Wahl-O-Mat

christianeadler
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@ Weckener

Ich würde mir wünschen, dass jeder Volksvertreter erstmal ein Betriebspraktikum im Volk absolvieren müsste: Leben mit Hartz IV im sozialen Wohnungsbau, arbeiten als Leiharbeiter mit Mindestlohn, krank sein mit gesetzlicher Krankenkasse.... Mir wird als Westdeutscher wohl auch für immer verschlossen bleiben, wieso intelligente Menschen, die der Propaganda ihrer Regierung nicht glaubten, auf die schöne, bunte Werbewelt des Westens und auf die Wahlslogans von deren Politikern reinfallen konnten. Ich habe ähnliche Erfahrungen mit ungläubigen DDR- Bürgern und später enttäuschten Ostdeutschen gemacht wie du, was den stressigen Berufsalltag, das fehlende Zusammengehörigkeitsgefühl oder die mangelhafte soziale Unterstützung im Weste angeht.


Die systemkritische Betrachtung von Cairnlover und Shibaherz halte ich für zu akademisch. Den Normalbürger interessiert es wenig, ob er formal in einer Demokratie (die Regierenden tun sowieso, was sie wollen) oder einer Diktatur lebt, wenn er mit seinem persönlichen Leben zufrieden ist. Nach Meinungsumfragen wünscht sich jeder sechste Deutsche (unter AfD- Wählern sogar jeder fünfte), die Mauer wäre nie gefallen. Man hätte Verbesserungen in der DDR gewollt, aber keinen Beitritt zur Bundesrepublik, genannt Wiedervereinigung. Das ist übrigens mal eine Sache, in der man sich nach Prozenten der Bevölkerung in Ost und West einig ist.
Die Idee, dass manche Leben weniger wert sind, ist die Wurzel alles Übels auf dieser Welt (Paul Farmer)
Feuerwolf
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@ChristinaeAdler: Es gibt mittlereweile noch eine amtlich festgestellte Gemeinsamheit von Ost und West :
Das Armutsrisiko ist mittlerweile fast gleich. Im Osten etwas gesunken, im Westen stark angestiegen !

In einigen Gegenden ist die Bausubstanz der Häuser, vor allem Mietshäuser, mittlerweile so schlecht, wie in den ärmsten Gegenden im Osten, ebenso die Straßen, besonders in NRW.

Ansonsten gibt es für mich nicht "den" Ossi oder "den" Wessi incl. typischer Beweggründe für dieses oder jenes Verhalten.
Ich habe immer (!!!), sowohl im Westen als auch im Osten, vor und nach der Wende, solche und solche Menschen kennengelernt.

Und was das Hereinfallen auf Propaganda angeht.....das funktioniert heute auch noch sehr gut im geeinten Deutschland, Ost wie West, heute wie gestern, ob bei "intelligenten" oder "weniger intelligenten" Menschen....ebenso was Verschwörungstheorien oder Vorurteile incl. Schubladendenken angeht, wie wir auch hier bei DS schon öfter lesen konnten.
Shibaherz
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@Feuerwolf: Du kannst die Wahlentscheidungen im Osten, und um die geht es u. a. jetzt in diesem thread, nicht verstehen, wenn Du sie nicht in Zusammenhang siehst mit dem Politikverständnis, das den Menschen dort 44 Jahre lang beigebracht worden ist. Dieses Politikverständnis wurde auch nach der Wende noch in den Familien weitergegeben.
Natürlich haben sich nicht ALLE Menschen dieses Politikverständnis zu eigen gemacht. Aber es bringt gar nichts, von den unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen und der Wirkung der gegensätzlichen politischen Systeme auf das Bewusstsein (gerade der älteren Menschen) in Ost und West einfach zu abstrahieren.
Und es ist ein Unterschied, ob in NRW, wie Tomstep schrieb, trotz vorhandener Armut nur 6-8 % für die AfD stimmen oder, wie im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (Direktmandat Frauke Petry) mehr als 37 %.
Eine bürgerliche Regierungskoalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen hat im Osten keine Wählermehrheit hinter sich, und das ist ein politisches Problem.

Ich stimme Dir zu, dass auch im Westen das Armutsrisiko gestiegen ist (ungeachtet der Frage, wie man dieses Risiko statistisich definiert). Eine Massenarbeitslosigkeit wie im Osten nach der Wende hat es aber im Westen nicht gegeben, und gerade die hat im Bewusstsein der Menschen dort ihr ganz spezielles Gewicht.



@Christiane:
„den Normalbürger interessiert es wenig, ob er … in einer Demokratie … oder einer Diktatur lebt“

Das denkst Du im Ernst? Was ist für Dich ein „Normalbürger“? Einer von den 77 minus 12,7 %, der zur Wahl gegangen ist und seine Stimme nicht der AfD gegeben hat??? Und was hat ein Umfrageergebnis, nämlich, dass sich 16 % die Mauer zurückwünschen (Umfrageergebnisse ändern sich bekanntlich ständig), mit der vorangegangenen Aussage zu tun? Bist Du auch der Meinung, dass das politische Verhalten eines Menschen nichts mit dem politischen System zu tun hat, innerhalb dessen er aufgewachsen ist?
16 % sind keine Mehrheit. Und die Motive sind in Ost und West ganz unterschiedlich. Der West – (bzw. Süd - )deutsche fragt sich, was das alles noch kosten soll. Der Ostdeutsche wünscht sich die soziale Sicherheit und „Geborgenheit“ zurück. Auf wie tönernen Füßen die standen, interessiert ihn nicht.

Wir sind uns einig: Repräsentativ für den VOLKSwillen (ein anrüchiges Wort; ebenso wie Volksgemeinschaft, Volksgenosse, Volksfront oder Volksbegehren) war nicht der Aufschrei der Leipziger Montagsdemos: „Wir sind das Volk!“, der sich gegen die eigene Noch-Regierung richtete, sondern die - nach dem Fall der Mauer - auf dem Fuß folgende, an die Bundesregierung gerichtete Erpressung: „Kommt die DM, bleiben wir; kommt sie nicht, gehn wir zu ihr!“

Politischer Sprengstoff ohne Beispiel. Die DM kam ( und manche wechselten dennoch in den Westen). Sie wurde im – ökonomisch gesehen – verantwortungslosen Verhältnis von 1:2 umgetauscht. Eine Kraftanstrengung sondergleichen, eine Zumutung z. B. auch für die westdeutschen Rentenbeitragszahler. Jetzt erwartete man im Osten, dass das Leben so weitergehen würde wie bisher, nur schöner, mit der harten DM, der fantastischen neuen Warenwelt und den aufregenden Auslandsreisen – endlich raus aus dem Gefängnis!
Aber im Handumdrehen wurden die maroden unrentablen „volks“eigenen Betriebe „plattgemacht“ - empörend! Auf die auf dem Fuß folgende Arbeitslosigkeit war man nicht gefasst. Die hatte es in der DDR ja nicht gegeben, und Berichten über ihr Vorkommen im Westen hat man, wie weckener schreibt, nicht geglaubt.
Umschulen? Noch mal die Schulbank drücken? Nein danke! Fällt mit 40 oder 50 Jahren natürlich auch nicht leicht.
Dann kam noch der Umtausch der DM in den €, von 80 % aller Deutschen abgelehnt. Aber das war der Preis, den Kohl an Mitterand für dessen Einverständnis mit den 2+4 Verhandlungen zahlen musste.

Zur Erklärung der Stimmen für die AfD im Osten wird in den Medien ständig auf die kulturell bedingte Ablehnung der Migranten abgestellt. Die gibt es auch. Aber dahinter verbirgt sich die soziale Enttäuschung und Deprivation.

Eine bürgerliche Regierungskoalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen wird daran nichts ändern. Und sie hat wie gesagt im Osten keine Wählermehrheit hinter sich.

Auch die AfD natürlich nicht – sie wütet gegen Migranten und gegen die Eurozone, sozialer Ausgleich gehört nicht zu ihren Zielen. Trotzdem wird ihr die allseits beschworene Digitalisierung der Produktion, des Verkehrs und Handels weiteren Zulauf bescheren - von den Verlierern dieser Entwicklung.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 03.10.2017 13:01 Uhr
CairnLover
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Original von weckener:

Sicher ist Armut von damals nicht mit der heutigen zu vergleichen, aber ich wollte darauf hinweisen, das Politiker damals...

Und ich möchte darauf hinweisen, dass wir uns 1900 noch in einer Monarchie befanden. Und auch daran erinnern, dass wir das Heilige Römische Reich mit Kaiser von Gottes Gnaden und seinen Adeligen, dass dank und durch Napoleon beendet wurde, zu diesem Zeitpunkt nicht mal 100 Jahre hinter uns lag.

Wenn ich in dem Zusammenhang das abgehobene Geschwafel von gefühlter Armut lese, dann merkt man, wie gut es uns eigentlich geht.
Denn wir kommen aus Zeiten tiefster Armut und größter Hungersnöte, in der die normalen Menschen auf sich alleine gestellt waren und niemand hatten, der sie in ihrer Situation unterstützt hat.
Die Armenverbände ab 1871 unter Kaiser Wilhelm waren nicht annähernd mit der heutigen Sozialhilfe vergleichbar und es gab auch noch keinen Anspruch auf Hilfe.

Dein Kochbuch von 1900 zeigt somit vielmehr, wie schlecht es den Menschen, denen es damals schlecht ging, im Vergleich zum heutigen Hartz4-Empfänger tatsächlich ging.
Aber Rückschlüsse von diesem Kochbuch auf heutige Hartz4-Empfänger sind völlig daneben und dazu noch in jeder Beziehung unpassend.

Unsere Sozialhilfe, heute Hartz4, ist trotz aller Kritiken eine der besten dieser Welt. Dass sie nicht alles und jedes mit dem Regelsatz abdecken kann, ist klar. Ich wage aber zu beweifeln, dass Arbeitnehmer mehr Abgaben zahlen möchten, damit Menschen in Hartz4 mehr Geld bekommen.
Zudem haben Menschen in Hartz4 die Möglichkeit Anträge zu stellen, wenn z.B. etwas Zusätzliches benötigt wird. Und ich weiß von einem Bekannten mit Sicherheit, dass dies auch ein PC sein kann, für den Kosten bewilligt werden.
Dass man von Hartz4 nicht im Luxus leben kann, ist klar. Aber man kann davon leben.

Und in meinen Augen nicht so schlecht, wie Du es darstellt. Denn immer mehr Menschen haben kaum mehr Geld zur Verfügung, wenn sie arbeiten gehen oder sogar weniger und bekommen deshalb zusätzlich noch Sozialhilfe obendrauf.
Da ich grundsätzlich der Meinung bin, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können sollten, kann ich z.B. nur sehr bedingt nachvollziehen, warum der Gesetzgeber mit der ergänzenden Sozialhilfe Arbeitgeber finanziert.

Die massiven Rentenkürzungen sind wohl nur zu verstehen, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie viele Rentner Rente erhalten, die kaum oder gar nicht in unser System eingezahlt haben. Wobei ich unser Rentensystem mit Blick auf die Schweiz sowieso für falsch halte.
Wenn alle Gelder aus der bei uns nicht vorhandenen Rentenkasse, die Regierungen mit vollen Armen für andere Dinge verschleudert haben, in einen Rententopf gewandert wären, dann hätten wir heute kein Rentenproblem.

Das Problem mit dem Makel, dass viele Rentner haben, wenn sie zusätzlich Sozialhilfe beantragen müssen, ist dagegen ein altes Problem, dass es schon immer gab. Das wird sich meiner Ansicht nach langfristig durch Hartz4 geben, denn dadurch das keiner mehr sein Leben beim gleichen Arbeitgeber verbringt, wie das mal der Fall war und fast jeder Arbeitnehmer (mehr als 1 Jahr Arbeitslosigkeit reicht ja meist schon) irgendwann Hartz4 bezieht, wird es eine ganz normale Leistung werden.
Ich denke, Hartz4 ist bei vielen jungen Leuten schon jetzt eine ganz normale Leistung, die sie in Ausbildung ganz selbstverständlich zusätzlich in Anspruch nehmen. Das war für uns noch völlig unvorstellbar.
CairnLover
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Original von christianeadler:

@ Weckener

Ich würde mir wünschen, dass jeder Volksvertreter erstmal ein Betriebspraktikum im Volk absolvieren müsste: Leben mit Hartz IV im sozialen Wohnungsbau, arbeiten als Leiharbeiter mit Mindestlohn, krank sein mit gesetzlicher Krankenkasse....

Zumindest kann man doch sagen, dass viele Deutsche ebenfalls keine Erfahrung mit Hartz4 im sozialen Wohnungsbau und als Leiharbeiter mit Mindestlohn gemacht haben. Ich kann auch gut darauf verzichten.
Dagegen bezweifle ich, dass man positive Erfahrungen macht, wenn man krank ist und privat versichert. Denn dann werden sehr schnell Maßnahmen ergriffen, die eigentlich nur teuer und unnötig sind.

Nach Meinungsumfragen wünscht sich jeder sechste Deutsche (unter AfD- Wählern sogar jeder fünfte), die Mauer wäre nie gefallen. Man hätte Verbesserungen in der DDR gewollt, aber keinen Beitritt zur Bundesrepublik, genannt Wiedervereinigung. Das ist übrigens mal eine Sache, in der man sich nach Prozenten der Bevölkerung in Ost und West einig ist.

Da die Wahl zur Wiedervereinigung genau die zwei Optionen enthielt: sofortige Wiedervereinigung mit blühenden Landschaften (CDU) oder Beibehalten der zwei Länder und der Osten entwickelt sich mit unserer Hilfe aus sich selbst heraus (SPD), zur Wahl standen und Oskar im Prinzip genau vorher gesagt hatte, wie es bei einer sofortigen Wiedervereinigung kommen würde, ist das in einer Demokratie eben das Pech der Minderheit.
Es wurde eindeutig die sofortige Wiedervereinigung mit allen von Oskar vorhergesagten Folgen gewählt und deshalb haben wir diese Folgen auch zu tragen.
Feuerwolf
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@Shibaherz: Wieso kann ich die Wahlentscheidung in den neuen Bundesländern nicht verstehen ????? .......und von der Massenarbeitslosigkeit nach der Wende hab`sogar ich hier, damals im Westen etwas mitbekommen.....

Wieso kenne ich das Politikverständnis der Menschen nicht, dass ihnen während der DDR-Zeit beigebracht wurde? Oder weiss nicht, was ihnen da so alles beigebracht wurde, genauso wie im Westen?
Wieso weiss ich nicht, dass Erziehung, ob nun privat oder staaatlich, und die Umgebung in der man aufgewachsen ist, einen Menschen prägen???

Wieso meinst Du, dass ich das Denken der gerade älteren Generation in der DDR nicht nachvollziehen kann oder kennen gelernt habe ??

Du scheinst ja weeesentlich mehr von mir zu wissen als ich selber..... .... und trotzdem, oder gerade weil ich meine Vita und auch die Menschen, di eich kennenlernen durfte, besser kenne als Du, bleibe ich bei meinen Aussagen in meinem letzten Komi !

Wie erklärst Du Dir denn, dass in Deggendorf z.B. 19,2% die AfD gewählt haben ? Wegen der Massenarbeitslosigkeit nach der Wende in der DDR im Kollektivbewusstsein ???
CairnLover
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Original von christianeadler:

Den Normalbürger interessiert es wenig, ob er formal in einer Demokratie (die Regierenden tun sowieso, was sie wollen) oder einer Diktatur lebt, wenn er mit seinem persönlichen Leben zufrieden ist.


Da musste ich doch nochmal drüber nachdenken.
Aber nein. Diese Aussage wage ich zu bezweifeln.
Solange der Normalbürger der Gesellschaftsform zustimmt, in der er lebt, oder ein unpolitischer Mensch ist, mag das richtig sein. Aber ansonsten glaube ich nicht, dass diese Aussage zutrifft.
Normalbürger sind diejenigen, von denen in der Regel die politischen Systeme aufrecht erhalten werden.

Normalbürger können in einer Diktatur bereit sein, selbst die größten Grausamkeiten zu begehen, wenn sie die dahinter stehende Ideologie als richtig ansehen.
Normalbürger können in einem System bereit sein, selbst die größten Aktionen gegen das System zu begehen, wenn sie die dahinter stehende Ideologie als falsch ansehen, obwohl sie selbst keine materielle Not haben.
Zuletzt geändert am 03.10.2017 16:33 Uhr
weckener
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+ 1
Original von CairnLover:

Original von weckener:

Sicher ist Armut von damals nicht mit der heutigen zu vergleichen, aber ich wollte darauf hinweisen, das Politiker damals...

Und ich möchte darauf hinweisen, dass wir uns 1900 noch in einer Monarchie befanden. Und auch daran erinnern, dass wir das Heilige Römische Reich mit Kaiser von Gottes Gnaden und seinen Adeligen, dass dank und durch Napoleon beendet wurde, zu diesem Zeitpunkt nicht mal 100 Jahre hinter uns lag.

Wo habe ich von 1900 geschrieben, ich habe von der Zeit nach dem 1. Weltkrieg die grassierende Armut beschrieben, also lange nach dem Kaiserreich.


Wenn ich in dem Zusammenhang das abgehobene Geschwafel von gefühlter Armut lese, dann merkt man, wie gut es uns eigentlich geht.

????????????

Denn wir kommen aus Zeiten tiefster Armut und größter Hungersnöte, in der die normalen Menschen auf sich alleine gestellt waren und niemand hatten, der sie in ihrer Situation unterstützt hat.
Die Armenverbände ab 1871 unter Kaiser Wilhelm waren nicht annähernd mit der heutigen Sozialhilfe vergleichbar und es gab auch noch keinen Anspruch auf Hilfe.

Was soll der Vergleich mit 1871, warum gehst Du nicht weiter zurück, z. B. nach dem Dreißigjährigen Krieg, da war es wesentlich schlimmer... Ich rede vom letzten Jahrhundert, wo die Verzweiflung die Menschen Hitler in die Arme getrieben hat.


Dein Kochbuch von 1900 zeigt somit vielmehr, wie schlecht es den Menschen, denen es damals schlecht ging, im Vergleich zum heutigen Hartz4-Empfänger tatsächlich ging.
Aber Rückschlüsse von diesem Kochbuch auf heutige Hartz4-Empfänger sind völlig daneben und dazu noch in jeder Beziehung unpassend.

Das Kochbuch war nur ein Beleg mehr, das schon damals die Politiker die Menschen nicht verstanden und da sie wohlhabend waren sich aufs hohe Ross gesetzt haben und von: wer will muss nicht hungern, der kann ja schließlich arbeiten....
Auch unsere Politiker haben ein Kochbuch für Hartz IV Empfänger veröffentlicht in dem sie schildern, wie gut und gesund man sich mit wenig Mitteln ernähren kann.


Zudem haben Menschen in Hartz4 die Möglichkeit Anträge zu stellen, wenn z.B. etwas Zusätzliches benötigt wird. Und ich weiß von einem Bekannten mit Sicherheit, dass dies auch ein PC sein kann, für den Kosten bewilligt werden.

Klar wenn es dazu gehört Bewerbungen zu schreiben...

Dass man von Hartz4 nicht im Luxus leben kann, ist klar. Aber man kann davon leben.

Ich wünsche Dir, dass Du das mal an deiner Familie ausprobierst, sicher gibt es Menschen die seit Generationen davon leben, aber die wissen Wege, wie sie zu Geld kommen, damit sie sich mehr leisten können. Die sich auskennen mit den Gesetzen und Vorschriften um die Lücken zu beanspruchen.


Das Problem mit dem Makel, dass viele Rentner haben, wenn sie zusätzlich Sozialhilfe beantragen müssen, ist dagegen ein altes Problem, dass es schon immer gab. Das wird sich meiner Ansicht nach langfristig durch Hartz4 geben, denn dadurch das keiner mehr sein Leben beim gleichen Arbeitgeber verbringt, wie das mal der Fall war und fast jeder Arbeitnehmer (mehr als 1 Jahr Arbeitslosigkeit reicht ja meist schon) irgendwann Hartz4 bezieht, wird es eine ganz normale Leistung werden.

Wieso sollen alle im Leben mal von Harzt IV leben müssen? Es ist schon sehr lange üblich, den Arbeitsplatz zu wechseln. Arbeitgeber haben wenig Verständnis, wenn man nur im selben Betrieb arbeitet, das zeugt von wenig Flexibilität. Handwerksbetriebe ausgenommen. Harzt IV bekommt man ja auch nicht bei Arbeitslosigkeit sofort, noch gibt es Arbeitslosengeld, erst danach. Die meisten Menschen haben in der Zwischenzeit wieder einen Job, allerdings früher bekam man beim Wechsel meist einen höheren Lohn, heute verschlechtert man sich häufig. Das führt zu niedrigeren Renten.


Ich denke, Hartz4 ist bei vielen jungen Leuten schon jetzt eine ganz normale Leistung, die sie in Ausbildung ganz selbstverständlich zusätzlich in Anspruch nehmen. Das war für uns noch völlig unvorstellbar.

Erst müssen die Eltern beweisen, das sie ihre Kinder nicht finanzieren können, dann kann ein Antrag gestellt werden, im Übrigen ist das dann nicht Harzt IV sondern BARFÖG. Und das muss zurückgezahlt werden, wenn sie genug verdienen.

@Shibaherz,

ich wollte nur erzählen, wie es in dem Betrieb, in dem ich gearbeitet haben, gelaufen ist. da ich 1990 dort ausgeschieden bin, kann ich auch nur von denen berichten, die richtig geflohen sind.
Ich glaube aber, nicht nur Menschen sind nach der Wende hierher gekommen mit hoher Bildung, sondern alle, die glaubten, hier ihr Glück zu machen. Sie sind in den ersten Jahren offen empfangen worden, später als der Kampf um den Arbeitsplatz heftiger wurde, war oder ist der Konkurrenzkampf zu stark geworden. Jetzt heißt es: ich oder der andere...

Dann sieht man, wie uns die Wirtschaft und das Kapital ausnimmt, sich bereichert und ihre Mitarbeiter im Regen stehen lassen. Da wird erzählt von : der Betrieb muss atmen können, deshalb keine festen Arbeitsstellen, nur noch Zeitverträge oder Zeitarbeitsfirmen... Was zur Folge hat, die jüngeren Generationen können ihren Lebensplan nicht organisieren. Wer investiert in Familie und Besitz, wenn er nicht weiß ob er nächstes Jahr noch Arbeit hat.
Da die Wirtschaft und ihre Verbände der Politik näherstehen, wird dort nicht eingegriffen und die Arbeitslosenzahlen, die zur Zeit veröffentlicht werden, sind geschönt. Da gibt es viele Gründe, weshalb viele in der Statistik nicht gezählt werden. Z.B. wenn man auch nur einen Tag im Jahr gearbeitet hat, zählt man nicht mehr...
Das sind Probleme die Ost und West gleichermaßen treffen.
Ob wir wirklich einmal ein gewachsenes gemeinsames Volk sein werden, glaube ich weniger, der Neid von beiden Seiten ist zu groß...
CairnLover
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Heute, am Tag der deutschen Uneinheit, könnten es viele Westdeutsche als sehr ungerecht empfinden, wie sich der Osten mit der mehrheitlichen Wahl der AfD gegen die Demokratie gestemmt hat. Dabei haben wir für diese Wiedervereinigung auf vielerlei Art bezahlt und tun es noch heute.
Denn Hartz4, der Soli und die Rentenkürzungen sind nur der offensichtliche Preis. Daneben kam es durch die vielen Menschen die plötzlich Arbeit suchten für alle zu einem Verlust an Lohnsteigerungen.
Praktisch alle innerdeutschen Leistungen wurden und werden seither durch die billige Konkurrenz aus Ostdeutschland derart verbilligt, dass es nicht mehr schön ist. Bei jeder Ausschreibung seit Mauerfall unterbieten sich seither die deutschen Unternehmen, um überhaupt noch Aufträge zu erhalten, in einem Maße, wie es vorher nicht vorstellbar war.

Von Massenarbeitslosigkeit kann im Osten zwar keine Rede mehr sein. Aber im Osten sind wir bisher nur bedingt angekommen und selbst die SPD ist dort nicht die Partei, die wir hier kennen. Denn dort treten Mtglieder aus, weil ihnen die Partei zu rechts ist.

Wahrscheinlich hätte man in einem noch höheren Maße, als das bei Flüchtlingen und ausländischen Mitbürgern der Fall ist, den Ostdeutschen Integrationskurse in die deutsche Demokratie verordnen müssen. Das dies nicht passiert ist, kann ich bis heute nicht nachvollziehen und halte es für die größte Versäumnis der Politik.
Als Alternative dazu eine rechtsorientierte SPD ist in meinen Augen sowas von der falsche Weg, dass mir dazu nichts einfällt.
CairnLover
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weckener,
ich glaube nicht, dass Du alles, was ich geschrieben habe, verstanden hast. Und offensichtlich kennst Du dich auch mit Hartz4 nicht so gut aus. Aber egal. Ich empfinde deine Vergleiche unangemessen.

Ich glaube aber, nicht nur Menschen sind nach der Wende hierher gekommen mit hoher Bildung, sondern alle, die glaubten, hier ihr Glück zu machen. Sie sind in den ersten Jahren offen empfangen worden, später als der Kampf um den Arbeitsplatz heftiger wurde, war oder ist der Konkurrenzkampf zu stark geworden. Jetzt heißt es: ich oder der andere...


Nach der Wende sind alle gekommen, die hier arbeiten wollten.
Ich habe derzeit einige ostdeutsche Kollegen, die schon seit Jahrzehnten hier leben, mittlerweile durchaus fähig und integriert sind.

Ich habe aber vor 2 Jahren mit einer ostdeutschen Leihfirma Erfahrungen machen dürfen, die sich jeder Vorstellung entziehen.
Da kommen die Leute an, einer stinkt nach Alkohol, einer erzählt gleich er hätte nur noch ein paar Monate bis zur Rente und verhält sich auch entsprechend, die jammern alle die ganze Zeit rum und können nur arbeiten, wenn jemand dabei steht und ihnen jeden Handgriff genau vorgibt. Da musste man als Projektleiter dann den Bauleiter machen, weil die eigenen Leute Urlaub hatten. Und war man mal kurz weg, haben sie gleich irgendeinen Mist gemacht, den man ihnen ganz anders erklärt hatte. Also solche Leute braucht echt kein Mensch.

Dann doch sehr viel lieber unsere ausländischen Mitbürger.
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