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Heidinger

Albrecht Heidinger kann ohne zu übertreiben als Koryphäe im Turnierhundesport bezeichnet werden. Als Sohn des Mitbegründers des THS war er von Anfang an tief mit diesem Sport verankert und hat seither tausenden Trainer den Turnierhundesport durch Seminar und Artikel näher gebracht. Auf dogSpot stellt er nun sein Wissen zusammen mit seinem Vater Hans Heidinger zur Verfügung.
Gehorsam nimmt Schlüsselstellung ein
Für eine gute Vierkampfpunktzahl von hoher Wertigkeit:

Typische Lautgebungen auf einem Hundesportplatz: „Fuß“, „Sitz“, „Platz“, „Steh“, „Hier“! Mehr oder minder laut – aber dennoch ständige akustische Begleiter des Übungsbetriebes. Mit diesen Hörzeichen wird Gehorsam von den Vierbeinern eingefordert; angesagte Übungen sind vom Hund möglichst freudig, schnell und präzise auszuführen.

Eigentlich sind diese über Hörzeichen abzurufenden Übungen recht einfache Forderungen an den Hund, gemessen an seinem Lernpotenzial. Und dennoch für manches Team eine Disziplin, die beim Hundeführer oder der Hundeführerin (HF) den Adrenalinspiegel schlagartig ansteigen lässt.

Fakt ist jedenfalls: Wer wettkampforientiert Hundesport betreibt, kommt um eine Gehorsamsüberprüfung seines Vierbeiners nicht herum. In der einen Sportart beschränkt sich dies auf das einmalige Ablegen der Begleithundeprüfung (z.B. Agility), bei anderen Sportarten sind die Gehorsamsübungen wichtige Bestandteile in der Prüfungsgestaltung, also das „tägliche Brot“ bei einer Wettkampfteilnahme.

Ob Begleithunde-Prüfung, Team-Test (die sog. „Hundeführerscheine“), Vielseitigkeits-Prüfung für Gebrauchshunde (VPG), Vierkampf im Turnierhundesport oder ganz besonders bei Obedience, alle Prüfungsarten in der Hundesportszene haben eines gemeinsam: Unterordnungs-Elemente werden vom Team als Beleg für zuverlässiges und stets abrufbares Ausführen von Gehorsamsaufgaben verlangt. Und werden vom Leistungsrichter nach dem Prädikatsprinzip mit Punkten bewertet. Der überprüfte Gehorsam dient so nebenbei (aber doch ganz wichtig!) auch als eindringliche Demonstration gut ausgebildeter Hunde gegenüber der Öffentlichkeit nach dem Motto: „Schaut her: Yes We Can!“

Die diversen Übungen sind in den jeweiligen FCI-/VDH-/dhv-Ordnungen vorgeschrieben. Dabei bilden die Aufgabenstellungen für manches Team eine hohe Hürde für ein ansehnliches Punkteresultat oder gar, wenn es schief läuft, ein riesiges Hindernis zum Bestehen der Prüfung. Besonders bei der BH-Prüfung ist auffällig, dass die „Durchfallerquote“ relativ hoch ist.
Die letzte Bastion im Hundesport, bei der es den landläufigen Begriff „Durchfallen“ nicht gab, war der Vierkampf-Gehorsam. Die Väter des Turnierhundesports wollten dies ausdrücklich nicht, der THS sollte von Leichtigkeit geprägt sein, zur unbeschwerten Wettkampfteilnahme, einfach zum Sport mit dem Hund einladen. Vor über drei Jahrzehnten hatte man die Vision, alles zu vermeiden, was irgendwie in die Nähe einer „Prüfung“ gerückt wurde, dazu gehörten auch die Begrifflichkeiten. Die THS-Macher gingen davon aus, dass das Punkteergebnis genügt, um die Rangfolge deutlich herauszustellen, dass jedem Sportinteressierten auch so klar ist, wer an der Spitze steht und wer sich im Feld der „Geschlagenen“ befindet. Dieses liberale Gedankengut von einst wurde leider vor nicht allzu langer Zeit endgültig ad acta gelegt. Bundesweit schwindende Teilnehmerzahlen im Vierkampf unterstreichen aktuell eine Fehlentwicklung.

Heute ist Fakt: Wer den VK bestehen will und damit in die Wertung (Platzierung) kommt, muss mindestes 42 der möglichen 60 Gehorsamspunkte bei einer Prüfung erzielen. Die Gehorsamspunktzahl ist im VK also von sehr hoher Wertigkeit. Die Ergebnisse der drei Lauf-Disziplinen (Hürden-, Slalom- und Hindernislauf) kann dagegen locker gesehen werden. Man nimmt´s gefasst hin: Stoppuhren sind objektiv und Fehler an den Geräten oder in den Slalomtoren sind meist unstrittig.

Verlorene Gehorsamspunktzahlen durch schnelleres Laufen auszugleichen ist jedoch nahezu unmöglich. Was beim Gehorsam auf dem Punktekonto fehlt, dem rennt das Team beim Hürden-, Slalom- und Hindernislauf hinterher. Der Gehorsam nimmt im Vierkampf einfach eine Schlüsselstellung ein.

Diese vier Aufgaben sieht die Prüfungsordnung im VK-1-Gehorsam vor


Es ist objektiv gesehen nicht viel, was in der VK-1-Disziplin „Gehorsam" verlangt wird – und dennoch wird es hier dem menschlichen Team-Gefährten ab und an richtig mulmig in der Magengegend. Die Frage steht im Raum: „Habe ich einen guten VK-Auftakt, werde ich ein schönes Punktepolster nach meiner Vorführung vorweisen können, reicht es für einen Aufstiegspunkt in die Stufe 2?“

Besonders die letzte Frage ist von Bedeutung. Es müssen immerhin bei den Erwachsenen mindestens 54 von 60 Gehorsamspunkten im VK 1 (Jugendliche 48 Punkte) erzielt werden – und das dreimal auf verschiedenen Prüfungen, ehe das Team den Aufstieg in die Stufe 2 schafft. Kein leichtes Unterfangen – meist sind mehrere Anläufe notwendig. Die notwendigen Laufzeitpunkte für den Aufstieg zu erzielen, ist bei einem sicheren Hund dagegen relativ leicht zu bewerkstelligen. Weiter in der Gewichtung der Gehorsamspunkte: Auch die Zulassungskriterien zu den diversen THS-Meisterschaften sind an eine ordentliche Gehorsamspunktzahl – jeder Verband regelt dies in eigener Verantwortung – gebunden.

Erleichtert wird das Vorführen bei Prüfungen durch den modulen Aufbau der Aufgabenstellungen. Elemente aus anderen Sportbereichen, die Gehorsam beinhalten, finden sich auch im VK wider. Jetzt ist die Frage zu beantworten „Was muss vorgeführt werden?“

Hier die vier Aufgabenstellungen im VK-1-Gehorsam (Gesamtpunktzahl 60):

Leinenführigkeit (15 Punkte). Hierzu sagt die PO aus (Auszug):
"... Aus gerader Grundstellung muss der Hund dem HF auf das HZ für „Fuß gehen“ aufmerksam, freudig und gerade folgen, mit dem Schulterblatt immer in Kniehöhe an der linken Seite des HF bleiben und sich beim Anhalten selbständig, schnell und gerade setzen. Zu Beginn der Übung geht der HF mit seinem Hund 50 Schritte ohne anzuhalten geradeaus, nach der Kehrtwendung und weiteren 10 bis 15 Schritten muss das Team den Laufschritt und den langsamen Schritt zeigen (jeweils mindestens 10 Schritte). ... Es wird dann im normalen Schritt eine weitere Rechtswendung, eine Kehrtwendung und ein Anhalten sowie zwei Linkswendungen mit anschließender Grundstellung verlangt, die zugleich Ausgangsgrundstellung für die Freifolge ist. ... Zwischen den Wendungen müssen mindestens 15 Schritte liegen. ... Die Leine ist in der linken Hand zu halten und hat locker durchzuhängen.“

Soweit zur Leinenführigkeit, die in ihrer Spezifikation etliche Untergliederungen beinhaltet; die Ausführungsqualität der jeweiligen Elemente fließt in die Wertung ein.

Freifolge (20 Punkte).
Und weiter geht es im VK-1-Gehorsam mit der „Freifolge“. Der Hund wird abgeleint, die Leine umgehängt oder in die Tasche gesteckt. Der frei folgende Vierbeiner hat dann zusammen mit seinem HF analog des Vorführschemas der "Leinenführigkeit" die "Freifolge" zu zeigen.

Sitzübung (10 Punkte)
Eine weitere Grundgehorsamsart wird mit der Sitzübung gezeigt. Und zwar "Sitz" des Hundes aus der Bewegung. Der HF geht 10 bis 15 Schritte an, auf Hörzeichen muss sich der Hund sofort absetzen, der HF entfernt sich von seinem Hund (30 Schritte), ohne dass er seine Gangart unterbricht oder sich umsieht. Zurückgehen des HF auf Anweisung des Leistungsrichters zum Hund.

Platzübung mit Herankommen (15 Punkte)
Die Platzübung ist schon etwas komplexer als das „Sitz“ angelegt. Dies drückt sich in der höheren Punktzahl aus. Entwicklung der Übung wie bei "Sitz", nur dass sich hier der Hund auf das Hörzeichen "Platz" schnell hinlegen muss. Komplexere Forderungen an das Team deshalb, weil hier in der Fortführung der Übung der abliegende Hund auf Hörzeichen (nach Anweisung des Leistungsrichters) vom HF herangerufen wird, der Hund gerade und dicht vor seinem Führer sitzen muss und zum Abschluss auf Hörzeichen die Grundstellung neben dem HF einnehmen soll.

Fazit: Nach diesen Ausführungen zum VK-1-Gehorsam kann doch sicher folgende Feststellung getroffen werden: Die vier Aufgaben sind für einen schon ab der Basis-Ausbildung vielseitig aufgebauten und motivierten Vierbeiner in ihrem Anforderungsprofil nicht zu viel verlangt – oder?

VK-2-Gehorsam ebenfalls mit vier Übungen


Der erhöhte Schwierigkeitsgrad beim VK-2-Gehorsam liegt darin begründet, dass gleich von Beginn an mit dem freifolgenden Hund gearbeitet werden muss. Zudem schreibt die PO anstatt der „Leinenführigkeit“ die „Stehübung“ vor. Im VK 2 sind also ebenfalls nur vier Gehorsamsaufgaben zu lösen.

Die vier zu zeigenden Übungen setzen sich mit ihrem gegenüber dem VK 1 höher angesiedelten Niveau und anders gewichteten Einzelpunktzahlen wie folgt zusammen (auch hier Gesamtpunktzahl 60):

Freifolge 20 Punkte,
Sitzübung 10 Punkte,
Platzübung mit Herankommen 15 Punkte,
Stehübung mit Herankommen 15 Punkte.


Und wenn wir schon beim Gehorsam sind, dann muss dringend noch der folgende Punkt angesprochen werden. Der unbedingte Gehorsam findet im Vierkampf in der zweiten Disziplin, dem Hürdenlauf, seine Fortsetzung. Der Hürdenlauf ist nämlich häufig fehlerträchtig. Weniger durch herabgestoßene Stangen oder Auslassen der Hürden, sondern aus einem anderen Grund: In der PO ist beim Hürdenlauf unter „Bewertung“ vorgeschrieben: „... Vorprellen oder Nachhängen an den Hürden (durch Hund oder HF) ... ist fehlerhaft und wird mit jeweils 2 Fehlerpunkten bewertet“. Das heißt für den Wettkampf: Nur der Parallellauf von HF und Hund (und das bei Sprinttempo!) führt zum Idealfall, dem Null-Fehler-Lauf. Im Extrem kann sich das Team in dieser Disziplin durch den nicht vorhandenen Parallellauf 12 Fehlerpunkte einhandeln, im betreffenden Wettkampf ein durch nichts wieder gut zu machendes Manko.
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Laufen ist in, laufen ist gesund, laufen macht Spaß und laufen mit dem Hund in Gottes freier Natur erst recht. Das bringt beiden Team-Mitgliedern etwas: Dem Hund und dem Menschen mehr Bewegung an der frischen Luft. Nicht zu unterschätzen ist dabei...
Typische Lautgebungen auf einem Hundesportplatz: „Fuß“, „Sitz“, „Platz“, „Steh“, „Hier“! Mehr oder minder laut – aber dennoch ständige akustische Begleiter des Übungsbetriebes. Mit diesen Hörzeichen wird Gehorsam von den Vierbeinern eingefordert; angesagte Übungen sind vom Hund möglichst freudig, schnell und präzise auszuführen.
Mit dem Kommando „fertig – los!“ startete am 17. September 1972 der Hundesport zu neuen Ufern:
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