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Michael Grewe

Michael Grewe ist einer der bekanntesten Hundetrainer im deutschsprachigen Raum und
Mitbegründer sowie Inhaber von Canis-Zentrum für Kynologie. Seine Arbeit beschränkt sich
keineswegs nur auf die Hundeausbildung. Neben der Arbeit mit schwierigen und
aggressiven Hunden, ist er auch als Dozent und Autor tätig.
Falscher Hase - Teil 3
Im Spiel der Welpen untereinander kann man auch beobachten, wie sie ihr gesamtes angeborenes Verhalten völlig durcheinander und auch der Situation nicht angepasst zeigen. Hier vermischen sich die so genannten Funktionskreise. Beschränken wir uns auf Jagd- und Aggressionsverhalten, haben wir es beim Jagen mit dem Funktionskreis des „stoffwechselbedingten Verhaltens“ zu tun.

Bei Aggression geht es um „Sozialverhalten“. Beides hat eigentlich absolut nichts miteinander zu tun. Im Spiel der Welpen erkennt man aber die Vermischung ganz deutlich. Es wird sich zum Beispiel wie an eine Beute an einen anderen Welpen angepirscht, der dann davon rennt und gejagt wird. Wird er gefangen, beginnt nicht selten eine wie oben beschriebene Auseinandersetzung mit aggressiven Elementen. Hier sind Aggressionen zunächst nicht angepasst, werden aber nach entsprechenden Lernvorgängen den adäquaten Situationen zugeordnet.



Der Hundewelpe lernt zudem, dass andere Hunde - und Menschen! - nicht ins Beutespektrum gehören. Soziale Kommunikation ist das eine und Jagen das andere. Werden diese Verhaltensbereiche in der Welpenentwicklung nicht im Spiel sortiert und bleiben also miteinander vermischt, resultieren daraus in der Regel als relativ kritisch zu beurteilende erwachsene Hunde, die man in den beiden erwähnten Verhaltensbereichen eher als unklar bezeichnen muss. Wann und was wird gejagt, sowie wann und wie verhält sich der Hund aggressiv sind dabei die Risikobereiche. In Bezug auf Umweltsicherheit und Sozialverträglichkeit sind das die sicherlich am ernstesten zu nehmenden Risiken, da Übergriffe in Bezug auf Beißvorfälle gegen Menschen und Hunde häufig hier einzuordnen sind. Der tödliche Angriff auf den kleinen Volkan im Juni 2000 in Hamburg resultiert zum Beispiel aus diesem Phänomen. Jagen und die sinnvolle Aneinanderreihung jagdlicher Sequenzen wird ebenfalls im Spiel gelernt. Bei den Welpen kann man beobachten (und das Kapital guter Hundetrainer ist nun mal die Beobachtung), wie sie sich an einen Plastikblumentopf, der im Garten liegt, anpirschen und an ihm den Beutesprung machen, um danach noch mal ins Fixieren zu wechseln. Passt nicht so ganz. Fixieren passiert, wenn die jagdliche Handlung vollständig abläuft, was bei vielen Rassen genetisch bedingt nicht mehr der Fall ist, vor dem Anpirschen. Es wird aber auch gelernt, dass man Blumentöpfe nicht jagen kann. Zum einen, weil sie sich nicht bewegen und zum anderen, weil man sie nicht fressen kann. Wenn in der Welpenentwicklung sinnvoll mit dem Phänomen Spiel umgegangenwird, hat man die Möglichkeit, den Auslösereiz für jagdliche Muster festzulegen oder besser: sich festlegen zu lassen. Das lernen die meisten Hunde eher ganz allein. Der Welpe rennt zum Beispiel hinter dem Laubblatt her und fängt es. Dann wird er darauf herumbeißen und es probieren, woraufhin er dann feststellt, dass es nicht schmeckt. Der Auslösereiz für diese Blattjagd war zwar die Bewegung des fliegenden Blattes, die Erkenntnis aber war, dass es sich nicht lohnt.
Somit lernt ein Hund aus der Situation heraus, die Bewegungsreize seiner Umwelt zu differenzieren. Das heißt noch lange nicht, dass man mit dem erwachsenen Hund keine Probleme im Bereich Jagdverhalten hat. Aber die ahrscheinlichkeit, dass er alles jagt, was sich bewegt, ist hier geringer. Trainiert man aber den Hund ungünstig mit dem Ball, ist die Wahrscheinlichkeit eher groß, dass zumindest gewisse Hundetypen in der Folge dieses Vorgehens die Bewegungen in ihrer Umgebung nicht differenzieren können und schließlich jede Bewegung als Auslösereiz für jagdliche Motive angenommen wird.

Radfahrer, Skater, Jogger, kleine Hunde u.s.w.: alles Elemente, die nicht ins Beutespektrum eines Caniden gehören. Hunde, die das nicht gelernt haben, sind weit entfernt von Umweltsicherheit und unter Umständen auch von Sozialverträglichkeit. Es sei denn, man wünscht dieses Verhalten… An dieser Stelle ist es, glaube ich, Zeit, meine Argumentation um den Ball und den Unfug damit zu relativieren. Wer ein Gefühl für richtiges Spielen hat oder manchmal einfach nur Glück hat, den geeigneten Hund zu haben, kann sicherlich den Ball ins Spiel einbauen und ein schönes objektbezogenes Sozialspiel leisten, ohne ein Problem heraufzubeschwören. Bei den meisten Hunden wird es bis auf soziale Verblödung auch wahrscheinlich keine weiteren Schäden der gar Risiken für die Umwelt geben. Ich möchte jedoch in diesem Zusammenhang nachdrücklich darauf hinweisen, dass das Risiko und der Missbrauch gegen den Hund im Einzelfall eine ernst zu nehmende Gefahr darstellen kann. Bälle sind für den Umgang mit dem Hund und für eine gut funktionierende Beziehung also grundsätzlich kein Hindernis. Sie sind allerdings schlichtweg nicht nötig. Das belegen 15.000 Jahre Hundeentwicklung und Mensch-Hund-Beziehungen ohne jegliches Modezubehör, mit vermutlich kompetenteren Ansätzen von Seiten der Menschen, die weder ihre sozialen Defizite über den Hund kompensieren mussten, noch ihreSelbstdarstellung über Hunde laufen ließen.

Wie der Bereich der sozialen Erziehung über ausschließlich positive Belohnung, was sicherlich als „erfolgloses Experiment“ einzuordnen und mit Sicherheit einen eigenen Artikel wert ist, bilden auch Zubehör und nicht zuletzt allerlei merkwürdiges Hundefutter einen gigantischen aber ebenso fragwürdigen Markt. Und der Markt orientiert sich an vielen Dingen - nur leider nicht am Hund. Wie könnte denn ein förderliches Spiel Mensch- Hund aussehen, wenn man den Ball mal wegließe? Sehr interessant sind folgende Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Arbeiten um das Spielverhalten von Müttern und Vätern. Nun will ich ja nicht Hunde und Menschenauf eine Ebene stellen, aber wie bereits erwähnt, lassen sich gewisse Argumentationen aus dem Bereich des Spielverhaltens von Menschen und Hunden sicherlich vergleichen.Nehmen wir einmal klischeehaft an, dass ein Hund an Kindesstatt in einer Mann-Frau-Beziehung lebt. Er kommt als Welpe in die Beziehung und hat eine hohe soziale Wertigkeit und Funktion in diesem Gefüge. Dass der Mensch hier seiner Biologie folgt und mit dem Sozialpartner Hund in etwa so umgeht wie mit einem Menschenkind, kann man sich mit etwas Fantasie gewiss vorstellen, und es wäre nicht einmal verwerflich, wenn umfassende biologische Mechanismen greifen würden.

1. Im elterlichen Interaktionsverhalten fanden sich nur in zwei Variablen Unterschiede: Mütter zeigten eine höhere Rate an Verbalisierung und spielten signifikant häufiger konventionell und über Spielzeug, während Väter eher körperliche Spielaktivitäten wählten, worauf die Kinder besonders stark reagierten. (Lamb 1976 - 1980)

2. Das Spiel mit dem Vater war etwas kürzer, weniger durch Spielzeug bestimmt und bestand eher in einer körperlichen Aktivität. Mütter bevorzugten Aktivitäten, die eher intellektuell waren und Spielmaterialien einbezogen, während Väter soziale und physische Aktivitäten wählten. (Clarke-Stewart 1978 - 1980)


(Beide Untersuchungen sind dem Buch „Entwicklungspychologie des Kindes“ von Schenk-Danzinger entnommen.) Frauen spielen so und Männer eben anders. Ganz neutral und wertfrei. Was heutzutage bei Geschlechterthemen ja schon schwierig ist. Eigentlich schneiden Frauen ja bei diesen Untersuchungen auch besser ab. Sie sind intellektueller, reden und benutzen zumindest Spielzeug und Materialien. Männer sind nur kurz angebunden und körperlich. Irgendwie ein bisschen simpel und primitiv. Vielleicht passt aber gerade das auch gut zu gewissen Hunden. Das Körperliche! Man erkennt ja auch den Spaß, den das Gegenüber damit hat.



Der vierte und letzte Teil von Falscher Hase folgt in wenigen Tagen
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Im Grunde leben wir doch, was das Soziale angeht, ineiner relativ körperlosen Zeit. Körperlichkeit ist eherverpönt und gelingt vielen Menschen weder im Gutennoch im Bösen. Von Schmusen und Streicheln bis hinzum Festhalten und Begrenzen, fällt es Menschen schwer,damit unkompliziert aus dem Bauch heraus zu handeln.Und am Ende gehört doch alles irgendwie zusammen.Dann wird umfassend erzogen oder entwickelt.
Im Spiel der Welpen untereinander kann man auch beobachten, wie sie ihr gesamtes angeborenes Verhalten völlig durcheinander und auch der Situation nicht angepasst zeigen. Hier vermischen sich die so genannten Funktionskreise. Beschränken wir uns auf Jagd- und Aggressionsverhalten, haben wir es beim Jagen mit dem Funktionskreis des „stoffwechselbedingten Verhaltens“ zu tun.
Häufig bleibt keine Zeit für das so wichtige soziale Lernen. Aggressionen sind verpönt und werden sofortunterbunden. Der Welpe kann nicht mehr lernen, waser unbedingt lernen muss: mit seinen Aggressionenumgehen!
Um Spielverhalten haben sich Wissenschaftler aus denBereichen der Entwicklungspsychologie, der Pädagogik,der Verhaltensbiologie und der Soziologie Gedankengemacht. Niemanden wird es überraschen, dass sichdie unterschiedlichen Fachbereiche nicht in allem einigsind. Doch es gibt grundsätzliche Übereinstimmungendarin, Spielverhalten zu definieren, um somit zu beschreiben,was Spiel überhaupt für eine Funktion hat und wie Spiel aussehen kann. Auch was dabei mit und zwischenden Spielenden von außen unsichtbar geschieht.
Allein das Wort lässt bei einigen Menschen den Puls schneller schlagen.Im zweiten Teil zum Thema Aggression geht Michael Grewe vor allem auf die einzelnen Lerntheorien ein: Welche gibt es und welche sind sinnvoll?
Allein das Wort lässt bei einigen Menschen den Puls schneller schlagen.Erlebte Aggression führt dann häufig zu weiteren körperlichen Reaktionen, Angst setzt ein und es kommt zu Handlungsunfähigkeit (Angst lähmt) oder nicht selten zu übersteigerten Handlungen...
Der Hund stammt vom Wolf ab. Er hat wölfische Wesensmerkmale und Bedürfnisse. Aufgrund dieser Abstammung hat er die folgenden Rechte, obwohl er ein Mitglied unserer Gesellschaft ist. Hundehalter, Züchter und Ausbilder sind aufgerufen, sich diese Rechte stets gegenwärtig zu halten
Im folgenden Text möchte ich einige meiner Gedanken und Erfahrungen, die ich als Hundetrainerin 25 Jahren sammeln konnte, dem Leser zur Diskussion stellen. Meine kritischen Erläuterungenhierbei sind nicht gegen den einzelnen Hundetrainer bzw. Verhaltenstherapeuten als Person odergegen eine einzelne Hundeschule gerichtet, sondern sollen vielmehr den „Zeitgeist“ in Bezug aufHundeerziehung in unserer Gesellschaft ansprechen (ich bin ein Teil davon!).
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