AkteHund
Die AkteHund, ein Expertenmagazin geführt von der Chefredakteurin Kitty Simione ist kein
Hochglanzmagazin aber trumpft dafür umso mehr mit hochkarätigen Artikeln der großen
Hunde-Experten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland. Exklusiv für dogSpot stellt Sie nun
einen kleinen Ausschnitt aus Ihrem Repertoire zu Verfügung.
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Das Kontakthalten fördern
Individuen, ob Menschen oder Tiere, die in einer Beziehung zueinander stehen, kommunizieren über Lautäusserungen, Gesten, Mimik und ritualisierte Verhaltensweisen miteinander. Kommunikation findet immer statt, sie ist aber in ihrer Qualität und vielfach auch in der Quantität sehr unterschiedlich. Gelingt es dem Menschen tatsächlich, sensibel mit dem Hund zu kommunizieren und sich auf dessen Wesen einzulassen oder wird der Hund nur dressiert und zum Sozialpartner, Spielzeug oder Sportgerät umfunktionalisiert? Ein unsensibler Umgang mit dem Hund und das daraus entstehende, unkontrollierte Verhalten des Tieres prägen das Bild heutiger Hundehaltung. Dabei wäre es so einfach, den Hund innerhalb weniger Augenblicke auf faire und für ihn verständliche und akzeptable Weise zu beherrschen!


Wer das Kontakthalten seines Hundes fördern will, sollte sich zuerst über die Natur des Tieres und im Speziellen über dessen Genetik Gedanken machen. Wozu ist der Hund gezüchtet worden? Was sind seine ausgeprägten Erbanlagen? Was kann er leisten und wo liegen seine Grenzen? Unsere heutige Gesellschaft erwartet, dass jeder Hund die gleichen Leistungen erbringt. Er darf nicht jagen, nicht zu stark bewachen und auch nicht anhaltend bellen. Der Mensch verlangt Fähigkeiten, die aufgrund der genetischen Vielfalt der Hunde gar nicht von jedem Tier gezeigt werden können. Der Hund ist in seinen Sinnesleistungen hoch spezialisiert, doch leider sind unsere heutigen Familienhunde zu «arbeitslosen Spezialisten» geworden. Bei jedem Hund laufen in seiner Entwicklung vorgegebene Programme ab, die der biologischen Reifung unterliegen.
Wird der Hund nicht ausreichend beschäftigt, sucht er sich seine Arbeit selbst aus und dabei werden angeborene Verhaltensmuster deutlich, die in der heutigen Zeit unerwünscht sind.
Ein Hund reagiert auf Reize nicht mit Vernunft oder Verstand – er überlegt nicht, was in einer bestimmten Situation zu tun ist, sondern erliegt seinen eigenen, spontanen Ideen. Diese werden in ihm durch Düfte, Bewegungsreize oder bestimme Laute geweckt, können aber durch geschicktes Handeln des Menschen unterbrochen und umgelenkt werden. Die Reaktionen eines Hundes auf Umwelteinflüsse entspringen immer seiner genetischen Veranlagung und seinen Instinkten. Gelingt es dem Menschen, Reize so an den Hund anzulegen, dass dessen Instinktbereich angesprochen wird, reagiert der Hund augenblicklich darauf und er wird sofort kontrollierbar. Dabei gibt es Reize, die den Hund motivieren und solche, die ihn in seinem Handeln hemmen. Ein Beispiel eines Reizes, der sich motivierend auf den Hund auswirkt, ist das Füttern aus der Hand. Nimmt der Hund auf ein Schnalzen des Menschen Blickkontakt mit ihm auf, bekommt er ein Gramm Futter. Bald wird sich der Hund nur noch so weit vom Menschen entfernen, dass er das Schnalzen nicht überhört und sofort zur Stelle ist, um das nächste Gramm Futter anzunehmen. Selbst wenn er fünfzig Meter von seinem Besitzer entfernt ist, wird der Hund durch das Schnalzen und die motivierende Stimme des Menschen ausgelöst und er kehrt zu ihm zurück. Der Hund kann gar nicht anders. Geht seine Bezugsperson dabei noch in die Hocke, wird das Tier noch freudiger zu ihm laufen und die erwartete Futterration entgegennehmen. Schnell baut er eine positive Erwartungshaltung auf und verknüpft sein Handeln, sei es der Blickkontakt oder auch das Herankommen, mit der darauf folgenden Belohnung. Eine Erwartungshaltung baut sich über Erfahrungen auf. Kommt der Hund in eine Situation, die er ganz ähnlich schon einmal erlebt und dabei entsprechende positive oder auch negative Erfahrungen gemacht hat, wird er sie wieder erkennen und die gleiche Reaktion auf sein Handeln erwarten. Sieht er den Menschen in der Hocke, freut es sich auf Streicheleinheiten und Futter. Die Hocke kann für ihn aber nur ein positives Signal bleiben, wenn er dort auch immer die gleichen, positiven Erfahrungen machen darf. Kommt es aber vor, dass er beim Menschen in der Hocke eingefangen, festgehalten und angeleint wird oder dass bei seinem Herankommen sofort Unterordnungselemente eingebaut werden, wird er auf die Hocke unsicher reagieren, weil er nie weiss, mit welchem Verhalten des Menschen er rechnen muss. Je präziser der Mensch kommuniziert, umso konstanter wird der Hund antworten.
Reize, die den Hund in seinem Handeln hemmen sollen, müssen zeitlich korrekt, in ihrer Intensität angepasst und möglichst frei von Emotionen erfolgen. Wie das genau getan werden muss, hängt von der individuellen Beziehung des Halters zu seinem Tier ab. Dem einen Hund kann durch ein selbstsicheres Präsentieren der eigenen Persönlichkeit schon klar gemacht werden, dass sein Verhalten unerwünscht ist. Bei anderen Hunden sind deutlichere Zeichen von Missmut nötig, um einen Verhaltensabbruch zu erzielen.Dass Hunde den Reizen aus dem Umfeld erliegen, ist in der Begegnung mit Artgenossen deutlich zu beobachten. Sie zeigen eine sehr hohe Bindungsflexibilität und sind in der Lage, innerhalb weniger Sekunden durch ritualisierte Verhaltensmuster Übereinkünfte zu treffen. Sie können einander einschätzen und sich augenblicklich auf ihr Gegenüber einstellen. Diese Bindungsflexibilität erlaubt es dem Hund auch, sich sehr schnell in eine soziale Gruppe von Menschen oder Artgenossen einzugliedern. Hunde bilden keine Rudel mit starren hierarchischen Positionen, selbst wenn das bei bestimmten nordischen Rassen oder auch Herdenschutzhunden, die noch sehr instinktsicher reagieren, so erscheinen mag. Mehrere Hunde innerhalb einer sozialen Gruppe, also auch innerhalb einer Menschenfamilie, befinden sich stets in konkurrierendem Verhalten, um für sich selbst den grösstmöglichen Vorteil zu erzielen. Natürlich orientieren sie sich an den souveränen Tieren innerhalb der Gruppe, die eigene Wege gehen, dadurch eine Führungsposition einnehmen und auch eine gewisse Sicherheit versprechen, doch die Stellung des einzelnen Tieres kann sich stetig verändern. In jeder Situation werden neue Übereinkünfte getroffen und es braucht nur eine einzige Wiederholung und schon kann der Hund seine Position einschätzen und sein Verhalten anpassen.


Diese Tatsache steht im starken Gegensatz zu den gebräuchlichen Konditionierungsmodellen, die mehrere hundert Wiederholungen verlangen, bis der Hund verstanden hat, was von ihm verlangt wird. Wie kann es zu solch unterschiedlichem Lernverhalten kommen? Braucht ein Wachhund tatsächlich fünfhundert Wiederholungen, bis er erkennt, ob der Eindringling gefährlich ist oder nicht? Braucht der Terrier im Fuchsbau genauso viele Wiederholungen, bis er die Stärke seines Gegners richtig einschätzen kann, um ihn dann erst zu attackieren? Das würde ihn vermutlich das Leben kosten. Reize, die somit den Instinkt des Hundes berühren, können mit einer einzigen Wiederholung richtig beantwortet werden. Verlangt der Mensch von seinem Hund aber Aufgaben, die ihn nicht auf dieser Ebene ansprechen und das Tier nicht in seinem ursprünglichen Wesen erfassen, so sind tatsächlich viele Wiederholungen nötig, um ein konstantes Verhalten anzutrainieren. Dann spricht man aber von Dressur und nicht von Kommunikation. Dressur- und Konditionierungsmethoden, die der Mensch im Umgang mit seinem Hund anwendet, wird man im Verhalten der Hunde untereinander niemals finden, weshalb sie auch für das freiwillige Kontakthalten des Hundes unbrauchbar sind.
Hunde, die sich begegnen, treffen also Übereinkünfte und dabei sind vor allem die ersten Momente von Bedeutung, wenn die Tiere von der Leine gelassen werden. Sie bringen ihre Persönlichkeit ganz unterschiedlich ein, erfahren sich selbst und lernen ihre Wirkung auf andere Sozialpartner kennen. Innere Stimmungen der einzelnen Tiere werden sofort und unmissverständlich vermittelt. Es wird gestossen, angesprungen, gescharrt, bestiegen und im Freiraum begrenzt, die körperliche Fitness im schnellen Lauf demonstriert – jeder Hund handelt auf seine ganz individuelle Weise, tut dies aber in immer wiederkehrenden und somit ritualisierten Abläufen. Das hat nichts mit Spiel zu tun, zumindest dann nicht, wenn es sich um eine zufällig zusammengesetzte Gruppe von Hunden handelt. Bei Tieren, die sich sehr vertraut sind, kann es sicherlich auch zu spielerischem Verhalten aus purer Lebenslust kommen, nicht aber bei grundsätzlich fremden Tieren. Die Hunde reagieren auf Aktionen der anderen und werden durch Geruchs- oder Bewegungsreize ausgelöst. Sie müssen reagieren, dem können sie sich nicht verwehren. Eine Situation geht nahtlos in die Nächste über. Die Prozesse, die dabei stattfinden, können in Gruppen bildende, Gruppen organisierende und Gruppen zusammenhaltende Verhaltensmuster unterteilt werden. Jeder dieser Bereiche wird wieder definiert durch Interaktionsmuster, Interaktions-Spielmuster und Strukturierungsmuster. Die Reaktionen eines Hundes sollten immer eine soziale Komponente beinhalten und dem Gegenüber eine klare Absicht kommunizieren, doch da sind grosse Unterschiede zu beobachten. Es gibt Hunde, die deutlich strukturieren, in jedes Gerangel zielsicher eingreifen und Ruhe in eine Gruppe bringen. Sie organisieren die Gruppe und sind darum besorgt, dass keine Begegnung aus dem Ruder läuft. Dann gibt es aber auch andere, die sehr planlos von einer Aktion in die Nächste übergehen, überall etwas mitmischen, aber keine wirkliche Botschaft vermitteln und deshalb von den anderen Hunden auch gar nicht richtig wahrgenommen werden. Ist Unruhe in einer Gruppe, werden diese Tiere sie übernehmen und nicht wissen, was sie dagegen unternehmen sollen. Jede einzelne Rasse, jedes einzelne Individuum verhält sich seinen Erbanlagen und seinen Instinkten zufolge unterschiedlich.


Sämtliche Verhaltensmuster, die Hunde zeigen, laufen auch zwischen Mensch und Hund ab und können durch den Menschen sogar bewusst initiiert werden. Allerdings klappt diese Form der Kommunikation nur, wenn der Mensch das richtige Timing kennt und sich genau in der richtigen Intensität und mit dem korrekten Verhalten einbringen kann, die auch der Hund anwenden würde. Das Persönlichkeitsprofil des Hundes, das er in der innerartlichen Gruppe zeigt, ist entscheidend für den Umgang des Menschen mit diesem Hund. Es gibt Auskunft darüber, welche Verhaltensweisen und welche Situationen mit ihm eher vermieden und welche Eigenschaften speziell gefördert werden sollen. Ein stark strukturierender Hund, der sich wöchentlich in einer Gruppe erfährt und dadurch seine Selbstsicherheit laufend verfeinern kann, wird irgendwann das gleiche Verhalten auch dem Menschen gegenüber zeigen. Die Probleme sind vorprogrammiert.
Problemlösungsmöglichkeiten können an einem Vortragsabend nur in Form von Ideen weitergegeben werden. Diese Ansätze sollen aber zumindest dazu anregen, die persönliche Beziehung zum Hund genauer zu definieren und zu bewerten.Die Problemstellungen sind bekannt und weit verbreitet: Der Hund hat kein Interesse am Menschen, beachtet dafür mit Hingabe alle Artgenossen und Gerüche, «hört» nicht, ist unkonzentriert, nervös oder unruhig und geht seine eigenen Wege. Der Mensch ist ganz einfach nicht mehr spannend für den Hund, weil es ihm nicht gelingt, die Abhängigkeit, die ein Welpe schon zeigt, beibehalten zu können. Schon beim Züchter sollten das freudige Herankommen, das Tauschen eines Gegenstandes gegen Futter oder die Aufnahme des Blickkontaktes täglich geübt und auch später, in der Familie, weitergeführt werden. Folgschaft ist ein Grundmuster im Verhalten des Welpen. Er läuft seiner Mutter aus innerem Antrieb überall hin nach. Das kann sich der Mensch zu Nutze machen. Abläufe, die der Hund schon als Welpe lernt, wird er ein Leben lang zeigen. Er kennt es ja nicht anders.


Wenn ein Hund sich wirklich verstanden fühlt, wird er von sich aus die Nähe des Menschen suchen. Dazu muss die Natur des Hundes bekannt sein und der Wechsel zwischen Motivation und Androhung auch gekonnt umgesetzt werden. Funktioniert diese Kommunikation zwischen Mensch und Hund, kann die gemeinsame Zeit durch Apportierübungen, Nasenarbeit oder das Verweisen eines Gegenstandes oder eines Menschen interessant gestaltet werden. Nun lässt sich der Hund auch nicht mehr durch andere Dinge rund um ihn herum ablenken. Weiter kann die Konzentration des Hundes und seine Orientierung am Menschen gefördert werden, indem gemeinsam nach Beute gesucht wird. Zeigt der Mensch Suchverhalten, wird es ihm der Hund sofort nachmachen. Mit richtungsweisenden Gesten wird dem Hund vorgegeben, wo Beute sein könnte. Orientiert sich der Hund am Menschen, wird er auch Erfolg haben und die Beute finden. Durch Nasenarbeit und das damit verbundene Definieren und Auseinanderhalten von verschiedenen Spuren werden die Aufgaben immer anspruchsvoller und das Kontakthalten des Hundes entscheidend gefördert. Kann der Hund die Beute nicht greifen, weil sie entweder zu hoch hängt oder zu schwer ist, wird er dem Menschen seinen Konflikt anzeigen und ihn um Hilfe bitten. Er verweist die Fundstelle und kommuniziert ganz klar, dass der Mensch aktiv werden und ihm helfen soll. Diesen Moment darf der Hundehalter nicht versäumen, denn das Tier nimmt von sich aus Kontakt auf und macht seine Absichten deutlich. Verpasst der Mensch diesen Augenblick, wird der Hund bald nicht mehr fragen. Im Idealfall bellt der Hund, weil er aus einem inneren Antrieb heraus mitteilen will, dass er Beute gefunden hat und nicht, weil es ihm in unzähligen Wiederholungen antrainiert worden ist. Das Verweisen kann jeder Hund zeigen, auch wenn er die Übung noch gar nicht kennt – dazu muss er allerdings die Erfahrung gemacht haben, dass sein Mensch ihn auch verstehen kann. Hat die Kommunikation zwischen den beiden über lange Zeit nur schlecht funktioniert, wird der Hund kein Interesse an der Beute haben und lediglich konditionierte Verhaltensmuster zeigen. Kann die Kommunikation aber fliessen, so wie sie der Hund aus seinem Naturell heraus anbietet, wird er auch den Kontakt aufrecht halten. Das hat zur Folge, dass der Hund nicht auf eine einzige Form der Anzeige reduziert werden sollte. Seine Kommunikation wird, abhängig von seiner inneren Gestimmtheit und seinem Erregungszustand, variieren. Wichtig ist einfach, dass der Mensch versteht, dass der Hund etwas mitteilen will.
Anton Fichtlmeier äussert in seinen Vorträgen ganz bewusst provokative Ansichten, denn er will den Hundehalter dazu anregen, sich vertieft mit dem Wesen des Hundes auseinanderzusetzen: «Die Verhaltensweisen des Hundes unterliegen ganz simplen Mechanismen, die sehr formkonstant auftreten, die man nicht weg prägen oder weg erziehen, die man aber beherrschbar machen kann. Jeder Hund kann beherrscht werden, weil Hunde so angelegt sind, dass sie überleben und deshalb ernsthafte Auseinandersetzungen vermeiden wollen und sich dadurch auch hemmen lassen. Soziales Miteinander würde sonst nicht funktionieren. Zur Hemmung gehört als auslösendes Element ein Abgrenzen der eigenen Persönlichkeit und auch Unmut bis hin zur Aggressivität. Wer seinen Hund kontrollieren will, muss dessen Wesen verstehen und das Tier in seiner ganzen Persönlichkeit akzeptieren. Kein Hund ist wie der andere – nicht einmal innerhalb eines Wurfes sind die Individuen in ihrem Verhalten gleich, glücklicherweise ist das so. Ein Hund schafft augenblicklich Kontakt zum Menschen und hält diesen auch aufrecht, aber nur wenn es uns gelingt, tatsächlich mit ihm «ins Gespräch» zu kommen, anstatt ihn dressieren und ihm ein Verhalten aufzwingen zu wollen, das mit seinen natürlichen Mustern nichts zu tun hat.»



Wird der Hund nicht ausreichend beschäftigt, sucht er sich seine Arbeit selbst aus und dabei werden angeborene Verhaltensmuster deutlich, die in der heutigen Zeit unerwünscht sind.
Die Natur des Hundes
Ein Hund reagiert auf Reize nicht mit Vernunft oder Verstand – er überlegt nicht, was in einer bestimmten Situation zu tun ist, sondern erliegt seinen eigenen, spontanen Ideen. Diese werden in ihm durch Düfte, Bewegungsreize oder bestimme Laute geweckt, können aber durch geschicktes Handeln des Menschen unterbrochen und umgelenkt werden. Die Reaktionen eines Hundes auf Umwelteinflüsse entspringen immer seiner genetischen Veranlagung und seinen Instinkten. Gelingt es dem Menschen, Reize so an den Hund anzulegen, dass dessen Instinktbereich angesprochen wird, reagiert der Hund augenblicklich darauf und er wird sofort kontrollierbar. Dabei gibt es Reize, die den Hund motivieren und solche, die ihn in seinem Handeln hemmen. Ein Beispiel eines Reizes, der sich motivierend auf den Hund auswirkt, ist das Füttern aus der Hand. Nimmt der Hund auf ein Schnalzen des Menschen Blickkontakt mit ihm auf, bekommt er ein Gramm Futter. Bald wird sich der Hund nur noch so weit vom Menschen entfernen, dass er das Schnalzen nicht überhört und sofort zur Stelle ist, um das nächste Gramm Futter anzunehmen. Selbst wenn er fünfzig Meter von seinem Besitzer entfernt ist, wird der Hund durch das Schnalzen und die motivierende Stimme des Menschen ausgelöst und er kehrt zu ihm zurück. Der Hund kann gar nicht anders. Geht seine Bezugsperson dabei noch in die Hocke, wird das Tier noch freudiger zu ihm laufen und die erwartete Futterration entgegennehmen. Schnell baut er eine positive Erwartungshaltung auf und verknüpft sein Handeln, sei es der Blickkontakt oder auch das Herankommen, mit der darauf folgenden Belohnung. Eine Erwartungshaltung baut sich über Erfahrungen auf. Kommt der Hund in eine Situation, die er ganz ähnlich schon einmal erlebt und dabei entsprechende positive oder auch negative Erfahrungen gemacht hat, wird er sie wieder erkennen und die gleiche Reaktion auf sein Handeln erwarten. Sieht er den Menschen in der Hocke, freut es sich auf Streicheleinheiten und Futter. Die Hocke kann für ihn aber nur ein positives Signal bleiben, wenn er dort auch immer die gleichen, positiven Erfahrungen machen darf. Kommt es aber vor, dass er beim Menschen in der Hocke eingefangen, festgehalten und angeleint wird oder dass bei seinem Herankommen sofort Unterordnungselemente eingebaut werden, wird er auf die Hocke unsicher reagieren, weil er nie weiss, mit welchem Verhalten des Menschen er rechnen muss. Je präziser der Mensch kommuniziert, umso konstanter wird der Hund antworten.
Reize, die den Hund in seinem Handeln hemmen sollen, müssen zeitlich korrekt, in ihrer Intensität angepasst und möglichst frei von Emotionen erfolgen. Wie das genau getan werden muss, hängt von der individuellen Beziehung des Halters zu seinem Tier ab. Dem einen Hund kann durch ein selbstsicheres Präsentieren der eigenen Persönlichkeit schon klar gemacht werden, dass sein Verhalten unerwünscht ist. Bei anderen Hunden sind deutlichere Zeichen von Missmut nötig, um einen Verhaltensabbruch zu erzielen.Dass Hunde den Reizen aus dem Umfeld erliegen, ist in der Begegnung mit Artgenossen deutlich zu beobachten. Sie zeigen eine sehr hohe Bindungsflexibilität und sind in der Lage, innerhalb weniger Sekunden durch ritualisierte Verhaltensmuster Übereinkünfte zu treffen. Sie können einander einschätzen und sich augenblicklich auf ihr Gegenüber einstellen. Diese Bindungsflexibilität erlaubt es dem Hund auch, sich sehr schnell in eine soziale Gruppe von Menschen oder Artgenossen einzugliedern. Hunde bilden keine Rudel mit starren hierarchischen Positionen, selbst wenn das bei bestimmten nordischen Rassen oder auch Herdenschutzhunden, die noch sehr instinktsicher reagieren, so erscheinen mag. Mehrere Hunde innerhalb einer sozialen Gruppe, also auch innerhalb einer Menschenfamilie, befinden sich stets in konkurrierendem Verhalten, um für sich selbst den grösstmöglichen Vorteil zu erzielen. Natürlich orientieren sie sich an den souveränen Tieren innerhalb der Gruppe, die eigene Wege gehen, dadurch eine Führungsposition einnehmen und auch eine gewisse Sicherheit versprechen, doch die Stellung des einzelnen Tieres kann sich stetig verändern. In jeder Situation werden neue Übereinkünfte getroffen und es braucht nur eine einzige Wiederholung und schon kann der Hund seine Position einschätzen und sein Verhalten anpassen.



Der Hund in der Gruppe
Hunde, die sich begegnen, treffen also Übereinkünfte und dabei sind vor allem die ersten Momente von Bedeutung, wenn die Tiere von der Leine gelassen werden. Sie bringen ihre Persönlichkeit ganz unterschiedlich ein, erfahren sich selbst und lernen ihre Wirkung auf andere Sozialpartner kennen. Innere Stimmungen der einzelnen Tiere werden sofort und unmissverständlich vermittelt. Es wird gestossen, angesprungen, gescharrt, bestiegen und im Freiraum begrenzt, die körperliche Fitness im schnellen Lauf demonstriert – jeder Hund handelt auf seine ganz individuelle Weise, tut dies aber in immer wiederkehrenden und somit ritualisierten Abläufen. Das hat nichts mit Spiel zu tun, zumindest dann nicht, wenn es sich um eine zufällig zusammengesetzte Gruppe von Hunden handelt. Bei Tieren, die sich sehr vertraut sind, kann es sicherlich auch zu spielerischem Verhalten aus purer Lebenslust kommen, nicht aber bei grundsätzlich fremden Tieren. Die Hunde reagieren auf Aktionen der anderen und werden durch Geruchs- oder Bewegungsreize ausgelöst. Sie müssen reagieren, dem können sie sich nicht verwehren. Eine Situation geht nahtlos in die Nächste über. Die Prozesse, die dabei stattfinden, können in Gruppen bildende, Gruppen organisierende und Gruppen zusammenhaltende Verhaltensmuster unterteilt werden. Jeder dieser Bereiche wird wieder definiert durch Interaktionsmuster, Interaktions-Spielmuster und Strukturierungsmuster. Die Reaktionen eines Hundes sollten immer eine soziale Komponente beinhalten und dem Gegenüber eine klare Absicht kommunizieren, doch da sind grosse Unterschiede zu beobachten. Es gibt Hunde, die deutlich strukturieren, in jedes Gerangel zielsicher eingreifen und Ruhe in eine Gruppe bringen. Sie organisieren die Gruppe und sind darum besorgt, dass keine Begegnung aus dem Ruder läuft. Dann gibt es aber auch andere, die sehr planlos von einer Aktion in die Nächste übergehen, überall etwas mitmischen, aber keine wirkliche Botschaft vermitteln und deshalb von den anderen Hunden auch gar nicht richtig wahrgenommen werden. Ist Unruhe in einer Gruppe, werden diese Tiere sie übernehmen und nicht wissen, was sie dagegen unternehmen sollen. Jede einzelne Rasse, jedes einzelne Individuum verhält sich seinen Erbanlagen und seinen Instinkten zufolge unterschiedlich.



Häufige Problemstellungen und Lösungsansätze
Problemlösungsmöglichkeiten können an einem Vortragsabend nur in Form von Ideen weitergegeben werden. Diese Ansätze sollen aber zumindest dazu anregen, die persönliche Beziehung zum Hund genauer zu definieren und zu bewerten.Die Problemstellungen sind bekannt und weit verbreitet: Der Hund hat kein Interesse am Menschen, beachtet dafür mit Hingabe alle Artgenossen und Gerüche, «hört» nicht, ist unkonzentriert, nervös oder unruhig und geht seine eigenen Wege. Der Mensch ist ganz einfach nicht mehr spannend für den Hund, weil es ihm nicht gelingt, die Abhängigkeit, die ein Welpe schon zeigt, beibehalten zu können. Schon beim Züchter sollten das freudige Herankommen, das Tauschen eines Gegenstandes gegen Futter oder die Aufnahme des Blickkontaktes täglich geübt und auch später, in der Familie, weitergeführt werden. Folgschaft ist ein Grundmuster im Verhalten des Welpen. Er läuft seiner Mutter aus innerem Antrieb überall hin nach. Das kann sich der Mensch zu Nutze machen. Abläufe, die der Hund schon als Welpe lernt, wird er ein Leben lang zeigen. Er kennt es ja nicht anders.



Jeder Hund ist beherrschbar
Anton Fichtlmeier äussert in seinen Vorträgen ganz bewusst provokative Ansichten, denn er will den Hundehalter dazu anregen, sich vertieft mit dem Wesen des Hundes auseinanderzusetzen: «Die Verhaltensweisen des Hundes unterliegen ganz simplen Mechanismen, die sehr formkonstant auftreten, die man nicht weg prägen oder weg erziehen, die man aber beherrschbar machen kann. Jeder Hund kann beherrscht werden, weil Hunde so angelegt sind, dass sie überleben und deshalb ernsthafte Auseinandersetzungen vermeiden wollen und sich dadurch auch hemmen lassen. Soziales Miteinander würde sonst nicht funktionieren. Zur Hemmung gehört als auslösendes Element ein Abgrenzen der eigenen Persönlichkeit und auch Unmut bis hin zur Aggressivität. Wer seinen Hund kontrollieren will, muss dessen Wesen verstehen und das Tier in seiner ganzen Persönlichkeit akzeptieren. Kein Hund ist wie der andere – nicht einmal innerhalb eines Wurfes sind die Individuen in ihrem Verhalten gleich, glücklicherweise ist das so. Ein Hund schafft augenblicklich Kontakt zum Menschen und hält diesen auch aufrecht, aber nur wenn es uns gelingt, tatsächlich mit ihm «ins Gespräch» zu kommen, anstatt ihn dressieren und ihm ein Verhalten aufzwingen zu wollen, das mit seinen natürlichen Mustern nichts zu tun hat.»
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Dr. Silke Wechsung referiert zum Thema Mensch & Hund: Beziehungsqualität und Beziehungsverhalten:
Seit Generationen ist der Hund das liebste Haustier vieler Menschen. Er wird geliebt, gehätschelt, ausgebildet, abgerichtet, vernachlässigt und für diverse Dinge instrumentalisiert. Er ist...
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Menschen fühlen sich in erster Linie aufgrund des Aussehens und der Grösse zu einer bestimmten Hunderasse hingezogen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wozu dieser Hund ursprünglich gezüchtet worden ist und welches Erbgut sein Verhalten bestimmt. Informationen, die ein Hundekäufer vom Züchter bekommt oder in Beschreibungen der Rasse nachlesen kann, sind leider oftmals nicht objektiv genug und weisen zuwenig auf die Eigenheiten der Hunde und die damit verbundenen Konsequenzen im Umgang mit ihnen hin.
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