Thomas Baumann

Thomas Baumann, erfolgreicher Buchautor und renommierter Hundetrainer,
arbeitet seit rund 25 Jahren beruflich mit Hunden. Dabei hat er sich insbesondere auf den Umgang mit
so genannten Problemhunden und auf die Konditionierung von Spürhunden spezialisiert.
Zudem engagiert er sich als Gründer der Dogworld-Stiftung, Lebenshilfe für verwaiste Hunde,
für Tierheimhunde.
Handfütterung - Teil 4

Investitionen, die sich lohnen


Die Erstellung eines Investitionsplanes – ob mit oder ohne Trainer – ist ein wesentlicher Erfolgsgarant in der Umsetzung einer effektiven Handfütterung. Damit sind wir bereits beim fünften wesentlichen Kernelement einer effektiven Handfütterung.Selbstverständlich darf in einer künftigen Umsetzung des Investitionsplanes zu Beginn des neuen Lernens der Hund keinesfalls überfordert werden. Das bedeutet für das Beispiel des Beagle Charlie, dass bereits sehr geringe Investitionen lohnenswerte Anstrengungen darstellen. Anfangs sind es somit ganz kleine Schritte, die Charly seinem Besitzer näher bringen sollen.

Wenn Charly, der sicherheitshalber und vorübergehend an der Schleppleine geführt werden muss, während dem Spaziergang mehr oder weniger mal zufällig in Richtung Besitzer schaut, ist dies der aller erste Schritt in die richtige Richtung. Sein Besitzer reagiert mit einem KURZEN, theatralischen Lob (körper- und lautsprachlich), das die Aufmerksamkeit von Charly erhöht. Es erfolgt daraufhin der spontane Griff in das mitgeführte Futterbehältnis und der immer noch aufmerksame Charly bekommt eine geringe Menge Futter aus der ihm zustehenden Tagesration. Sollte Charly allerdings nach einem kurzem Lob den Kontakt einfach wieder abbrechen, bleibt das Futter selbstverständlich unangerührt im Behältnis.Bei allen Aktivitäten des Zweibeiners (Lob und Bestätigung) muss darauf geachtet werden, dass sich der Hund zum Besitzer bewegt und dieser nicht dem Vierbeiner entgegen kommt.

Wichtig! Anfangs muss jede Investition des Hundes grundsätzlich auf Freiwilligkeit und vor allem auf EIGENINITIATIVE des Hundes beruhen. Es macht überhaupt keinen Sinn, den Vierbeiner durch lockende Hörzeichen zu manipulieren und beinahe schon selbsttrügerisch zu glauben, der Hund habe eine Investition gezeigt. Der Hund ist doch lediglich reaktiv und zeigt, wenn er gelockt wird, keine grundlegende, sozialbezogene Eigeninitiative.Doch genau darauf kommt es an! Der Mensch hütet sich davor, dem Hund soziale Signale zu senden, reagiert aber selbstverständlich anfangs auf jedes soziale Signal, das der Vierbeiner ihm sendet.

Betteln auf Distanz erlaubt


Möglicherweise reagiert der eine oder andere Vierbeiner auf das neue Modell Handfütterung innerhalb kurzer Zeit durch mehr oder weniger aufdringliches Betteln.
Im Umgang mit bettelnden Hunden gilt folgender Grundsatz: körperlich aufdringliches oder gar belästigendes Betteln nach Futter wird entweder ignoriert oder – in Härtefällen – erzieherisch unterbunden. Hingegen kann das Betteln auf Distanz anfangs durchaus eine Bestätigung durch den Hundebesitzer nach sich ziehen.Ein Betteln auf Distanz liegt dann vor, wenn sich ein Hund in mittelbarer Nähe seines Besitzers und somit körperlich distanziert aufhält. Dabei versucht er beispielsweise, den Kontakt zum Zweibeiner durch verstärkten Blickkontakt (betteln) zu gewährleisten, bedrängt Besitzer jedoch nicht körperlich.

Ein durchaus erwünschtes BETTELN AUF DISTANZ!

Das Betteln auf Distanz hat einen durchaus positiven Nebeneffekt. Solange die Bemühungen des Hundes sich konzentriert auf seinen Besitzer beziehen, bleibt für ihn weniger Zeit und Raum, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.Die Attraktivität irgendwelcher Spaziergänger lässt somit, vor allem mittel- und langfristig, deutlich erkennbar nach.Die bereits erwähnte Interessenkollision soll ja auch früher oder später dazu führen, dass das unerwünschte Bedürfnis des Hundes, zu Spaziergängern zu laufen, kaum noch erkennbar ist (Idealfall).Stattdessen rückt der immer attraktiver werdende Hundebesitzer zunehmend in den Fokus des Vierbeiners. Aus der anfänglichen Abhängigkeit infolge der Handfütterung soll sich mit der Zeit eine sympathische Zweier-Beziehung entwickeln, in der auch ohne permanente Futtergaben die soziale Kommunikation zwischen Mensch und Hund als harmonisch bezeichnet werden kann.


Hundebesitzer, die das Gefühl haben, dass sich ihnen der Vierbeiner beim Spaziergang wunschgemäß immer mehr zuwendet, beginnen – ganz im Sinne eines effektiven Investitionsplanes – den Hund zunehmend in einer so genannten Warteschleife zu halten.Was bedeutet das? Die Zeitdauer zwischen beispielsweise einer blickorientierten sozialen Kommunikation und der Futterbestätigung wird immer weiter gedehnt, wobei zwischendurch auch mal wieder kurze Zeitimpulse zur Bestätigung führen. Die für die Zukunft wichtige soziale Kommunikation gerät dadurch immer mehr in den Vordergrund. Der Hund kümmert sich auch beim Spaziergang trotz ablenkender Außenreize immer mehr um seinen Menschen.Während es zu Beginn der Handfütterung noch um vergleichsweise einfache Investitionen des Hundes geht (beispielsweise Blickkontakt), sieht der Investitionsplan für den Vierbeiner zu einem späteren Zeitpunkt schon deutlich mehr Anstrengungen vor.

Hervorragende Eignung als Bestandteil eines
Investitionsplanes: der Longierkreis!

Besitzt der Hundebesitzer erst einmal eine grundlegende Attraktivität, darf er sich durchaus zutrauen, die Leistungsanforderungen an seinen Hund kontinuierlich zu erhöhen.Erneut führen dabei die gezeigten Leistungen des Vierbeiners zu Erfolgen über die Handfütterung. Auch in den Fortgeschrittenen-Stadien gilt: Bestätigung erfolgt nach dem Spielautomaten-Prinzip. Allerdings sollte von nun an auch der ergänzende Grundsatz gelten,dass besonders hervorzuhebende Leistungen auch einer besonderen Belohnung (Beispiel Jackpot) bedürfen.

Eines gleich vorweg: die Handfütterung kann als methodische Hauruck-Aktion oder Kurzzeit-Intervall keinen Erfolg versprechen. Gerade wenn es darum geht, mittels Handfütterung auch soziale Sympathien und die persönliche Attraktivität zu verbessern, so muss stets für den Erfolgsfall ein mittleres und im Einzelfall auch ein Langzeitfenster errichtet werden. Mit dem Begriff Zeitfenster ist die erforderliche Zeitdauer der jeweiligen Maßnahme gemeint.Erfahrungsgemäß ist bei der Handfütterung ein Zeitrahmen von 6 bis 12 Monaten für den Erfolgsfall notwendig.
Zwar stellt sich oftmals der vermeintliche Erfolg schon nach wenigen Tagen ein, jedoch ist in dieser kurzen Zeit der Fokus des Hundes noch viel zu stark auf das Futter gerichtet. Und somit achtet der Hund noch viel zu wenig auf die Person des Hundebesitzers. In der Folge wird sich bei einer erneuten Umstellung auf die häusliche Normalfütterung sehr schnell das ursprüngliche Verhaltensproblem wieder einstellen.Manche Hundebesitzer und deren Vierbeiner finden regelrecht Spaß an dieser neuen Fütterungs-Praxis und behalten sie aus diesem Grund auch bei.





Der fünfte Teil folgt in wenigen Tagen
Weitere Kolumnen von Thomas Baumann
Wenn es um Erläuterungen zur Handfütterung geht, so darf der Futterbeutel in keinem Fall fehlen. Auf eine äußerst simple Weise lassen sich die Handfütterung, ursprüngliche Elemente des Jagdverhaltens, Besitzer-Fokus und auslastende Nasenarbeit miteinander verbinden
Die Erstellung eines Investitionsplanes – ob mit oder ohne Trainer – ist ein wesentlicher Erfolgsgarant in der Umsetzung einer effektiven Hand-fütterung. Damit sind wir bereits beim fünften wesentlichen Kernelement einer effektiven Handfütterung.
Der Trick: das Füttern zuhause wird nicht komplett eingestellt sondern in der Quantität extrem reduziert. Das bedeutet, der Hund wird weiter gefüttert, allerdings bekommt er dabei deutlich zu wenig. Mit nur noch einem Drittel der sonst üblichen Tagesration Futter ist mehr Garantie auf das Gefühl HUNGER gewährleistet, als wenn das Füttern gänzlich eingestellt wird.
Das zuerst genannte Kernelement der Handfütterung ist der verpflichtende Wegfall der regelmäßigen Fütterung. Dass Regelmäßigkeit bei der Nahrungsaufnahme erfolgshemmend sein muss, leuchtet schnell ein. Denn mit einer beispielsweise zweimal täglich vorgenommenen Fütterung um 08.00 Uhr und um 20.00 Uhr wird sehr schnell die Erwartungshaltung des Hundes auf diese Zeitbereiche vergleichsweise einseitig konditioniert...
„Essen hält Leib und Seele zusammen“. Ein jedem geläufiges Sprichwort, das nicht nur den positiven Wohlfühl-Nutzen der Ernährung sondern auch die existenzielle Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme widerspiegelt.In diesem Zusammenhang gibt es zwischen Mensch und Hund keine wesentlichen Unterschiede. Im Grunde genommen sind Essen (Mensch) und Fressen (Hund) kleine, spektakuläre Ereignisse, die uns Tag für Tag das Leben angenehm und im wahrsten Sinne des Wortes köstlich machen.
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In allen Lebensbereichen unterliegen neue Konzepte und Entwicklungen der skeptischen Wahrnehmung durch die Außenwelt. Das ist gut so und solange dabei Objektivität gewahrt wird, auch äußerst sachdienlich.
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Schenken wir den Werbemedien Glauben, müsste sich im Grunde genommen das Verhältnis zwischen Mensch und Hund derzeit auf einem noch nie da gewesenen, hohen Niveau befinden...
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Ist das wirklich so?
Im zweiten Teil von Freiheit oder Chaos spricht Thomas Baumann über das verzerrte Bild einer Welpenerziehung: "Mit einem völlig falschen Verständnis für Sozialisation lassen Hundebesitzer ihre Welpen zu fremden Menschen hinlaufen. Dort werden sie hingebungsvoll betätschelt, geknuddelt und letztlich noch mit Leckerli „versorgt“."
In seinem Buch "Ich lauf´schon mal vor..." bringt uns Thomas Baumann den weiten der Hundeerziehung einen großen Schritt näher. Auf dogSpot werden wir einige interessante kapitel kostenlos zur Verfügung stellen und beginne mit dem ersten Teil des Kapitels: Freiheit oder Chaos
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