seltsame Motivation, um sonst nichts !
Aber wie gesagt, ging es.
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Zuletzt geändert am 29.09.2017 21:25 Uhr
CairnLover
  • Begleithund
Beiträge: 809
Wenn ich das hier so lese, frage ich mich, ob man die politischen Ziele der Parteien überhaupt mal alle gelesen hat.
Oder ob man sich mal die verschiedenen Zeitungsartikeln durchgelesen hat, die den Gründen der Ostdeutschen nachgegangen sind.
Ich wage beides zu bezweifeln.

Das Flüchtlingsthema ist nur ein Aufhänger, mit dem man all diejenigen kriegen kann, die sich vom Leben enttäuscht fühlen und die das Gefühl haben, das andere etwas von unserem Geld bekommen, ohne etwas dafür zu leisten. Weil sie das nicht bekommen. Weil sie dank der Gesetze der Schröder-SPD und der Merkel-CDU keine ausreichende Rente oder einen Billigjob haben, von einer Leiharbeit in die nächste kommen, in überalterten Gemeinden leben, weil die Jungen keine Arbeit finden, usw.
Und dabei waren mal blühende Landschaften versprochen worden.

Aber das eigentliche Thema AfD ist knallharte Wirtschaftspolitik, die sind schließlich kein Sozialamt, in einem nach aussen völlig abgekapselten Deutschland mit einem Familienbild wie in der 50ern. Gleichstellung von Mann und Frau ist mit denen nicht zu machen. Frauen zurück an den Herd. Schule und Lesben werden mit denen wohl wieder zu Kriminellen. Zurück zur Atomkraft gehts natürlich auch.

Anstatt sich auf die Flüchtlinge zu konzentrieren, hätte man dem Volk mal die Programme der Parteien etwas näher bringen sollen.

Und sorry. Aber für mich sind und waren CDU und CSU noch nie eine Option. Mich interessiert es nämlich nicht, dass dann der Lobbyismus besonders gut läuft und es allen großen Unternehmen auf Kosten des Volkes super geht.
Mich interessiert es aber durchaus genauso wie die meisten Arbeitnehmer, wenn die Arbeitsverhältnisse mit Leiharbeit und befristeten Jobs immer unsicherer werden, die Arbeitszeit wieder länger, die Rente immer weniger und die Leute dafür immer länger arbeiten müssen und im Prinzip jeder Arbeitnehmer mit ein bisschen Pech in Hartz4 geraten kann.

2003 hatte ich mal eine nette CDU-Broschüre im www entdeckt. Die hat bei Unternehmen mit dem Osten geworben. Aussage- Die Arbeitskräfte sind günstig zu haben und kaum jemand ist in der Gewerkschaft bzw. wird auf seinen Arbeitnehmerrechten bestehen. Das ist die Arbeitspolitik der CDU, der die Schröder-SPD vorher den Tisch gedeckt hat.

So gesehen hätte es schon lange passieren können, dass sich eine Partei den berechtigten Frust der Menschen zunutze macht. Nur dass es gerade eine Partei wie diese sein muss, ist bedauerlich. Denn die ist kein bisschen sozialverträglich und würde uns zurück in die Steinzeit führen.
Shibaherz
Beiträge: 20947
Du kannst ja in Zukunft, mit der SPD oder meinetwegen auch mit der Linken, für soziale Gerechtigkeit, sprich: Umverteilung, kämpfen, CairnLover. Meine Sympathie hast Du.

Das ändert aber nichts daran, dass sich manche Parteien, und eben nicht nur die AfD, ganz andere Gedanken machen.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20324
+ 1
Wenn das Wahlergebnis für mich eins deutlich macht, ist es, dass wir einen Tag der deutschen Einheit feiern, die es in der Realität nicht gibt. Tief im Osten warten Leute seit 27 Jahren vergeblich auf den Gärtner, der ihre Landschaft zum blühen bringt. Man trauert den guten alten Zeiten der sicheren Arbeitsplätze und der sozialen Rundumversorgung nach und ignoriert, dass die DDR pleite war. Was damals die CDU versprochen hatte, sollen jetzt die neuen Heilsbringer der AfD schaffen. Und tief im Westen schimpfen Leute, dass jahrzehntelang ihre Steuergelder in den Aufbau Ost gingen, sie ihre Renten mit Nichteinzahlern teilen müssen und sich dafür auch noch die Nörgelei anhören sollen. Und tief im Süden wird wie eh und je ein eigenes Süppchen gebraut. Einigkeit gibt es nur in Teilen der Bevölkerung bei Zukunftsängsten und Unzufriedenheit, und dort hat die AfD ihren Platz als Sprachrohr und Verstärker. Nur konstruktive, real umsetzbare Lösungsvorschläge kommen von dieser Seite bisher auch in den Landtagen nicht. Ähnlichkeiten mit der FDP sehe ich nicht. Sie kratzt weder am Asylrecht, noch will sie Einwanderer zur Aufgabe ihrer Identität zwingen.

Was ich persönlich, obwohl ich für Meinungsvielfalt in der Volksvertretung bin, sehr bedauere, ist, dass die AfD einige ihrer nicht gesellschaftsfähigen und verfassungsfeindlichen Vertreter in den Bundestag schickt. Für mich ist das keine geeignete Plattform für deren übliches rechtspopulistisches, insgesamt destruktives Gepolter, von dem sich inzwischen nun auch Parteimitglieder distanzieren. Dass man auf die Art keine vernünftige Politik machen kann, sollte doch eigentlich die Trumpelei in den USA zeigen.
Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel alles Übels auf dieser Welt (Paul Farmer)
Shibaherz
Beiträge: 20947
Ja, mit: „man wartet ...“ bist Du auf der richtigen Spur. Über die verbreitete Passivität wurde nach 1989 auch in meiner Verwandtschaft geklagt; so z. B. von einem ehem. Betriebsleiter, der sich als Steuerberater qualifizierte und selbständig machte.
Zu dieser Passivität, i. S. von: das zu tun (und zu lassen!), was einem gesagt wird, wurden die Leute insgesamt 56 Jahre lang angehalten. Arbeitswillig waren sie ja.
Ich erinnere mich noch gut an eine „Jugendweihe“ in meiner sächsischen Verwandtschaft. Auf die Frage, was er denn werden wolle, antwortete der Vierzehnjährige: „Handwerker“. Die ließen sich ihre Dienste schon vor der Wende in harter Währung bezahlen. Er studierte dann nach der Wende Informatik und lebt heute in einem schönen Haus vor Hamburgs Toren.

Da kommt also noch was dazu, zu der verbreiteten Passivität. Schon zu DDR-Zeiten, haupsächlich vor 1961, ein Brain-Drain ohnegleichen. 3 Mio. Flüchtlinge insgesamt. Dieser Brain-Drain setzte sich nach 1989 fort.
(Den gibt es übrigens auch aus Deutschland ins westliche Ausland.)

„Die da oben“ sollen die wirtschaftliche Situation der Unzufriedenen verbessern, und tun es nicht. Dass die Wähler es sich von der AfD erhoffen, daran glaube ich nicht. Eher so: Die AfD macht der „Politikerkaste“ Feuer untern A …, und das „ ist gut so“. Protestwahl für die Marktschreier.

AfD und FDP: Die FDP kratzt nicht am Asylrecht und stänkert nicht gegen Burkas. Und? Sie steht ja für Liberalität, besonders gesellschaftspolitisch und kulturell
Aber sie ist wie auch die AfD strikt gegen die umfangreiche Einwanderung in die Sozialsysteme. Und sie hält auch nichts von einer stärkeren Haftung der EU, sprich: besonders Deutschlands, für die krisengeschüttelten Südländer (nicht nur Griechenland, auch zunehmend Italien!!), etwa durch die Ausgabe von Eurobonds.
Das sind schon zwei gewichtige Gemeinsamkeiten. Macron und Lindner – das sind europapolitisch Gegenpole. Obwohl beide "liberal".
Wenn es zu Jamaika kommt, bedeutet das, dass die Regierung Deutschlands insgesamt nach rechts rückt. Daran ändert die Beteiligung der Grünen nichts.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 01.10.2017 12:02 Uhr
CairnLover
  • Begleithund
Beiträge: 809
+ 1
Original von christianeadler:

Wenn das Wahlergebnis für mich eins deutlich macht, ist es, dass wir einen Tag der deutschen Einheit feiern, die es in der Realität nicht gibt. Tief im Osten warten Leute seit 27 Jahren vergeblich auf den Gärtner, der ihre Landschaft zum blühen bringt. Man trauert den guten alten Zeiten der sicheren Arbeitsplätze und der sozialen Rundumversorgung nach und ignoriert, dass die DDR pleite war.

So könnte man es sehen, wobei ich einwerfen muss, dass die Pleite der DDR meines Wissens in keinem Vergleich zu unseren schon damals beachtlichen Schulden stand.

Aber deine Schilderung wird der Situation meiner Ansicht nach nicht ausreichend gerecht.
Denn die DDR hat, ähnlich wie im Nationalsozialismus, die ideologische Richtung ihrer Bürger schon ab dem Kindergarten gezielt gesteuert. Und die DDR hat in weiten Teilen für ihre Bürger entschieden und festgelegt.
Die DDR hat auch dafür gesorgt, dass rechtsradikale Strömungen und Handlungen offiziell unter den Teppich gekehrt wurden und Ausländer nichts mit der normalen Bevölkerung zu tun hatten.
Wenn in der DDR Ausländer für bestimmte Arbeiten eingesetzt wurden, dann wurden denen Unterkünfte zugewiesen, die weg vom Volk waren.

Nach meiner persönlichen Erfahrung mit einem älteren Ostdeutschen als Kollegen vor ca. 15 Jahren würde ich sagen, dass die sich mit der neuen Freihheit selbst Dinge in ihrem Leben auf ihre Verantwortung entscheiden zu müssen, die vorher der Staat für sie entschieden hatte, schwer tun und das teilweise als völlig überflüssig ansehen.

Aber die haben wohl früher alle heimlich Westfernsehen geschaut und nur gesehen, dass bei uns eben alles im Überfluss zu haben ist, während bei ihnen das Meiste nur über gute nachbarschaftliche Beziehungen und Mund-zu-Mund-Propaganda zu organisieren war.

Die wollten unsere D-Mark, unsere Bananen, neue Strassen und die Stasi loswerden. Aber den Rest, den wollten sie eigentlich gar nicht.

Original von christianeadler:

>Was damals die CDU versprochen hatte, sollen jetzt die neuen Heilsbringer der AfD schaffen.


Das ist nicht anzunehmen. Allerdings vorstellbar, dass sich manche einen neuen Systemwechsel vorstellen können.

Was ich persönlich, obwohl ich für Meinungsvielfalt in der Volksvertretung bin, sehr bedauere, ist, dass die AfD einige ihrer nicht gesellschaftsfähigen und verfassungsfeindlichen Vertreter in den Bundestag schickt. Für mich ist das keine geeignete Plattform für deren übliches rechtspopulistisches, insgesamt destruktives Gepolter, von dem sich inzwischen nun auch Parteimitglieder distanzieren. Dass man auf die Art keine vernünftige Politik machen kann, sollte doch eigentlich die Trumpelei in den USA zeigen.

Trump und Erdogan zeigen doch im Gegenteil, dass man sehr gut damit Politik machen kann. Auch wenn einem dabei zuweilen die Worte fehlen.

Frauke Petry hatte im April noch versucht die AfD auf einen gemäßigten Kurs zu bringen und hat damit total versagt. Die AfD ist statt dessen noch weiter nach rechts gerückt.

Die AfD muss populistisch Poltern, weil das Teil ihres Wahlkampfs war und ihrer politischen Richtung ist.
Spätestens seit April ist klar, dass es die AfD mit einer Art rechter wirtschaftsliberaler Heim-ins-Reich-Ideologie und die des Nationalen Wirtschaftsliberalismus gibt.
Petry will mit Rechts und Populismus nichts mehr zu tun haben, da das nicht ihre politische Ausrichtung ist. Sie hatte auch nichts weiter mit dem Wahlkampf zu tun.
Ihr werden andere folgen, die auf ihrer Seite stehen. Ich bin sicher, es gibt noch weitere AfD-Austritte.
Wir werden also im Bundestag eine eigene von der AfD abgespaltene Oppositions-Gruppe erleben.
Opposition werden wir jetzt genug haben. Mutti wird es echt schwer haben.

Gewählt wurden die Populisten. Ohne wenn und aber.
Und die werden wir jetzt erleben. Von einem nicht unbedeutenden Teil wurde die AfD dafür gewählt.
Es kommt nicht von ungefähr, dass nach einer Umfrage ein großer Teil der AfD-Wähler keine Probleme mit deren rechten Sprüchen hat.
Und sorry, wer so eine Partei wählt, kann nicht sagen, das war nur Protest. Da muss die Zustimmung immer noch größer als die Abneigung sein.

Populismus wird durch die AfD auch in D wieder gesellschaftsfähig werden. Es ist, als hätte einer den Deckel aufgemacht und nun kommt die schmutzige Unterwäsche zum Vorschein, die man seit 70 Jahren unter Verschluss halten konnte. Aber genau betrachtet war sie war immer da. Nur jetzt kann sie auch jeder wieder sehen.
Kostenlos anmelden
MY dogSpot - LOGIN
Passwort vergessen?
Gerade online
CEEYEET
CEEYEETOnline seit
8 Minuten