AkteHund
Die AkteHund, ein Expertenmagazin geführt von der Chefredakteurin Kitty Simione ist kein
Hochglanzmagazin aber trumpft dafür umso mehr mit hochkarätigen Artikeln der großen
Hunde-Experten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Exklusiv für dogSpot stellt Sie nun
einen kleinen Ausschnitt aus Ihrem Repertoire zu Verfügung.
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In den Genen verankert
Menschen fühlen sich in erster Linie aufgrund des Aussehens und der Grösse zu einer bestimmten Hunderasse hingezogen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wozu dieser Hund ursprünglich gezüchtet worden ist und welches Erbgut sein Verhalten bestimmt. Informationen, die ein Hundekäufer vom Züchter bekommt oder in Beschreibungen der Rasse nachlesen kann, sind leider oftmals nicht objektiv genug und weisen zuwenig auf die Eigenheiten der Hunde und die damit verbundenen Konsequenzen im Umgang mit ihnen hin. Es fehlen wichtige Informationen, um wirklich beurteilen zu können, ob die ausgewählte Rasse tatsächlich in die Familie und die persönlichen Lebensumstände passt oder ob nicht ein anderer Hund viel besser geeignet wäre. Es entstehen dadurch Probleme in der Erziehung, die vermieden werden könnten.


Hunderassen werden von nationalen und internationalen Zuchtverbänden in Gruppen eingeteilt. Die Kriterien für die Zuordnung der einzelnen Rassen zu einer Gruppe sind sehr unterschiedlich. Aussehen, Funktion und regionale Herkunft spielen eine Rolle, werden aber nicht deutlich voneinander getrennt. Um die Rassen optimal differenzieren zu können, hat sie Jan Nijboer, aus seiner langen, praktischen Erfahrung heraus, sechs verschiedenen Gruppen zugeordnet. Die Einteilung orientiert sich am Nutzen, zu welchem die jeweiligen Tiere ursprünglich gezüchtet worden sind. Die Unterschiede in den Erbanlagen sind markant und erfordern differenzierte Ansätze in der Erziehung des Hundes. Nimmt man das Erbgut des Wolfes als Basis für die Betrachtungen, können die Differenzen am deutlichsten hervorgehoben werden. Die genetischen Antriebe des Urhundes teilen sich in vier Bereiche: Jagdinstinkt, Territorialinstinkt, Sexualinstinkt und Sozialer Rudelinstinkt. Jedem dieser Teile kommt die gleiche Bedeutung zu, sie stehen im Gleichgewicht zueinander und fliessen nahtlos ineinander über. Über Jahrhunderte hat bei der Zucht von spezialisierten Hunderassen eine Verlagerung und unterschiedliche Gewichtung dieser Instinktbereiche stattgefunden und obschon die Hunde heute nicht mehr als Nutztiere eingesetzt werden, ist ihr natürliches Verhalten immer noch fest in den Genen verankert.
Hütehunde, Treibhunde und Herdenschutzhunde bilden zusammen die erste Gruppe, weil sie alle in ihrem Ursprung mit Vieh zu tun hatten. Dabei ist die Bezeichnung für die Hütehunde unglücklich gewählt und erweckt einen falschen Eindruck, denn Hütehunde haben keinen «Hüteinstinkt». Sie passen nicht auf die Schafe auf, sondern sind mit Elementen aus der Jagd beschäftigt, um die Herde zusammenzuhalten. Ihr Jagdinstinkt ist deshalb auch sehr ausgeprägt. Sie können in ihrer Aufgabe versinken und ihre Arbeit über viele Stunden ohne Unterbruch durchhalten. Der Hütehund erkennt sehr genau, wer zu seiner Familie, respektive zur Herde gehört. Er ist im territorialen Bereich eher unsicher und fühlt sich schnell überfordert. Dies führt dazu, dass er häufig überreagiert. Der Sexualinstinkt ist reduziert, damit der Rüde seine Arbeit auch trotz Anwesenheit einer läufigen Hündin verrichten kann. Hütehunde zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten, das sich aber nur auf das eigene Rudel bezieht. In ihrem Wesen sind sie sehr sensibel, intelligent und gelehrig, jedoch auch infantil und dadurch abhängig vom Menschen. Sie sind leicht zu beeinflussen, sowohl im Positiven als auch im negativen Bereich. Bei falschem Umgang mit solchen Rassen kann der Mensch grossen Schaden anrichten. Rassenbeispiele für den Hütehund sind der Border Collie und der Australian Shepherd.


Treibhunde zeigen Jagdsequenzen, welche in der Natur dem Initiieren der Hetzjagd entsprechen würden. Sie müssen also mehr Eigeninitiative zeigen. Noch heute helfen sie dem Bauern, die Kühe von der Alp zu treiben oder sie von der Weide heim in den Stall zu holen. Sie sind Draufgänger, körperlich weniger sensibel als Hütehunde und tendieren viel stärker zur Selbständigkeit. Sie lösen ihre Aufgaben gerne alleine, ohne den Menschen, was in der Erziehung berücksichtigt werden muss. Nicht selten lassen sich Treibhunde nur von einem Familienmitglied kontrollieren, begrenzen aber ihrerseits den Freiraum der übrigen Mitbewohner sehr vehement, was vor allem von Bedeutung ist, wenn Kinder im Haushalt leben. Die Einflussnahme auf einen Treibhund ist schwieriger als bei einem Hütehund. Seine geringe Schmerzempfindlichkeit zeigt sich schon im Welpenalter, wenn es nicht selten zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den kleinen Hunden kommt. Rudelfremden gegenüber verhält sich der Treibhund sehr misstrauisch. In seinem Ursprung wurde er als Treib- und Wachhund eingesetzt, was erklärt, dass auch heute noch die beiden Instinktbereiche der Jagd und der territorialen Ansprüche stark ausgeprägt sind. Je dominanter der Status des Hundes innerhalb der Familie ist, desto höher ist auch das sexuelle Begehren des Hundes. Ein hoher Sozialstatus hängt direkt mit dem Libido des Tieres zusammen. Sind im sozialen Bereich zwischen Mensch und Tier Probleme vorhanden, wird man auch Probleme des Hundes mit Artgenossen feststellen, die ihm als Sexualkonkurrent erscheinen, was sich wiederum auf die Schwierigkeiten innerhalb des eigenen Territoriums auswirkt. Zu den Treibhunden gehören beispielsweise der Entlebucher und der Appenzeller Sennenhund, der Rottweiler, der Bouvier des Flandres und der Welsh Corgi.


Herdenschutzhunde wie der Kuvasz, der Pyrenäenberghund, der Kangal, der Owtscharka, der Maremmo, der Komondor und der Owczarek Podhalanski sind eher introvertiert und erfüllen ihre Aufgabe als Wachhunde ausgesprochen gut. Sie schützen die Schafherde vor Wölfen, Bären oder Dieben. Ihre Verhaltensweisen sind sehr komplex und ihr Wesen muss verstanden werden, um richtig auf sie einwirken zu können. Herdenschutzhunde sind Besitz ergreifend, schwer zu beeinflussen, in ihrem Wesen eher eigenwillig und sehr erwachsen. Sie sind intelligente, instinktsichere Hunde, die überzeugt werden wollen und die eine Aufgabe brauchen. Die Bewachung des Hofes füllt sie aus. Wer aber viel mit dem Hund unterwegs sein möchte, sollte keinen Herdenschutzhund zu sich nehmen, denn Stadtausflüge, Wanderungen oder Ferien am Strand können seine Anpassungsfähigkeit aufgrund seiner Skepsis gegenüber Fremdem überfordern. Eine frühe und reiche Prägung auf verschiedenste Menschen und Umwelteinflüsse kann diese Skepsis etwas lindern, sein Misstrauen wird das Verhalten des Herdenschutzhundes aber immer beeinflussen. Territorialität hat für ihn oberste Priorität. Oft sieht man, dass seine Bindung an das Territorium weit stärker ist, als die Bindung zum Besitzer.
Nun gibt es aber auch Überschneidungen. Vor allem französische Bauern haben Hunde herangezogen, die sowohl die Veranlagungen des Hütehundes und des Treibhundes, als auch diejenigen des Wachhundes in sich vereinen. Dazu gehören Rassen wie der Berger de Picardie, der Briard und der Beauceron, aber auch der Grosse Schweizer Sennenhund und der Hovawart sind in diese Gruppe einzuordnen.
In der Gruppe 2 sind diejenigen Jagdhunde zusammengefasst, die ihre Aufgabe unter der Anleitung eines Jägers erfüllen. Viele dieser Rassen, vor allem diejenigen, die vor dem Schuss jagen, sind sehr sensibel und leicht beeinflussbar. Sie müssen führig sein, um ihr Stöbern auf eine Einwirkung des Menschen zu unterbrechen, sobald sie ein Beutetier aufgescheucht haben. Dem Instinktkreis der Jagd und dem Sozialverhalten kommt somit eine grosse Bedeutung zu, das Territoriale und der Sexualinstinkt sind natürlich auch vorhanden, jedoch nicht stark ausgeprägt. Rassenbeispiele dazu sind der Pointer, der Irish Setter oder das Deutsch Kurzhaar. Der Gruppe 2 gehören auch die Jagdhunde an, die nach dem Schuss zum Einsatz kommen, um die erlegte Beute zu suchen und zu apportieren. Jagd- und Sozialer Rudelinstinkt sind bei diesen Hunden noch ausgeprägter als bei Jagdhunden, die vor dem Schuss jagen. Es sind eher infantile Hunde mit wenig territorialem Anspruch. Dazu gehören beispielsweise der Labrador oder der Golden Retriever sowie der französische Epagneul Picard.
Als Ausnahmen sind diejenigen Hunde zu betrachten, die vor und nach dem Schuss jagen. Auch sie sind stark jagdlich ambitioniert und sehr sozial, dafür aber auch stärker territorial veranlagt. Diese Allrounder, wie beispielsweise der Münsterländer oder die bayerischen Gebirgsschweisshunde, sind deshalb auch weniger als Familienhunde geeignet.
Treibjagdhunde werden unterteilt in Hunde, die olfaktorisch jagen und diejenigen, die auf Sicht jagen. Meutejagdhunde wie der Foxhound oder der Beagle hetzen in unorganisierten Gruppen und suchen die Beute vor allem über die Nase. Ihr Jagdinstinkt ist riesig und bestimmt zusammen mit dem Sexualinstinkt das Wesen dieser Hunde. Sozialer Rudelinstinkt und territoriale Ansprüche sind nur minimal vorhanden. Interessante Charaktere, die nicht leicht zu führen sind! Optisch jagende Hunde, wie die Windhunde, haben zwar auch einen sehr grossen Jagdinstinkt, sind aber viel sozialer veranlagt und verfügen über eine feine Kommunikation.
Die Solitärjäger, allen voran der Terrier, sind mit starken Jagd- und Territorialveranlagungen ausgestattet. Ihr Sexualinstinkt und das Sozialverhalten rücken in den Hintergrund. Allgemein haben die Rassen der Gruppe 3 einen grossen Hang zur Selbständigkeit, dennoch sind sie erziehbar, wenn bereits im frühen Welpenalter damit begonnen wird. Gerade mit Hunden, die ohne Führung des Menschen jagen, muss schon früh mit der Erziehung begonnen werden, um gute Erfolge zu erzielen.
Allrounder und Hunde des Urtyps haben noch ein ausgewogenes Instinktverhalten. Ihre territorialen Verhaltensweisen, der Jagdinstinkt, das Sexualverhalten und das soziale Rudelverhalten stehen sehr schön in der Balance zueinander und sind in ihrer Bedeutung ausgewogen. Bei allen anderen Hunderassen ist dies nicht mehr der Fall. Sie gehören in die Hände eines erfahrenen Besitzers, der mit ihren sehr ursprünglichen Verhaltensmustern auch umzugehen weiss.
Kampfhunde und Bullenbeisser können kaum Empathie entwickeln. Die Fähigkeit, sich in das Gegenüber einzufühlen, fehlt diesen Hunden fast gänzlich und dabei machen sie auch keinen Unterschied zwischen Menschen und Hunden. In der Begegnung mit Menschen zeigen sie kaum Aggression und haben eine viel höhere Reizschwelle als das bei anderen Rassen wie beispielsweise dem Malinois, dem Dobermann oder dem Riesenschnauzer der Fall ist. Kommt der Kampfhund aber in eine Aggression hinein, beisst er hemmungslos zu, denn er ist auf die letzten Sequenzen der Jagd, das Stellen und Töten eines Tieres, gezüchtet worden. Ein Hund, der tötet, muss die Beute festhalten und schütteln und das ist genau die Problematik bei diesen Hunderassen. Rassenbeispiele sind der Dogo Argentino und der American Staffordshire Terrier, aber auch der Boxer gehört dazu.


Gesellschaftshunde, die im Volksmund auch als «Schosshunde» bezeichnet werden, sind in ihrem Instinktverhalten sehr differenziert und müssten eigentlich, entsprechend ihrer Herkunft, den fünf anderen Gruppen zugeteilt werden. Die Bezeichnung «Gesellschaftshunde» könnte darauf schliessen lassen, dass diese Tiere sehr sozial veranlagt sind, was aber nicht auf alle Rassen dieser Gruppe zutrifft. Ein Grossteil der Gesellschaftshunde stammt beispielsweise aus dem Bereich der Solitärjäger, die ihre Aufgaben ohne Hilfe des Menschen lösen und somit nicht automatisch gesellschaftsfähig sind. Auch kleine Hunde müssen ernst genommen werden und haben ein Recht auf Erziehung.
Bei Mischlingen findet eine Vermischung der Erbanlagen verschiedenster Hunderassen statt, was zu einer Ausbalancierung der Instinktbereiche führt. Mischlingshunde sind in ihrer Veranlagung der Urform des Hundes näher als Rassenhunde. Es werden Komponenten zusammengebracht, die über Jahrhunderte getrennt worden sind und das bringt das Wesen dieser Tiere wieder näher an ursprüngliche Verhaltensmuster heran, womit viele Menschen überfordert sind. Je ausgeglichener der Hund veranlagt ist, umso schwieriger und komplexer ist der Umgang mit ihm. Betrachtet man zum Beispiel die Strassenhunde aus Griechenland stellt man fest, dass sie als Haushunde für uns eine grosse Herausforderung darstellen. Sie zeigen sowohl den Territorialinstinkt als auch den Jagdinstinkt in normaler Form, haben ein ausgewogenes Sexualverhalten, sind allgemein ernst zu nehmen und sozial sehr intelligent, denn sonst könnten sie auf der Strasse nicht überleben. Je ursprünglicher der Mischlingshund ist, umso schwieriger ist es für den Menschen, ihn in unseren Alltag zu integrieren.
«Die heutige Rassenzucht ist problematisch», erklärt Jan Nijboer. «Wieso werden trotz heutigem Wissen immer noch Hunde gezüchtet, die so hypersensibel sind, dass man bei ihnen zwar blitzschnelle Reaktionen auslösen kann, sie aber auch schnell ängstlich reagieren und aus dieser Angst heraus in die Aggression verfallen? Hypersensible Hunde werden oft auch als Hunde bezeichnet, die hoch im Trieb stehen, was als eine positive Eigenschaft empfunden wird. Dem muss ich aber widersprechen. Hunde, die «hoch im Trieb» stehen, steigern sich aus einer Frustration heraus rasant in eine Situation hinein, was zu hysterischen Reaktionen beziehungsweise Zwangsneurosen führen kann. Diese Hunde sind krank. Andere Tiere sind in ihrer Konstitution und in ihren Körperfunktionen schwer behindert. Wie kann man Hunde mit zu kurzen Läufen, eingedrückter Nase, hervorstehenden Augen und übermässiger Hautfaltenbildung speziell züchten und das für Richtig halten? Tieren darf nicht unnötig Leid zugefügt werden, so steht es in der Tierschutzverordnung, und diesen Hunden wird unnötig Leid angetan! Und das ohne Grund. Solche Qualzuchten sind absolut unnötig! Rassenverbote machen aber keinen Sinn. Viel mehr sollte man sich Gedanken darüber machen, mit welchen Exemplaren einer Rasse tatsächlich gezüchtet werden soll und welche Eigenschaften und Merkmale damit speziell gefördert werden. Sowohl Züchter als auch Hundekäufer sind zu einem Umdenken aufgerufen – zum Wohle unserer Hunde!»



Die Aufteilung der Hunderassen
Gruppe 1 – Hütehunde, Treibhunde und Herdenschutzhunde
Hütehunde, Treibhunde und Herdenschutzhunde bilden zusammen die erste Gruppe, weil sie alle in ihrem Ursprung mit Vieh zu tun hatten. Dabei ist die Bezeichnung für die Hütehunde unglücklich gewählt und erweckt einen falschen Eindruck, denn Hütehunde haben keinen «Hüteinstinkt». Sie passen nicht auf die Schafe auf, sondern sind mit Elementen aus der Jagd beschäftigt, um die Herde zusammenzuhalten. Ihr Jagdinstinkt ist deshalb auch sehr ausgeprägt. Sie können in ihrer Aufgabe versinken und ihre Arbeit über viele Stunden ohne Unterbruch durchhalten. Der Hütehund erkennt sehr genau, wer zu seiner Familie, respektive zur Herde gehört. Er ist im territorialen Bereich eher unsicher und fühlt sich schnell überfordert. Dies führt dazu, dass er häufig überreagiert. Der Sexualinstinkt ist reduziert, damit der Rüde seine Arbeit auch trotz Anwesenheit einer läufigen Hündin verrichten kann. Hütehunde zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten, das sich aber nur auf das eigene Rudel bezieht. In ihrem Wesen sind sie sehr sensibel, intelligent und gelehrig, jedoch auch infantil und dadurch abhängig vom Menschen. Sie sind leicht zu beeinflussen, sowohl im Positiven als auch im negativen Bereich. Bei falschem Umgang mit solchen Rassen kann der Mensch grossen Schaden anrichten. Rassenbeispiele für den Hütehund sind der Border Collie und der Australian Shepherd.






Nun gibt es aber auch Überschneidungen. Vor allem französische Bauern haben Hunde herangezogen, die sowohl die Veranlagungen des Hütehundes und des Treibhundes, als auch diejenigen des Wachhundes in sich vereinen. Dazu gehören Rassen wie der Berger de Picardie, der Briard und der Beauceron, aber auch der Grosse Schweizer Sennenhund und der Hovawart sind in diese Gruppe einzuordnen.
Gruppe 2 – Jagdhunde mit Führung
In der Gruppe 2 sind diejenigen Jagdhunde zusammengefasst, die ihre Aufgabe unter der Anleitung eines Jägers erfüllen. Viele dieser Rassen, vor allem diejenigen, die vor dem Schuss jagen, sind sehr sensibel und leicht beeinflussbar. Sie müssen führig sein, um ihr Stöbern auf eine Einwirkung des Menschen zu unterbrechen, sobald sie ein Beutetier aufgescheucht haben. Dem Instinktkreis der Jagd und dem Sozialverhalten kommt somit eine grosse Bedeutung zu, das Territoriale und der Sexualinstinkt sind natürlich auch vorhanden, jedoch nicht stark ausgeprägt. Rassenbeispiele dazu sind der Pointer, der Irish Setter oder das Deutsch Kurzhaar. Der Gruppe 2 gehören auch die Jagdhunde an, die nach dem Schuss zum Einsatz kommen, um die erlegte Beute zu suchen und zu apportieren. Jagd- und Sozialer Rudelinstinkt sind bei diesen Hunden noch ausgeprägter als bei Jagdhunden, die vor dem Schuss jagen. Es sind eher infantile Hunde mit wenig territorialem Anspruch. Dazu gehören beispielsweise der Labrador oder der Golden Retriever sowie der französische Epagneul Picard.
Als Ausnahmen sind diejenigen Hunde zu betrachten, die vor und nach dem Schuss jagen. Auch sie sind stark jagdlich ambitioniert und sehr sozial, dafür aber auch stärker territorial veranlagt. Diese Allrounder, wie beispielsweise der Münsterländer oder die bayerischen Gebirgsschweisshunde, sind deshalb auch weniger als Familienhunde geeignet.
Gruppe 3 – Jagdhunde ohne Führung
Treibjagdhunde werden unterteilt in Hunde, die olfaktorisch jagen und diejenigen, die auf Sicht jagen. Meutejagdhunde wie der Foxhound oder der Beagle hetzen in unorganisierten Gruppen und suchen die Beute vor allem über die Nase. Ihr Jagdinstinkt ist riesig und bestimmt zusammen mit dem Sexualinstinkt das Wesen dieser Hunde. Sozialer Rudelinstinkt und territoriale Ansprüche sind nur minimal vorhanden. Interessante Charaktere, die nicht leicht zu führen sind! Optisch jagende Hunde, wie die Windhunde, haben zwar auch einen sehr grossen Jagdinstinkt, sind aber viel sozialer veranlagt und verfügen über eine feine Kommunikation.
Die Solitärjäger, allen voran der Terrier, sind mit starken Jagd- und Territorialveranlagungen ausgestattet. Ihr Sexualinstinkt und das Sozialverhalten rücken in den Hintergrund. Allgemein haben die Rassen der Gruppe 3 einen grossen Hang zur Selbständigkeit, dennoch sind sie erziehbar, wenn bereits im frühen Welpenalter damit begonnen wird. Gerade mit Hunden, die ohne Führung des Menschen jagen, muss schon früh mit der Erziehung begonnen werden, um gute Erfolge zu erzielen.
Gruppe 4 – Allrounder und Urtyp Hund
Allrounder und Hunde des Urtyps haben noch ein ausgewogenes Instinktverhalten. Ihre territorialen Verhaltensweisen, der Jagdinstinkt, das Sexualverhalten und das soziale Rudelverhalten stehen sehr schön in der Balance zueinander und sind in ihrer Bedeutung ausgewogen. Bei allen anderen Hunderassen ist dies nicht mehr der Fall. Sie gehören in die Hände eines erfahrenen Besitzers, der mit ihren sehr ursprünglichen Verhaltensmustern auch umzugehen weiss.
Gruppe 5 – Kampfhunde und Bullenbeisser
Kampfhunde und Bullenbeisser können kaum Empathie entwickeln. Die Fähigkeit, sich in das Gegenüber einzufühlen, fehlt diesen Hunden fast gänzlich und dabei machen sie auch keinen Unterschied zwischen Menschen und Hunden. In der Begegnung mit Menschen zeigen sie kaum Aggression und haben eine viel höhere Reizschwelle als das bei anderen Rassen wie beispielsweise dem Malinois, dem Dobermann oder dem Riesenschnauzer der Fall ist. Kommt der Kampfhund aber in eine Aggression hinein, beisst er hemmungslos zu, denn er ist auf die letzten Sequenzen der Jagd, das Stellen und Töten eines Tieres, gezüchtet worden. Ein Hund, der tötet, muss die Beute festhalten und schütteln und das ist genau die Problematik bei diesen Hunderassen. Rassenbeispiele sind der Dogo Argentino und der American Staffordshire Terrier, aber auch der Boxer gehört dazu.
Gruppe 6 – Gesellschaftshunde



Die Mischlingshunde
Bei Mischlingen findet eine Vermischung der Erbanlagen verschiedenster Hunderassen statt, was zu einer Ausbalancierung der Instinktbereiche führt. Mischlingshunde sind in ihrer Veranlagung der Urform des Hundes näher als Rassenhunde. Es werden Komponenten zusammengebracht, die über Jahrhunderte getrennt worden sind und das bringt das Wesen dieser Tiere wieder näher an ursprüngliche Verhaltensmuster heran, womit viele Menschen überfordert sind. Je ausgeglichener der Hund veranlagt ist, umso schwieriger und komplexer ist der Umgang mit ihm. Betrachtet man zum Beispiel die Strassenhunde aus Griechenland stellt man fest, dass sie als Haushunde für uns eine grosse Herausforderung darstellen. Sie zeigen sowohl den Territorialinstinkt als auch den Jagdinstinkt in normaler Form, haben ein ausgewogenes Sexualverhalten, sind allgemein ernst zu nehmen und sozial sehr intelligent, denn sonst könnten sie auf der Strasse nicht überleben. Je ursprünglicher der Mischlingshund ist, umso schwieriger ist es für den Menschen, ihn in unseren Alltag zu integrieren.
Kritische Gedanken zur Hundezucht
«Die heutige Rassenzucht ist problematisch», erklärt Jan Nijboer. «Wieso werden trotz heutigem Wissen immer noch Hunde gezüchtet, die so hypersensibel sind, dass man bei ihnen zwar blitzschnelle Reaktionen auslösen kann, sie aber auch schnell ängstlich reagieren und aus dieser Angst heraus in die Aggression verfallen? Hypersensible Hunde werden oft auch als Hunde bezeichnet, die hoch im Trieb stehen, was als eine positive Eigenschaft empfunden wird. Dem muss ich aber widersprechen. Hunde, die «hoch im Trieb» stehen, steigern sich aus einer Frustration heraus rasant in eine Situation hinein, was zu hysterischen Reaktionen beziehungsweise Zwangsneurosen führen kann. Diese Hunde sind krank. Andere Tiere sind in ihrer Konstitution und in ihren Körperfunktionen schwer behindert. Wie kann man Hunde mit zu kurzen Läufen, eingedrückter Nase, hervorstehenden Augen und übermässiger Hautfaltenbildung speziell züchten und das für Richtig halten? Tieren darf nicht unnötig Leid zugefügt werden, so steht es in der Tierschutzverordnung, und diesen Hunden wird unnötig Leid angetan! Und das ohne Grund. Solche Qualzuchten sind absolut unnötig! Rassenverbote machen aber keinen Sinn. Viel mehr sollte man sich Gedanken darüber machen, mit welchen Exemplaren einer Rasse tatsächlich gezüchtet werden soll und welche Eigenschaften und Merkmale damit speziell gefördert werden. Sowohl Züchter als auch Hundekäufer sind zu einem Umdenken aufgerufen – zum Wohle unserer Hunde!»
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Einer der aufregendsten und zugleich wichtigsten Bereiche im Verhalten des Hundes ist das Spiel. Im neusten Artikel AkteHund auf dogSpot werden uns die Erkenntnisse des bekannten Hundetrainers Michael Grewe und der Forscherin Dr. Dorit Feddersen-Petersen näher gebracht.
Dr. Silke Wechsung referiert zum Thema Mensch & Hund: Beziehungsqualität und Beziehungsverhalten:
Seit Generationen ist der Hund das liebste Haustier vieler Menschen. Er wird geliebt, gehätschelt, ausgebildet, abgerichtet, vernachlässigt und für diverse Dinge instrumentalisiert. Er ist...
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Individuen, ob Menschen oder Tiere, die in einer Beziehung zueinander stehen, kommunizieren über Lautäusserungen, Gesten, Mimik und ritualisierte Verhaltensweisen miteinander. Kommunikation findet immer statt, sie ist aber in ihrer Qualität und vielfach auch in der Quantität sehr unterschiedlich
Menschen fühlen sich in erster Linie aufgrund des Aussehens und der Grösse zu einer bestimmten Hunderasse hingezogen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wozu dieser Hund ursprünglich gezüchtet worden ist und welches Erbgut sein Verhalten bestimmt. Informationen, die ein Hundekäufer vom Züchter bekommt oder in Beschreibungen der Rasse nachlesen kann, sind leider oftmals nicht objektiv genug und weisen zuwenig auf die Eigenheiten der Hunde und die damit verbundenen Konsequenzen im Umgang mit ihnen hin.
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