Mensch mit Hund
Seit mehr als 13 Jahren hat die ehemalige Hardlinerin in der Hundeerziehung viele Erfahrungen gesammelt.
Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie vor 10 Jahren eine Hundeschule, die von Anfang an auf Gewalt
verzichtet. Heute lebt sie mit Ihrer Lebensgefährtin und ihren sechs Hunden, von denen 3 stark sehbehindert
oder ganz blind sind, in Oberbayern.
Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie vor 10 Jahren eine Hundeschule, die von Anfang an auf Gewalt
verzichtet. Heute lebt sie mit Ihrer Lebensgefährtin und ihren sechs Hunden, von denen 3 stark sehbehindert
oder ganz blind sind, in Oberbayern.

Der Welpenschutz
oder "Der ist doch noch so klein und lieb"



Und Steffis Mutter ist sehr stolz auf ihre Tochter, die sich so trietzen lässt und dem süßen Kleinkind alle Freiheiten der Welt lässt. Aber am nächsten Tag reicht es Steffi und als auch die ziemlich klaren Worte, mit denen sie Annalena in die Schranken weisen will, nichts bringen, schnappt sie sich das Rotzgör, schubst es in eine Ecke, fährt es an und macht ihm klar, dass es sich noch viel mehr Ärger einhandelt, wenn es auch nur wagt, noch einmal in ihre Nähe zu kommen!
Alle sind entsetzt, besonders Steffis Mutter. Ihre Tochter ist ein Monster, wahrscheinlich muss sie in ein Umerziehungslager, um ihre Gewalttätigkeit in den Griff zu bekommen, wie grauenhaft. Kann sie dieses junge Mädchen noch lieben? Und Annalena? Die heult und kreischt infernalisch, humpelt ein wenig und wird von ihrer Mutter getröstet, wie jemand so gemein zu ihr sein kann, wo sie doch gar nichts getan hat… Und sie wird einen Psychologen engagieren, damit Annalena keinen Schock fürs Leben hat und ihrerseits ein Monster wird…
Kommt Ihnen die Szene komisch vor? Wenn wir davon ausgehen, dass es sich wirklich um Menschen handelt, wäre es gelinde gesagt befremdlich, denn wer würde sich von einem Kind, das keine Grenzen zu kennen scheint, derart nerven lassen? Und Annalenas Mutter hätte längst eingegriffen, es sei denn, sie gehört zur Spezies „Antiautoritär erziehendes Elternteil“. Ich übersetze solche Leute aber gern mit „Ich hab als Eltern keine Lust, mir Gedanken zu machen, wie ich Grenzen setze und tarne meine Faulheit als Liebe zum Kind“. Umsichtige Eltern hätten ihr Kind längst weggeholt, ihm etwas zum Spielen angeboten oder selber etwas Interessantes mit ihr gemacht. Uns Steffis Mutter hätte sich gewundert, wieso ihre sonst so selbstbewusste, erwachsene Tochter sich solche Frechheiten gefallen lässt und hätte sich vielleicht auch gefragt, ob Steffi krank sei…
Nerviges Kind – süßer Welpe??
Aber Annalena und Steffi sind keine Menschen, sondern Hunde und sie heißen Lara und Zita (Namen geändert, aber Situation real). Lara ist 12 Wochen alt und Zita 2 Jahre, also trifft hier ein Welpe auf eine gestandene Hündin. Zita hat einen geschlagenen Tag lang versucht, den aufdringlichen Jundspund zu ignorieren, hat beschwichtigt und auch mal gegrummelt. Und Lara hat sich als besonders lernresistent und kackendreist erwiesen und immer weiter genervt. Niemand hat eingegriffen, den Mörderanschiss, den sich Lara dann am zweiten Tag abgeholt hat, zu verhindern.
Und wer ist die Böse? Na klar, die „aggressive“ Zita, die nach der Meinung einer grad am Bauernhof vorbeikommenden Wandergruppe, auf der Zita und Frauchen Urlaub machten, nur noch mit Maulkorb laufen dürfte! Keine Ahnung, was passiert ist, aber’s Maul aufreißen, das haben wir besonders gern! Und Laras Frauchen hat nun Angst, dass ihr Prinzeßchen für die Zukunft verdorben ist… Zitas Frauchen war am Boden zerstört, als sie mir den Vorfall berichtete und meinte, sie hätte nun echte Probleme damit, ihre Hündin wieder zu lieben.
Von Legenden, die nie aussterben
Also, wenn ich mir so anschaue, was abläuft in der Welt der Begegnungen zwischen Welpen und erwachsenen Hunden, kann ich immer wieder nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und wenn ich dann den Satz „Der hat doch noch Welpenschutz!“ höre, kriege ich grüne Haare! Wie lange wird es noch dauern, bis alle Menschen begreifen, dass es Welpenschutz nur in gewachsenen Rudelstrukturen gibt, also mit den Elterntieren und anderen Mitgliedern des Rudels? Und dann auch nur bis 16 Wochen. Draußen, unter fremden Hunden, bleibt ein Welpe einfach ein junger Hund, den man als erwachsener Hund nicht zwangsläufig mögen muss! Aber nein, Welpen sind ja sooo süß und sie „tun doch gar nichts!“



Zitas Frauchen kann hoffentlich wieder ruhig schlafen, nachdem ich ihr erklärte, dass sie keinen gestörten, sondern sogar einen extrem langmütigen, geduldigen Hund hat. So ziemlich jeder meiner eigenen Hunde hätte spätestens nach einer halben Stunde dem Rotzlöffel von Hundekind gezeigt, wo der Frosch die Locken hat. Wenn ich es überhaupt so weit hätte kommen lassen, denn ich weiß, dass einige meiner Hunde Welpen nervig finden und dann sehr heftig reagieren können. Schließlich können sie kein Plakat schreiben auf dem steht “Ey, Du gehst mir auf den Senkel, verzupf Dich oder ich mach Dich so klein, dass Du unter dem Teppich Fallschirm springen kannst!“ und so können sie nur beschwichtigen, knurren oder dann halt heftig lospoltern, was ich tunlichst zu verhindern suche!
Also, errichten wir doch endlich mal einen virtuellen Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruht der Welpenschutz. Es gab ihn nur selten, aber er wurde überall gesehen!“.
© Franziska Feldsieper
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Der Welpenschutz wird oft missverstanden oder falsch interpretiert. Die Mensch mit Hund Kolumne klärt auf spielerische Art über dieses Mysterium auf.
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Ich freue mich, dass Euch nun ein bis zweimal pro Monat mit meinen Kolumnen zum Lachen oder auch zum Nachdenken bringen darf. Ihr dürft gespannt sein.
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