Die beste Erziehungsmethode für unsicheren Hund?

Gast
Hallo zusammen,
habe einen 9 - 10-jährigen Hund übernommen. Extrem unsicher im Umgang mit Menschen, wenn man ihn anschaut wird sofort sehr heftig beschwichtigt. Dicht an ihm vorbeigehen und er springt sofort weg, liegt er in seiner Couchecke muss ich mich ans andere Ende setzen. Leg ich meine Füße mit auf die Couch springt er sofort weg. Nach jedem wegspringen wird sofort beschwichtigt (scheint seine Lieblingsbeschäftigung zu sein) Sein Futter schlingt er einfach nur runter dreht dabei aber seinen Körper grundsätzlich so, das er den Napf abdeckt. Er kommt nicht freiwillig zu mir, man muss ihn überreden, mit viel locken. Und obwohl immer hungrig hilft kein Leckerchen um ihn ran zu holen. Wenn er dann kommt, dann langsam und zögerlich mit längeren Pausen dazwischen.
Bei Spaziergängen prescht er sofort mit öffnen der Tür los, knallt dabei natürlich häufig in die straffe Leine. Er läuft auf Leinenlänge voraus, macht sein eigenes Ding. Auf Kommandos zum Rückruf erfolgt keine Reaktion, man muss durch vorsichtiges verkürzen der Leine näher an ihn rankommen. Er schafft es auch immer wieder mal aus dem Halsband zu schlüpfen, wirft sich dann aber sofort zu Boden und beschwichtigt. G.s.D. ist das noch nie bei Begegnungen mit anderen Rüden passiert, da er jeden Rüden, egal ob der nur am Grundstück vorbeigeht oder bei Begegnungen auf Spaziergängen sofort und ohne Vorwarnung vehement angeht. Dabei spielt die Größe des Anderen keine Rolle. Ablenken mit Leckerchen geht nicht, da er draussen nichts nimmt, Spielzeug kennt er nicht, er vergnügt sich damit Astabschnitte aus dem Garten zu zernagen oder er gräbt Mäuse in den Blumenrabatten aus.
Von seiner Vorgeschichte weiß ich nur vom Hörensagen. Er war wohl die ersten neun Monate im Tierheim, wurde bei einem Gassigang nicht zurückgebracht (also geklaut). Der Ex-Halter ist schwer alkohol- und drogenabhängig, hat ihn wohl auch mal über mehrere Tage hungern lassen bzw. einfach eingesperrt. Drei schlecht verheilte Brüche an Zehen weisen auf Tritte hin, absichtlich oder aus Versehen, k.A. Ein Hüftschaden ist auch wahrscheinlich, da er Treppen seltsam hochsteigt, nämlich quer zu den Stufen und immer die linke Seite nach vorn. Sozialisierung ? Wohl eher nicht oder nicht ausreichend. Erziehung???
Sein Aussehen entspricht einem Labbi/Staffmix. Er hat die hohen Knickohren, die gewaltigen Kaumuskeln und die kräftigen "Packtaschen" des Staff an den Keulen. Der Rest des Körpers ebenso wie die Farbe entspricht eher dem des Labrador. Wobei der weiße Brustfleck und die drei weißen "Rückstrahler" an den Pfoten nicht zum Labby passen.

Meine Frage ist, wie kriege ich diesen Hund dazu, seine Unsicherheit abzulegen und Vertrauen auf zu bauen, zu mir und zu seiner Umgebung?

LG, Alidasy mit Banditen
meerestaucher
  • Hundetrainer
Beiträge: 4196
ist das jetzt der neue Fall?

dann hätte ich eine Frage an dich:
ist das das verhalten das er hatte als du ihn bekommen hast oder das verhalten dass er jetzt noch hat?
und wie lange hast du ihn schon und was hast du so gemacht.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
Stinktier1904
  • Forenwelpe
Beiträge: 188
+ 1

Die beste Erziehungsmethode für unsicheren Hund?

Als meine Mischlingshündin letztes Jahr (paar Tage vor Silvester) von einem Knaller getroffen wurde und so gut wie gar nicht mehr Gassi gehen wollte, hatte bei uns die Handfütterung geholfen.
(Meine Hündin wurde am 30.04.2013 von einer Schäferhündin auf der Hundewiese gebissen, da half auch die Handfütterung.)
Sie fast von Tag zu Tag mehr Vertrauen zu mir, und wenn irgendwo ne Autotür zufällt, schaut sie mich an und geht hinter meinen Rücken um Schutz zu erhalten.
Vielleicht würde als Anfang bei euch auch eine Handfütterung helfen. Das ist gut und stärkt das Vertrauen und die Bindung: Mensch-Hund-Beziehung.
Viel Glück und Geduld! LG. NINE samt Fellnase Phoebe
Einen besseren Freund als einen Hund kann sich der Mensch nicht wünschen.
Hinter jedem verlausten Hund steckt mehr Ehrlichkeit, Liebe und Freundschaft
als hinter der sauberen Fassade mancher Menschen.
Zuletzt geändert am 14.01.2015 14:53 Uhr
Gast
Hallo Nine,
Handfütterung geht nicht, entweder nimmt er sein Futter aus seinem Napf oder er geht Mäuse jagen.

Hallo Meerestaucher,
das geschilderte Verhalten war das bei der Übernahme. Er ist jetzt etwa 11/2 Jahre bei mir und meine Methoden meinst du doch zu kennen, draufhauen und Führung. Du solltest mir doch mal schildern wie man mit Keks reinschieben, also positiver Verstärkung, so einem Hund das Vertrauen zurückgibt. Leckerchen nimmt er ja nicht. Bin übrigens auch kein Hundetrainer, habe nur seit 50 Jahren Hunde unterschiedlicher Rassen und Größen. Dein Vorgehen würde mich sehr interessieren.LG, Alidasy mit Banditen
meerestaucher
  • Hundetrainer
Beiträge: 4196
es geht nicht darum was ich meine zu kennen, sondern was du tatsächlich gemacht hast.
was ich tun würde kann ich dir gerne schreiben, in einer halben stunde bin ich aus dem büro, dann noch gassi gehen und abendessen und heute abend hast du meinen input.

zur handfütterung in der wohnung würde mich noch interessieren wie oft und lange du das versucht hast, und mit was.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
goebla
  • Halbstarker
Beiträge: 271

Handfütterung

dann gibts halt keine Mäuse und statt futter aus dem napf halt aus der Hand oder läuft der ständig frei herum und jagt?
Greif meinen Hund oder mich an... denk nach bevor du vorschnell handelst....
DU KENNST MICH NICHT ABER DU KANNST MICH KENNENLERNEN.
Gast
Hallo Goebla,
wie schon geschrieben, der Hund ist hungern gewohnt, und so schnell kann kein Mensch reagieren wie ein Hund eine Maus fängt und frisst. Der läuft ganz ruhig am Wegrand, plötzlich ein Sprung zur Seite und die Maus verschwindet im Rachen. Die nächste folgt bei passender Gelegenheit. Ein Sprung, ein Biss und ein Schlucken, das wars. Aber vielen Dank für den Tipp.
LG, Alidasy mit Banditen
tüpfelchen
  • Halbstarker
Beiträge: 467
Ich bin ja auch kein "Trainer" bin aber schon mit Hunden aufgewachsen und habe "erst" seit fast 20 Jahren eigene Hunde.
Daher bin ich mal auf Dein Profil und habe gesehen, dass Du schon 3 andere Hunde hast. Kompliment, dann noch einen älteren und schwierigen Hund dazu zu nehmen.
Kann es sein, dass der Hund noch nicht bei Dir angekommen ist, sondern sich nur in einer Wartezone versteht.
Er ist nicht der Herzenshund und will nur in Ruhe fressen und auch sonst sich möglichst nicht mit Euch beschäftigen, lieber gräbt er nach Mäusen... Das ist eventuell eine Übersprungshandlung.
Gibt es auch mal eine Zeit, NUR für diesen Hund?
Auch wenn dann gar nichts passiert, schenke ihm Zeit in der Du ganz auf ihn konzentriert bist und ganz ruhig in seiner Nähe sitzt. So nah, wie er es eben zulassen kann. Sprich mit ruhiger Stimme mit ihm, handle aber nicht , lese, höre leise Musik, beobachte ob er in Deine Nähe ruhig genug wird um angstfrei zu schlafen, oder wenigsten entspannt zu ruhen.
Geht er gern im Gelände? Du wohnst wahrscheinlich auf dem Land und da könnte ich mir vorstellen, dass er gern alleine mit Dir spazieren geht. Klar im Geschirr oder an der Leine, aber stundenlang, so dass er danach gern zurückgeht und sich entspannt hinlegt. Dann bist Du wieder bei ihm, ohne ihn zu bedrängen, aber da---> und nur bei diesem Hund, ohne Ablenkung!
Er wird es Dir danken. Weitere Annäherungen können später folgen. Hier gibt´s ja genug Spezialisten, die das kleine Alphabet der Hundedressur und Unterordnung verbreiten, grins
Dem Instinkt meines Hundes kann ich trauen... __________________________________________________________________
Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.
(nach J. W. von Goethe)
meerestaucher
  • Hundetrainer
Beiträge: 4196
+ 1
zur unterordnung kann ich leider nichts beitragen aber hier mal meine 5 cent was ich so machen würd.

ich kenn den hund nicht, leider hast du nicht auf meine fragen geantwortet, ich weiss nicht wie der hund heute ist aber ich meine mich zu erinnern dass du mal geschrieben hast der hund ist ein frauenhund und ihr habt euch derzeit "arrangiert" (was immer das heissen mag).

problemösung ist ja immer auch trial und error, aber ich würde das versuchen:

ich setze mal voraus der hund ist kein kompletter autist, und ich setze auch voraus dass ihr nicht im katzenschlaraffenland lebt, wo im täglich 20 mäuse in den mund fliegen, so dass er ständig satt ist.

also:
ich würde es auch mit handfütterung versuchen. du hast leider nicht geschrieben wie konsequent du das versucht hast.
hunger haben muss er ja irgendwann.
dazu nehm ich das am besten riechende dosenfutter oder was der hund am liebsten mag.
frisst er mir nicht aus der hand, dann leg ich es nen meter vor mir auf den boden und setz mich unbeteiligt daneben oder werfe auch mal.
nimmt er das beim ersten mal nicht, bleib ich am ball und geb nicht gleich auf.
wenn das gar nicht klappt, dann nehm ich halt die leere schüssel, (aus der frisst er ja anscheinend), und leg ihm nach und nach was rein. so dass er sieht dass es aus meiner hand kommt. notfalls entferne ich mich etwas und komm dann wieder.
und wenn das ganze drei tage dauert, dann ists halt so.
reden tu ich dabei nicht, und ich bin auch möglichst in der hocke.

dann lass ich den hund in ruhe. alles was ich um ihn rum mache geschieht in absoluter ruhe (keine hetzerei, kein rumzetern).
wenn ich versuche ihn zu locken, mach ich mich klein und geh in die hocke. eigentlich warte ich aber eher dass er zu mir kommt.

jeder tag ist ähnlich, sprich ich entwickel gewissen routinen.

solange er mir nicht die bude umräumt, etc sind mir kommandos und erziehung momentan total egal.
beibringen würde ich jetzt ein wort was er damit verbindet dass er ganz toll ist. wie z.b. "fein".
bei jeder kleinsten sache die er gut macht, zeig ich ihm dass er ganz toll ist. mit diesem wort. wenn er kein leckerlie nimmt, dann durch meine stimme. ein fein soll er möglichst oft hören und er soll mitbekommen dass ich mich freue dass er das und das macht.

vielleicht fange ich dann nach einer weile an kleine kommandos zu geben, wie zb. sitz. aber das im moment eigentlich auch eher um ihm dann ein "fein" geben zu können. es geht also in erster linie dass er was macht womit er gelobt werden kann, und in zweiter linie erst dass er was lernt.

wenn er wieder ins beschwichtigen fällt, würd ich ihn dann sofort was anderes machen lassen, z.b. dann absitzen, loben.
meinem hab ich z.b. ein "touch" beigebracht und er muss mit der nase meinen finger berühren. wollte er wieder ins beschwichtigen fallen bzw sich auf den rücken werfen, gabs da schon ein "touch", ein fein, und situation war gerettet.


dazu kommen dann andere sachen wie was zusammen machen, wo er sich auch beweisen kann und gelobt wird.
z.b was suchen, oder versuchen zu apportieren. oder einfach nur zusammen laufen, und schaut er dich an oder macht mal was richtig, ein fein.


zum halsband kommt ein geschirr dass er nicht abdampfen kann.

situationen wo er ausflippt werden nicht mit leinenruck quitiert, sondern möglichst umgangen (abstände zu anderen hunden).
kommt es doch zum gekläfft, dreh ich um und nehm in aus der situation raus, also ab nach hinten. da würde ich auch ein "nein" dazugeben. (aber immer verbinden dass du ihn rausnimmst, also nicht stehenbleiben und meckern).
beruhigt er sich, wird er gelobt.




türrennerei: rennt er schon los solange die tür noch zu ist mach ich gar nichts. kommt er zum punkt wo er dann einhält, geh ich mit ihm raus.
rennt er durch die offene tür, pendel ich mit der tür so dass er nicht rausrennen kann.

zu allem addiere ich ganz viel geduld


hab ich was vergessen? ich glaube nicht.
das würd ich so machen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
Zuletzt geändert am 14.01.2015 18:52 Uhr
bridge2703
  • Forenwelpe
Beiträge: 165
@Alidasy: Respekt vor der Herausforderung kann ich da nur sagen.

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