POPC - was meint Ihr dazu?

Shibaherz
Beiträge: 21219
+ 1
POPC ist die Abkürzung für "permanently online, permanently connected".
Was meint Ihr dazu, wie sich das im Alltag auf den Einzelnen und auf das soziale Miteinander auswirkt?
Segensreich oder verhängnisvoll?
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
halunke
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Beiträge: 1222
verhängnisvoll!
Viele Leute glauben zu denken, wenn sie lediglich ihre Vorurteile neu ordnen!
-William James-
filou23377
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Klingt wie eine Krankheit , und ist es wohl auch.
Gast
  • Rudelbeschützer
Original von filou23377:

Klingt wie eine Krankheit , und ist es wohl auch.
Und so sieht man dann aus
Liebe Grüße von Melwin.
Shibaherz
Beiträge: 21219
+ 1
Es ist eine Art der Kommunikation, die in wachsendem Ausmaß unseren Alltag prägt, das sieht man ja an jeder Bushaltestelle, in jedem U-Bahn-Wagen. Natürlich hauptsächlich bei den Jüngeren.
Mich interessiert nicht in erster Linie, was das für Folgen für die Arbeitswelt und die Bildungseinrichtungen (wo Wissenszugang zunehmend eigene Wissenserarbeitung ersetzt) hat, sondern was es für die sogen. „privaten“ Beziehungen der Menschen untereinander bedeutet.
Räumliche Nähe wird ersetzt durch ständige Erreichbarkeit, ganz wichtig. Ganz wichtig ist auch, möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen, die ist „soziales Kapital“. Z.B. bei Facebook durch „Likes“, die ersparen die Anstrengung eigener Meinungsbildung. Fördert POPC die Unverbindlichkeit? Der Abbruch einer irgendwie unbefriedigenden Beziehung erfordert kein anstrengendes aufklärendes Gespräch mehr, eine SMS tut´s auch.
POPC kann ja auch positive Effekte haben, mir fallen sie nur im Moment nicht ein.
Dient es auch der sozialen Abgrenzung, ist es auch eine Prestigesache? Ständig seiner Umgebung zu demonstrieren, dass man als Kommunikationspartner gefragt ist? Die Kommunikation mit der unmittelbaren Umgebung wird dadurch jedenfalls erschwert bzw. verunmöglicht.


Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 22.02.2016 02:39 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20328
+ 2
Ich antworte lieber ausführlicher, denn grundsätzlich kann aus meiner Sicht ein Kommunikationsmittel an sich weder Segen, noch Fluch sein. Entscheidend ist, wie der Mensch es benutzt. Negative Aspekte hat jede Neuerung. Hätten die Menschen das Rad nicht erfunden, gäbe es heute keine Verkehrstoten bei Autounfällen. Ohne Motoren gäbe es weder Globalisierung, noch Umweltverschmutzung im heutigen Ausmass.
Selbstverständlich gibt es Internetsucht und Leute, die mit hundert Statusmeldungen am Tag ihren fünftausend "Freunden" mitteilen müssen, dass sie gerade eine Currywurst esssen. Das ist für mich aber nichts Anderes als Frau Meier, die mir beim Einkauf unbedingt erzählen muss, dass Frau Müller, die ich doch bestimmt kennen würde, gestern Besuch von ihren Enkeln hatte. Es interessiert mich nicht, vielleicht nervt es manchmal, ab und zu frage ich mich, ob diese mitteilungsfreudigen Zeitgenossen nichts Besseres zu tun haben, aber tragisch finde ich es nicht. Ich glaube auch nicht, dass es einen Unterschied macht, ob man solche eingleisige Kommunikation mit dem Nachbarn übern Gartenzaun, per Rauchzeichen, Telefon oder Internet führt. Höchstens nervt man ein paar Leute mehr.
Was ich beunruhigend finde, ist Realitätsverlust (mein Haus brennt, das muss ich schnell bei Facebook posten) und Sensationsgier (wer postet das erste Bild vom abgestürzten Flugzeug). Ob das allerdings mehr geworden ist oder nur auf einer öffentlicheren Plattform stattfindet, könnte ich nicht beurteilen. Gaffer, die die Hilfskräfte behindern, und teilnahmslose Zuschauer, wenn Menschen verprügelt oder vergewaltigt wurden, gab es schon immer. Heute werden sie durch die ständig verfügbare Miniaturtechnik zu Fotos und Videos inspiriert. Und ob die Kids an der Bushaltestelle nun mit dem Tablet online sind oder sich mit Ohrstöpseln ihre Musik reinziehen oder mit dem Ghettoblaster auf der Schulter Passanten nerven, ist für mich Zeitgeist und war immer unkommunikativ. Das Freundesammeln ist auch nichts Neues. Zu meiner Jugendzeit wetteiferte man um die meisten Einträge im Poesiealbum und die entferntesten Brieffreundschaften. Wer sich profilieren wollte, hat schon immer Wege gefunden. Dafür brauchte man kein Internet.

Für mich ist online sein in erster Linie positiv. Ich lasse mir Einkäufe an die Haustür bringen, kommuniziere mit Menschen, die hunderte Kilometer entfernt sind, profitiere von der internationalen Nachrichtenvielfalt, benutze Wanderkarten und Navigationssysteme auf meinem Smartphone, wenn ich (z. B. auch mit den Hunden) unterwegs bin. streame Filme und Musik, vertreibe die Langeweile bei Wartezeiten, nutze Onlinespeicher zum Teilen mit Freunden... Ich bin täglich viele Stunde online, und das Internet ist ein Hilfsmittel im realen Leben. Wermutstropfen ist nur, dass ich mich selbst dadurch ständig überwachbar mache.
Und noch viel wichtiger als für mich finde ich die Möglichkeiten der Onlinedienste für Menschen, die nicht mobil sind oder in abgelegenen Winkeln der Welt leben. Man hat Kontakt zur Aussenwelt, vielfältige Bildungs- und Freizeitangebote, aus meiner Sicht eine Verbesserung der Lebensqualität.
Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel alles Übels auf dieser Welt (Paul Farmer)
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 9115
für mich ist das wie bei tausenden von anderen Sachen auch eine Frage der Dosierung ! Wenn ich nur noch über eine "Tastatur" kommunizieren kann oder/und will , habe ich (in meinen Augen !) etwas gründlich falsch Verstanden .
Ich sehe das so ähnlich wie bei der Pflanze Fingerhut.In der richtigen Dosierung kann sie z.B. eine Herzschwäche erträglich machen (Digitalis) , aber überdosiert tötet diese Pflanze (ist nur ein Vergleich der zugegeben reichlich übertrieben ist !).
Klar tötet eine Überdosierung von online Kommunikation kaum , oder nur in ihren bizarresten Auswüchsen , aber sie kann durchaus "abstumpfen" oder zu Blüten führen die sehr seltsame Formen annehmen (in meinen Augen zumindest).
Das wirklich gute daran ist das ich selbst für mich entscheide wie weit und in welcher Form ich was nutze und somit ich allein entscheiden kann was , oder was ich nicht tue

"Alt gewordenen Pferden das Gnadenbrot zu geben und Hunden nicht nur, wenn sie jung sind, sondern auch im Alter Pflege angedeihen zu lassen, ist Ehrenpflicht eines guten Menschen."(Plutarch von Chäronea, 45 - 120, griechischer Philosoph)
Zuletzt geändert am 22.02.2016 16:47 Uhr
lillymäuschen
  • Begleithund
Beiträge: 852
+ 1
ich persönlich muss nicht ständig online oder ständig erreichbar sein....
hin und wieder suche ich ein paar Informationen im Netz und ich bin hier im Forum....das war`s für mich, kein Facebook oder Instagram....
wenn ich mal was bestellen muss, erledige ich das telefonisch aber meisten gehe ich ins Geschäft....
bei unserer üblichen Gassirunde lasse ich mein Telefon Zuhause....nur bei längeren Runden nehme ich es mit, falls mal was ist...wenn ich mit den Hunden gehe, will ich meine Ruhe haben und nicht das Telefon am Ohr...mit meinem Smartphone war ich noch nicht einmal im Internet, ich habe nicht eine einzige App und in meinem Freundes und Bekanntenkreis bin ich die Einzige, die kein Whatsapp hat....will ich nicht, brauch ich nicht....
ich sitze desöfteren bei Ärzten im Wartezimmer und wundere mich jedes Mal, das die Leute ständig ihr Telefon in der Hand haben und das ist nicht nur die jüngere Generation...ich muss nicht ständig meinen Freunden mitteilen, wo ich gerade bin, was ich gerade mache oder was ich gerade esse...ich bin auch der Meinung "alles in Maßen"...
Man kann nicht alle Hunde dieser Welt retten.....
aber für einen Hund die ganze Welt!!!!!

eine der blamabelsten Angelegenheit der Menscheit ist, dass das Wort Tierschutz geschaffen werden musste (Theodor Heuss)

Ein Leben mit Hund bedeutet unter Umständen auch mal die eine oder andere Katastrophe. Ein Leben ohne Hund wäre von vornherein schon eine Katastrophe.
meerestaucher
  • Hundetrainer
Beiträge: 4196
ich find facebook sehr praktisch, weil ich viele leute auf der ganzen welt kenne, und das das optimale kommunikationsmittel ist. besser als irgendwelche email adressen, die man dann irgendwo verliert. email nutz ich privat schon fast gar nicht mehr, weil ich auf facebook alles gelistet hab und sehe wer online ist.

posten tu ich allerdings selten, das find ich dann eher nervig, aber ich hab viele interessante seiten geliked (sei es jetzt z.B. Hundetrainer, oder die New York Times etc) und krieg da eben jeden Tag viel interessantes zu lesen. Dazu dann noch ein paar Gruppen.

Beruflich muss ich auch eine Facebookseite betreuen, und da jeden Tag posten, das nervt dann etwas weil man jeden tag kreativ sein muss.

smartphone hab ich, ist aber meistens nicht aufgeladen und liegt irgendwo rum. ist mir zu viel gefummel, da hab ich lieber mein laptop oder den desktop. ist praktischer.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
Shibaherz
Beiträge: 21219
+ 1

Zwei paar Schuhe

„Segensreich“ oder „verhängnisvoll“ war ironisch gemeint

@Christiane: Ich zweifle keine Sekunde an Deiner Souveränität im Hinblick auf die Nutzung der Angebote der Unternehmen für Kommunikationstechnik. Aber dieses individuell selbstbestimmte Verhalten und das, was sich als gesellschaftlicher Trend im Umgang der Menschen miteinander ausmachen lässt, sind eben zwei paar Schuhe. - Als Gemeinsamkeiten zwischen Dir und Durchschnittsbürger Max Mustermann würde Big Brother dementsprechend nur festhalten: POPC-Wert: 4:35 Std. (bspw.); Bewertung der Verfügbarkeit des Netzes: positiv.

Ich versuch´s noch mal mit meinem akademischen Kauderwelsch (bitte nicht böse sein ) und beziehe mich dabei frei auf die Erörterung in ZEIT online vom 11.2.2016: „Das neue Normal“. Dort werden neben Auswirkungen in den Bereichen Problemlösungen, Verschiebung von Bedürfnissen und Veränderungen im individuellen Selbst (Performance ersetzt Authenzität) auch folgende plausible Auswirkungen auf menschliche Beziehungen gemutmaßt:


BEZIEHUNGEN

1) Räumliche Nähe wird durch Erreichbarkeit ersetzt: der POPC-Modus hebt auch situationsbezogene Distanzen auf (während einer Konferenz, einer Vorlesung, eines Arzt- oder Restaurantbesuchs oder sogar einer intimen Begegnung)
2) Konversationsfäden ersetzen Gespräche: Kein Anfang, kein Ende. Latentes Dauergeschwafel.
3) Unverbindlichkeit ersetzt Zuverlässigkeit: Schnelle Zusagen, schnelle Rücknahmen.
Vermeidung von Festlegungen. Optionen sollen offengehalten werden
4) Soziale Kontrolle ersetzt Vertrauen: Als WhatsApp-Nutzer weiß ich nicht nur, wann mein Partner zuletzt online war – ich sehe auch, wie schnell eine Nachricht von mir an ihn von ihm gelesen wurde.
5) Aufmerksamkeit ersetzt Wertschätzung: Wir werden im POPC-Modus ständig mit neuen Infos überflutet. Die neue Währung sozialer Anerkennung heißt: Aufmerksamkeit
(Likes, smileys,, Kommentare)
6) Dabeisein ersetzt Nacherzählungen: „Das Erzählen von Erfahrungen verlagert sich auf das mobile Endgerät“. Photos und Videos vergegenwärtigen „anschaulicher“.


Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 23.02.2016 08:02 Uhr
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