Verhalten gegenüber Tierärzten

Laursen
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2588
hej,

weit einiger Zeit beschäftigt mich eine Beobachtung, die noch durch eine schlechte Sendung verstärkt wurde.
Es geht darum, wie wir HH mit Tierärzten umgehen aber auch wie wir mit möglichen Behandlungsfehlern umgehen.

Mit meinen Reaktionen bin ich nicht besonders zufrieden aber sie sind so typisch, wie sie nur sein können.
Wenn ich ein Problem habe, wegen dem ich mich an einen Tierarzt wenden muss, fühle ich mich zuerst einmal etwas ohnmächtig, um einen Tierarzt einzuschätzen, auch sein fachliches Können, kann ich nur auf meine Einschätzung und die Einschätzung anderer HH zurückgreifen.
Zugang zu Informationen, die mir objektiv helfen würden, einen Tierarzt, sein Können oder seine Möglichkeiten einzuschätzen, kenne ich überhaupt nicht.

Beim Tierarzt selbst, höre ich in erster Linie zu.
Unter anderem weil ich die Informationen zuerst verarbeiten muss aber auch weil ich keinen Streit mit einem Arzt Anfangen will, währendem er meinen Hund behandelt.
Bei normalen Ärzten habe ich in dieser Hinsicht schon negative Erfahrungen gemacht.
Eigentlich bin ich wirklich so weit, dass wenn ich einem Tierarzt ernsthaft widersprechen müsste, ich wohl auch die Tierarztpraxis anschliessend verlassen würde.

Diese Haltung geht leider so weit, dass ich einfach einen anderen Tierarzt suche, wenn ich mit der Behandlung oder anderem nicht zufrieden bin.
Bis heute habe ich noch nie gegenüber einem Tierarzt geklagt oder auch nur meine Meinung nachträglich gesagt.
Dafür müsste ich mich eigentlich an der eigenen Nase nehmen aber tatsächlich ist es leider so, dass ich dies andauernd auch bei anderen HH erlebe und eigentlich raten wir hier im Forum auch fast schon so.
Damit meine ich, wir empfehlen von Zeit zu Zeit den Tierarzt zu wechseln aber wir raten eigentlich nie dazu, den Tierarzt mit den Vorwürfen zu konfrontieren.

Dies macht es aber für die Tierärzte schwer, ihre eigene Arbeit zu beurteilen.
Die wichtigste Grundlage wird so eigentlich die Anzahl der Kunden für einen Tierarzt, weil er fast keine anderen Informationen von uns HH bekommt.
Sind wir zufrieden, bleiben wir seine Kunden und dann kann es schon passieren, dass wir ihn loben, wenn wir aber unzufrieden sind, sind wir einfach weg.
So ist es aber für einen Tierarzt schwierig, mögliche Mängel zu entdecken und deshalb muss es auch für ihn schwierig sein, diese dann zu beheben.
Deshalb wäre es wirklich Sinnvoll, mindestens dem Tierarzt zu sagen, wenn wir mit ihm unzufrieden sind und weshalb.

Bei dieser Sendung wurde auch gesagt, dass Tierärzte fast nie verklagt werden, wegen fehlerhafte Behandlung.
Gründe dafür wurden nicht genannt, es wurde vor allem eine HH gezeigt, die dann doch ihren Tierarzt verklagt hatte und bei der es so aussieht, als ob sie vor dem Gericht recht bekommen würde.
Das hat mich aber dazu gebracht, zu überlegen, weshalb wir HH wohl so selten klagen.

Einen sehr einfachen und eigentlich positiven Grund konnte ich relativ schnell finden.
Wenn so wenig geklagt wird, bei den Tierärzten, muss deren Bereitschaft, etwas aussergerichtlich zu lösen, relativ hoch sein.
Schon nur weil sie zu recht davon ausgehen können, dass der grösste Teil der Klagen, die sie überhaupt zu hören bekommen, begründet ist.
Ausserdem leben Tierärzte auch sehr von ihrem Ruf, deshalb haben sie ein natürliches Interesse daran, nicht unnötig verklagt zu werden.

Ein anderer Grund ist bedeutend hässlicher aber auch eine einfache Tatsache.
Meistens könnte man mit einer Klage nur erreichen, dass man den Tierarzt für seine Arbeit nicht bezahlen muss.
Schmerzensgeld für die Schmerzen, die der Hund erlitten hat, an einen HH zu zahlen, wäre von mir aus gesehen wirklich unmoralisch.
Schmerzen können sowieso nie mit Geld beglichen werden und für Schmerzen die jemand anderer erlitten hat, sollte niemand einen Vorteil erringen.
Die meisten unserer Hunde sind reine Familenhunde und so kann man auch nicht von einem Verdienstausfall oder etwas ähnlichem reden, wir wünschen ja auch normalerweise nicht, dass unsere Hunde nach reiner Kosten-Nutzen-Analyse behandelt werden, denn dann könnten wir uns sogar bei relativ geringen kosten gleich einen anderen Hund holen, z.B. aus einem Tierheim.
Hunde hat es nicht zu wenige.
So bleiben am Ende üblicherweise nur noch die Behandlungskosten zur Diskussion.
Hier wird es sogar wieder etwas speziell, denn man müsste einem Tierarzt auch das Recht geben, seine Fehler wieder selber in Ordnung zu bringen, wozu man aber als HH normalerweise wirklich keine Lust mehr hat, wenn der Tierarzt unser Vertrauen verloren hat.
Deshalb kommt es auch relativ selten vor, dass wir Behandlungskosten wegen den Fehlern eines Tierarztes, diesem Tierarzt in Rechnung stellen.

Als Letztes, was mir einfällt, gibt es noch einen emotionellen Grund, weshalb wir Tierärzte normalerweise nicht belangen.
Eigentlich ist jedem HH klar, dass er gegenüber seinem Hund eine Verantwortung hat.
Wenn wir uns für einen Tierarzt entscheiden, dann ist dies unsere Entscheidung, wenn wir seinen Diagnosen zustimmen, ist es auch unsere Entscheidung dies zu tun.
Deshalb haben wir emotionell immer eine Mitverantwortung bei den Entscheidungen.
Dies macht es schwerer, Fehler einzugestehen.
Wenn wir es dann aber tun, haben wir auch Gründe, uns Selbstvorwürfe zu machen, den ein Tierarzt hat immer nur eine Teilschuld, wenn Fehler geschehen, eben weil wir grundsätzlich die Verantwortung haben.
Selbstvorwürfe, egal ob berechtigt oder nicht, sind nicht gerade eine gute Grundlage um jemanden anzugreifen.

Dies alles sind Gründe, weshalb es so selten dazu kommt, dass Tierärzte verklagt werden von uns HH, auch wenn ich sicher bin, dass es noch mehr Gründe dafür gibt.
Zum Beispiel das Problem der Beweisbarkeit.

Es hat aber auch echte Vorteile, dass dies so selten geschieht.
Am Schluss würden wir bei einer Klagewelle, als HH die Rechnung selber bezahlen.
Die Haftpflichversicherungen würden ihre Prämien erhöhen und deshalb hätte der Tierarzt grössere Unkosten, die er auf die Kunden wieder abwälzen müsste.
Dies würde sogar sehr unmittelbar geschehen, denn es ist wirklich nicht so, dass die Tierärzte, die Haus- und Kleintiere behandeln, damit viel Geld verdienen würden.
Viele wollen Tierarzt werden und dabei hoffen die Meisten, dass sie davon leben können, mindestens Haus- und Kleintiere behandeln.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand Tierarzt werden will, mit dem Ziel, Fleischbeschauer zu werden oder mit Tierversuchen seinen Lohn zu verdienen.
Dies führt dann wohl dazu, dass Haus- und Kleintier-Tierärzte wohl zu den Akademikern gehören, die einen niedrigen Verdienst haben, wie andere, mit vergleichbarer Ausbildung.

Von mir aus gesehen, muss man deshalb keinen Tierarzt bedauern aber man muss dem auch Rechnung tragen, wenn es darum geht, die Kosten für die Behandlung unserer Hunde zu beurteilen.

Von diesem Beitrag erhoffe ich mir einen Gedankenaustausch, weniger die grosse Lösung für alle Probleme.
Ich habe einfach das Bedürfnis, meine Gedanken in dieser Richtung zu ordnen.

Liebe Grüss aus Dänemark
Gast
  • Begleithund
+ 1
Laursen..

rein zur Info: Möchtest du dich in diesem Thread nur mit Caro austauschen? (Der Link im anderen Thread ging nur an sie).

Oder möchtest du auch andere Gedanken dazu hören?
casabianca
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 3542
Hallo,

bislang haben wir Glueck gehabt und sind noch keinem TA begegnet, der uns falsch behandelt hat.

ABER ich habe die Erfahrung machen muessen, dass die TAs sich nicht immer einig sind, was Behandlungsmoeglicheiten betrifft. OK, es ist ja auch nicht gesagt, dass es nur eine einzige Therapie fuer ein bestimmtes Problem gibt, aber manchmal ist es doch so.

Ich selber habe mir angewoehnt bei einem groesseren Problem mich zunaechst einmal via Internet schlau zu machen, egal ob das Foren, andere HH oder sonst wer ist. Desweiteren nehme ich mir dann mein Telefon und rufe TAs und Kliniken an, denen ich die Situation schilder und dann will ich meisstens schon vorab eine Info. Manchmal ist das zwar nicht moeglich, aber manche schlagen dann doch eine moegliche Therapie (oder was es sein koennte) vor.

Oft besuche ich dann auch mindestens 2 TAs! Meinen Hausarzt und eine Klinik.

Ich klaere den behandelnden Arzt sofort auf, dass ich mich informiert habe und dass ich ein bisschen "was weiss", da ich mal in einer Praxis gearbeitet habe. Nicht weil ich ich etwas evt besser weiss, sondern damit ist klar, dass er Tacheles reden kann, die Dinge also beim Namen nennen kann und ich ungefaehr weiss worum es geht. Falls ihn meine Fragen/Vorstellungen auf den Geist gehen, suche ich mir einen anderen und basta. Und auch, falls ich eine ganz andere Meinung/Idee/Vorstellung habe.

Bei einem Chirurgen in einer Klinik habe ich mich sogar nach bestandener OP sogar fuer meine aufdringliche Fragerei entschuldigt, aber er hat es gelassen genommen und er meinte, dass er das verstehen koennte.

Ich hasse TAs wie die Pest, die einfach ne Spritze aufziehen und spritzen ohne, dass ich weiss, was das ist und wofuer. Wenn ich dann nachher immer noch nicht aufgeklaert wurde, war das meisstens mein letzter Besuch.

Fuer mich sind TAs/Kliniken nichts anderes als Dienstleister und ich zahle! Wenn mir also die Behandlung nicht gefaellt und/oder Mist gebaut wird, wuerde ich auch verklagen. Kein Problem. Ich hoffe aber, dass ich das niemals muss!
Segue l’amico delle greggi, il forte Animoso mastin, di ferree punte Armato il breve collo: abil difesa Incontro al lupo assalitor. Robuste E nervose le membra, e scintillanti Abbia gli occhi, e mantel bianco, Convolto di pelo assa, che dalle Acute il salvi scane de’ lupi, e si’ li Cacci e assalti. (C. Arici, 1824, La Pastorizia)
Zuletzt geändert am 19.01.2012 13:00 Uhr
Laursen
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2588
+ 1
@ridge-gebaeck wegen caro würde ich nicht so ein Thema auf diese Weise eröffnen.
PN´s wären dann wohl eher das Richtige.
Deshalb ein klares Nein und nehmt auch nicht unbedingt Rücksicht auf andere Beiträge.
Es geht mir wirklich um Gedankenaustausch.
cindyzudii89
  • Halbstarker
Beiträge: 343
Also ich habe viel Vertrauen zu meinem TA. Er ist einer, der sich wirklich ums Tier sorgt und nicht nur nach dem Geld aus ist. Er hat auch schon oft behandelt ohne das wir bezahlt haben. Z.B. als eine fremde, herrenlose Katze angefahren wurde und wir ihn deswegen gerufen haben. Oder als eine junge Katze sehr Krank war und erlöst werden musste. Er ist TA aus Leidenschaft aber leider schon recht alt und wird daher nicht mehr lange praktizieren.
Auch hat er nicht all diese Geräte wie sie "moderne" TA haben. Kein röntgen oder so. Aber er weiß, wann er seine Patienten zu einen anderen TA schicken muss.
Bei ihm fühlen wir uns sehr gut aufgehoben!
Eines der Dinge, die nicht für Geld zu haben sind, ist das Schwanzwedeln eines Hundes.

Hunde haben alle Guten Eigenschaften der Menschen, ohne gleichzeitig ihre Fehler zu besitzen.
caro137
  • Begleithund
Beiträge: 1255
+ 3
Ich verstehe Dein Ziel gerade nicht ganz?
Soll jetzt jeder HH, der aus irgendeinem Grund nicht zufrieden war gleich klagen? - wie in Amerika, wenn sich einer die Zunge am heißen (Oh Gott,oh Gott) Kaffee verbrennt?
Oder plädierst Du gerade dafür nicht zu klagen sondern den TA direkt anzusprechen, wenn man nicht zufrieden war? Finde ich in fast allen Lebensbereichen die vernünftigste Lösung.
Ist der TA jetzt in Deinen Augen der "böse", der seine Behandlungsfehler ständig vertuschen will und nur Glück hat, dass die HH so wenig klagen?
Oder der bedauernswerte, der trotz akademischer Ausbildung relativ wenig verdient und auch keine Möglichkeit hat dazu zu lernen weil die HH keine Rückmeldung geben?


Ich denke die "große Lösung" kann es tatsächlich nicht geben, denn es geht um Menschen und Tiere (= Lebewesen) und sogar noch um Bakterien, Viren, Pilze.....die in jedem Einzelfall anders reagieren und von denen jeder dran "Schuld" sein kann, dass es am Ende zu keiner Heilung kommt.

Nehmen wir einfach mal einen stinknormalen Husten (egal ob beim Mensch oder Hund):

Der Arzt kann einen Fehler machen in dem er ohne Untersuchung einen z.B Hustenstiller verschreibt, obwohl der Schleim eigentlich raus müsste -er hat aber z.B einfach nicht abgehört ob Schleim da ist oder nicht (sein Fehler)
Der Patient hat ein schlechtes Immunsystem, arbeitet weiter anstatt sich zu schonen, nimmt die eigentlich wirksamen Medikamente nicht....Problem beim Patienten.
Oder Arzt verschreibt normalerweise wirksame Medikamente, der Patient verhält sich vorbildlich - aber dummerweise ist genau dieser eine Bakterienstamm resistent gegen die Behandlung...

In allen Fällen ist das Ergebnis keine Heilung.

Was nun?
Fall1:
Klar der Arzt hat einen Fehler gemacht und könnte auch verklagt werden -er ist verpflichtet vor einer Behandlung gründlich (genug) zu untersuchen. Was ist aber gründlich genug (reicht abhören? muss die Lunge geröngt werden? ein Rachenabstrich angefertigt werden?). Da gehen die Fragen weiter....
muss ich bei jedem Husten ein Röntgenbild (könnte ja Tuberkulose oder Lungenkrebs sein), eine komplette Blutuntersuchung und Bakteriologische Untersuchung machen lassen und bezahlen ? Da gibt es sicher genug die das übertrieben finden !
Wenn es aber tatsächlich ein Lungentumor war ...finden sich genausoviele die rufen: WArum hat er nicht gleich geröntgt

Fall2:
Wer hat nun "schuld"? Klar der Patient -im ersten Moment...
Aber hat der Arzt richtig aufgeklärt? Hätte er das Immunsystem näher untersuchen müssen? Hätte er die Medikamenteneinnahme besser erklären müssen? Oder ist doch etwas selbständiges Denken vom Patient oder HH zu erwarten (Vorsicht Kaffee ist heiß )
Klar kann der Arzt auch hier verklagt werden -das sind sogar die häufigsten Fälle "mangelnde Aufklärung" -und wenn der Arzt dann nicht jeden gesagten Satz irgendwo dokumentiert hat oder ne Helferin als Zeugin dabei war, sind die Chancen, dass der Patient "Recht bekommt" ziemlich hoch -obwohl der Arzt "eigentlich" korrekt untersucht und behandelt hat.

Fall3:
Hätte der Arzt wissen müssen dass der Stamm resistent ist? (Schwierigkeit s.o. welcher Untersuchungsumfang/Kosten ist bei einem "normalen Husten" gerechtfertigt oder nötig)
Hat er ein "falsches" Medikament eingesezt (es war ja schließlich nicht wirksam..)?
Der nächste Arzt verschreibt (weil Medikament 1 aus Erfahrung nicht gewirkt hat) ein anderes Mittel, welches sofort wirkt -ist er nun deswegen der bessere Arzt?


Das ist nur ein winzig kleiner Ausschnitt von Problemen, die bei einer medizinischen Behandlung auftreten können, ein wirklich gaaaaaanz einfaches Beispiel.
Ich denke diese Komplexität ist es, was eine Entscheidung über Schuld und Unschuld, Behandlungsfehler oder einfach Pech so kompliziert macht....und warum Klagen oft erfolglos sind oder gar nicht angefangen werden.

Fall 3 ist übrigens sehr typisch: "Boah, ich hab ne Woche das Medikament von Arzt A genommen -nichts geholfen, der Arzt ist schlecht -bin dann zu Arzt B, das Medikament hat sooooofort gewirkt, der Arzt ist suuuuper! " - Dabei wars reiner Zufall dass man nicht zuerst bei Arzt B und dann bei Arzt A war.
Wenn man nochmal zu Arzt A gegangen wäre, gesagt hätte das Medikamt wirkt nicht, hätte man wahrschlich dort auch das andere wirksame Mittel als nächstes verschrieben bekommen.

Oder bei Meldung im Forum....."ja genau, das hat bei mir auch nicht geholfen, die verkaufen das nur zum Geldverdienen! sofort Arzt wechseln !"
oder "das ist sowieso Mist-bei mir war der Husten ein Lungentumor -der hätte sooooofort geröngt werden müssen!"
oder "waaaaas der Du hast sooooo viel wegen einem normalen Husten bezahlt, das ganze Rötgen, Rachenabstrich und gedöns wäre überhaupt nicht nötig gewesen, reine Geldmacherei...ich hab mir ein paar Globuli besorgt und alles war gut!"


Und nochmal rüberkopiert:

Und bei allem was mit LEBEWESEN zu tun hat Medizin, Erziehung etc. gibt es eben nicht nur schwarz und weiß, gut und böse, richtig und falsch...sondern ne ganze Menge "Grautöne" dazwischen.
Diese "Grautöne" werden übrigens immer mehr je besser man sich mit einer Sache auskenn und je mehr man sich damit beschäftigt.

Abgesehen davon gibt es einen Unterschied zwischen Dienstvertrag und Werkvertrag....

Bei einem Werkvertag (üblich bei Handwerkern) muss am Ende der Auftrag korrekt erledigt sein (meinetwegen die Reifen korrekt gewechselt und angeschraubt oder ein funtionsfähiger Stuhl)
Bei einem Diensvertrag (üblich bei Medizinern, Nachhilfelehrern..) kann keiner dafür garantieren dass der Patient nach einer Behandlung gesund wird, dass das Kind nur noch einsen schreibt.....man muss lediglich (nachgewiesen) nach bestem Wissen und Gewissen und nach allgemein im Beruf annerkannten Regeln arbeiten....weil eben ein Erfolg manchmal nicht garantiert werden kann-selbst bei sorgfältigster Arbeit nicht.
The greatness of a nation and its moral progress can be judged by the way its animals are treated (Mahatma Gandhi)
Für ein Hundeleben ist der Mensch verantwortlich.
bullterrier-in-not.de
Zuletzt geändert am 19.01.2012 13:17 Uhr
Bine+Lupo
  • Halbstarker
Beiträge: 571
Hi,
ich halte es wie casabianca. ich mache mich gern vorher bisschen schlau bzw lese ich eh gerne über Tiermedizin (und das schon seit jahren). So bin ich meistens nicht ganz "dumm" wenn ich dann zum TA muss.Das tut ich auch nicht um klugscheißern zu können sondern einfach um besser zu verstehen, besser nachfragen zu können.

Bisher hatte ich viel Glück, Lupo hat nix schlimmes gehabt bisher. Nichts wo man mehrere Möglichkeiten zur Behandlung gehabt hätte, nichts wo der Arzt einen Fehler hätte machen können. Ich glaube, wenn ich mich bei meinem TA nicht mehr gut aufgehoben fühlen würde, würde ich auch die Praxis wechseln.Ist immer so ne Sache..
Passiert in der Praxis etwas, wüßte ich auch sicher, dass ich dort meine Meinung sagen würde. Ich halte damit nicht hintern Berg und wechsel einfach.
Wird zB von nem anderen TA eine andere Diagnose (die Richtige!) gestellt und mein TA hätte villeicht wochenlang rumgedoktort oder gar zur Einschläferung geraten...Uii das gäb ne nette Ansage!

Ich habe öfter meinen Ex und seinen Hund zum TA begleitet. Der alte Shih-tzu leidet seit Jahren unter Juckreiz, Ausschlägen, Pickelchen, tränenden Augen etc...Als er mit seiner Mum und dem Hund allein dort war, wurde mit der Lampe nach Pilzen geguckt und eine Waschlotion verschrieben.Zusätzlich eine Spritze gegen Juckreiz und Vitamine gespritzt.
Es hat nichts gebracht, der Hund juckte sich 2-3 Tage weniger dann wieder Urzustand.Sie waren insgesamt 3 Mal dort ohne Ergebnis oder Besserung!Frauchen ist nicht der Typ der den Mund aufmacht oder sich beliest..

Ich bin dann mal mit dahin (von dem TA halte ich eh nicht viel aber Frauchen ist ja überzeugt!). Hab ihn gefragt wie es aussieht mit einem Hautgeschabsel, einer Haarfollikeluntersuchung, ob wir vielleicht eher mit einer Futtermittelallergie zu tun haben könnten etc...
Jaaaa, könnte sein...Hat ihm nicht gepasst,hat man gemerkt (Augen wurden zu Schlitzen, der Ton etwas gereizt)aber ist ja nicht mein Problem!Er hätte vermutlich einfach gern weiter Mittelchen verkauft und Juckreizspritzen verabreicht (pro Behandlung immer um die 60 Euro!).
Wir haben es dann mit ner Ausschlussdiät und Barfen versucht. Es hat ihm auch wirklich gut geholfen.Das Jucken ging zurück, das Fell wurde wieder schön, die Augen waren ok..
Leider ist Frauchen zur inkonsequenten Fraktion zu rechnen und konnte es nicht lassen, ihm ständig (nachdem sie 3 Wochen "hart" war)Leckerchen zuzustecken!! Sie hat alles wieder zunichte gemacht damit!Bis heute kratzt der Hund sich ständig aber Hauptsache Fraule hat ihr schlechtes Gewissen mit Futter beruhigt (sie hat nicht viel Zeit für ihn)!!

Fakt ist, der TA wollte nur verkaufen, hat dem HH nicht die einfachste und naheliegendste Diagnose vorgeschlagen um weiter an dem Hund zu verdienen!
Bei solchen TA´s geht mir auch die Hutschnur!!

Man muss schon aufpassen, viele gehen auch recht grob mit den Tieren um (ungerechtfertigt). Ich hab auch mal einem mein Kaninchen aus dem Arm gerissen weil es panisch am Schreien war, hat gestrampelt etc. Der TA meinte dann"Scheissvieh" und das könnte er mit seinem Rücken gar nicht mehr vertragen.. Alles klar?! Wie will der dann nen 50 kg Hund behandeln??!!

LG
Es grüßen ganz lieb: Lupo und Bine
Gast
  • Begleithund
Gut also....

ich bin auch real eine, die sagt, wenn mir etwas nicht gefällt. Wobei ich da durchaus abwäge: Ist es nun WICHTIG, dass ich das anspreche?

Ein Beispiel dazu: Ich gehe zu einer Tierärztin, die ich sehr schätze, weil ich sie für qualifiziert halte. Sie ist TÄ mit Leib und Seele. Nun sind wir beide völlig unterschiedliche Menschen und manchmal "hakelt's " zwischen uns:

Vor ein paar Monaten hatte Asad eine Beule im Rippenbereich... Sie war mal kleiner, mal größer - rein subjektiv. Ich machte mit einen Termin bei unserer TÄ. Zwei Tage vor diesem Termin humpelt Asad nun auf der Seite, wo die Beule ist. DAS war der Punkt, an dem ich in Panik geriet... Ich fühlte sofort diese Geschichte mit Beau SEINE Beulen war Leukämie, er humpelte auch, weil die Metastasen in der HWS saßen...

Entsprechend aufgewühlt die Züchterin angerufen: Kommst du mit, ich brauch dich zum Händchen-Halten. Sie kam mit.... die TÄ kam frisch aus dem Zoo, wo sie Vertretung machte und schien noch angespannt. Wir gingen vor die Praxis, sie wollte das Gangbild sehen. In diesem Moment stach eine Wespe Asad genau in die Humpelpfote... DAS war irgendwie zuviel für mich. Und ich war froh, dass die Züchterin sich taff meinen Dicken nahm und mit ihm lief.

Drin wurde der Ton der TÄ harscher.

Und ich ging mit einem ziemlich angesäuerten Gefühl nach Haus (Asad hatte NUR einen steifen Nacken vom Zug und die Beule ergab nach der Biopsie nur ein Lipom) Als ich ein paar Tage mit der TÄ telefonierte, um die Ergebnisse abzufragen, habe ich sie direkt gefragt, ob sie (von mir) genervt war.

Und sie sagte ganz direkt "Ja!" *schluck* Sie fand, dass ich Asad in dieser Situation viel zu sehr betüddelt habe.

Nun gut, so bin ich. Ab einem bestimmten Punkt fließe ich über vor Mitleid und muss mich dann ihm gegenüber sehr kontrollieren.

Ich habe ihr dann erklärt, was bei mir ablief. DAS konnte sie nun verstehen.....

Ohne das geklärt zu haben, wäre es mir schwergefallen, ihr unbefangen gegenüber zu treten.

Wir werden nie Freundinnen. Aber ich werde SICHER bei ihr bleiben, weil ich sie als Medizinerin sehr schätze. Allerdings werde ich Dinge, die mich irritieren, auch immer ansprechen. Nur so geht's. Für MICH.
Zuletzt geändert am 19.01.2012 14:02 Uhr
Dini90
  • Moderator
Beiträge: 445
ich halte es bei meiner TÄ so, dass ich klip u klar sage, was mir passt und was nicht...sie wollte Felix mal innerhalb von keinen 2 Wochen 2x eine Immunspritze geben...Empfand ich als unangemessen und habs ihr dann auch gesagt...fertig.
Wiederrum bedanke ich mich auch bei ihr und lobe die Praxis, wenn ich sehr zufireden war und sie meinen Felix toll behandelt haben( was eigentl. immer vorkommt).
Ich kann mich ebenfalls Casabianca anschließen...ich belese mich vorher im Internet oder hier im Forum, stelle Fragen, telefoniere mit Freunden, die einen Hund haben und gehe dann mit ner Ahnung zum TA. Obs nu stimmen mag oder nicht, aber ich lass mich nicht irgendwas auftischen ^^ HIHI
Frauchen hat manchmal recht
silvie86
  • Moderator
Beiträge: 1135
+ 1
Warum wir lieber einen Arzt wechseln und seine Kompetenz im Stillen anzweifeln und nicht offen sagen, was uns stört liegt wohl auch mit an unserer Prägung/Erziehung.
Der Medizinmann (jaaaa, ich hole jetzt bewusst weit aus!) gilt seit jeher als die Stammesautorität, sein Urteil ist Gesetz, seine Verbindung zu dem Höheren und damit zur Allwissenheit ist sein Privileg, ein Zweifel an seiner Kompetenz ist ein Zweifel an dem Glauben... Heilung und die Verbindung zu Gott sind ganz stark mit einander verbunden und auch in einer aufgeklärten, wissenschaftlichen Welt hat die Medizin und die Heilung, die Gabe jemanden heilen zu können, etwas göttliches. Nicht umsonst heißt es auch, die Götter in Weiß...
D.h. aber auch, dass der Zweifel an der Kompetenz geradewegs der Blasphemie gleichkommt. Die Medizin (egal ob Human oder Veterinär) ist noch immer eine der angesehensten Wissenschaften und ein Mediziner hat weitläufig auch noch immer den besten Ruf unter den Berufen.
Einen Mediziner anzuzweifeln hat also immer etwas ketzerisches an sich.
Für einen Nichtmediziner ist es einfach ungemein schwer einem Arzt fachliche Fehler nachzuweisen, meist hat man zwar ein Bauchgefühl doch man vertraut erstmal dem Gebildeten, der aht es schließlich gelernt. Man muss sich ja auch erstmal drauf verlassen, oder? Man hat ja nicht sofort eine zweite Meinung zur Verfügung.
Und dann kommt hinzu, dass der Mensch bequem ist-meist nimmt man doch den Arzt/Tierarzt, der in der Nähe ist und erst, wenn man sich nicht wohl fühlt oder man sich doch mal näher informiert, wechselt man.
Und klagen, ja, klagen ist ein ganz schweres Ding, denn Körper sind sehr komplex, Methoden zu behandeln gibt es tausende-fachliche Fehler nachzuweisen sind schwer, wenn sie nicht extrem offensichtlich sind...
Der größte Fehler ist aber wohl, dass wir schnell alles hinnehmen, anstatt zu fragen. Ich habe mir wirklich angewöhnt zu fragen, was, wie und warum-ich habe aber auch Glück und habe eine tolle TÄ, die mir immer alles erklärt, die nicht einfach was spritzt, die offen für Neues ist, die aber auch knallhart sagt, wenn nichts mehr geht, die auch bei Kleinigkeiten zu erreichen ist-ich hole mir aber auch gern mal eine zweite Meinung ein. Ich sehe aber einen Arzt auch nicht als unfehlbar, ich habe zu viele Ärzte in Freundeskreis und Familie, ich weiß es sind nur Menschen, Menschen die auch Fehler machen, die auch mal nen schlechten Tag haben oder eben auch welche, die ihr Studium nicht mit 1,... abgeschlossen haben. Es gibt wie in jedem Beruf eben auch schlechte Ärzte... Sei es fachlich oder eben charakterlich...
Die Liebe zum Hund ist des Menschens Sehnsucht nach dem Paradies.
Zuletzt geändert am 19.01.2012 14:22 Uhr
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