Dominanz

meerestaucher
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ein wort was sich in vielen postings befindet ist ja das wort "dominant".

da liest man dann "der leckt mich am fuss (so oder so ähnlich ), ist er jetzt dominant??" oder " er versucht mich zu dominieren", oder auch ganz einfach " der macht jenes, deshalb ist er dominant. basta"

was versteht ihr denn so unter dominant?

ich finde gerade so leute wie CM haben es wirklich gut geschafft, das wahrscheinlich tausende an hh jeden tag ihren hund kritisch beäugen und sich bei jeder tat des hundes nun fragen, ob er nun dominant ist, dominieren will, oder ganz einfach aus einem bestimmten verhalten schliessen dass es eben so sein muss. der hund will an die weltherrschaft und den hh vom "alpha"-Thron stürzen, weshalb jeden tag energisch dagegen vorgegangen werden muss
da sieht man dann hunde die jungspündig frivol sind, die sind dann dominant, hunde die nicht sozialisiert sind, die sind dann dominant, hunde die wuschig sind, die sind dann auch dominant und hunde die nicht erzogen sind, die dann, richtig geraten, auch dominant sind.

in unserer dorfhuschu wurde mir gelehrt: belohnt man einen hund mit leckerlie, verliert man 70% prozent seiner eigenen dominanz, schluckt man vorher selber leckerlie verliert man nur 30%.
(da wurden dann ja anscheinend umfangreiche tests durchgeführt )

andere meinungen sind dass gerade die dominanten hunde die besten sind, da sie, nicht wie in der millanschen theorie an die macht wollen, sondern einfach die die in sich ruhen und selbstsicher sind, also demzufolge, im vergleich zu den unsicheren, unsozialisierten, nervösen, ..... hunden die angenehmeren hausgenossen.

witzig auch: habe mal gelesen dominante hunde schlafen länger (was übrigens bei meinen beiden total hinhaut )

meine persönliche meinung: die dominanz, im millanschen sinne, finde ich recht gefährlich, erstens bildet das ein misstrauen was da gar nicht hingehört, weil man ja ständig vermutet dass, und noch blöder wirds wenn der hund etwas tut, aus angst, aus freude, aus mangelnder beziehung, und dann wird er dafür abgestraft was für hund ja unverständlich ist und demzufolge ja auch nicht so toll.

viele "dominanz" dinge (wie z.b. futteraggression) (hund "dominiert" sein futter) lassen sich ja durch ganz simple tricks wie handfütterung lösen, die "dominanz" verpufft in wenigen tagen).

ich persönlich kenne keinen dominanten hund. ich kenne hunde die nicht folgen weil der halter sie wuschig macht, oder weil der halter alles falsch macht oder einfach nicht konsequent ist, ich kenne hunde die durch den harten umgang ihres menschen absolut misstrauisch sind und in meinen augen eigentlich schon gefährlich, ich kenne hunde die sturer sind als andere und ich kenne hunde die ihren besitzer anknurren weil die beziehung absolut nicht stimmt.

was denkt ihr über die "dominanz" bei hunden und kennt ihr wirklich "dominante" hunde (also im sinne von weltherrschaft)?
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
Zuletzt geändert am 18.02.2014 09:40 Uhr
Pauli2013
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Das ist wahrlich ein "heikles und schwieriges" Thema..lächel

Was verstehe ich unter Dominanz bei einem Hund?

Hmmm....ich glaube, ich selber hatte in dem Sinn noch keinen wirklich so total dominanten Hund.

Was du über z.B. das Lecken schreibst, da denke ich persönlich, dass man den Hund in Ganzen dabei betrachten muß und nicht nur den Focus auf das Lecken an sich setzt.

Unser Pauli z.B. leckt selten; wenn, dann mal die Hand.
Das kommt vor wenn sein Herrle einen Tag Volldienst hatte und dann morgens erst wieder (nach 25 Std) heim kommt.
Ist das Dominanz vom Hund???
Ich denke eher nein; m.E. ist das eher so, dass er mögliche "Fremdgerüche" damit "übertünchen" will.

Manchmal leckt er die Hand nach dem Spielen - auch das sehe ich nicht wirklich als ein dominantes Verhalten;
sowas geschieht dann meistens, wenn wir das Spielen aufgehört haben.

ABER... ich kannte mal einen wirklich dominanten Rüden, einen Dobermann.
Der war sehr dominant; so dominant, dass das Frauchen erst fragen musste, ob sie in ihr Bett darf.
Ansonsten wurde sie regelrecht verknurrt, nicht selten biss er sie leicht.
Das kein Mann in ihren Haushalt durfte; wenn doch, dann wurde der halt gebissen.

Doch sehe ich es so, dass dieser Dobermann einfach keine wirkliche Erziehung hatte, sondern das Frauchen eben dieses versäumt hat.
meerestaucher
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das lecken am fuss mein ich jetzt so eher als "TAt der die hund tut, und hinter der man dominanz vermutet".
könnte auch sein: hund guckt schief, ist er jetzt dominant? hund klaut meine spaghetti, ist er jetzt dominant? hund isst meinen schuh, ist er jetzt dominant?

also grob ausgedrückt: hund macht was, und man schiebt es gleich auf die dominanz.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
Pauli2013
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Hmmm...man schiebt so schnell so vieles auf ein dominantes Verhalten beim Hund.

Ich denke jedoch, dass man da seinen Hund einfach nicht richtig "liest".

Wenn Hund schief guckt, dann sollte ich doch eher mal auf den ganzen Hund schauen und warum er schief schaut.

Wenn er meine Spaghetti klaut, dann bring ich ihm bei, dass das Unrecht ist, aber als Dominanz bewerte ich das nicht;
ich würde es evtl. dann als Dominanz bewerten, wenn er das immer wieder macht und mein Tadel nichts bringt; dann müsste ich umdenken in meiner Erziehung.
Shibaherz
Beiträge: 21215
+ 1
@meerestaucher: die Beispiele sind Mumpitz und Du siehst sie wohl auch selbst so

Für den Hund ist die Wahrnehmung von Gefahren und die Gefahrenabwehr von elementarer Bedeutung, und wenn der HH das ernst nimmt (und nicht etwa durch begütigendes Gerede dem Hund zeigt, dass er es nicht ernst nimmt) und in der entsprechenden Situation dem Hund zeigt, dass er Verantwortung für sich UND den Hund übernimmt, ist auch sonst im Alltag kein Platz und keine Notwendigkeit für "Dominanz" des Hundes.

@Pauli2013: Dein Beispiel mit dem Doberman illustriert ja anschaulich, was sich entwickeln kann, wenn der Mensch in den o. a. Zusammenhängen versagt. Dann muß der arme Hund eben alles regeln, bis hin zur Bettbelegung





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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 18.02.2014 12:38 Uhr
Gast
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Dominanz-Hierachien sind bei vielen Tieren (und Menschen) zu finden. Individuum A schränkt die Rechte und Freiheiten von Individuum B ein und gesteht sich selbst diese Rechte und Freiheiten zu. Was von B akzeptiert wird. Dominanz ist immer beziehungsspezifisch und ist zeit- und situationsabhängig.In der Psychologie spricht man von Dominanzverhalten, wenn A das Verhalten von B, C... beherschen bzw.kontrollieren möchte.
Viele Hundehalter zwängen ihre Hunde regelrecht dieses Verhalten auf und wundern sich dann, dass es ausartet. Was bleibt dem Hund anderes übrig, als sich in diese Situation hinein zu begeben und die "Herrschaft" im "Rudel" zu übernehmen? Einer im Rudel muss nun mal die dominante Rolle übernehmen. Tut es der Mensch nicht, dann muss es eben der Hund tun. Schuld ist immer der Mensch. Ein Hund ist für mich dominant, wenn er bestimmt, was, wann wie und wo und ob es gemacht wird. Der also seinem Besitzer zeigt, wo es lang geht, denn der Besitzer ist dazu ja nicht in der Lage.
Liebe Grüße von Melwin.
meerestaucher
  • Hundetrainer
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Original von Shibaherz:

@meerestaucher: die Beispiele sind Mumpitz und Du siehst sie wohl auch selbst so



richtig

Aaaber: ich wollte das Thema mal ansprechen weil ich hier ja immer fleissig mitlese und erstaunt bin wie oft das Thema Dominanz doch angesprochen wird, und eben auch im Kontext: der macht jetzt was um mir zu zeigen dass er der herr ist.

und es gibt ja auch (erstaunlich) viele CM Anhänger, die das ja auch irgendwo verinnerlicht haben müssen, so oft wie es da vorgeben wird.

und geh ich in unsere huschu, predigt die genau so, und alle schluckens. ohne mal drüber nachzudenken. denen wird eingebleut: butter deinen Hund unter, sonst macht ers.

deshalb hats mich einfach interessiert wie die leute hier so über das Thema "Dominanz" denken. oder noch besser: über die Begrifflichkeit bzw Bedeutung des Wortes.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
Zuletzt geändert am 18.02.2014 15:01 Uhr
escape
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+ 2
@ melvin

Da stimme ich dir völlig zu! Genau das verstehe ich auch unter Dominanz.
Dass sich beispielsweise ein älterer, erfahrener Hund einem jüngeren gegenüber dominant verhält ist völlig normal. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er immer dominant ist !
Ich denke, Hunde die zu dominanten Verhalten neigen, (also richtige Führungspersönlichkeiten) gibt es nur ganz wenige. Und selbst die orden sich bereitwillig unter, wenn jemand da ist, der sich suveräner, ruhiger und sicherer verhält.
Wenn ein Hund einen Menschen dominiert, (sofern es wirkliches dominieren ist - inzwischen wird ja schon jeder Furz als Dominanzverhalten gedeutet), dann ist das ein rein menschlicher Fehler. Schließlich müssen unsere Hunde ja in unserer Welt leben. Wir haben hier den Heimvorteil, wir wissen wie unsere Welt funktioniert, kennen die Gefahren. Es sollte für uns also selbstverständlich sein, unsere Hunde sicher durch diese Welt zu führen. Und wenn wir das machen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, dann werden uns unsere Hunde auch vertrauen, uns folgen und nicht im Traum daran denken, unsere "Stellung" zu übernehmen oder besser gesagt, übernehmen zu müssen!

Von meiner Hündin würde ich sagen, dass sie sich den meisten anderen Hunden gegenüber dominant verhält. Sie wird es nie tolerieren, dass ihr beispielsweise ein junger, unerfahrener Hund den Kopf auf die Schultern legt, oder ihr aufreitet. Das wird von ihr sofort, ruhig aber entschlossen, korrigiert. Sie selbst legt manchmal ihren Kopf anderen Hunden auf die Schultern, vor allem wenn diese größer sind, oder sie noch nicht kennen. Damit klärt sie gern, dass sie das Sagen hat. Damit nimmt sie meistens die "Chefposition" in der Hundewiese ein und nutzt ihre Stellung um für Ordnung zu sorgen, Konflikten entgegenzuwirken und Welpen bzw. kleine Hunde vor stürmischen großen zu beschützen. Kleinen Hunden gegenüber hat sie das nicht nötig. Da weiß sie, dass sie größer und stärker ist, da ist es ihr egal, wie die sich aufführen. Begegnet sie allerdings einem älteren, erfahrenerem Hund, wird sie sich diesem gegenüber respektvoll und unterwürfig verhalten.
Mir gegenüber verhält sie sich unterwürfig. Sie begrüßt mich beispielsweise so, wie sie selbst von anderen unterwürfigen Hunden begrüßt wird. Sie gibt sich größte Mühe, mir zu gefallen.

Gerade zum Thema Dominanz schätze ich die Ausführungen von Günther Bloch in seinem Buch "Wölfisch für Hundehalter". Auch wenn viele seine Ausführungen dort für zu wenig praxisnah halten, räumt er doch mit der ganzen Alpha- und Dominanzkiste ziemlich auf.
Ein wahrhaft großer Mensch wird weder einen Wurm zertreten, noch vor dem Kaiser kriechen. (Benjamin Franklin)
Pauli2013
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Beiträge: 156
Ich finde es sehr interessant, dass Meerestaucher dieses "Gefecht" um die Dominanz so in den Raum gestellt hat.

Und was mich erstaunt ist die Tatsache, dass wohl doch noch viele HuSchu nach dem altem Muster arbeiten...schreck.

Diese Zeiten sind doch eigentlich schon lang, lang vorbei!!!???

Ja..unsere Hunde wollen im Großen Ganzen uns gefallen, weil wir es ihnen so beigebracht haben und es erwarten.

Gut..vor Jahren musste ich mich einmal daheim mit meinem damaligem Rüden "auseinandersetzen"...zeigte er doch eine Art "Dominanzverhalten" gegenüber meinem Sohn und meinem Mann an.
Er hat - von jetzt auf nachher (wirklich wahr) - beide gleichzeitig einfach verknurrt und wollte sie nirgends mehr in der Wohnung hin lassen.
Natürlich musste ich das unterbinden...doch war es nun wirkliches Dominanzverhalten von meinem Hund oder war es nur eine Austestung seines Stellenwertes?

Fakt ist zwar, m.E. nach, dass ein Hund immer an unterster Stelle in der Familienhirachie stehen sollte, aber, wie schon eben mal erwähnt, sollte ein Hund immer noch das Recht haben, anderen Artgenossen gegenüber als Hund auftreten zu dürfen; solang er kein absoluter, purer Stänkerer ist.
Shibaherz
Beiträge: 21215
@melwin: ich habe die TEin so verstanden, dass es hier nicht um Dominanzbeziehungen unter Menschen (Beispiel: traditionelle Ehe ) oder unter Tieren geht
sondern um die aus dem Lot geratene (bzw. gar nicht zustande gekommene) "Beziehung" zwischen dem Menschen und seinem Haustier?





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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
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