Obdachlose als Hunde-Walker - was haltet Ihr davon?

tomstep
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ich bin ausserdem davon überzeugt, dass die Sozialarbeiter und - innen der ev. Wohnungslosenhilfe mit Sicherheit alle gesetzlichen, u.s.w. Vorschriften komplett einhalten. Schon alleine darum, weil es ja eine Art Modellversuch ist, diesen "Hundeausgehdienst" auf die Beine zu stellen, zu betreuen und vor allem zum Erfolg verhelfen zu wollen.
Da werden die Diakoniemitarbeiter ganz bestimmt genau darauf achten, das es nicht wegen irgendwelchen bürokratischen Versäumnissen den Bach runter geht.
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Catalou
  • Begleithund
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Dieser Modellversuch ist sicher OK und ich wollte ihn auch nicht schlecht machen.

Mir geht es darum, wie viele Obdachlose es gibt, die gerne an so einem Projekt teilnehmen möchten und welche Möglichkeiten es gibt, daran teilnehmen zu können/dürfen.
Ich nehme an, dass der Obdachlosigkeit der Verlust des Arbeitsplatzes und der Familienbeziehungen voran ging und wer noch nicht Suchtkrank wurde, sollte diese Chance bekommen können. Nur - es gibt mehr Obdachlose, als Hilfsprogramme für diese Menschen und nicht jede Stadt/Bundesland bietet den Hundehaltern einen Hundeausgehdienst, der vertrauenswürdig ist.
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20324
Daran könnte sich doch aber was ändern, wenn so ein Pilotprojekt gut läuft. Anders sind doch auch heute fest verankerte Institutionen wie die Tafel oder Gebrauchtartikelmärkte für Bedürftige nicht entstanden. Irgendjemand muss anfangen, und ich würde mich z. B. bei so einem Projekt gern ehrenamtlich engagieren, weil es für alle Beteiligten, Obdachlose, die einen Weg in die bürgerliche Gesellschaft suchen, Hunde und ihre Halter ein Gewinn ist.

Ich halte die rechtlichen Fragen zwar durchaus für wichtig, weil ich z. B. meine Tiere nie von jemandem betreuen lassen würde, der nicht versichert ist. Da es sich bei Dogwalker, Gassigeher oder Hundesitter aber nicht um anerkannte Berufsbezeichnungen handelt, unterliegen, § 11 des Tierschutzgesetzes hin oder her, auch die Auflagen der Willkür der regionalen Veterinärämter.
In unserem Nachbarbezirk in Niedersachsen kenne ich z. B. eine Dogwalkerin, ehemalige Langzeitarbeitslose nach der Schecker- Pleite. Sie brauchte, wie wohl auch die Obdachlosen in Mainz, nur den einfachen Sachkundenachweis und den Erste- Hilfe- Schein, eine Investition von nicht einmal hundert Euro, die man wohl für einen Neuanfang riskieren kann. Sie verdient übrigens inzwischen trotz fehlender Arbeitgeberanteile zur Kranken- und Rentenversicherung mehr als in ihrem vorherigen Job, was der Aussage in dem Artikel widerspricht, dass man mit der Arbeit keine nennenswerten Gewinne erwirtschaften könnte. Die Kunden zahlen hier auf dem Land zwischen 5 und 15 Euro pro Stunde, gestaffelt nach den jeweiligen Bedürfnissen, z. B. Gruppen- oder Einzelspaziergang, mit oder ohne Training, verträglich und leinenführig oder nicht.... Als haushaltnsahe Dienstleistung ist die Beaufsichtigung seines Hundes wie eine Reinigungskraft für den Kunden steuerlich absetzbar und darum gerade für viele gut verdienende Arbeitnehmer interessant.
Wenn ich mir ihre Kunden ansehe, leistet sie auch noch was für den Tierschutz, denn mancher Hund sässe ohne sie im Tierheim, weil sich seine Familie getrennt hat und er nun bei einem Vollzeit Arbeitenden lebt, weil am neuen Arbeitsplatz kein Hund mitgebracht werden kann, weil die Besitzer krank geworden sind.... Ich glaube, dass durch die Wichtigkeit das Selbstwertgefühl Auftrieb bekommt, nachdem die Gesellschaft einen vorher als nutzlos abgestempelt hatte, ob nun langzeitarbeitlos oder obdachlos.
Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel alles Übels auf dieser Welt (Paul Farmer)
Lincan
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Beiträge: 1318

Shibaherz

Jetzt musste ich es erstmal nachlesen

Es sollte "Vermittlung von Hundewissen" geschrieben sein ( bin mit Handy rein).

Kam mein Beitrag hier falsch rüber? Ich bin nicht gegen solche Projekte - im Gegenteil. Aber ich weise ausdrücklich auf die rechtlichen und versicherungstechnischen Aspekte hin, die immens wichtig sind! Hier gab es zum Beispiel eine junge Frau mit chronischer Geldknappheit. Die hat ihren Gassihund im Wald frei laufen lassen, wo sich dieser einen dicken Knüppel schnappte, damit weglief und parkende Autos beschädigte. Dummetweise gab der Halter an, dass er die Frau für ihre Dienste bezahlt hat. Daher konnte er den immensen Schaden selbst tragen, da bei der jungen Frau nichts zu holen war und sie keine Betriebshaftpflicht hatte.

Mir fällt noch etwas ein: was sagen denn die angemeldeten Dogwalker dazu, die selbständig arbeiten, eine Betriebshaftpflicht haben und sich selbst krankenversichern müssen? Ich kann mir vorstellen, dass diese es nicht so toll finden.....

Wie dem auch sei - ich persönlich finde solch ein Projekt grundsätzlich gut. Wer aber glaubt, dass Vorstände und Projektleiter alle Dinge gut rechtlich abklopfen oder abgeklopft haben, hat viel Vertrauen in Pöstchenbesetzer
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1927
+ 2
Die Frage dieses Threads war, was man von dem Projekt "Obdachlose als Hunde-Walker" hält. Das Projekt ist OK, aber man wird sehen, wie es damit weitergeht und inwieweit und für welchem Zeitraum es von den Obdachlosen angenommen wird. Ich meine, dass jeder Versuch, die Leute von der Straße zu bringen, in Ordnung ist.

So weit, so gut, aber ich bleibe bei meiner Meinung, dass ich meinen Hund (hab ja zur Zeit keinen) nur in einer absoluten Notsituation einer fremden Person anvertrauen würde und das nur mit "Bauchweh". Vielleicht sollte man sich aber vor der Anschaffung eines Hundes auch darüber ein paar Gedanken machen, wem man im Notfall den Hund zum Gassigehen und sonstiger Versorgung anvertrauen könnte. Es handelt sich oftmals nicht nur um 1 x am Tag Gassigehen und man muss dieser vorerst fremden Person auch seinen Hausschlüssel anvertrauen.
struppilein
  • Halbstarker
Beiträge: 459
Ich glaube nicht, dass wir noch groß etwas über das Projekt hören werden. Dafür war es nicht wichtig und aufreißerisch genug.Das war wohl eher ein Lückenfüller in einer Sendung. Von allen ähnlichen Projekten, von denen berichtet wurde hatte man später auch nie wieder was gehört. Mir persönlich ging es auch in erster Linie um die rechtliche Seite und um das Vertrauen, dass man bei solchen "Diensten" zu den Leuten haben muss.Ebenso die Zuverlässigkeit dieser Leute. Und da habe ich eben große Bedenken. Und, wie gesagt, ich würde meine Hunde und meine Wohnungsschlüssel nicht in deren Hände geben.Mir fehlt dazu das Vertrauen, zu diesen Leuten.Ich habe das Thema mal auf den Hundeplatz zur Diskusion gestellt. Da gab es keinen, der seine Hunde diesen Leuten anvertrauen würde.Wie auch immer. Wir werden sehen, ob sich etwas tun wird.Es gibt viele Nieschen, die man mit Arbeitslosen oder Obdachlosen füllen könnte. Man tut es aber nicht. Nicht einmal Arbeitslosen ab einem bestimmten Alter, gibt man eine Cance. Über einen 1,- € Job kommen Langzeitarbeitslose ab und bis zu einem bestimmten Alter nicht mehr raus.Geht man dann Ende 50 zu, bekommt man selbst keinen 1,- € Job mehr. Meine Frau arbeitet in einem Jobcenter.Manchmal könnte sie regelrecht verzweifeln, vor so viel Dragödien, die sich da auftun.Helfen kann und darf sie in den meisten Fällen nicht.Die Gelder werden abkassiert, aber einstellen will keiner ältere Arbeitslose. Sicher ist es nicht nur bei uns so.Und damit werde auch ich mich wieder aus diesem Thema verabschieden.Den 3 Leuten wünsche ich noch alles Gute.
Shibaherz
Beiträge: 20940
Ich habe die Leiterin der Stelle in Mainz angemailt und heute die folgende Antwort erhalten:



Sehr geehrte Frau ……………...

vielen Dank für Ihr Interesse und ihre Nachfragen.

Unter https://www.mission-leben.de/hundetraum erhalten Sie einen ersten Überblick über unseren Service u.a. die AGBs und den Vertrag.

Natürlich sind die Hundeausgeher als Mitarbeitende versichert, ebenso die Hunde und der Wohnungsschlüssel.
Ein reiner Hundeausgehservice wird sich dauerhaft nicht rechnen können, wir streben aber die Eröffnung einer Hundetagesstätte mit Kooperationspartnern an.

Letztendlich geht es bei diesem Projekt nicht "nur" um den Hund sondern vor allem darum Menschen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte wenig Vertrauen in Menschen aber viel Zuneigung zu Tieren haben, Chancen zu geben Selbstvertrauen aufzubauen und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Den Hund verstehe ich dabei als Mittler. Auf der Hundwiese ist es egal, ob man Geld hat oder nicht es ist wichtig, dass sich die Hunde verstehen und so kommt man dann ins Gespräch.
Ich hoffe ich konnte Ihnen die Fragen beantworten


Mit freundlichen Grüßen
Tanja Scherer


Unter denen, die so ein Hilfsprojekt ablehnen, gibt es sowohl soziale Zyniker, kategorische Ablehner, wie auch einfache Bedenkenträger. Enthusiastisch zustimmen wird wohl kaum einer. Wie die Reaktion letztlich ausfällt, hängt sicher entscheidend davon ab, wie man so ein Vorhaben unter die Leute bringt und wie vertrauenswürdig der Projektträger ist.

@Christiane: Wenn die Leiterin der Mainzer Stelle meint, sie könne mit einem Stundenentgelt von 9,15 € keinen nennenswerten Gewinn erwirtschaften, so hat sie sicher eher den bis dato noch mäßigen Umsatz als die absolute Höhe des Stunden-Entgelts im Auge, denn letztere lässt sich ja der Konkurrenz wegen nicht beliebig steigern. Einem institutionellen Träger entstehen auch andere Kosten als einer auf sich gestellten selbständigen Dogwalkerin.

@Lincan: „Angemeldete Dogwalker“ sind hier nicht mein Thema. Konkurrenz gibt es auf vielen Gebieten, sie gilt ja als erwünscht.
Deinen Hieb gegen „Pöstchenbesetzer“ verstehe ich zwar vor dem Hintergrund von einschlägigen persönlichen Erfahrungen mit Hundevereinen und Trainern. Hier geht es aber primär um Obdachlosenhilfe, in einem anderen (und, wie mir scheint, weniger von Willkür geprägten) institutionellem Kontext.

@Catalou: Unter den Obdachlosen gibt es auch Menschen, die ihre Wohnung verloren haben z. B. wegen Arbeitslosigkeit (weil die Wohnung gemäß Hartz IV zu groß für eine Person war) oder wegen Scheidung, und MIT HUND keine finanzierbare Wohnung fanden, sich aber von ihrem Hund nicht trennen wollten. Da ist er wieder, der Hund als „Luxus“, bürokratisch gesehen.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 30.01.2018 16:11 Uhr
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1927
@ Shibaherz - so habe ich das auch schon angeführt - mit der Arbeitslosigkeit beginnt für viele Menschen der soziale Abstieg und ohne staatlicher Hilfe landen viele Leute unverschuldet auf der Straße. Wenn weder Verwandte, noch Freunde (die meistens ohnehin "verduften) aushelfen können oder wollen bleiben nur schlecht bezahlte Tätigkeiten, die maximal für warme Mahlzeiten reichen, übrig. Es gibt nicht überall Küchen, die durch Spenden Essen kostenlos anbieten. Kleidung gibt es über Caritas & Co und Schlafplätze in fast menschenunwürdigen Räumen sind rar.

Im Gegenteil, es gibt Supermärkte, die es Obdachlosen verwehren, aus den Abfallcontainern noch essbare Lebensmittel raus zu holen
und ich kenne in meiner Gegend einen Fall, wo ein Mann monatelang in einem Zelt in den Weinbergen hauste. Erst als er schwer erkrankte, fiel einigen Leuten dieses Drama auf und es wurde endlich gehandelt.
Zuletzt geändert am 30.01.2018 16:47 Uhr
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1318

Shibaherz

Ich weiß jetzt nicht, was du für ein Problem mit meiner sachlich geäußerten Meinung hast, die übrigens auch auf Erfahrung mit sehr honorigen, karitativen Vereinen basiert.

Es mag dir ja Missfallen, dass ich die Realität abbilde, weil es deinem Herzdenken widerspricht. Ich habe ja nun mehr als deutlich gemacht, dass ich f ü r solche Projekte bin, allerdings mit der Einschränkung, dass der Obdachlose Mensch nicht ausgenutzt wird und alles genauso rechtlich abgesichert sein muss wie bei jedem anderen Anbieter. Alles andere ist wettbewerbsverzerrend - und das lässt sich auf Dauer niemand gefallen, zimal der Markt hart umkämpft ist. Ich bin kein Dogwalker und habe zidem meine Hundepension auf einen Hund reduziert, da ich mich nach privaten Veränderungen durch Todesfall sortieten muss, was ich noch leisten möchte und kann. Aber schon vorher habe ich oft jemanden gesucht, der Hindebetreuungsanfragen bedienen konnte und wäre froh gewesen, mich an einem solchen Projekt hätte beteiligen zu können. Ich weiß nicht, ob ich es hier schon mal erwähnt habe: ich habe in meinem Umfeld viele Menschen, die ein besonderes Leben führten oder noch führen. Ressentiments kenne ich nicht; ich benehme mich normal und nicht als Übergutmensch, helfe natürlich auch, aber ich achte auch dabei, dass die Menschenwürde nicht dabei flöten geht. Das schätzen die Menschen, mit denen ich mich austausche, und selbst verurteilte Diebe stehlen in meinem Haushalt nichts! Wichtig finde ich aber auch, dass ein Mensch, der es nicht mehr gewöhnt Ist, langsam in den Arbeitsprozess bzw. Regeln herangeführt wird, da er - je nach Persönlichkeit und Vorerfahrungen bzw. Dauer der Nichttätigkeit- dann schon mal dicht macht/aufgibt.

Nur weil ich eine etwas differenzierter Meinung habe als du zu dem Projekt, heisst es nicht, dass ich per se dagegen bin. Es steht dir nicht zu, diesen Eindruck über mich zu erwecken, zumal ich mich schon in meinen vorherigen Beiträgen nicht negativ dazu geäußert habe und meine Pro-Ansicht erläuterte.
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Shibaherz
Beiträge: 20940
@Lincan: Weiß jetzt wirklich nicht, was Dich aufregt. Ich habe mich lediglich (ohne jedwede denunziatorische Absicht!) auf Deinen mokanten Bezug auf „Pöstchenbesetzer“ (gestern 20:22 h) bezogen, der mir in dem geg. Zusammenhang unangebracht erschien.

@Catalou: Was willst Du denn dem Obdachlosen eigentlich sagen?
„Ich verstehe zwar, dass Du für Deine Situation nur bedingt selbstverantwortlich bist … hast einfach mehr Pech im Leben gehabt als andere … aber meinen Hund gebe ich Dir trotzdem nicht, auch wenn Ihr Euch gut versteht, auch wenn ich ihn manchmal berufsbedingt 8 Stunden allein lassen muss, auch wenn mir die paar Euro nicht wehtun, die ich noch dazu von der Steuer absetzen kann...“
„ich verstehe, dass Du keinem Tier etwas zuleide tun kannst, dass Du, genauso wie ich, nach besten Kräften auf ihn aufpassen willst, aber trotzdem bleibst Du für mich ein minderwertiges Exemplar der Gattung Mensch ...“
Übrigens der ehem. Obdachlose Richard Brox, der jahrzehntelang auf der Straße lebte, hat ein Buch geschrieben, „Kein Dach über dem Leben“ (10 Euro), der Bucherlös soll todkranken Obdachlosen eine mobile hospizähnliche Betreuung ermöglichen. Die Ruhe zum Schreiben hat ihm Günter Wallraff ermöglicht, der ihm eine Wohnung zur Verfügung stellte.
In Österreich, Catalou, gibt es (in Graz) bereits ein Hospiz für Obdachlose mit schwerer Erkrankung, da habt Ihr uns was voraus.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (eine amtliche Statistik dazu gibt es nicht) gibt es in Deutschland 860 000 Menschen ohne festen Wohnsitz, Tendenz: steigend.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 30.01.2018 19:14 Uhr
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