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Mensch mit Hund

Seit mehr als 13 Jahren hat die ehemalige Hardlinerin in der Hundeerziehung viele Erfahrungen gesammelt.
Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie vor 10 Jahren eine Hundeschule, die von Anfang an auf Gewalt
verzichtet. Heute lebt sie mit Ihrer Lebensgefährtin und ihren sechs Hunden, von denen 3 stark sehbehindert
oder ganz blind sind, in Oberbayern.
Urlaub mit vielen Hunden
...oder Ich lach mich tot

Es gibt Tage, die sind öd und grau und das Aufstehen ist schon eine Zumutung. Man schleppt sich so dahin, erledigt seine Aufgaben nach Vorschrift, aber ohne Elan, latscht mit seinen Hunden durch die Gegend und hofft auf den Abend, wenn alles vorbei ist. Aber manchmal kommt mitten an so einem gebrauchten Tag jemand daher und sagt etwas, das den Tag auf einen Schlag rettet. Ich muffle also durch die Gegend und sehe einem Menschen auf einsamer Flur, der mir entgegenkommt. Ich hole meine Hunde zu mir ran. Ich kann ja nicht wissen, wie der Typ hundemäßig so drauf ist. Der Mensch bleibt stehen und schaut meine Wuffels an. „Haben Sie noch nie Hunde gesehen“? möchte ich maulen, aber weil ich weiß, dass meine Mama ganz traurig wäre, wenn ich meine gute Kinderstube so grob verraten würde und weil so ein Satz ja auch unhöflich ist, lächle ich verkniffen und grüße knapp. „Ach, das sind ja viele!“ lächelt der Mann. Hey, das ist ja ganz große Mathematik! Eins, zwei, viele… „Jaa,“ lächle ich, noch immer verkniffen, zurück. Und ich weiß, welche beiden Fragen als nächstes zur Auswahl stehen: Variante 1:„Sind das alles Ihre?“ , Variante 2: „Sind Sie ein Tierheim?“. Tausendmal gehört. Es kommt die Tierheimfrage. Ich möchte antworten „Nein, ich bin ein Mensch mit sechs Hunden, oder seh ich aus wie ein Gebäude?“, aber ich beantworte bereits diese Frage mit der Antwort für die Variante 1 „Nein, das sind alles meine“. Und wie üblich klappt meinem Gegenüber erstmal die Kinnlade herunter, frische Luft dringt in den Mundraum ein und der Sauerstoff verursacht lustige Gehirnaktivitäten. Und so kommt sie dann auch, die Frage, die mich so ungemein erheitert, dass der Tag gerettet ist: „Wie fahren Sie denn mit denen in Urlaub?!“. Ich schnappe nach Luft, verschlucke mich fast, auch meine Kinnlade saust nun herab und in meinem Kopf bilden sich in Sekundenbruchteilen Bilder von Urlaubfahr-Szenarien…

Ich wollte nicht mal Zwillinge haben…


Es dauert ja allein schon eine halbe Ewigkeit, bis ich meine Alten- und Behindertenhundegruppe zum einfachen Gassigang ins Auto verstaut habe. Brustgeschirre anziehen, Leinen einsammeln. Wenn es kalt oder regnerisch ist, auch noch Mäntel anziehen. Irgendeiner hat immer noch was im Garten zu schnuppern oder verpennt den Start oder muss noch schnell „für später“ einen Kauknochen hinter Sofakissen verstecken oder sonst was tun, um die Abfahrt zu verzögern. Als Gepäck haben wir nur einen Bauchgurt und für alle Fälle sechs Leinen dabei. Und nun stelle ich mir vor, wie wir in Urlaub fahren… Sechs Näpfe, sechs Hundebetten, Knabberkram, Dosenfutter als Urlaubsfüttervariante für mindestens mal die ersten drei Tage, bis ein Zooladen gefunden wurde, Medizin und Pülverchen für die diversen Wehwehchen älterer Hunde. Und dann unser eigenes Gepäck. Auch bei sparsamster Planung sind für eine Woche sieben Unterbüchsen, zwei Unterhemden, zwei BHs, drei paar Socken, zwei lange Hosen, vier Shirts und zwei Jacken das Minimum, das eine einigermaßen kultivierte Frau an Bekleidung mit sich führen sollte. Das ganze mal zwei. Wir schminken uns nur wenig, aber ein Kulturbeutel pro Person sollte schon sein. In unserem Renault Kangoo stapeln sich die Hunde auch schon ohne nennenswertes Gepäck fast bis unters Dach. Suertes Gitterbox, darauf das Penthouse unseres Pekinesen, ansonsten können die Hunde auf diversen Decken ihre Position frei wählen. Viel Platz ist dann nicht mehr. Wohin also mit dem Gepäck? Draculas Reisesarg, so ein „Topcase“, wie man es neudeutsch nennt, können wir mangels Reling, nicht anbringen. Anhänger ist auch nicht, keine Anhängerkupplung, außerdem kommt man dann gar nicht mehr vorwärts! Also haben wir es schon mal so gemacht, dass wir vom Schreiner eine herausnehmbare Zwischendecke haben machen lassen. Klötze drunter, unter die Zwischendecke das Gepäck, oben drauf die Hunde samt Betten. Ungesicherte Ladung nennt man so etwas und es kostet 40 Euro. Ob das pro Hund sein würde, will ich gar nicht erst ausprobieren, die Polizei hatte uns auch nicht erwischt. Wir sind so an die Ostsee gefahren, in eine Ferienwohnung, die angeblich eine für Hunde gut gangbare Treppe ins Obergeschoss hatte, wo wir schlafen wollten. Die Treppe, eine bessere Hühnerleiter, hätten die Hunde vielleicht rauf geschafft, runter aber nur im freien Fall und mit gebrochenen Beinen. Wir übrigens auch, also haben wir unten auf dem Ausziehsofa geschlafen. Den Protest unserer Wirbelsäulen haben wir noch wochenlang gespürt… Wir hätten den Vermieter gerne gevierteilt, weil er uns wegen der Treppe so einen Mist erzählt hat oder sich einfach mit Hunden nicht auskannte, aber auf Vierteilen steht Gefängnis und wer hätte sich dann um die Hunde gekümmert…

Und damals waren es „nur“ fünf…


Damals waren unsere Hunde noch drei Jahre jünger als jetzt und es war schon echt anstrengend mit ihnen. Inzwischen ist Wonda dement und scheint sogar in vertrauter Umgebung manchmal nicht zu wissen, wo sie ist. Und unser blinder Suerte müsste einen ganz neuen Lageplan in seinem Kopf abspeichern. Winni würde noch weniger als Wonda begreifen, überall anecken und dann endlich einen Teppich finden, auf den er pieseln wird, weil dieser verwirrte alte Herr ja nicht mehr meldet, wenn er muss, sondern nur laufen lässt. Ich stelle mir vor, wie wir mit fünf Hunden an der Leine und einer freilaufenden, kleinen schwarzen Pudelmix-Zicke die Umgebung erkunden und auch dort ständig gefragt werden, ob wir ein Tierheim sind oder ob das „etwa“ alles unsere Hunde seien… Diese Vorstellung lässt mich grinsen. Eigentlich ist alles wie Zuhause, nur fremder. Und wir müssten für den Umstand auch noch zahlen. Und weit fahren, denn wenn wir schon Urlaub machen würden, dann an der See und die ist nun mal nicht um die Ecke, sondern locker 1000 Kilometer weit weg. Das bedeutet, mindestens zehn Stunden Fahrt, unterwegs die Hunde lüften, wieder im Auto verstauen, einmal füttern. Und dann auch noch für den Umstand mindestens 50 Euro pro Tag für ein Ferienhaus zahlen? So ein Urlaub würde uns locker mal eben 700 Euro kosten, mit Sprit und Unterkunft. Wenn überhaupt jemand an uns vermieten würde, denn selbst den wohlgesonnensten Vermietern, die ihre Unterkünfte nur an Hundbesitzer vermieten, hat es schon die Sprache verschlagen, als wir damals anfragten, ob wir denn wohl auch mit fünf Hunden bei ihnen entspannen dürften. Und heute sind es sechs. Och nee, wenn so was Urlaub sein soll, dann brauche ich das so dringend wie einen Kropf!


Urlaub ist hier


Alle diese Szenarien fallen mir in Sekundenschnelle ein und währenddessen fällt mein Blick auf die Bergkulisse hinter dem Mann mir gegenüber. Ich kenne die Namen der Berge nicht, wandern ist mit den Oldies ja nicht mehr, aber irgendwo da ist die Benediktenwand. Aber ich weiß, wie schön es hier ist. Wie majestätisch die Berge aussehen, wenn Schnee auf ihnen liegt und die Sonne scheint. Wie wunderbar die Hänge leuchten, wenn die Bäume im Frühling wieder grünen. Wie feuerrot die Laubwälder sind, wenn der Herbst sich zum letzten Glühen aufbäumt. Wieviel Geld die Touristen dafür ausgeben, aus allen Teilen der Republik hier her in Urlaub zu fahren. Mensch, ich wohne in einem der beliebtesten Ferienziele in Oberbayern und der Mann fragt mich, wo wir Urlaub machen… Ich grinse breit, dann fange ich an zu lachen und krieg mich fast nicht mehr ein. Der Mann schaut mich an wie ein Auto und ist mehr und mehr verunsichert. Ich erlöse ihn, indem ich japse „Uuurlaaauuub? Mit all den Hunden? Ich schmeiss mich weg!“ Nein, nein, erkläre ich ihm, mit so vielen Hunden führen wir nicht in Urlaub und überhaupt wohnten wir „im Urlaub“, quasi sozusagen. Ich höre auf zu lachen, aber ein Strahlen bleibt auf meinem Gesicht. Ich habe grad 700 Euro gespart. Mindestens. Und Nerven. Ganz viele. Nein, wir fahren nicht in Urlaub. Nicht mit sechs Hunden. Und wenn es mal weniger sind, dann bedeutet das gleichzeitig, dass einige nicht mehr leben und bis dahin ist es hoffentlich noch viel, viel Zeit. Ich wünsche dem netten Herrn, der immer noch ein wenig verwirrt schaut, einen schönen Tag und setzte wohlgemut meinen Weg mit den Hunden fort. So schlecht ist der Tag ja doch nicht! Und wenn wir dann müde und hungrig zu Hause ankommen, dann ist alles vertraut. Eigenes Essgeschirr, eigenes Sofa, eigenes Bett. Herrlich. Ich wollte immer mal nach Tahiti. Natürlich ohne Hunde. Aber das wird wohl erst in meinem nächsten Leben etwas. In diesem Leben sicher nicht.















© Franziska Feldsieper
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Ich freue mich, dass Euch nun ein bis zweimal pro Monat mit meinen Kolumnen zum Lachen oder auch zum Nachdenken bringen darf. Ihr dürft gespannt sein.
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