Wahl-O-Mat

Shibaherz
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Ethnien und Nationen sind nicht dasselbe. Es gibt multiethnische Staaten wie die USA, und es gibt Ethnien, die sich nichts mehr wünschen als einen eigenen Staat (Kurden).
Europa ist heute ein Schmelztiegel, es hat aber auch schreckliche unter nationaler Flagge geführte Kriege hinter sich. Ich verstehe überhaupt nicht, von was Du mich eigentlich überzeugen bzw. was Du mir beibringen willst? Ich identifiziere mich doch nicht mit den Menschen, die ich beschreibe!

Im Westen, sicher auch in Deiner Umgebung, ist die AfD nicht annähernd so oft gewählt worden wie im Osten. Das freut mich. Weil sie im Osten so oft gewählt worden ist, habe ich mir Gedanken gemacht, woher das kommt. Verstehen wollen, heißt nicht billigen. Es muss dafür ja Gründe geben, seien sie nun objektiver oder subjektiver Art.
Was Du über die Lebensbedingungen in Deinem Dorf schreibst, unterscheidet sich in der Tat wenig von dem, was ich von Mecklenburg her kenne. Das weist in die Richtung, dass die Gründe für das unterschiedliche Wahlverhalten eher subjektiver Art sind, im Denken, in der geistigen Verarbeitung der materiellen Verhältnisse liegen. M. a. W., die Wertschätzung von Dingen, die sie früher in der DDR hatten, (darunter u. U. Auch: die Wertschätzung der Nicht-Konfrontation mit Fremden, des Unter-sich-Bleibens) muss eine große Rolle spielen. Die Erzählungen werden ja in den Familien weitergegeben.

Ich will überhaupt nichts, Christiane, wie kannst Du annehmen, dass ich mit der Nostalgie der Leute sympathisiere? Ich weiß doch aus eigener Erfahrung um den Preis der Unfreiheit, den das kuschlige Miteinander und Versorgtwerden hatte.Tu mir den Gefallen und behandle mich nicht so, als würde ich mich mit dem Denken und Fühlen von AfD-Wählern identifizieren, bloß weil ich nicht den hasserfüllten Ton von CairnLover anschlage. Mich nervt das!

Ich habe unzählige Male von Leuten in Mecklenburg gehört, wie sie die frühere Gemeinschaft vermissen. Du hast recht, sie könnten sie ja selbst, ohne staatliche Anleitung, wieder herstellen! Aber da wird eben nur geklagt: Jetzt herrscht der Egoismus, „Ellenbogengesellschaft“, „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Bei diesen nostalgisch anmutenden Äußerungen habe ich mich immer wieder gefragt, was für eine „Gemeinschaft“ das eigentlich war, die ich selbst in meiner Kindheit und Jugend doch als eine erfahren habe, der es nicht auf Inklusion, sondern auf Exclusion ankam.

Ich stehe den Leuten innerlich distanzierter gegenüber als Weckener, die in ihrem Beitrag vom Montag 16:57 h davon schrieb, dass die Menschen im Osten „die kalte Art und Weise des Kapitalismus nicht begriffen“ hätten.
Keine Ahnung, ob sie den Kapitalismus „begriffen“ haben. Ihre Erwartungen und Enttäuschungen nach der Wende sprechen eine andere Sprache. Und es wollten auch beileibe nicht alle „aus der Bevormundung raus“, wie Du schreibst; die, die das am deutlichsten zeigten, die Ausreise-Antragsteller und Botschaftsflüchtlinge, wurden von vielen abgelehnt. Offenbar ist aber jedenfalls die Akzeptanz des „kalten“ Kapitalismus im Osten geringer als im Westen (symptomatisch dafür: der ganz geringe Stimmenanteil, den die als Unternehmerpartei wahrgenommene FDP im Osten erhielt), und gleichzeitig rassistisches Denken akzeptierter.

Wir haben beide unter unseren Freunden hier auch welche, die im Osten wohnen und ich finde es schade, dass sich von ihnen niemand äußert. Aber bei dem wiederkehrenden gehässigen Tonfall, der hier z.T. herrscht, verstehe ich es auch.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
weckener
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Ein Problem ist sicher auch, das 1989 die Ostdeutschen mit der Demonstration so einen großen Erfolg hatten, sie haben es tatsächlich geschafft, ihr Regime zu kippen. Im Westen haben wir schon lange vorher gemerkt, das mit Demonstrationen wenig bis nichts erreicht wird. Wenn es hochkommt, ein wenig Nachdenken durch die Medien, Politiker aus der 2. Reihe, dafür um so mehr Beschimpfungen durch die, die es ändern sollten. Wie hat schon Helmut Kohl gesagt: "Was interessiert mich das Geschrei der Straße?!"
Mit Hilfe von extra bestellten Störern wollte z. B. Oberbürgermeister Walter Wallmann es erreichen, das alle Demonstrationen verboten werden können, selbst die 1. Mai Kundgebungen...
Da überfährt absichtlich ein Wasserwerfer einen Sozialarbeiter, weil er mit einem Ast denselbigen bedroht hat. Hinterher waren alle Videos und Aufnahmen verschwunden.... Ich war eine der Organisatoren, deshalb weiß ich wovon ich spreche, war im Übrigen eine Demo gegen die NPD und FAP. Thema" Widerstand gegen die Rechten". Das war 1984 in Frankfurt... Da wurde uns sehr deutlich gemacht, wie sehr die Politik uns und unserem Anliegen geachtet hat.... Ich habe den DGB vertreten und ich muss sagen, ich habe noch nie so eine Angst vor der Polizei gehabt..., bis dato hatte ich volles Vertrauen zu unserem Rechtsstaat.

Nun hat der Erfolg im Osten den Menschen weiß gemacht, wenn wir geballt auftreten und "Wir sind das Volk" rufen, sie alles bewirken können, was sie nicht verstehen, es interessiert die Entscheider überhaupt nicht. Sie laufen wie wir (das kennen wir schon seit dem Ende des 2. Weltkrieges) gegen eine Wand. Es ist nur interessant, wenn es dem Kapital und der Wirtschaft nutzt. Das meine ich mit kaltem Kapitalismus, es ist völlig ohne Belang, wie sich die Menschen fühlen, wie sie leben müssen. Hauptsache die Wirtschaft brummt, auch wenn neuerdings die Löhne so niedrig sind, das viele einen 2. Job haben müssen, oder Vater Staat einen Ausgleich zahlt. Rentner zum Teil 3 Jobs machen müssen um zu überleben.... Weil auch sie nur eine begrenzte Summe dazu verdienen dürfen, sind es kleine Jobs... Ich empfinde das als soziale Kälte.

Auch in unserem Dorf werden Feste organisiert, teilweise auch von der Gemeinde, aber die meisten werden von den Vereinen organisiert, bekommen dann einen Zuschuß. Wir haben 3.600 Einwohner und 35 Vereine... In Frankfurt haben wir sehr viele Freundschaftsfeste gefeiert, auf der Straße mit allen ausländischen Gruppen, war immer ein großer Erfolg. Alle hatten Spaß und Hürden konnten abgebaut werden...

Nein, Shibsaherz, das ist aus Deinen Aussagen nicht zu vernehmen, man merkt eben doch Deine Zugehörigkeit zu der "Insel" Berlin und der DDR. Wie sich das Leben hier abgespielt hat, wie sehr sich alles verändert hat, das weißt Du nicht. Was in den Medien berichtet wird ist immer nur eine Seite der Medaille, und immer nur so, wie es aussehen soll und nicht wie die Tatsachen sind. Ob sich das Aussterben der Dörfer schleichend (was versteht Du damit?), es ist nicht so, das ab und zu einer weggezogen ist, sondern auch schlagartig, weil die Betriebe geschlossen wurden, weil die lieber in andere Gegenden gezogen sind. Es hat die gleichen Ursachen und ist durchaus vergleichbar mit dem Osten. Auch der Jammer ist der Gleiche.

Das Du die Ursachen der AfD Wähler ergründen willst, ehrt Dich, auch hier sind Wahlergebnisse von 25 % NPD... Die Parolen sind fast identisch und es ist so schön einfach zu grölen, "Deutschland den Deutschen, raus mit den Flüchtlingen, die uns alles wegnehmen und nur Verbrecher sind". Schon vor der Wende gab es im TV Sendungen, wie Deutschland aussehen würde, gäb es keine Ausländer mehr. Erschreckend, weil durch sie viele Abgaben, Steuern und Konsum erwirtschaftet wird. Aber Nachdenken wird in Deutschland nicht gefördert, sondern durch allerlei Sport, billigen TV Sendungen ( Heidi Klum, Schwiegertochter gesucht, Dschungelcamp, Frauentausch, usw) wo man konsumiert, aber außer Schadenfreude nichts bringt. Die politischen TV Duelle werden so besetzt, das keine Informationen ausgetauscht werden, nur Gezanke und Streit. Das ist gezielt so geplant, nur Effekthascherei...

@Shibaherz, ich weiß nicht was du mir vorwirfst, ich finde es nicht hilfreich, das Du hier Andeutungen machst. Wäre wohl besser, Du würdest das per PN machen. Dies ist kein Forum für persönliche Vorwürfe!
CairnLover
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Original von Shibaherz:

Du kommst eben einfach nicht ohne Herabsetzung aus, wenn jemand nicht Deiner Meinung ist, gell CairnLover?

Ich habe lediglich geschrieben, was ich bei deinen Beiträgen empfinde. Ich habe es mir noch einmal durchgelesen und kann nicht sehen, was daran eine Herabsetzung sein soll.
Und ich ertrage es auch im realen Leben nur schwer, wenn jemand weder heiß, noch kalt ist und eigentlich nicht wirklich in der Lage ist Aussagen zu machen, die seine Meinung klar wiedergeben.
Du besetzt in meinen Augen halbherzig Positionen und lavierst dich mit deinen Beiträgen durch den Thread, meist ohne direkt konkret zu antworten, sondern in dem Du was drum herum schreibst.

Ein Beispiel:
„Wenn sich aber die Beschenkten aufmachen, um die Hilfsbedürftigen von heute zu drangsalieren, endet mein Verständnis“.

Meins doch auch, Christiane. Denkst Du, ich heiße solche Gewalt gut? Ich wende mich nicht nur gegen Gewalt, sondern auch gegen eine abschätzige Sprache, die Gewaltbereitschaft unterstützt.
Bloß „Beschenkte“ gedanklich gegen „Hilfsbedürftige“ zu stellen, bringt nicht viel. Auch unter den „Beschenkten“ sind Hilfsbedürftige, auch Hilfsbedürftige werden beschenkt.

Es tut mir leid, aber alleine da stehen mir die Haare steil zu Berge.
Menschen kommen aus Kriegsgebieten hierher und haben oft unbeschreibliche Dinge erlebt. Sie sind nur unter Lebensgefahr hierher gekommen, sollen nach der hauptsächlich im Osten gewählten AfD bereits an der Grenze abgeschossen werden, sind im Osten verstärkt fremdenfeindlichen Übergriffen ausgesetzt und ihre zugewiesenen Wohnheime werden dort angesteckt.
Und diese Menschen kannst Du mal eben mit den Sätzen Bloß „Beschenkte“ gedanklich gegen „Hilfsbedürftige“ zu stellen, bringt nicht viel. Auch unter den „Beschenkten“ sind Hilfsbedürftige, auch Hilfsbedürftige werden beschenkt mit den ostdeutschen Hartz4 Empfängern und Rentnern mit geringer Rente vergleichen, weil die ihr Geld auch vom Staat bekommen. Tut mir leid. Ich finde diese Anwort vollkommen inakzeptabel.
Und da kommt es für mich auch nicht überzeugend rüber, wenn Du dich vorher gegen Gewalt stellst. Das kann man sehr wohl gedanklich gegenüberstellen.
Denn alle bekommen das, was ihnen nach den geltenden Gesetzen zusteht. Keiner bekommt auf dieser Basis weniger, weil der andere auch etwas bekommt.
Nur die Einen Hilfsbedürftigen scheinen ja wohl zu denken, dass sie irgendeinen Anspruch auf dieses Geld haben und es mittlerweile ihr Land ist, in dem sie die Gesetze machen müssen.

Letztlich sind wir Westdeutschen doch die, die am Meisten für diese Wiedervereinigung, die keine ist, bezahlt haben. Denn dazu mussten unsere Renten gekürzt werden, unsere Löhne und Arbeitsbedingungen haben sich dadurch verschlechtert, unser Arbeitslosengeld wurde gekürzt und wir müssen deshalb mit Hartz4 leben, obwohl wir unser ganzes Leben lang in die Systeme eingezahlt haben. Wofür nochmal? Das da drüben lauter Leute im Essigglas sitzen, die eigentlich was Besseres wollten, als sie hatten.

Nun ist in diesem Thread dank deiner Hilfe ein Bild von Ostdeutschen entstanden, die abgesehen von der Bespitzelung und der Mangelwirtschaft ein Leben wie im Schlaraffenland hatten. Die gar nicht weg wollten, als sie noch recht einfach konnten. Die vom Staat ein Rund-um-Sorglos-Paket geboten bekommen haben, wenn auch nicht auf dem Niveau von Denver und Dallas. Aber ohne Leistungsdruck mit viel Freizeit, die Grundversorgung hat gepasst und es konnte noch gespart werden. Es wurde anscheinend auch viel für das Entertainment der Menschen getan, die teils so gut damit leben konnten, dass der Staat ihnen viele Entscheidungen abgenommen hat, dass sie nachher bedauert haben, selbst entscheiden zu müssen.
Menschen, die anscheinend in Teilen fremdenfeindlich bis nationalsozialistisch sind. Weil dies das letzte Bild eines Deutschen vom Gesamtdeutschland ist, der Jahrzehnte im Osten gelebt hat?
Man mag sich das fragen, erinnert es doch in gewisser Weise an die Russlanddeutschen, die mit vielen Geschenken hierher geholt wurden. Denn dort wo viele von denen sind, tanzt auch mehrheitlich der braune Bär.

Und nicht zuletzt mag man sich fragen welch hervorragendes Vorbild Deutschland für alle Nationalsozialisten dieser Welt ist. Denn haben wir es nicht ganz toll hinbekommen, die größten Gräultaten der Geschichte zu verüben, ohne dafür jemals wirklich Konsequenzen ziehen zu müssen oder dass wir die Geschädigten zu deren Lebzeiten wirklich ordentlich entschädigt hätten. Da könnte ich einfach nur kotzen.
Zuletzt geändert am 11.10.2017 21:04 Uhr
CairnLover
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Original von Shibaherz:
Das führt mich aber nicht dazu, wie Du die Deutschen ohne Migrationshintergrund zu hassen, denn die waren und bleiben für Dich ja Nazis. In Ewigkeit, Amen.

Da scheinst Du etwas grundsätzlich missverstanden zu haben. Ich hasse Rassisten, Nationalsozialisten (die Alten wie die Neuen) Kleinliches Denken, Neid und Missgunst gegenüber anderen Menschen und Fremdenfeindlich. Und wer damit sympathisiert, kann von mir weder Verständnis erwarten, noch wird er meine Sympathie bekommen.
Shibaherz
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@weckener: DU hast damit angefangen, meine Gedanken hier anderen im Forum „erklären“ zu wollen. Darauf habe ich reagiert. Sonst ist da nichts. Nachtragend bin ich nicht. Hat sich erledigt.

Ich stimme Deiner Analyse, soweit sie das gesellsch. Vorherrschen der Kapitalinteressen angeht, zu. Merkel wird ja die Rede von der „marktkonformen Demokratie“ zugeschrieben. Von so etwas zu reden, ist natürlich unzulässig. Das politische System besteht selbständig, und die politischen Parteien haben es in der Hand, mit ihren Zielen eine Mehrheit hinter sich zu bringen. Das GG lässt die entsprechenden Gestaltungsmöglichkeiten offen. Solche ambitionierten Ziele haben die Parteien aber nicht entwickelt bzw., wie im Fall der SPD, längst aufgegeben.

Trotzdem, und trotz des Aufkommens der AfD, sehe ich die Perspektiven emanzipatorischer Protestbewegungen nicht ganz so pessimistisch wie Du. Wie gesagt, habe ich mich 1967/68 sehr engagiert (und damals auch was von Wasserwerfern abbekommen). Nach dem Abflauen der Stud.bewegung gab es die RAF und die komm. Splittergruppen, aber es kam auch zur Gründung der Grünen und viele 68er traten in die SPD ein. Es gab Hoffnung, und es gab Rückschläge. Bis 1982 die CDU/CSU wieder an die Macht kam. Es gelang den konservativen Kräften aber nicht, die Deutungshoheit im öff. Diskurs zurückzugewinnen. Das kam erst nach dem Fall der Mauer, mit neoliberalistischen Ideologien vom „Ende der Geschichte“ bzw. dem „Clash der Kulturen“ (Huntington).

Bitte weckener, hör endlich auf, mir nach meiner „Republikflucht“ (noch vor dem Mauerbau) und meinem Engagement 1967/68 noch mit der „Zugehörigkeit zur DDR“ zu kommen!
Die Bewusstseinshaltungen, die ich hier wiedergegeben habe, sind mir vor und nach der Wende bei Verwandtschaftsbesuchen sowie nach der Wende in Mecklenburg (Ferienhaus) immer wieder begegnet, und ich habe dann genauso wie Ihr versucht, sie infrage zu stellen. Die Leute im Osten träumten vor der Wende nicht von der Demokratie, sondern vom Wohlstand. Der Erfahrungshorizont (Arbeitslosigkeit, Kündigungen von Arbeitsplatz und Wohnung) fehlte ihnen; ebenso fehlte Linken, die in die DDR reisten, der Erfahrungshorizont von Bevormundung, Überwachung und Denunziation. Es waren abgeschottete Welten; ich kenne beide. Die Bürgerrechtsbewegung mit ihrem Traum von einem „anderen Sozialismus“ stand nach der Wende auf verlorenem Posten.

Es gibt auch in Berlin viel Armut und Existenzkampf und auch Kriminalität. Ich wohne hier in einem bürgerlichen Viertel; in Neukölln, im Wedding oder in Spandau würde ich mich im Dunkeln mit Mascha gar nicht raustrauen. Es gibt viele Obdachlose und viele Drogensüchtige. Einbrüche haben enorm zugenommen. Nicht nur arme Rentner sammeln Pfandflaschen, auch hier in meiner Umgebung. Auch hier werden Arbeitswilligen bis zu 2 Stunden Fahrzeit zum Arbeitsplatz zugemutet. Jobs finden Unqualifizierte ehestens im Wachdienst (Männer) oder beim Putzen oder in der häuslichen Krankenpflege (Frauen, unangemeldet). Die Stadt zieht Arbeitssuchende aus Ost- und Südosteuropa an, die ihnen Konkurrenz machen. Ich habe schon manche von ihnen angesprochen, wenn sie auf Parkbänken ihren Rausch ausschliefen, sie haben mich nicht verstanden bzw. mir in ihrer Sprache was gesagt.

Am Sonntag soll es vor dem Reichstagsgebäude eine Kundgebung gegen die AfD geben. Ich werde mich beteiligen.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 12.10.2017 06:18 Uhr
CairnLover
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Shibaherz, rein geschichtlich gesehen hat der Mauerbau nicht erst nach 1964 begonnen, sondern bereits 1961. Daher verwundert es, dass Du darauf beharrst vor dem Mauerbau geflüchtet zu sein.

Ich bin auch ziemlich verwundert darüber, dass man als Republikflüchtling weiterhin zu Besuchen in die DDR reisen konnnte, wie man Lust dazu hatte. Hat die DDR doch normalerweise alle überprüft, die einreisen wollten.
Wenn man über all die Jahre hinweg immer wieder in die DDR einreisen musste und sich später dort auch sein Ferienhaus gekauft hat, zeigt das schon eine Verbundenheit, die die wenigsten Republikflüchtlinge zeigen dürften.

Auch sollte man die Aussage von Frau Merkel zur marktkonformen Demokratie meiner Ansicht nach nicht aus dem Zusammenhang reissen. Denn dabei ging es nicht um Politik in der BRD, sondern den Euro-Schutzschirm.
Aus dieser Aussage wurde bereits vieles gemacht, was sie nicht so gesagt hat.

Frage: Frau Bundeskanzlerin, fürchten sie um die Schlagkraft des EFSF, wenn der Bundestag und alle anderen nationalen Parlamente in Europa demnächst bei allen wichtigen Entscheidungen vorab mitbestimmen wollen?

BK’in Merkel: Wir leben ja in einer Demokratie und sind auch froh darüber. Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben. Ich höre zum Beispiel von unseren Haushaltspolitikern, dass man sich dieser Verantwortung bewusst ist. Aber wir müssen in Europa einen Weg finden, obwohl wir mehrere Länder sind, trotzdem das Richtige zu tun. Dabei müssen die Regierungen und die europäischen Institutionen in Sachen Kommunikation zum Teil hinzulernen, und dabei müssen die Parlamente lernen. Aber ich sehe keinen Grund, warum die Parlamente schlechter als andere sein sollten.
https://www.bundesregierung.de/ContentArchiv/DE/Archiv17/Mitschrift/Pressekonferenzen/2011/09/2011-09-01-merkel-coelho.html


Die CDU hat niemals Hartz4 oder alles andere, bis auf die Verschlechterungen am Arbeitsmarkt eingeführt, denn damit wäre die CDU nie durchgekommen, gleichwohl sie davon profitiert.
Und auch wenn Hartz4 zum Leben reicht, so habe ich mir heute ein bisschen dazu durchgelesen, wie die Menschen von den Ämtern zum Teil schickaniert werden. Das ist alles andere als schön. Aber Hartz4 Empfänger muss man ja nicht bleiben, wenn ich dich rchtig verstehe
Original von Shibaherz:– unter der Voraussetzung, dass sie sich an die bei uns geltenden Gesetze halten und Arbeits- bzw. Ausbildungsangebote annehmen bzw. sich selbst darum kümmern.

Die Wiedervereinigung war in meinen Augen eine abgekartete Sache, die nur den damaligen politischen Machthabern der Kriegsgewinner zuzuschreiben ist. Ohne Gorbatschow hätte es die sowieso nicht gegeben. Und die Option einen Friedensvertrag abzuschliessen, der offiziell keiner ist, war wohl zu verlockend. Die Beteilgten haben lukrative Entschädigungen erhalten, auch wenn sie nicht als Kriegsentschädigungen bezeichnet wurden und alle anderen Länder haben das Nachsehen.

Das Volk hat immer eine Regierung. Die kann aussehen, wie sie will. Aber dass die Regierung sich Volkes Wille unterwirft ist bei uns wirklich nicht bekannt. Wenn die ehemalige DDR-Bevölkerung glaubt, dass sie nur "Wir sind das Volk" schreien musste, halte ich das für eine glatte Fehleinschätzung der Situation.
Anders in Frankreich, wo das Volk in der Vergangenheit schon manches Mal in Strömen auf die Strasse gegangen ist und der Bär richtig getobt hat, worauf die Politik ganz schnell von ihren Gesetzesänderungen abgekommen ist.

Das tut der Westdeutsche in dem Ausmaß aber eher selten und wenn, dann nutzt es nichts. Da gebe ich Frau weckener vollkommen recht.
Ich kann mich noch gut an die Zeiten der Startbahn West Demos Anfang der 80er erinnern, als ein Kollege, der mit dem Zug fuhr, von der Polizei mit verprügelt wurde, weil er sich mit den friedlich dort stehenden Demonstranten am Bahnhof unterhalten hatte, auf die die Polizei plötzlich unvermittelt einschlug.
Ich habe damals in Frankfurt gewohnt und eines Samstags selbst eine friedliche Demo von vielen jungen Familien mit Kindern verfolgt, die Lieder singend mitten durch die Stadt gelaufen sind. Die waren rundum von einem riesigen Polizeiaufgebot mit Schlagstöcken, Wasserwerfern etc. umringt.
Damals war ich noch jung und ziemlich unpolitisch. Konnte aber gut feststellen, wie arm es in D um den Willen des Volkes tatsächlich aussieht.
Die Startbahn West wurde natürlich trotzdem gebaut. Die Anwohner mussten und müssen bis heute die gewaltigen Nachteile für ihr Leben hinnehmen.
Denn es ging ja um das große Ganze und das heißt Arbeitsplätze schaffen.
Mit diesem Argument sind die größten Schweinereien ausreichend zu begründen.
So wollte die EU manche Schadstoffe in Polstermöbeln wegen ihrer Giftigkeit verbieten lassen. Schröder hat das mit der Begründung es würde Arbeitsplätze kosten, wenn weniger giftiges Material verwendet würde, ganz schnell vom Tsch gehabt.

Der eigentliche Beweggrund der RAF, ursprünglich Ausdruck des Protests gegen die vielen Nazigrößen in Deutschlands wichtigen Positionen und der Regierung, kam damals natürlich nicht bei den Menschen an, noch wurde dies öffentlich thematisiert. Gleichwohl es längstens an der Zeit war. Nein. Das war ein lange totgeschwiegenes Thema.
Und so hat man die starken und militanten Nationalsozialistischen Gruppen der DDR, die bereits längstens Zustimmung durch Teile der DDR-Bevölkerung hatten, in der altbekannter Art und Weise bei der Wiedervereinigung auch unter den Tisch gekehrt. Denn die Wahrheit hätte Investoren abgeschreckt und das galt es unbedingt zu vermeiden.

Es ist wohl Zeit für ein neues Deutschland. Eines das, nachdem es die vielen Altnazis in der Politik und überall in hohen Positionen endlich überlebt hat, eigentlich keine neuen braucht und auch keine völkische Politik.
Die Hoffnung, die ich jungen Jahren hatte, dass die Nazis irgendwann aussterben, habe ich allerdings schon länger aufgegeben.

Zeichen dafür, dass wir ein bedingungsloses Grundeinkommen erleben werden, sehe ich auch keine. Eher das Gegenteil davon. Denn Mutti hat doch mit Bedacht und Unterstützung der Industrie eine hohe Zahl Asylanten ins Land reisen lassen, die zum Teil bereits gut qualifiziert, arbeitswillig und auch noch dankbar sind. Ich habe nichts dagegen. Die brauchen nur noch unsere Sprache zu lernen. Schließlich braucht das Land Menschen, die unsere Rente zahlen und Hartz4-ler werden das mit Sicherheit nicht tun.
Wie ich an dem Bruder eines bosnischen Kollegen sehe, der erst kurz hier lebt und arbeitet, kann das Erlernen der deutschen Sprache verblüffend schnell gehen.

Das, was alle Regierungen der Nachkriegszeiten wollten, waren viele Kinder. Und das hat in den goldenen Jahren auch super geklappt, solange Frauen ihre Selbstverwirklichung noch im Muttersein fanden und ein Gehalt gut ausreichte, um sich trotzdem ein Haus zu bauen und gut zu leben.
Die CDU versucht nun seit Jahren relativ erfolglos alles Mögliche Frauen dazu zu bringen, wieder mehr Kinder für das Land zu bekommen. Wenn sie nun auch noch einen anderen Weg geht, Arbeitskräfte ins Land zu holen, dann ist das verständlich.
Shibaherz
Beiträge: 20575


Ich wollte Dir eigentlich nicht mehr antworten. Dadurch, dass Du hier den Anschein zu erwecken versuchst, als würdest Du Dich in meiner Biographie besser auskennen als ich selbst , sehe ich mich aber gezwungen, es doch noch mal zu tun.

Ich bin weg, bevor die DDR „Republikflucht“ per Gesetz unter Strafe stellte. Allein deshalb durfte ich danach noch einreisen. Wo habe ich geschrieben, dass ich erst 1964 geflüchtet bin? Und ich weiß nicht, dass die Mauer 1961 gebaut wurde?

Und ich „musste“ natürlich nicht in die DDR einreisen .
Meine ältere Schwester hatte mir übermittelt, dass meine Mutter sehr darunter litt, mich nicht mehr zu sehen. Meine Mutter wohnte damals, nach der Scheidung meiner Schwester von einem Offizier der Grenztruppen, bei ihr in einem Vorort von Ostberlin. (Meinen Bruder und seine Familie habe ich vor 1989 nicht sehen können, da er bis 1982 Offizier bei der NVA (= „Nationale VOLKSarmee", für meine Schweizer und öst. Freunde) war. Da herrschte eisiges Schweigen. Ab 1982 leitete er die „Jagdwirtschaft der NVA“ bei Eggesin, da änderte sich auch nichts.)
Ich habe mich also damals erweichen lassen, meiner Mutter zuliebe von Hamburg nach Westberlin zu ziehen. Ich hatte ja einen westdeutschen Pass, mit dem ich einreisen konnte und es auch nach der Übersiedlung weiterhin tat. Denn Westberlinern war die Einreise vor dem ersten Passierscheinabkommen gar nicht und vor dem Viermächte-Abkommen von 1972 nur eingeschränkt möglich.

Diese familiären Kontakte hatten und haben nicht das Geringste mit meiner politischen Einstellung zu tun. Zwischen 1967 und 1969, in der Zeit meines starken Engagements in der Studentenbewegung, wurde ich bei der Einreise mit meinem R4 gefilzt, was das Zeug hielt. Wiederholt wurden die Türverkleidungen abgeschraubt; wieder anbringen durfte ich sie dann selbst.


Bei der „marktkonformen Demokratie“ habe ich von einer Zuschreibung dieses „Begriffs“ durch andere an Merkel geschrieben; also dichte mir das nicht als eigene Stellungnahme an.
Abgesehen davon spricht das von Dir angeführte Zitat ja Bände. Die parlamentarische MITBESTIMMUNG (!) soll so gestaltet werden, dass sie MARKTKONFORM ist.


Was mich hier manchmal stört, ist dieser moralinsaure Ton. Keiner weiß 100%-ig, wie er sich unter gleichen Umständen verhalten würde.
Das Naziregime konnte nur von außen besiegt werden; das war bei den Kommunisten nicht ganz dasselbe. Die DDR stand nicht allein; sie war Teil eines „Blocks“. Natürlich stiegen der Sowjetunion die Rüstungskosten in der System-“Abschreckung“ über den Kopf; aber sie konnte den Systemwechsel auch nicht einfach „verkaufen“, nicht einfach friedlich „kapitulieren“; ihn zu ermöglichen, dazu bedurfte es der inneren Opposition.


Übrigens, ich hatte den vorletzten „Spiegel“ noch mal in der Hand, danach (in dem Beitrag zur CDU/CSU) hieß es, von allen AfD-Wählern hätten 60 % ihre Stimme nicht aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung so abgegeben … … Ja, was macht man bloß mit den vielen „Globalisierungsverlierern“? Die werden mit der „Digitalisierung“ noch zunehmen So ein Mist, das
ALLGEMEINE Wahlrecht ...
Die CDU hat 1 Mio Stimmen an die AfD und 1,4 Mio an die FDP abgegeben, beides Parteien, denen die Flüchtlingspolitik von Merkel nicht gepasst hat. Die Verluste der CSU sind da noch nicht mal eingerechnet.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 13.10.2017 22:00 Uhr
CairnLover
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Shibaherz, dann habe ich dein Alter wohl falsch gelesen. Wobei noch keiner in so kurzer Zeit so viel älter geworden ist, als Du.

Und ich „musste“ natürlich nicht in die DDR einreisen .

Unter der Prämisse, dass ein Mensch stets tut, was er tun muss, schon.
Ich bin dennoch ziemlich irritiert, wie man Republikflucht begehen und dann da ständig hinfahren kann. Meine SchwiMu und ihre Familie, die viel früher geflohen sind, durften nach deren Aussage nicht einreisen.

Bei der „marktkonformen Demokratie“ habe ich von einer Zuschreibung dieses „Begriffs“ durch andere an Merkel geschrieben; also dichte mir das nicht als eigene Stellungnahme an.
Abgesehen davon spricht das von Dir angeführte Zitat ja Bände. Die parlamentarische MITBESTIMMUNG (!) soll so gestaltet werden, dass sie MARKTKONFORM ist.

Erstmal hast Du das zitiert. Zweitens hat Merkel den von dir zitierten Begriff so nie benutzt. Und Drittens hat die Aussage für mich offensichtlich eine ganz andere Bedeutung als für dich. Denn ich sehe es so, dass sie dazu aufgefordert hat, dass sich die Parlamente mit Entscheidungen, die den Rettungsschirm betreffen, so beschäftigen, dass die Stabilisierung und Beruhigung der Märkte nicht konterkariert wird. Und das finde ich auch richtig. Ohne Wirtschaft geht es nicht.
Gegen freie Märkte ohne Grenzen, bei denen wir nur noch Spielball der Märkte sind, so wie Du das gerne verstehen möchtest, hat sie sich dagegen wiederholt ganz deutlich ausgesprochen.

Was mich hier manchmal stört, ist dieser moralinsaure Ton. Keiner weiß 100%-ig, wie er sich unter gleichen Umständen verhalten würde.
Das Naziregime konnte nur von außen besiegt werden; das war bei den Kommunisten nicht ganz dasselbe. Die DDR stand nicht allein; sie war Teil eines „Blocks“. Natürlich stiegen der Sowjetunion die Rüstungskosten in der System-“Abschreckung“ über den Kopf; aber sie konnte den Systemwechsel auch nicht einfach „verkaufen“, nicht einfach friedlich „kapitulieren“; ihn zu ermöglichen, dazu bedurfte es der inneren Opposition.

Ich weiß nicht, was Du uns sagen willst. Denn ich bin sicher, die Wiedervereinigung hätte auch ohne ein Wir sind das Volk stattgefunden. Ich halte es aber unter den Zuständen in der DDR auch nicht für schwierig, ein Wir sind das Volk zu provozieren, wenn es gebraucht wurde.

Übrigens, ich hatte den vorletzten „Spiegel“ noch mal in der Hand, danach (in dem Beitrag zur CDU/CSU) hieß es, von allen AfD-Wählern hätten 60 % ihre Stimme nicht aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung so abgegeben … … Ja, was macht man bloß mit den vielen „Globalisierungsverlierern“? Die werden mit der „Digitalisierung“ noch zunehmen So ein Mist, das
ALLGEMEINE Wahlrecht ...
Die CDU hat 1 Mio Stimmen an die AfD und 1,4 Mio an die FDP abgegeben, beides Parteien, denen die Flüchtlingspolitik von Merkel nicht gepasst hat. Die Verluste der CSU sind da noch nicht mal eingerechnet.

Digitaliserung ist schon seit Jahrzehnten Teil vieler Berufe und schon lange Teil unseres Lebens. Entwicklung und technischer Fortschritt ist in meinen Augen nichts Schlechtes.
Wo wir damit am Ende landen werden, werden wir erleben. Ich habe da keine Angst davor, soweit es nicht dazu führt, dass man zum gläsernen Menschen wird.

Wie bereits geschrieben, nehme ich denen nicht ab, dass die aus Protest oder Enttäuschung gewählt haben. Anhand der ziemlich verlässlichen Umfragen stimmen AfD-Wähler in weiten Teilen der AfD zu und selbst wenn diejenigen, die die Rechtsextremen in dieser Partei stören, etwas anderes gewählt hätten, wäre die AfD immer noch ausreichend stark gewählt worden.
Die FDP hat meiner Ansicht nach nur ihr alte Anhängerschaft zurück, die bei der CDU untergeschlüpft war. Und die FDP ist sicherlich nicht die richtige Partei, wenn man gegen Asylanten ist. Die lehnen ja sogar die Obergenzen bei der Aufnahme von Asylanten klar ab, die die CDU wohl auf Druck der CSU im Wahlprogramm hatte.
https://www.fdp.de/sites/default/files/uploads/2017/07/26/20170726-einwanderungspolitik.pdf
Shibaherz
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CairnLover, verschone mich bitte mit Deiner haltlosen Kritik. Ist auch langweilig für die anderen.

Du hast anzüglich geschrieben, dass ich in die DDR einreisen „musste“. Einen äußeren Zwang gab es dafür aber nicht, und jetzt versteifst Du Dich auf innere Gesetzmäßigkeiten?
Ich bin auch keineswegs „ständig“ hingefahren. Es handelt sich hier um einen Zeitraum von fast 30 Jahren. Ich habe mir in diesem Zusammmenhang nichts vorzuwerfen.

Deine Invektive „musste“, „ständig“ usw. sind Ausdruck Deines Bemühens, mich in meiner Glaubwürdigkeit herabzusetzen. Ich weiß nicht, warum Dir das ein Anliegen ist; denn politisch gesehen sehe ich uns nicht so weit auseinander, dass das plausibel wäre. Wobei ich Unterstellungen, Diffamierungen usw. ohnehin nicht als Mittel der politischen Auseinandersetzung akzeptiere.

Ein Parlament als politischer Entscheidungsträger wird frei gewählt, der Kapitalismus als Wirtschaftsform nicht. Er ist vorgegeben; aber weder gottgewollt noch eine Naturgewalt. Es sind die Finanzmärkte, die, außer Kontrolle geraten, heute die Existenz des Einzelnen bedrohen. Klar, angesichts ihrer Macht erscheinen die Rettungsaktionen für die Banken auf Kosten des Steuerzahlers „alternativlos“ im Sinne einer „marktkonformen Demokratie“. „Spielbälle“ der Finanzmärkte sind wir längst geworden, ganz unabhängig davon, wie ich das verstehen möchte.

Es wird derzeit in allen Parteien und Medien von einem notwendigen, unausweichlichen „Digitalisierungs-Schub“ in Deutschland geredet (vorneweg natürlich die FDP) und angenommen, dass in seinem Gefolge die Arbeitslosigkeit zunehmen wird. Die FDP ist eine Unternehmerpartei: Sie will, gerade unter Berücksichtigung dieser vorhersehbaren Entwicklung, die Einwanderung von Fachkräften per Einwanderungsgesetz, nicht die „wilde“ Einwanderung von Unqualifizierten, unter Berufung auf „Asyl“, in die Sozialsysteme bzw. in die Schwarzarbeit. Indem sie das Einwanderungsgesetz in den Vordergrund schiebt, braucht sie gar nicht gegen Migranten zu hetzen, wie es die AfD macht. Der Ausdruck „Obergrenze“ ist in den Verhandlungen zwischen CDU und CSU vermieden worden, aber das Gemeinte bleibt erhalten und wird auch von der FDP geteilt. Natürlich spricht sich niemand gegen die (vorübergehende) Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus. Ich zitiere hier lautstarke Stimmen aus dem öffentlichen Diskurs, i. S. einer Bestandsaufnahme. Dieses Zitieren bedeutet keine Parteinahme.

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christianeadler
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Ich möchte euch bitten, etwas sachlicher und ohne persönliche Angriffe miteinander umzugehen. Mit einem Gesprächsniveau unter der Gürtellinie macht eine Diskussion keinen Spass. Dabei hätte mMn eine Auswertung der Wahl in diesem Thread noch interessante Themen zu bieten, z. B. Digitalisierung und Datenschutz. Realistisch betrachtet wird der Bürger heute mehr ausspioniert und überwacht, als es die DDR mit den begrenzten technischen Möglichkeiten jemals leisten konnte, aber es stört wohl nicht mehr. Auch eine Reform des Zuwanderungsgesetzes, bzw. ein Einwanderungsgesetz, ist so ein Thema, um das sich die letzte Regierung gedrückt hat. Etwa die Hälfte der Menschen, die heute innerhalb der deutschen Staatsgrenzen leben, sind Nachkriegseinwanderer und deren Nachkommen. Von den Flüchtlingen über Aussiedler bis zu den Gastarbeitern oder Asylanten hat es immer gehakt, weil es keine klaren Vorstellungen über das zukünftige Zusammenleben gab. Das ist also wirklich kein neues Thema, und es ist traurig, dass man es den Rechten überlassen hat.


Original von Shibaherz:


Europa ist heute ein Schmelztiegel, es hat aber auch schreckliche unter nationaler Flagge geführte Kriege hinter sich. Ich verstehe überhaupt nicht, von was Du mich eigentlich überzeugen bzw. was Du mir beibringen willst? Ich identifiziere mich doch nicht mit den Menschen, die ich beschreibe!


Beibringen? Nichts, du bist an Soziologie und Politik viel interessierter interessierter als ich. Überzeugen? Höchstens davon, dass nicht der Arbeitsmarkt oder die Infrastruktur den AfD- Wähler macht. Trotz vergleichbarer Bedingungen haben wir hier zehn, aber nicht dreissig Prozent.
Ein Krieg zweier Staaten ist für mich ein denkbar schlechtes Beispiel für das Mit- oder Gegeneinander. Kriege werden um Land, Bodenschätze oder Ideologien geführt, und je höher die technische Entwicklung ist, um so weniger sagen sie über das Verhältnis der Beteiligten zueinander aus. Unter der Fahne der USA ziehen z. B. Menschen gemeinsam in den Krieg, die zuhause nicht einmal eine gemeinsame Schulbank drücken könnten, und sie töten Menschen, mit denen sie gemeinsame Vorfahren haben.


Christiane, wie kannst Du annehmen, dass ich mit der Nostalgie der Leute sympathisiere? Ich weiß doch aus eigener Erfahrung um den Preis der Unfreiheit, den das kuschlige Miteinander und Versorgtwerden hatte.Tu mir den Gefallen und behandle mich nicht so, als würde ich mich mit dem Denken und Fühlen von AfD-Wählern identifizieren, bloß weil ich nicht den hasserfüllten Ton von CairnLover anschlage. Mich nervt das!


Das tut mir leid, denn ich bringe dich sicher nicht mit der AfD in Verbindung. Ich warte nur auf deine Vorschläge für Konsequenzen aus unseren Beobachtungen. Die Menschen, die sich zu DDR- Zeiten eingefügt hatten, haben doch ganz real viel verloren. Die DDR bot unter ihrer Käseglocke eine Gruppenzugehörigkeit mit gesicherten Lebensbedingungen wie Wohnung und Arbeitsplatz und klaren Verhaltensregeln ohne Eigenverantwortung. Wieviel das einem Rudeltier bedeutet, wissen wir von unseren Hunden. Das Problem war doch, dass die Abschottung nicht funktionierte. Hinter dem antifaschistischen Wall hatten die Nachbarn Steaks statt Würstchen auf dem Teller, und das machte Futterneid. Die AfD knüpft genau an diese instinktive Seite des Menschen an. Sie schürt Ängste vor Veränderungen und bietet keine Lösungen, aber dafür vermeintlich Schuldige. Das Motto, mit uns wird die Welt zwar nicht besser, aber wir sagen euch zumindest, wen ihr dafür hassen könnt.

Dass dieses Prinzip aufgegangen ist, bestätigt eigentlich nur mein Menschenbild und meine Zweifel an der Demokratie. Wehret den Anfängen, hat Deutschland zum zweiten Mal nicht geschafft. Beunruhigend ist für mich, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. In Grossbritannien hat die Hetze rund um den Brexit zu einem gewaltigen Anstieg an Verbrechen geführt. Ähnliches befürchte ich auch hier, nachdem die Wahl Hassprediger und verbale Brandstifter als Parlamentarier gesellschaftsfähig gemacht hat. Wenn der Verstand schon ausgeschaltet ist, ist der Schritt vom Reden zum Handeln nicht weit.


@ Weckener und Cairnlover

Wenn ich eure Beiträge lese, frage ich mich, warum sich unsere Staatsform Demokratie nennt. Alle paar Jahre darf der Bürger zur Wahlurne gehen, um eine Regierung zu legitimieren, die in der Zwischenzeit macht, was das Volk nicht will. Dann muss man sich doch eigentlich nicht wundern, dass der Schritt zur Diktatur nicht weit ist.
Ich machte in den Siebzigern und Achtzigern mit der Polizeigewalt ähnliche Erfahrungen wie ihr, und auch der Bundesgrenzschutz mochte meine Aufkleber am Auto immer so gern, dass sie sich das näher ansehen wollten. Das, wofür wir uns einsetzten und demonstrierten (z. B. Umweltschutz, Anti- AKW), fand damals auch noch keinen Anklang in der Bevölkerung. Aus heutiger Sicht sehr bedenklich war, dass die Polizei nicht gegen Neonazis vorging, die ihre Nachbarschaft terrorisierten und ihre Pamphlete auf Schulhöfen verteilten. Dasselbe empfinde ich heute wieder, wenn Polizisten herum stehen, während Asylanten drangsaliert werden.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
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