Michael Grewe

Michael Grewe ist einer der bekanntesten Hundetrainer im deutschsprachigen Raum und
Mitbegründer sowie Inhaber von Canis-Zentrum für Kynologie. Seine Arbeit beschränkt sich
keineswegs nur auf die Hundeausbildung. Neben der Arbeit mit schwierigen und
aggressiven Hunden, ist er auch als Dozent und Autor tätig.
Falscher Hase - Teil 4
Im Grunde leben wir doch, was das Soziale angeht, ineiner relativ körperlosen Zeit. Körperlichkeit ist eherverpönt und gelingt vielen Menschen weder im Gutennoch im Bösen. Von Schmusen und Streicheln bis hinzum Festhalten und Begrenzen, fällt es Menschen schwer,damit unkompliziert aus dem Bauch heraus zu handeln.Und am Ende gehört doch alles irgendwie zusammen.Dann wird umfassend erzogen oder entwickelt.

Hunde und auch sicherlich Kinder (bis zu einer bestimmten Entwicklungsstufe) sind doch ganz besonders auf Körperlichkeit angewiesen, sind sie kommunikativ ja noch gar nicht so weit entwickelt, dass sie ihre Bedürfnisse und sozialen Ansätze verbal formulieren können. Bei Kindern ändert sich das ja bekanntlich. Hunde bleiben jedoch immer überwiegend körperlich. Anstatt im Bereich der Erziehung und am besten auch grundsätzlich eine Form der geschlechtlichen Gleichmacherei zu idealisieren, könnte man ja auch mal wieder versuchen, die Dinge so hinzunehmen, wie sie eben sind. Dann hätte jeder seine Möglichkeiten und vor allen Dingen seinen sinnvollen Beitrag zur Erziehung abzuleisten. Das heißt: Männer und Frauen gehören mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten zu gleichen Teilen in die Erziehung. Übertragen wir die o. g. Untersuchungen auf das Spielverhalten von Menschen und Hunden, kommt man nicht umhin zu sagen, dass das körperliche Spiel hier mit Sicherheit genauso attraktiv ist wie bei Menschenkindern. Kämpfen und Rangeln, Jäger und Gejagter spielen, zu gewinnen und zu verlieren lernen. Das sind doch offensichtlich ganz wichtige Bereiche des sozialen Lernens, die nicht nur über Intellekt und Equipment abgeleistet werden können.



Im körperlichen Spiel mit dem Hund hat der Mensch die Möglichkeit, auch hier eine Beißhemmung zu etablieren. In einiger Hundeliteratur steht zum Beispiel, dass der Mensch, der mit seinem Hund Zerrspiele macht, immer gewinnen sollte. Kampfspiele Mensch-Hund sind zum Teil gänzlich verpönt und wenn, dann sollte der Mensch auch immer gewinnen.
Was ist denn das für eine Entwicklung? Wenn jemand immer verliert? Da können nette Menschen auf einmal unglaublich hart sein und dem Hund so absolut keinen sozialen Raum bieten. Worauf es aber ankommt, ist doch immer der soziale Kontext des Einzelfalles, und es gibt gute Gründe, dieses oder jenes besser nicht zu tun. Wenn aber alles wunderbar ist, warum nicht mal den Hund gewinnen lassen? Erfolg macht auch sicher und selbstbewusst, und das ist gut für ein kompetentes Verhalten.
Wenn man sich so objektiv wie möglich die heutigen Welpengruppen oder aber auch Hundeschulen im Allgemeinen ansieht, wird man jedoch beobachten, dass dort überwiegend Frauen tätig sind. Logischerweise wird dort sicherlich auch überwiegend der biologische weibliche Spielaspekt in die Arbeit mit Welpen eingebracht. Daran hat jetzt sicher niemand Schuld, es ist jaauf der menschlichen Erziehungsseite ein gleiches Bild, und so etwas bringt ja auch der politische und soziale Zeitgeist mit sich. Das wäre doch mal ein Auftrag an die Männer: sich nicht so sang- und klanglos von der Erziehungsbühne schubsen zu lassen oder sich im Einzelfall auch schlichtweg zu verdrücken. In diesem Zusammenhang ist es schon sehr spannend, sich einmal eine Welpengruppe ohne Schnickschnack von IKEA vorzustellen, deren Ausrichtung dahin geht, den Menschen wieder zu vermitteln, wie man spielt. Mit sich selbst als Medium! Aber auch mit den anderen Möglichkeiten. Und weil es für einige Hunde so fatal ist, in einer unqualifizierten Welpengruppe heranzuwachsen, möchte ich betonen, dass es besser ist, in keiner Welpengruppe gewesen zu sein, als in einer schlechten! Spielverhalten und rassespezifische Verhaltensdispositionen von Hunden sind ein weiteres Thema, was die Arbeit in diesen Bereichen an ein hohes fachliches Niveau koppelt. Ohne den Rasseunfug im Detail schildern zu wollen, möchte ich nur einige Aspekte beschreiben, die wiederum im Spielverhalten erkennbar sind und auch direkten Einfluss darauf haben.

Nehmen wir einmal die Typen Hütehunde, Terrier, Windhunde und Retriever. Alle sind sie für gewisse Arbeiten gezüchtet, und aus diesem Grund hat man Verhaltenselemente aus dem Jagdverhalten bei der Zucht bevorzugt. Und diese Verhaltenselemente werden von den Hunden auch bevorzugt gezeigt. Sie drängen sich quasi in den Vordergrund. Der Hütehund neigt zum Fixieren, der Terrier zum Packen, Windhunde zum Laufen, und Retriever nehmen alles ins Maul. Das ist Genetik, gegen die man nichts machen kann. Man sollte sie aber bedenken und ein waches Auge auf gewisse Eigendynamiken haben, um diese Dispositionen nicht noch versehentlich weiter zu fördern. Die o. g. Hundetypen werden sich insbesondere im Spiel in diesen – in den Vordergrund gezüchteten – Verhaltensbereichen aufhalten.

Der Hütehund wird sein Fixieren einbringen und läuft daher Gefahr, durch den Ball in diesem Bereich ungünstig gefördert zu werden, bis er letztlich nicht mehr aus dieser Handlungsschlaufe heraus kommt. Der Terrier will oder besser muss packen und wird auch dies im Zusammenhang mit dem Ball gern auf alles, was sich bewegt, übertragen. Windhunde sind eher unkritisch, weil es hier eher um den Spaß beim Laufen geht. Kein Packen, kein Fixieren, nur Laufen. Man wird auch feststellen, das diese Hundetypen auch sehr schwer„ballverrückt“ zu machen sind. Sie haben eben keine genetische Disposition, die dies anbietet. Sollten Windhunde allerdings zur Mode werden, kann sich das schnell ändern, weil dann die Selektion nicht mehr über Verhalten, sondern über optische Kriterien abläuft, und dann wird Verhalten unklar. Tja, und der arme Retriever kann durch den Ball oder auch viele andere Dinge, die man ins Maul nehmen kann, zu einer Karikatur seiner selbst werden. Immer grunzend einen Gegenstand im Maul zu haben zu müssen, ist sicherlich auch nicht das, was sich ein Hund von sich selbst wünschen würde, wenn er könnte. Wer weiß?
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Im Grunde leben wir doch, was das Soziale angeht, ineiner relativ körperlosen Zeit. Körperlichkeit ist eherverpönt und gelingt vielen Menschen weder im Gutennoch im Bösen. Von Schmusen und Streicheln bis hinzum Festhalten und Begrenzen, fällt es Menschen schwer,damit unkompliziert aus dem Bauch heraus zu handeln.Und am Ende gehört doch alles irgendwie zusammen.Dann wird umfassend erzogen oder entwickelt.
Im Spiel der Welpen untereinander kann man auch beobachten, wie sie ihr gesamtes angeborenes Verhalten völlig durcheinander und auch der Situation nicht angepasst zeigen. Hier vermischen sich die so genannten Funktionskreise. Beschränken wir uns auf Jagd- und Aggressionsverhalten, haben wir es beim Jagen mit dem Funktionskreis des „stoffwechselbedingten Verhaltens“ zu tun.
Häufig bleibt keine Zeit für das so wichtige soziale Lernen. Aggressionen sind verpönt und werden sofortunterbunden. Der Welpe kann nicht mehr lernen, waser unbedingt lernen muss: mit seinen Aggressionenumgehen!
Um Spielverhalten haben sich Wissenschaftler aus denBereichen der Entwicklungspsychologie, der Pädagogik,der Verhaltensbiologie und der Soziologie Gedankengemacht. Niemanden wird es überraschen, dass sichdie unterschiedlichen Fachbereiche nicht in allem einigsind. Doch es gibt grundsätzliche Übereinstimmungendarin, Spielverhalten zu definieren, um somit zu beschreiben,was Spiel überhaupt für eine Funktion hat und wie Spiel aussehen kann. Auch was dabei mit und zwischenden Spielenden von außen unsichtbar geschieht.
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Allein das Wort lässt bei einigen Menschen den Puls schneller schlagen.Erlebte Aggression führt dann häufig zu weiteren körperlichen Reaktionen, Angst setzt ein und es kommt zu Handlungsunfähigkeit (Angst lähmt) oder nicht selten zu übersteigerten Handlungen...
Der Hund stammt vom Wolf ab. Er hat wölfische Wesensmerkmale und Bedürfnisse. Aufgrund dieser Abstammung hat er die folgenden Rechte, obwohl er ein Mitglied unserer Gesellschaft ist. Hundehalter, Züchter und Ausbilder sind aufgerufen, sich diese Rechte stets gegenwärtig zu halten
Im folgenden Text möchte ich einige meiner Gedanken und Erfahrungen, die ich als Hundetrainerin 25 Jahren sammeln konnte, dem Leser zur Diskussion stellen. Meine kritischen Erläuterungenhierbei sind nicht gegen den einzelnen Hundetrainer bzw. Verhaltenstherapeuten als Person odergegen eine einzelne Hundeschule gerichtet, sondern sollen vielmehr den „Zeitgeist“ in Bezug aufHundeerziehung in unserer Gesellschaft ansprechen (ich bin ein Teil davon!).
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