Heidinger

Albrecht Heidinger kann ohne zu übertreiben als Koryphäe im Turnierhundesport bezeichnet werden. Als Sohn des Mitbegründers des THS war er von Anfang an tief mit diesem Sport verankert und hat seither tausenden Trainer den Turnierhundesport durch Seminar und Artikel näher gebracht. Auf dogSpot stellt er nun sein Wissen zusammen mit seinem Vater Hans Heidinger zur Verfügung.
Der Turnierhundesport, die Leichtathletik mit dem Partner Hund
Mit dem Kommando „fertig – los!“ startete am 17. September 1972 der Hundesport zu neuen Ufern: Im Rahmen der swhv-Jubiläums-Siegerprüfung für Schutzhunde stellte sich im Käppele-Stadion in Mühlacker ein ganz anders ausgestalteter Hundesport einem großen Publikum vor. Das „1. Freizeit-Turnier für Hunde aller Größen“ feierte eine Aufsehen erregende Premiere.

Dieser epochemachende erste Wettbewerb bestand aus einem Hindernislauf von 120 Metern Gesamtlänge. Das Team musste nach 60 Metern eine Wendeflagge umrunden und der Hund auf dem Hin- und Rückweg als Tempoausgleich jeweils sechs Hindernisse nehmen. Der Hundeführer lief neben der Turnierbahn mit.

Eine weitere revolutionäre Neuerung im Hundesport: Erstmals kam eine Stoppuhr zur Ermittlung des Turniers-Siegers und für die weiteren Platzierungen zum Einsatz. Die Zeit des zuletzt über die Ziellinie laufenden Partners (Mensch oder Hund) wurde gestoppt. Fehler an den Hindernissen wurden der Laufzeit als Strafsekunden zugerechnet. Schon allein die Zeitnahme war ein äußeres Zeichen für den Wandel im Hundesport. Dies signalisierte Bewegung, Freude, Spaß, Teamkommunikation beim „Rennspiel“.

Weitere Zeichen des Aufbruchs: Die Jugend war im Starterfeld des ersten Turniers zu finden. In keiner anderen Hundesportart ist der Jugendanteil so groß, wie im THS. Auch Frauen waren am Start. Und natürlich beeindruckte der bunte Rassemix der Vierbeiner die Fachwelt.

Die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale des THS, mit dem sich dieser von den anderen Hundesportarten abhebt, wurde schon beim ersten Turnier sichtbar: Mensch und Hund bringen sich mit ihrer Leistung zu gleichen Teilen in das Wettkampfergebnis ein. Deshalb spielt auch die Art des Hundes für sehr gute Platzierungen nicht die zentrale Rolle. Und das ist bis heute so in allen THS-Laufdisziplinen geblieben.

Diese Turnier-Premiere war einfach der „Urknall“ im deutschen Hundesport. In Folge konnte mit den Werbeslogans „Hundesport für alle“ sowie „Fit und gesund durch Sport mit dem Hund“ an die vielen abseits stehenden Hundefreunde das neue Angebot offensiv herantragen werden. Das war vor allem Max Sutter, dem damaligen Vorsitzenden des swhv (später dhv-Präsident) ein wichtiges Anliegen. Er wollte mit dem THS u.a. das selbst gewählte Ghetto des Hundesports aufbrechen und ihn aus seiner „Kleinheit“ herausführen.

Das erste Turnier war ein Anfang. In der „Kreativwerkstatt“ von Hans und Rudolf Heidinger, unterstützt von einem Kreis junger Hundefreunde aus den Reihen des HSV Mühlacker, wurden dann alle (in ihrer Grundform heute noch geltenden) Laufdisziplinen entwickelt, die dann vor allem von Ignaz Weiler (swhv/dhv) in ein für ganz Deutschland gültiges Mehrkampfkonzept zusammengeführt wurden: Der heutige Vierkampf 1. Als Fortentwicklung ist seit einigen Jahren der Vierkampf 2 mit seinen höheren Ansprüchen an das Team im Angebot des THS zu finden. Visionen vom modernen Hundesport wurden so Zug um Zug realisiert.

Was kam an THS-Disziplinen nach dem Hindernislauf-Turnier hinzu? Die Fortentwicklungen des THS in einer Zeittafel:

1974: Sechskampf, hier war nur der Hindernislauf als Element des THS enthalten. In der Weiterung im Jahre 1977 der „Mehrteilige Wettkampf“ mit sechs Aufgabenstellungen. Darunter erstmals die Diziplinen Slalomlauf und Sechsfach-Sprung (heute Hürdenlauf). Damals noch zusätzlich der bereits eingeführte Hindernislauf sowie Gehorsamsübungen, Verlorensuche und Verteidigungsbereitschaft (als Elemente aus dem Schutzhundbereich, jedoch Anforderungen in abgeschwächter Form).
Zusätzlich wurde der „Trimmlauf mit dem Hund“ (2.000/5.000 Meter) ins THS-Programm aufgenommen. Heute läuft diese Disziplin unter „Geländelauf mit dem Hund“.
Erstmals, um die Chancengleichheit der Teilnehmer in dieser Sportart zu gewährleisten, wurde eine Altersklasseneinteilung für den Teamführer Mensch eingeführt. Sie wurde 1981 auf acht Altersklassen, getrennt nach männlich/weiblich, ausgedehnt.

1981: Einführung des Vierkampfes (heute VK 1) mit Gehorsam, Hürden-, Slalom- und Hindernislauf. Der VK 1 wurde dann 2002 mit einer Aufstiegsstufe (VK 2) versehen.1993: Der attraktive „CSC“ fand Aufnahme in die Turnier-Ordnung. Erstvorstellung dieses als Mannschafts-, Einzel- und Familienwettkampf konzipierten Staffellaufes schon 1987 in der Stuttgarter Schleyer-Halle bei einem Internationalen Reitturnier.2002: Aufnahme in die Turnier-Ordnung fanden: Der „QSC“, bereits vorgestellt im Jahre 1992 in der Stuttgarter Schleyer-Halle (sehr anspruchsvoller Wettkampf nach dem K.o.-System auf zwei baugleichen Geräteparcors) und der „Shorty“ (kleiner Bruder des „CSC“ für zwei Mannschaftsmitglieder). Er feierte 1995 auf der Messe ANIMAL in Stuttgart eine viel beachtete Premiere. Der „Shorty“ ist heute ein Quotenbringer; er eignet sich bestens für Wettkampfeinsteiger.

Nach dieser Auflistung kann festgestellt werden: Das breite, abwechslungsreiche Angebot an sportlichen Disziplinen ist im THS umfangreich wie in keiner anderen Hundesportart. Die Vielfalt der im Sport geführten Hunde kennt keine Grenzen.

Zukunftsperspektiven. Zunächst die Feststellung, der THS ist bislang die einzige in Deutschland entwickelte moderne Hundesportart. Sie fand in der Bundesrepublik rasch eine flächendeckende Verbreitung. Und gerade deshalb ist es unverständlich, dass der THS bis heute noch keine internationale Basis hat. Ein Manko mit Folgen: Beim THS enden mit den Deutschen Meisterschaften die Titel-Perspektiven eines Teams; Weltmeisterschaften sind also Fehlanzeige. Der Grund für dieses Manko liegt sicher mit an der sehr hohen THS-Teilnehmerfrequenz von Mixhunden (bislang sind bei den diversen FCI-Weltmeisterschaften nur Rassehunde zugelassen). Im Sinne einer Gleichbehandlung muss sich die FCI bewegen. Anstöße hierzu zu geben ist die Aufgabe des VDH, der jetzt endlich in dieser Sache tätig ist.

Wenn sich dies nicht rasch ändert, droht der THS im sich immer mehr weitenden Angebot an internationalen Hundesport-Wettbewerben bei den Hundeführern an Attraktivität und damit dramatisch an Akzeptanz zu verlieren. Es ist halt einmal so: Der Mensch strebt nach den höchsten Zielen, die Öffentlichkeit misst den Stellenwert einer Sportart an seinen Möglichkeiten, sich in der Spitze zu präsentieren. Und dazu gehört halt einmal eine Weltmeisterschaft. Eine gesicherte Zukunft und weiterhin sehr gute Teilnehmerzahlen sind dem THS nur möglich, wenn der Schritt in Richtung Internationalisierung endlich unter energischer Federführung des VDH vollzogen wird.
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Typische Lautgebungen auf einem Hundesportplatz: „Fuß“, „Sitz“, „Platz“, „Steh“, „Hier“! Mehr oder minder laut – aber dennoch ständige akustische Begleiter des Übungsbetriebes. Mit diesen Hörzeichen wird Gehorsam von den Vierbeinern eingefordert; angesagte Übungen sind vom Hund möglichst freudig, schnell und präzise auszuführen.
Mit dem Kommando „fertig – los!“ startete am 17. September 1972 der Hundesport zu neuen Ufern:
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