Die Daniela Müller Kolumne

Daniela Müller ist selbstständige Rechtsanwältin und auf alle rechtlichen Fragestellungen "Rund um das Tier" besonders spezialisiert. Bundesweit arbeitet Sie mit Privatpersonen, Züchtern, Verbänden und Tierschutz-organisationen zusammen. In der "Tierkanzlei" verbindet sie Ihre private Liebe zu "allem was kreucht und fleucht", besonders aber zu Hunden, mit der beruflichen Leidenschaft.

Für dogSpot klärt sie ab sofort in interessanten Kolumnen alle wichtigen Themen
rund um "Welche Rechte haben ich und mein Hund".
Die Kastration des Hundes rechtlich betrachtet
Wir Hundehalter, insbesondere die Halter von Rüden, kennen die oft glaubensgleich geführte Diskussion um die (chirurgische) Kastration des Hundes. Gemeint ist das Entfernen der Keimdrüsen (Hoden / Eierstöcke) des Tieres. Notwendig? Sinnvoll? Generell oder einzelfallbezogen? Gedacht als dauerhafter Weg der Verhütung, Krebsprophylaxe oder auch - und insoweit am kontroversesten diskutiert - als Mittel der Verhaltenskorrektur und vermeintlichen Aggressionskontrolle. Auch diejenigen von uns, die einen Hund aus dem Tierschutz übernehmen, sehen sich in den Übernahmeverträgen oft Klauseln gegenüber nach welchen das Tier innerhalb einer gewissen Frist vermeintlich zwingend zu kastrieren ist.

Die Befürworter oder Gegner der Kastration haben zumeist allerhand Argumente für die jeweilige Position. Seien sie verhaltensbiologisch oder medizinisch. Wie aber verhält es sich denn rechtlich? Ist die Entscheidung tatsächlich von uns oder Vermittlungsstellen unabhängig vom einzelnen Hund im rechtsfreien Raum der einfachen Überzeugung zu treffen? Mitnichten.

Nach § 6 Abs.1 S.1 Tierschutzgesetz ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen / Geweben eines Wirbeltieres verboten. Das bedeutet übersetzt: Es gilt der Grundsatz des Kastrationsverbotes. Wird mir also in Deutschland ein Hund , unabhängig von einem etwaigen individuellen Krankheits-, oder Verhaltensbild mit der Auflage übereignet ihn zwingend kastrieren zu lassen, so spricht einiges dafür, dass diese Auflage unwirksam ist, denn sie verstößt gegen ein gesetzliches Verbot.

Aber natürlich ist nicht jede Kastration verboten. Sie ist dann erlaubt, wenn eine sogenannte „tierärztliche Indikation“ vorliegt. Von einer tierärztlichen Indikation spricht man wenn die Kastration für den individuellen Hund tiermedizinisch notwendig oder höchst sinnvoll ist. Die kann bei einer Hündin etwa im Fall von Eierstockzysten, Tumoren, oder Gebärmuttererkrankungen, beim Rüden z.B. im Fall von Hodentumoren, Kryptorchismus oder Prostataerkrankungen sein. Diese Maßnahmen sind geeignet das Leben der Tiere zu retten und/ oder einer Verstärkung des Krankheitsbildes vorzubeugen. Als nicht medizinisch notwendig wird hingegen z.B. die Kastration weiblicher Windhunde allein zur Steigerung der Rennleistung angesehen. Nutznießer der Kastration wären hier allein die Halter.

Das Tierschutzgesetz erlaubt die Kastration über die „tierärztliche Indikation“ hinaus auch zur Verhinderung der unkontrollierten Vermehrung. Dieses Argument wird gern zur Rechtfertigung der entsprechenden Klauseln in Abgabeverträgen mancher Tierschutzorganisationen bemüht. Es greift indes für Hunde in Deutschland nicht. Der streunende, aufsichtslose Hund mit Gelegenheit zur beliebigen Vermehrung entspricht nicht der hier gebräuchlichen Hundehaltung. Anders als bei „Freigänger Katzen“. Es ist dem Hundehalter durch seine Aufsicht möglich einer ungewollten und unkontrollierbaren Vermehrung vorzubeugen. Einer Kastration bedarf es hier für nicht.

Letztlich dürfte eine Kastration nach § 6 auch dann erfolgen, wenn eine weitere Nutzung oder Haltung des Hundes hierdurch möglich wäre und sich nicht in gleicher Weise durch weniger einschneidende Mittel erreichen ließe und tierärztliche bedenken nicht entgegenstehen. Dies mag den einen oder anderen Hund in Zucht oder Tierheim betreffen, gemünzt ist das Gesetz hier dem Grunde nach aber auf andere Tatbestände und Tiere, wie etwa den Eber oder den Hauskater.

Das waren jetzt vielleicht viele Regeln und schwierige anmutende Texte. Das Fazit scheint bleibt auch rechtlich betrachtet jedoch leichter. Der gesunde und tierliebende Menschenverstand hilft. Die Kastration ist ein erheblicher Eingriff an Körper und Wesen unseres Tieres. Das sollten und dürfen wir nur dann veranlassen, wenn eben unser Tier zu seinem Wohlergehen dieses Eingriffes bedarf.

Ungeklärt muss und soll an dieser Stelle allerdings als abschließender Gedanke bleiben, wie sich manche Landeshundegesetze und „Kampfhunde-
verordnungen“ mit der eindeutigen gesetzlichen Regelung des § 6 Tierschutzgesetz vertragen, wenn dort die Kastration „gefährlicher Rassen“ vorgeschrieben wird. Ein weites Feld…

Rechtsanwältin Daniela Müller
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