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Thomas Baumann

Thomas Baumann, erfolgreicher Buchautor und renommierter Hundetrainer,
arbeitet seit rund 25 Jahren beruflich mit Hunden. Dabei hat er sich insbesondere auf den Umgang mit
so genannten Problemhunden und auf die Konditionierung von Spürhunden spezialisiert.
Zudem engagiert er sich als Gründer der Dogworld-Stiftung, Lebenshilfe für verwaiste Hunde,
für Tierheimhunde.
Handfütterung - Teil 5

Bewährtes Einsatzmittel: der Futterbeutel



Wenn es um Erläuterungen zur Handfütterung geht, so darf der Futterbeutel in keinem Fall fehlen. Auf eine äußerst simple Weise lassen sich die Handfütterung, ursprüngliche Elemente des Jagdverhaltens, Besitzer-Fokus und auslastende Nasenarbeit miteinander verbinden. Dazu bedarf es lediglich einer Verwendung des Futterbeutels in unmittelbarer Verbindung mit der Handfütterung. Als besondere Empfehlung sehen meine Frau und ich den vom bekannten Hundetrainer Jan Nijboer entwickelten Futterbeutel, das patentierte PREYDUMMY, an. Das PREYDUMMY besteht aus robustem Leinen und hat eine sogenannte Wurfhilfe. Erhältlich ist das durch die Firma TRIXIE vertriebene PREYDUMMY in nahezu allen Fachgeschäften, die ein breites Sortiment an Hundezubehör vorweisen.
Ein zum Futterbeutel umfunktioniertes Stift-Mäppchen.
Die kostengünstigste Variante, doch aufgrund möglicher
gesundheitsgefährdender Inhaltsstoffe im Material auch
umstritten.

Der Futterbeutel ist in seiner Funktion nichts anderes als
ein tragbares Futterbehältnis, das – geschickt eingesetzt – quasi als jagdbare Beute-Ressource Verwendung findet.Neben dem zweifelsfrei auslastenden Nutzen im Sinne einer optimalen Beschäftigung wird dem Hund mittels Futterbeutel auch ein Zugewinn an Lebensfreude garantiert, denn diese Arbeit macht fast allen Hunden sehr viel Spaß!

Damit der Spaßfaktor und damit die Freude an der Futterbeutel-Arbeit möglichst garantiert werden können, bedarf es eines optimalen Basis-Trainings.
Das Preydummy von Jan Nijboer ist als Futterbeutel besonders
empfehlenswert

Der Futterbeutel in der Praxis

Alle Hundebesitzer, die von Beginn an den Futterbeutel im Rahmen der Handfütterung einbeziehen wollen, starten nicht draußen beim ablenkungsreichen Spaziergang, sondern beginnen die Konditionierung zunächst im häuslichen Bereich.Zum besseren Verständnis unterteilen wir den Aufbau des Trainings in mehrere Abschnitte.


Erster Trainingsabschnitt

Zu Beginn erfolgen mehrmals täglich wiederholend mehrere kleine und kurzzeitige Fütterungs-Sequenzen nach folgendem Prinzip: der Hundebesitzer öffnet in durchaus theatralischer Weise (verbal und körpersprachlich) unmittelbar vor seinem interessierten Hund den Futterbeutel und lässt diesen daraus ein klein wenig fressen.Die Öffnung des Futterbeutels darf dabei aber nur so groß sein, dass der Hund keine großen, sondern nur sehr kleine Mengen entnehmen kann. Während dem Fressen, das eher als Naschen bezeichnet werden kann, entzieht der Zweibeiner den Futterbeutel wieder und verschließt ihn. Da sich die wenigsten Hunde damit zufrieden geben, bleibt das Interesse am Futterbeutel bestehen. Und wieder erfolgt die ritualisierte Anmache des Hundebesitzers mit erneuter geringfügiger Futteraufnahme durch dessen Vierbeiner.Bei jeder Aktionswiederholung ist die stimulierende Signalgebung durch den Zweibeiner mittels eines sogenannten Schlüsselwortes (als Beispiel kann das Wort BEUTEL Verwendung finden) ratsam. Mit diesem Schlüsselwort kann der Hund zu einem späteren Zeitpunkt auch auf die Suche nach dem Futterbeutel angesetzt werden.Generell ist bei allen Trainingsabschnitten daran zu denken, dass der Futterbeutel nie leergefressen werden darf. Nur so lässt sich das wichtige Gefühl einer ständigen Verfügbarkeit von Futter im Beutel darstellen.

Schritt 1: Basis der Konditionierung

Schritt 2: Ablegen des Beutels
Zweiter Trainingsabschnitt

Wird der erste Trainingsabschnitt optimal umgesetzt, ergibt sich eine deutliche Luststeigerung des Hundes gegenüber dem ritualisierten Futterbeutel-Training. Sobald diese Gewissheit für den übenden Zweibeiner gegeben ist, erweitert er das Ritual um einen weiteren Übungsabschnitt. Der Futterbeutel wird in geschlossenem Zustand für 2 bis 3 Sekunden vor die Füße des Zweibeiners gelegt, dann mit den Händen hochgenommen, geöffnet und – wieder theatralisch – zum Naschen angeboten. Danach wieder geschlossen, vor die Füße gelegt, hochgenommen und und und...Für dieses Training kann sich der Hundebesitzer gerne auch bequem auf einen Stuhl setzen.
Sollte der Vierbeiner bereits beim Ablegen des Futterbeutels diesen mit dem Fang aufnehmen, ist dies positiv zu werten, denn dann befinden wir uns bereits im dritten Trainingsabschnitt. Der Hundebesitzer nimmt einfach den Beutel lobend aus dem Fang seines Hundes und füttert wie gehabt.Sollte der Hund nichts anderes im Sinn haben, als sich den Beutel schnell zu schnappen und damit abzuhauen, kann dies durch ein Anleinen und motivierendes Zurücklocken des Vierbeiners relativ schnell unterbunden werden.Bei extrem ressourcenaktiven oder gar –aggressiven Hunden müssen wir uns nicht mehr
über die Handfütterung per Futterbeutel sondern über völlig andere, grundlegendere Maßnahmen unterhalten.


Dritter Trainingsabschnitt

Das Aufnehmen des Futterbeutels ist die nächste Sequenz im Trainingsprogramm. Nimmt der Hund innerhalb des zweiten Trainingsabschnittes den Futterbeutel noch nicht selbständig auf, genügt zunächst das Berühren des auf dem Boden liegenden Beutels mit dem Fang. Dieses Berühren zeigen fast alle Hunde sehr schnell, wodurch sie sofort das ihnen bereits bekannte Ritual der ersten beiden Trainingsabschnitte (loben, hochnehmen, öffnen und füttern) auslösen.Mit zunehmenden Lernerfolgen lässt der Hundebesitzer den Futterbeutel nach dem Berühren des Hundes einfach länger liegen und nimmt ihn nicht mehr sofort auf. Erfahrungsgemäß fangen dann die meisten Vierbeiner an, den Futterbeutel kräftiger anzustupsen oder auch mal mit den Zähnen leicht anzupacken. Daraufhin erfolgt wieder die bekannte, mit Lob begleitete Bestätigung.Jeder aktive und begeisterungsfähige Hund lernt auf diesem Weg den dritten Trainingsabschnitt, das Aufnehmen und Abgeben des Futterbeutels, als selbstverständliche Handlung in die Futterbeutel-Arbeit einzubeziehen.


Schritte 3 und 4: Die Handfütterung bei der Ridgeback-Dame nimmt Formen an

Vierter Trainingsabschnitt

Zum einfachen Aufnehmen des Futterbeutels aus dem dritten Trainingsabschnitt gesellt sich nun auch noch das Holen beziehungsweise das Bringen des Futterbeutels.Zu Beginn dieser Trainings-Sequenz darf der Futterbeutel keinesfalls schon als Apportiergegenstand weggeworfen werden. Die Gefahr der Beutesicherung (Hund läuft mit Futterbeutel weg, um sich selbst zu bedienen) wäre viel zu groß.Stattdessen wird als Übergangs-Training der Futterbeutel nicht mehr direkt vor die Füße gelegt, sondern einfach um einige Zentimeter mehr entfernt. Klappt das gut, werden einfach beim nächsten mal wieder ein paar Zentimeter mehr genommen.Mit dieser Strategie wird in einem schleichenden Prozess der Abstand des Futterbeutels zum Hundebesitzer immer mehr vergrößert, wobei der Futterbeutel in diesem Stadium noch nicht geworfen, sondern immer noch hingelegt wird.Nimmt der Hund schließlich auch den weiter entfernt liegenden Futterbeutel auf und übergibt ihn zum Öffnen seinem Besitzer, kann dieser nun die Entfernungen auch erheblich vergrößern. Hierzu bringt er beispielsweise seinen Vierbeiner in eine Gehorsams-Position (Steh, Sitz oder Platz). Anschließend geht er mit dem Futterbeutel in der Hand einfach einige Meter weg, legt diesen auf den Boden, geht zum Hund zurück und fordert ihn durch Hörzeichen (Beispielhörzeichen jetzt: BEUTEL) zum Aufnehmen und somit zum Bringen auf. Sind die vorherigen Trainingsschritte nicht einfach ausgelassen oder übersprungen worden, ist das Aufnehmen und Bringen auch gewährleistet.Klappt auch diese Trainings-Sequenz ausreichend gut, kann der Futterbeutel erfahrungsgemäß auch geworfen werden. Das Holen, Bringen, Übergeben, Öffnen und Fressen wird zur Selbstverständlichkeit innerhalb der Futterbeutel-Arbeit.

Fünfter Trainingsabschnitt

Der fünfte und letzte Trainingsabschnitt kann bereits nach wenigen Tagen erreicht sein und beinhaltet die den Hund auslastende Sucharbeit. Der Futterbeutel wird im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten im häuslichen Bereich zunächst sehr einfach, später auch schwieriger, versteckt. Die Verstecke sind nach Möglichkeit so zu wählen, dass der Hund den Futterbeutel nicht gleich sehen kann. Viel wichtiger wird der Einsatz der Hundenase, denn diese lastet den Organismus des Vierbeiners wesentlich effektiver aus, als die Suche mit den Augen.Ist das übende Team (Hund und Besitzer) im fünften Trainingsabschnitt angekommen, kann das Training mit dem Futterbeutel bereits in den Außenbereich und somit bei Spaziergängen verlagert werden.


Den Trainingsmöglichkeiten mit dem Futterbeutel sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Versteckmöglichkeiten bei Spaziergängen sind kaum zählbar, allerdings muss stets das individuelle Leistungsvermögen eines jeden Hundes im Training berücksichtigt werden. Intensive Sucharbeit ist für viele Hunde Schwerstarbeit und permanente Überforderung kann den Hund auch schnell lustlos machen.Die gute Mischung aus Nicht-Zu-Leicht und Nicht-Zu-Schwer sollte im Nasentraining stets berücksichtigt werden.Denken Sie auch stets daran, den Futterbeutel nicht ständig irgendwo in vermeintlich tolle Verstecke in Wald und Flur zu bringen. Unter Umständen unterfordern Sie dabei Ihren Vierbeiner dadurch, dass er ganz einfach immer nur Ihrer Fährte nachläuft. Das ist auf weichen, organisch strukturierten Untergründen sehr schnell der Fall und damit finden die allermeisten Hunde den Beutel ohne ausreichende Anstrengung.Um diese Form der Unterforderung zu verhindern, kann der Futterbeutel auch von einem bestimmten Endpunkt aus – ohne dass es der Vierbeiner sehen kann – je nach Leistungsstand mehr oder weniger weit geworfen werden.Wenn es um eine möglichst optimale Auslastung des Hundes in Verbindung mit der Handfütterung gehen soll, steht die Arbeit mit dem Futterbeutel zweifelsfrei an erster Stelle.
Immer mehr Hundebesitzer haben allerdings noch weitergehende Ansprüche und verbinden die Handfütterung mit der neuen Premium-Auslastung ZOS (Zielobjektsuche). Die erfolgreiche Suche nach kleinen, scheinbar unbedeutenden Gegenständen erzielt bei korrekter Konditionierung eine noch intensivere Auslastung und kann auch im häuslichen Bereich als Schlechtwetter-Variante hervorragend umgesetzt werden.

Die Handfütterung wird bei ZOS nach dem Auffinden und Anzeigen von bestimmten Gegenständen als Belohnung eingesetzt.In diesem Zusammenhang kann die vorzügliche Leistung des vor wenigen Wochen bei Berlin gekürten Deutschen Meisters 2007 in der Zielobjektsuche ZOS, Golden Retriever Artus, als Aushängeschild dienen. Arthus hatte in der höchsten Leistungsstufe III in drei Disziplinen 291 Punkte (von maximal 300) erreicht und war ausschließlich über die Handfütterung zu ZOS konditioniert worden.Mehr zu diesem Thema im noch folgenden Kapitel 7 des Buches.
Hundetrainer, Verhaltensberater aber auch einfach nur Hundebesitzer halten in Erziehung, Ausbildung und Therapie mit der Handfütterung einen äußerst universellen und vor allem effektiven Schlüssel zur Verhaltenssteuerung in ihren Händen. Wird dieser Schlüssel richtig eingesetzt, werden Sie als Hundehalter in jedem Fall davon profitieren.
Weitere Kolumnen von Thomas Baumann
Wenn es um Erläuterungen zur Handfütterung geht, so darf der Futterbeutel in keinem Fall fehlen. Auf eine äußerst simple Weise lassen sich die Handfütterung, ursprüngliche Elemente des Jagdverhaltens, Besitzer-Fokus und auslastende Nasenarbeit miteinander verbinden
Die Erstellung eines Investitionsplanes – ob mit oder ohne Trainer – ist ein wesentlicher Erfolgsgarant in der Umsetzung einer effektiven Hand-fütterung. Damit sind wir bereits beim fünften wesentlichen Kernelement einer effektiven Handfütterung.
Der Trick: das Füttern zuhause wird nicht komplett eingestellt sondern in der Quantität extrem reduziert. Das bedeutet, der Hund wird weiter gefüttert, allerdings bekommt er dabei deutlich zu wenig. Mit nur noch einem Drittel der sonst üblichen Tagesration Futter ist mehr Garantie auf das Gefühl HUNGER gewährleistet, als wenn das Füttern gänzlich eingestellt wird.
Das zuerst genannte Kernelement der Handfütterung ist der verpflichtende Wegfall der regelmäßigen Fütterung. Dass Regelmäßigkeit bei der Nahrungsaufnahme erfolgshemmend sein muss, leuchtet schnell ein. Denn mit einer beispielsweise zweimal täglich vorgenommenen Fütterung um 08.00 Uhr und um 20.00 Uhr wird sehr schnell die Erwartungshaltung des Hundes auf diese Zeitbereiche vergleichsweise einseitig konditioniert...
„Essen hält Leib und Seele zusammen“. Ein jedem geläufiges Sprichwort, das nicht nur den positiven Wohlfühl-Nutzen der Ernährung sondern auch die existenzielle Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme widerspiegelt.In diesem Zusammenhang gibt es zwischen Mensch und Hund keine wesentlichen Unterschiede. Im Grunde genommen sind Essen (Mensch) und Fressen (Hund) kleine, spektakuläre Ereignisse, die uns Tag für Tag das Leben angenehm und im wahrsten Sinne des Wortes köstlich machen.
Irritiert stellen die Besitzer von auffallend selbstbewussten und dabei noch stark explorativ (neugierig) agierenden Hunden fest, dass der soziale Bezug des Vierbeiners zum Zweibeiner vergleichsweise gering ausgeprägt ist...
Keine Sorge! Wer nicht nur kompetent mit Hunden sondern auch mit Menschen umgehen kann, wird die anfängliche Enttäuschung der Hundehalter bezüglich einer Bindungsschwäche gut überbrücken. Es geht nämlich keinesfalls um Schuldzuweisungen, sondern um...
In allen Lebensbereichen unterliegen neue Konzepte und Entwicklungen der skeptischen Wahrnehmung durch die Außenwelt. Das ist gut so und solange dabei Objektivität gewahrt wird, auch äußerst sachdienlich.
Nach dem Motto „Erst das Geld und dann die Ware“ entwickeln fehlgeleitete Hunde das Verhalten „Erst das Leckerli und dann die Leistung“. Dies stellt übrigens mit Abstand den häufigsten Grund für „nachhängende“ Hunde im Freizeit- und Sportbereich dar.
Schenken wir den Werbemedien Glauben, müsste sich im Grunde genommen das Verhältnis zwischen Mensch und Hund derzeit auf einem noch nie da gewesenen, hohen Niveau befinden...
Sowohl mit Schleppleine als auch ohne bietet das sogenannte Distanztraining ebenfalls ausgezeichnete Möglichkeiten, eine wesentlich bessereInnen-Beziehung zum Hundebesitzer aufzubauen.
Hausstandsregeln für einen Hund nach Patentrezepten zu erstellen, erscheint wenig sinnvoll. So mögen pauschale Aussagen wie beispielsweise„der Hund gehört nicht auf das Sofa“ im Einzelfall Sinn machen, ein Generalverbot daraus abzuleiten hingegen macht keinen Sinn...
Oftmals wird Hundebesitzern suggeriert, man könne seine Attraktivität dem Hund gegenüber erheblich und dann auch noch anhaltend steigern,wenn man sich vor ihnen „zum Affen macht“ (sprichwörtlich).

Ist das wirklich so?
Im zweiten Teil von Freiheit oder Chaos spricht Thomas Baumann über das verzerrte Bild einer Welpenerziehung: "Mit einem völlig falschen Verständnis für Sozialisation lassen Hundebesitzer ihre Welpen zu fremden Menschen hinlaufen. Dort werden sie hingebungsvoll betätschelt, geknuddelt und letztlich noch mit Leckerli „versorgt“."
In seinem Buch "Ich lauf´schon mal vor..." bringt uns Thomas Baumann den weiten der Hundeerziehung einen großen Schritt näher. Auf dogSpot werden wir einige interessante kapitel kostenlos zur Verfügung stellen und beginne mit dem ersten Teil des Kapitels: Freiheit oder Chaos
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