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Die AkteHund, ein Expertenmagazin geführt von der Chefredakteurin Kitty Simione ist kein
Hochglanzmagazin aber trumpft dafür umso mehr mit hochkarätigen Artikeln der großen
Hunde-Experten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Exklusiv für dogSpot stellt Sie nun
einen kleinen Ausschnitt aus Ihrem Repertoire zu Verfügung.
Der Mensch in der Verantwortung
Seit Generationen ist der Hund das liebste Haustier vieler Menschen. Er wird geliebt, gehätschelt, ausgebildet, abgerichtet, vernachlässigt und für diverse Dinge instrumentalisiert. Er ist Statussymbol, Partnerersatz und Nutztier zugleich. Dass Hunde Menschen gut tun, haben zahlreiche Studien bewiesen. Wie es allerdings dem Hund geht, der mit «seinem» Menschen, den er sich nicht ausgesucht hat, tag täglich zusammen leben muss, wurde bisher kaum hinterfragt. Psychologin Dr. Silke Wechsung von der Universität Bonn hat sich genau diesem Thema gewidmet und befragte im Rahmen ihrer Studie rund 2’800 Hundehalter zu deren Mensch-Hund-Beziehung mit dem Ziel, das Beziehungsverhalten und die wechselseitige Qualität von Mensch-Hund-Beziehungen beschreiben, erklären und vorhersagen zu können.

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund hat sich im Laufe der gemeinsamen Geschichte immer wieder geändert, mal in die eine, mal in die andere Richtung. Es gab Phasen grosser Hundeeuphorie und es gab Zeiten, in denen Hunde eher sich selbst überlassen wurden. Es gab Perioden, in denen der Gebrauchswert eines Hundes im Vordergrund stand und andere, in denen man den Gesellschaftshund bevorzugte (vgl. Zimen, 1992). Heute ist alles anders und nicht zwangsläufig besser. Immer noch ist der Hund für Jäger, Polizisten, Bergretter oder Schäfer ein wertvoller Helfer. Die Mehrzahl aller Hunde dient dem Menschen heute jedoch als Sozialpartner, als Freund und Wegbegleiter, nicht als Nutztier. Die Beweggründe, warum Menschen sich heute Hunde halten, sind so unterschiedlich, wie es Menschen und Hunde selbst sind. Da Hunde ähnliche bis gleiche Bedürfnisse wie der Mensch haben, funktioniert das Zusammenleben in der Regel gut. Tauchen Probleme auf, sind diese immer im Gesamtkontext des sozialen Systems zu sehen, in dem der Hund lebt.





Hunde tun gut


Hunde sind gut für Menschen, das haben zahlreiche Studien bewiesen. Sie steigern das Wohlbefinden ihrer Besitzer, halten diese gesund und aktiv und erfüllen darüber hinaus wichtige soziale Funktionen. Fest steht aber auch, dass die positiven Auswirkungen der Hundehaltung, wie beispielsweise Stressreduzierung und Gesundheitsförderung, nur dann eintreten, wenn Hundehalter eine stabile, partnerschaftliche und aktiv geprägte Beziehung zu ihrem Hund aufbauen. Das bestätigt auch der bekannte Verhaltensforscher und Hundetrainer Günther Bloch, der sagte: «Hunde brauchen emotional stabile Menschen und eine intakte und verlässliche Mensch-Hund-Beziehung». Das Problem ist nur, dass viele Hundehalter eine solche Beziehung nicht aufbauen können oder wollen. Hundehalter unterscheiden sich grundlegend darin, warum sie sich einen Hund anschaffen, wie sie die Beziehung zu ihm gestalten und welchen Stellenwert der Hund in ihrem Leben einnimmt. «Allein die Tatsache, einen Hund zu besitzen, sagt noch nichts über das Verhältnis zum Tier aus», bescheinigt Dr. Silke Wechsung auf der Grundlage ihrer Untersuchungen.Bisher lag der Fokus der Untersuchungen der Qualität der Mensch-Hund-Beziehungen fast ausschliesslich auf der Perspektive der Hundehalter. Die Frage, wie es dem Hund in einer Mensch-Hund-Beziehung geht, stand bisher nur selten im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Untersuchung. Bekannt ist mittlerweile allerdings, dass Verhaltensprobleme von Hunden, beispielsweise gesteigerte Aggression, häufig auf das fehlende Fachwissen ihrer Besitzer zurückzuführen sind. Für die Wissenschaftlerin war das ein bedeutendes Argument, das wechselseitige Beziehungsverhalten von Menschen und Hunden, im Positiven wie im Negativen und in seiner Vielschichtigkeit, zu erforschen.

Zielsetzung der Untersuchung


Das Anliegen der Untersuchung war es, psychologische Bedingungen zu ermitteln, die das Beziehungsverhalten von Menschen und Hunden beeinflussen. Ziel war es dabei, die Qualität von Mensch-Hund-Beziehungen beschreiben, erklären und vorhersagen zu können. Im Rahmen dieser Untersuchung konnten drei Typen von Hundehaltern hervorgehoben werden, die sich teilweise deutlich in Wertigkeit, Qualität der Beziehung und Grundeinstellung zum Hund unterscheiden. Ziel dieser Typologie von Hundehaltern ist es, verschiedene Typen von Hundehaltern anhand bestimmter Merkmale und Charakteristika unterscheiden zu können.

Typ 1: Der prestigeorientierte Hundehalter (22 % der Hundehalter)


Rund ein Viertel der befragten Hundehalter sehen den Nutzen von Hundehaltung besonders darin, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken und das Ansehen bei anderen Menschen zu verbessern. Hier geht es in erster Linie um das eigene Ego, nicht um die Bedürfnisse des Hundes. Einschränkungen seiner Mobilität durch den Hund erlebt dieser Typ als Belastung, weil er sich in seiner Ungebundenheit behindert sieht. Er vermenschlicht seinen Hund stark, ohne jedoch eine enge Bindung zu ihm einzugehen und ist weder ein Naturfreund, noch hat er zu seinen Mitmenschen ein besonders enges Verhältnis. In der Interaktion mit seinem Hund ist er inkonsequent, unbeherrscht, ungeduldig und reflektiert sein Verhalten kaum. Die Qualität dieser Mensch-Hund-Beziehung ist als eher niedrig anzusehen. Dieser Hundehalter-Typ verfügt über geringes Fachwissen und der Hund wird hier auch am wenigsten artgerecht gehalten. Sowohl die Mensch-Hund-Bindung als auch die Mensch-Hund-Kommunikation sind bei diesem Typ relativ gering ausgeprägt, Gehorsam und Sozialverträglichkeit des Hundes lassen häufig zu wünschen übrig. Hier geht es nicht nur dem Hund weniger gut, auch sein Mensch ist unzufrieden, weil der Hund ihn häufiger behindert und in seiner Freiheit einschränkt, als ihm lieb ist.

Typ 2: Der emotionale Hundehalter (35 % der Hundehalter)


Dieser Typ Hundehalter zeichnet sich durch seine totale Fixierung auf den Hund aus. Der Hund ist engster Freund, ständiger Begleiter und teilweise sogar Partnerersatz, sein Wohlbefinden und die Erfüllung seiner Bedürfnisse stehen ganz oben auf der Prioritätenliste seines Besitzers. Dieser fühlt sich eher zu Tieren als zu Menschen hingezogen, verhält sich in der Öffentlichkeit aber dennoch rücksichtsvoll und möchte mit seinem Hund niemanden belästigen oder gar gefährden. Er geht liebevoll, bewusst und reflektiert mit seinem Hund um, tauscht sich aber wenig mit anderen Hundehaltern aus und lässt sich ungern bei der Erziehung seines Hundes unterstützen. Die Qualität dieser Mensch-Hund-Beziehung ist insgesamt als hoch zu bewerten. Im Vergleich zu den beiden anderen Hundehaltertypen ist er am zufriedensten mit der Beziehung zu seinem Hund. Auch dem Hund geht es hier gut, da er artgerechter gehalten wird als bei den beiden anderen Typen (bedeutend ist der Unterschied allerdings nur im Vergleich zu dem «prestigeorientierten Hundehalter»). Die Mensch-Hund-Bindung ist hier eng und die Mensch-Hund-Kommunikation im Vergleich zu den anderen Typen am erfolgreichsten. Auch wenn die Zuneigung zum Hund auf Aussenstehende ein wenig übertrieben wirkt, dem Hund geht es hier gut und auch der Hundehalter ist glücklich in dieser Mensch-Hund-Beziehung.

Typ 3: Der naturverbundene Hundehalter (43 % der Hundehalter)


Die mit 43 % grösste Gruppe bilden Hundehalter, die es schätzen, sich mit dem Hund aktiv zu beschäftigen, am liebsten in der Natur. Dieser Typ Hundehalter ist kontaktfreudig, gesellig und freut sich, über seinen Hund neue Menschen kennen zu lernen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind ihm (noch) wichtiger als der Hund, jede Beeinträchtigung anderer durch die Hundehaltung versucht er zu vermeiden. Im Umgang mit seinem Hund verhält er sich selbstbewusst, souverän, gibt in der Mensch-Hund-Beziehung klar den Ton an und engagiert sich sehr, seinen Hund gut zu erziehen. Die Qualität dieser Mensch-Hund-Beziehung ist insgesamt hoch, die Bindung zwischen Mensch und Hund ist hier am stärksten ausgeprägt. Hinzu kommt, dass dieser Hundehalter-Typ über ein relativ hohes Fachwissen zum Thema Hund verfügt. Daher sind auch Gehorsamkeit und die Sozialverträglichkeit seines Hundes im Vergleich zu den anderen beiden Typen am höchsten ausgeprägt. Auch in dieser Beziehung fühlen sich Mensch und Hund wohl, weil die Bedürfnisse beider Partner zueinander passen und befriedigt werden.

Der Mensch in der Verantwortung


Dass Hunde für Menschen gut sind, heisst also noch lange nicht, dass Menschen auch in jedem Fall für Hunde gut sind. Eine intakte Mensch-Hund-Beziehung setzt voraus, dass sowohl der Hundehalter als auch der Hund von der Beziehung profitieren. In Anbetracht zunehmender Naturentfremdung, Industrialisierung und Konsumorientierung – auch in der Hundehaltung – stellt sich zwangsläufig die Frage, inwiefern sich die Vorlieben der Hundebesitzer heute noch mit den Bedürfnissen ihrer Hunde vereinbaren lassen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es Konstellationen gibt, in denen sowohl Mensch als auch Hund von der Beziehung profitieren. Doch passt nicht jeder Mensch zu jedem Hund und umgekehrt. Nicht alle Hundehalter sind mit der Beziehung zu ihrem Hund zufrieden, bei rund einem Viertel der Hundehalter überwiegen die subjektiv empfundenen Nachteile die Vorteile der Hundehaltung. Auf der Seite der Hunde sieht es ähnlich aus. Rund 22 % der Hunde werden nicht artgerecht und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten. Beziehung von Mensch und Hund gestalten sich vielfältig und sind sehr unterschiedlich. «Ob Menschen und Hunde eine «gute» Beziehung aufbauen, liegt nahezu ausschliesslich in den Händen und damit in der Verantwortung des Hundehalters. Die Kombination bestimmter Einstellungen und Verhaltensweisen der Hundebesitzer, wie beispielsweise fehlendes Fachwissen, Vermenschlichung des Hundes und wenig aktive Beschäftigung mit dem Tier, bedingt problematisches Beziehungsverhalten und eine niedrige Qualität der Mensch-Hund-Beziehung», resümiert Dr. Silke Wechsung. «Die Veröffentlichung der Studienergebnisse ist mit der Hoffnung verbunden, dass zukünftig mehr Hundebesitzer dieser Verpflichtung gerecht werden», ergänzt sie.

«Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.»
(Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry)
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Dr. Silke Wechsung referiert zum Thema Mensch & Hund: Beziehungsqualität und Beziehungsverhalten:
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Menschen fühlen sich in erster Linie aufgrund des Aussehens und der Grösse zu einer bestimmten Hunderasse hingezogen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wozu dieser Hund ursprünglich gezüchtet worden ist und welches Erbgut sein Verhalten bestimmt. Informationen, die ein Hundekäufer vom Züchter bekommt oder in Beschreibungen der Rasse nachlesen kann, sind leider oftmals nicht objektiv genug und weisen zuwenig auf die Eigenheiten der Hunde und die damit verbundenen Konsequenzen im Umgang mit ihnen hin.
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