Dr. Markus Eickhoff

Dr. Markus Eickhoff hat sowohl ein abgeschlossenes Studium der Human-Zahnmedizin (1993) als auch der Tiermedizin (1999) vorzuweisen und ist Spezialist für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bei Tieren. Neben seiner täglichen
Arbeit als Tierarzt in seiner Tierärztlichen Fachpraxis für Zahn-, Mund- und Kieferhelkunde ist er
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Tierzahnheilkunde, sowie Autor verschiedener Fach- und
Sachbücher zur Tierzahnheilkunde.
Damit unser Hund auch morgen noch kraftvoll zubeißen kann…
...bedarf es heute ein wenig Aufmerksamkeit und Pflege. Denn Erkrankungen in der Mundhöhle sind sehr häufig. In einer Studie mit 40 000 Hunden stellen sie die häufigsten Erkrankungen überhaupt dar.

Im augenfälligen Kontrast zur Häufigkeit steht die Diagnose dieser Erkrankungen. Meist werden sie leider erst spät oder sogar zu spät bemerkt,weil viele dieser Probleme einen chronischen, schleichenden Charakterauf weisen. Gut versteckt können sie über Jahre gedeihen. Die Wiederherstellung einer gesunden Mundhöhle wird mit Fortschreiten derErkrankung immer schwieriger.

Das mit Abstand häufigste Problem unserer Hunde ist die Parodontitis in ihren mannigfaltigen Spielarten. Parodontitis beschreibt eine Entzündung des Zahnhalteapparates, welcher sich zusammensetzt aus Kieferknochen,Zahnfleisch, Wurzelzement und Parodontalfasern. Eine Parodontitis kann im Einzelfall sogar bereits die Milchzähne betreffen.
Bereits im Alter von zwei Jahren beginnt bei vielen Hunden eine Parodontitis,im Alter von sechs Jahren weisen 80% der Tiere eine fortgeschrittene Parodontitis mit Zerstörung des Zahnhalteapparates auf.

Gesunder Zahnhalteapparat (links) und kranker Zahnhalteapparat (rechts) Bei einer Parodontitis kommt es durch Bakterien der Plaque zur Entzündungdes Zahnfleisches, der Zerstörung von Parodontalfasern und einem Rückgangdes Knochens.

Entstehung einer Parodontitis


Ursächlich verantwortlich sind die Bakterien der Zahnbeläge. Die Mundhöhle unserer Hunde stellt für ein weites Spektrum von Bakterien einen geeigneten Aufenthaltsort dar. Da die Hunde nun wirklich in alles ihre Nase reinsteckenmüssen, kommen auch tagtäglich neue Bakterienspezies hinzu. In einergesunden, sauberen Mundhöhle ist dieses in der Regel nicht gefährlich. Wachsen jedoch die Zahnbeläge (Plaque), so ändern sich die Lebensbedingungen für diese Bakterien. In den tiefen, sauerstoffarmenSchichten dieser Plaque können krankmachende Bakterien besonders gutwachsen. Diese Bakterien und deren Stoffwechselprodukte führen zur Schädigung des Parodontalapparates. Das dichte Anliegen des Zahnfleisches am Zahn wird gelockert, schädigende Stoffe können sich auf die Wurzel vorschieben. Aufgrund dieser Vorschädigung entstehen nun auch auf der Wurzeloberfläche Beläge, Zahnstein und fest haftende Konkremente.

Der Körper versucht sich gegen das Eindringen dieser schädigenden Faktorenzu schützen, schädigt sich durch die Abwehrmaßnahmen jedoch gleichzeitig selber. An der Abwehrfront kommt es zu irreversiblen Schädigungen: Parodontalfasern werden zerstört, es entstehen tiefe parodontale Taschen.Der Kieferknochen und das Zahnfleisch entzünden sich und ziehen sich zurück.Je tiefer die parodontalen Taschen am Zahn werden, umso bessere Lebensbedingungen entstehen für die krankmachenden Bakterien und dieweitere Bildung von Belägen und Zahnstein. Der begonnene Zerstörungsprozess wird gefördert und schreitet umso schneller fort.

Und nun die schlechte Nachricht: Leider ist ein irreversibler (nicht mehrumkehrbarer) parodontaler Schaden beim Hund viel schneller erreicht alsbeim Menschen, da sich der Zahn früher in seine Wurzeln aufteilt. Zieht sichder Knochen aus dieser Aufteilungsstelle zurück, ist eine Heilung meist nichtmehr möglich.

Neben der "normalen" Parodontitis gibt es noch weitere Parodontitisformen mit anderem Erscheinungsbild. Eine aggressive Parodontitis weist meist nur wenige Beläge auf, ist dennoch durch eine schnelle und schmerzhafte Zerstörung des Parodonts gekennzeichnet. Bei der nekrotischen Form kommtes häufig zum Absterben des Kieferknochens.

Nun werden viele sagen: "o.k., ein paar kaputte Zähne, was solls". Alsbeständiger Entzündungsherd haben sie jedoch weitreichende Folgen. Nebender lokalen Problematik in der Mundhöhle wirken sie sich auf die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden des Tieres aus. Nachgewiesen sind Schädigungen an Herz, Leber und Nieren. Nicht jeder Hund, der beim Spazieren gehen nur noch hinterhertrottet oder weniger spielt, ist nur altersbedingt ruhiger. Entzündungskomplexe, die sich auch in den Gelenkenablagern, oder einfach nur das sich nicht Wohlfühlen aufgrund der Parodontitis können eine solche Symptomatik hervorrufen.

Diagnostik der Parodontitis


Der chronische und zyklische Charakter einer Parodontitis macht diese Erkrankung so gefährlich. Neben schmerzhaften Phasen gibt es auch immer wieder Phasen mit geringerer Entzündung, in denen der Hund kaum Symptome zeigt. Dennoch kommt es sukzessive zu einer Zerstörung des Zahnhalteapparates. Problematisch ist auch, dass der Hund kaum die Möglichkeit hat, auf sein Problem aufmerksam zu machen, so dass wir umsomehr auf verdächtige Zeichen achten müssen:

  • abnehmender Spieltrieb
  • Streicheln am Kopf wird vom Hund plötzlich als unangenehm empfunden
  • Maulgeruch (ohne Maulhöhlenerkrankungen und ohne Plaque keinMaulgeruch!!!)
  • Plaque, Zahnstein, gerötetes Zahnfleisch bis hin zum Zahnfleischbluten
  • zurückgehendes Zahnfleisch
  • Nasenausfluß (viele Zahnwurzeln haben engen Kontakt zur Nasenhöhle)
  • Schwellungen am Knochen durch eine tiefe parodontale Entündung

Jedoch: der Hund wird sein Futter täglich fressen, wenn es sein muss mit Tränen in den Augen. Als Rudeltier muss man nehmen was man bekommt,sonst bekommt es ein anderer. Daher wird die Einstellung der Futteraufnahme das Letzte sein, durch welches Ihr Hund auf sein Problem aufmerksam machen wird.

Um die Erkrankung diagnostizieren und genau lokalisieren zu können - der Hund hat schließlich 42 Zähne - braucht es aufgrund der häufigunspezifischen Symptome einiger Hilfsmittel. Daher benötigt man für eine detaillierte Zahnuntersuchung z. B. parodontale Messsonden und Zahnröntgenfilme, mit denen für jeden Zahn dessen Erkrankungsgrad beurteilt werden kann.

Die rote Linie kennzeichnet die normale Knochenhöhe, die gelbe Linie die aktuelle Knochenhöhe. Durch eine Parodontitis ist es zu massiven Schäden am Zahnhalteapparat gekommen, parodontale Fasern und Knochen sind bereitsweitgehend zerstört. Das Ausmaß der Zerstörung lässt sich häufig erst im Röntgenbild erkennen.





Ein parodontales Geschehen hat die Wurzel des Unterkieferreißzahnes vollständig eingenommen. Die Auflösung des Knochens geht über die Wurzelspitze hinaus und gefährdet die Stabilität des Unterkiefers (gelberPfeil). Dort kann es zu einem Bruch des Unterkiefers kommen









Eine Parodontitis hat zur Auflösung von Zahnanteilen geführt (gelbe Pfeile).Durch die Lage dieser Resorptionen unterhalb des Zahnfleisches können die betroffenen Zähne auf den ersten Blick in der Mundhöhle unauffällig erscheinen.

Behandlung der Parodontitis


Der größte und allgemein am weitesten verbreitete Gedankenfehler ist der Glaube, nach Säuberung der Zahnkrone, welche dann wieder hellweißstrahlen wird, sei man einer Heilung auch nur ansatzweise nahe gekommen.Ohne Behandlung des dann im wahrsten Sinne tiefer liegenden Problems ander Zahnwurzel bleibt die Erkrankung bestehen und wird weiter fortschreiten.Die Behandlung einer Parodontitis besteht in einer gründlichen Parodontalbehandlung mit Säuberung der Zahnkrone und Zahnwurzel vonallen weichen und mineralisierten Belägen. Zähne mit vollständig zerstörtem Zahnhalteapparat müssen entfernt werden, um die Entzündung und Schmerzhaftigkeit in den Griff zu bekommen.

Auch weiterführende therapeutische Maßnahmen zur Wiederherstellung zerstörter parodontaler Strukturen sind möglich, machen jedoch nur Sinn,wenn durch den Tierbesitzer eine gute Mundhygiene mit Zähneputzen gewährleistet werden kann.

Nach der Behandlung durch den Tierarzt wird sich ein gesunder Parodontalapparat nur dann einstellen, wenn der Hundehalter mitarbeitet.Das heißt, Zahnpflege ist kein „kann“ sondern bei neun von zehn Tieren ein„muss“. Durch Zähneputzen mit Hundezahnpasta (z. B. Hühnchengeschmack)und Hundezahnbürste kann dass Gebiss und damit letztendlich der ganze Hund geschützt und dessen Gesundheit erhalten werden. Zusätzlich positiv:Bei guter Zahnpflege werden regelmäßige Zahnbehandlungen in Narkose die Ausnahme darstellen.
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Die Zähne des Hundes sind großen Belastungen ausgesetzt. Ob es um das Tragen von Steinen und Stöcken, dem Zerren an der Leine,dem Arbeiten am Ärmel oder um das Zerteilen von harten Futterbrocken geht. Insbesondere die funktionell wichtigsten und am stärkstenbeanspruchten Fangzähne (Canini) und Reißzähne können dabei an ihre Grenzen stoßen und abbrechen.
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