Schutzinstinkt bei Herdenschutzhunden

Gast
Hallo,

moechte hier einmal auf den Schutztrieb des HSH eingehen.... dessen auffaelligste Wesenseigenschaft ja nunmal der Schutztrieb ist. Und dieser natuerlich in manchen Faellen zu Problemen oder sagen wir mal netter ausgedrueckt zu Missverstaendnissen fuehren kann.

Obwohl sich ein HSH mutig und entschlossen allen moeglichen Gefahren stellt, die sein Territorium oder seine Herde oder seine Familie bedrohen, und er auch vor einem evt. notwendigen Angriff nicht halt macht, greift er in der Regel jedoch nicht unvorhergesehen einfach an. Zunaechst versucht er durch eindeutige Drohgebaerden den Feind einzuschuechtern und zu verjagen.
Wenn man diese Hunde in einem Rudel beobachtet, kann man feststellen, dass sie sogar eine Art Strategie benutzen, ganz besonders kann man dieses Verhaltensmuster noch bei Herdenschutzhunden im Einsatz bei Schafherden beobachten. Der Angriff eines einzelnen oder eines gesamten Rudels erfolgt aber mit grosser Wahrscheinlichkeit, wenn sich der "Feind" nicht zurueckzieht.

Der Schutztrieb ist angeboren und bei kaum einer anderen Rasse so stark ausgebildet wie bei den Herdenschutzhunden. Ganz besonders wird das Territorium und alles darauf befindliche verteidigt. Das koennen Nutztiere, andere Haustiere und natuerlich auch der Mensch sein. Obwohl der Hund nicht unbedingt eine innerartliche Beziehung zu eine Katze oder einem Schaf aufbaut und auch nicht unbedingt grossartig mit diesen kommuniziert, sieht er dennoch diese Tiere als sein Rudel an. Den Menschen ja sowieso...

Ein sehr haeufig zu beobachtendes Ueberbleibsel vom Urvater Wolf ist das Markieren des Territoriums. Trotz Domestikation legen heute noch alle Rassen dieses Verhalten an den Tag (ganz besonders Rueden). Bei Herdenschutzhunden bei der Arbeit dient dieses Markieren sogar recht erfolgreich der Wolfsabschreckung.

Viele haben mit ihrem HSH schon aehnliche Beobachtungen gemacht: geht man oefters die gleichen Spazierwege, wird dieser eines Tages von dem Hund als "sein Territorium" betrachtet., welches er logischerweise auch gegen "Eindringlinge" verteidigt. Sehr zum Leid des HH kann dies auch mal ein Spaziergaenger sein oder ein HH mit einem Hund.

Bei den meissten HSH ist der Schutztrieb so stark ausgebildet, dass sehr viele seiner Verhaltensweisen darauf zurueckzufuehren sind, also dem Schutztrieb zu Grunde liegen. Meiner Meinung nach ist es nicht moeglich diesen Schutztrieb zu unterdruecken oder gar wegzuerziehen. Ich rate auch allen Haltern davon ab, dieses zu tun, denn es ist mit hoechster Wahrscheinlichkeit nicht mit Erfolg gekroent und fuehrt damit sicher zur Frustration von Halter und Hund.
Die einzige erfolgversprechende Moeglichkeit sehe ich diesen Schutztrieb in abgeschwaechter Form zuzulassen und ggf umzulenken oder durch ein Abbruchssignal nicht weiter zu foerdern. Um ein Leben mit diesen wehrhaften Hunden in Frieden fuehren zu koennen, bedarf es natuerlich in erster Linie einer funktionierenden Familien- Rudelstruktur sowie ein fuer den HSH angebrachtes Erziehungsmodell.
Gast
...das sehe ich genauso. Der naürliche Schutztrieb sollte nicht unterdrückt oder sogar gebrochen werden. Durch meine Homepage habe ich viel Kontakt mit anderen Menschen, die besinnlich mit einem HSH zusammen leben aber eben auch jene Menschen, die daran verzweifelt sind, weil sie einen HSH nicht verstehen könne oder wollen. Leider ist es oft so, das einige Menschen die weißen Welpen so toll finden und sich aus diesem Grund einen HSH zulegen ohne überhaupt zu wissen, was man sich eigentlich ins Haus holt. Ich war ja leider auch beim ersten Kuvasz so blauäugig!!!

Aber das schlimmste finde ich, wenn sogenannte "Hundeschulen" meinen einen HSH brechen zu müssen, damit er gut in der Familie läuft. Daraus resultieren große und meist sehr gefährliche Situationen im Alltag. Deswegen sollte die Hundeschule gut ausgesucht sein!!!!
Gast
Ich habe auch von Geschichten gehoert, wo Hundeschulen, den Halter ganz verrueckt gemacht haben und meinten aus dem Hund wird nie etwas!!! Die haben echt keine Ahnung gehabt.

Man sollte sich wirklich eine passende Schule suchen oder liebe drauf verzichten, denn ich glaube, manchmal macht man da mehr kaputt.
Napoleonamidala
  • Forenwelpe
Beiträge: 6
dem kann ich nur zustimmen. Nachdem ich den Hundeverein bzgl. Leinenruck verlassen habe wandte ich mich an eine Hundetrainerin die sich damit rühmte Hundepsychologien zu sein und eine staatlich anerkannte Linzenz als Hundetrainerin besäße. Was sie so erzählte hörte sich auch nicht schlecht an ABER schon in der dritten Stunde kam der Leinenruck. Ja Hallo dachte ich mir, so viel Geld für eine Stunde und dann mit Leinenruck. Nicht mit uns, die Trainerin brauchte mit uns nicht mehr trainieren.Nach weiterem suchen fand ich endlich die Trainerin.
Ihre Ausbildung hat sie bei Animal learn nach Clarissa von Reinhardt gemacht. Hat selbst drei Hunde und darunter einen HSH. Keine Gewalt kein Geschrei nur Motivation Unterbrechung und den Hund schon vorher lesen zu lernen. Es funktioniert. Wenn Fehlverhalten (wenn wir es mal so nennen wollen) statt findet,hab ich den richten Zeitpunkt verpasst wo ich hätte die Situation übernehmen müssen. Aber wir arbeiten ja daran. Wir haben nun mal die etwas anderen Hunde.
Gut ist es wenn sich HH egal wie sie zu einem HSH gekommen sind, sich die Mühe machen den Hund zu verstehen und sich immer wieder zu informieren. Ich habe zwar auch oft Stress mit unserem Rüpel aber missen möchte ich ihn nicht mehr.
Ein Hund der bellt, ist mehr wert, als ein Mensch der lügt.
Gast
Ja unsere Hunde sind schon "etwas anders", aber mir gefaellt auch genau DAS! Es ist eine Herausforderung und ich glaube sogar, dass es bei mir so ist, dass ich sie auch einfach so mag wie sie sind
Aikyo
  • Forenwelpe
Beiträge: 4
Unsere Aikyo zeigt alles wie es in den >Büchern über HSH steht, aber ich habe auch gesehen, dass man mit viel Geduld und Streicheleinheiten einen sehr gut sozialisierten Hund bekommen kann.
Wir fangen auch eine Ausbildung zum Therapiehund an, die Leiterin hat selbst mehrere Kuvacs und versteht diese Hunde daher sehr gut--sie hat uns auch dazu ermuntert mit Aikyo die BGHa Prüfung zu probieren und wir haben bestanden--mit nur 3 Wochen üben und keinerlei Erfahrung mit Hundeschulen -- weil wir leider in unserer Nähe eben keine gute Hundeschule gefunden haben!
Ganz libe Grüße an alle Roswitha
leomal
  • Forenwelpe
Beiträge: 90
Ich hatte vor unserem Benny ja einen Pyrenäenberghund, Tajo, ein stattlicher Rüde. Wir wohnen ländlich und haben ein riesiges Grundstück (4000 qm) eingezäunt wo die Hunde sich frei bewegen können und von dort können sie auch jederzeit ins Haus. Unser Tajo hatte gar nicht einen so starken Schutztrieb außer es wurde dunkel. Ich habe mit ihm eine Hundeschule in der Nähe besucht und meine Trainerin kannte sich m.E. sehr gut aus, sie hat von Anfang an gesagt daß ich den Hund zu nichts zwingen kann aber mit Konsequenz, Liebe und ein paar Leckerchen würde es schon gehen. Es hat geklappt, manchmal bin ich ein wenig von anderen Hundebesitzern belächelt worden wenn Tajo überlegt hat ob das was ich ihm sage wohl richtig ist, letztlich hat er es aber dann doch gemacht, hat halt alles ein wenig länger gedauert. Er war sehr verträglich mit anderen Hunden und man konnte ihn überall mitnehmen, Urlaub, Stadt usw. Er liebte die Menschen besonders Kinder.

Nach einem Jahr sind wir dann zur Begleithundeprüfung angetreten. Der Prüfer hat gelacht und zu meiner Trainerin gesagt: "Na da bin ich ja mal gespannt!"

Ich war sehr nervös aber Tajo strahlte eine Ruhe aus die mich zuversichtlich machte, schließlich hatten wir nichts zu verlieren die Prüfung sollte nur eine Bestätigung unserer Arbeit sein. Ich bin heute noch stolz drauf wenn ich daran zurückdenke. Der Prüfer war total begeistert und wir sind dann auch noch Tagessieger geworden. Der Pokal und die Urkunde haben heute noch einen Ehrenplatz.
Mit unserem Benny (Hovawart) habe ich auch die BH abgelegt, das war auch toll und ich freue mich auch darüber, aber mit Tajo war es etwas besonderes, so wie er auch ein besonderer Hund war. Leider mußten wir ihn mit fast 6 Jahren einschläfern lassen. Knochenkrebs der gestreut hatte (wen es interessiert: Die ganze Geschichte steht in seinem Profil). Ich hätte gerne wieder einen Herdenschutzhund, aber nach Tajos Tod konnte ich nicht ertragen einen großen knuddeligen Bären zu sehen ohne ganz traurig zu werden. Ich habe mich für den Hovawart entschieden weil ich gerne einen Hund haben wollte der auch etwas sportlich ist, wachsam und nicht zu klein. Meine Entscheidung war richtig für die jetzige Lebenssituation. Aber ich weiß schon heute daß Tajo nicht mein letzter Herdenschutzhund war oder ein anderer Riesenhund in unsere Familie kommt.
Gruß Anja
Zuletzt geändert am 25.01.2010 16:28 Uhr
Gast
Original von leomal:

... Es hat geklappt, manchmal bin ich ein wenig von anderen Hundebesitzern belächelt worden wenn Tajo überlegt hat ob das was ich ihm sage wohl richtig ist, letztlich hat er es aber dann doch gemacht, hat halt alles ein wenig länger gedauert.

Hehe dieses "Ueberlegen" kenne ich auch!!! Aber wenn sie erstmal wissen, dass es sich wirklich lohnt, geht es.
Piggeldy
  • Begleithund
Beiträge: 1441
Ich kann euch in allen Punkten nur zustimmen.

Täglich arbeite ich mit allen erdenklichen Rassen und Mixen.
Unter ihnen sind die HSH etwas ganz besonderes.
(Das könnte jetzt so eine Art Liebeserklärung werden )

Ich liebe ihre Ruhe und Souveränität, die sie ausstrahlen, ebenso ihre Treue, Unbestechlichkeit, Stolz und den Dickschädel.
In meinen Augen die wunderbarsten Hunde, die ich kenne.
Was den Schutztrieb betrifft, bin ich der gleichen Meinung, Bianca.
Man KANN ihn nicht aberziehen, lediglich mildern, den Hund in bestimmten Situationen bremsen. Das aber immer wieder.
Ich glaube, Geduld ist das Zauberwort im Umgang mit den HSH.
Hunde sind bodenständig, der Mensch ist abgehoben (Michael Grewe)
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