Statistiken Hundebiss Berlin - Entwicklung/Rassen

TickyTacky
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Da es immer mal wieder Thema ist ob die Zahl der Hunde und die Vorfälle mit Hunden steigen habe ich mir mal die Berliner Statistiken vorgenommen.

Vorweg: Statistiken sind nicht wirklich aussagekräftig und variieren stark je nach Bundesland. Jedes Bundesland erfasst Hundebisse anders, es gibt keine Norm und deshalb sind echte Vergleiche schwierig. Hinzu kommt das man beim Lesen einer Statistik eigentlich wissen muss wie groß die Gesamtpobulation einer Rasse in diesem Bundesland ist – erst dann hätte man eine echte Idee davon, welche Rassen mal als auffällig bezeichnen könnte.

Was auch immer ein Problem ist, die Bestimmung der Rasse. Wenn ein Jogger von einem freilaufenden Hund gebissen wird und der Hund läuft weg ist dieser Hund rassetechnisch selten in der Kategorie unbekannte Rasse zu finden, die Rasse bestimmt nämlich sozusagen der Geschädigte wenn der Hund nicht vor ort ist. Sagt dieser also zur Polizei, das war ein Pitbull, dann geht dies eben auch genau so in die Statistik ein.

Auch wird kein Unterschied gemacht ob ein Hund gebissen hat, wie groß die Verletzung war – auch ein blauer Fleck ist ein Biss – und so genanntes gefahrdrohendes anspringen wird pauschal als Biss gezählt. Deshalb sind die Zahlen eher als Vorfall mit Hund und nicht als Beiß-Statistik zu werten.

Berlin macht einen Unterschied zwischen Menschen-Vorfall oder Artgenossen-Vorfall, viele andere Bundesländer zählen alles zusammen. Man sollte beim lesen der Statistiken wirklich darauf achten, welche Kriterien wichtig waren denn sonst ergibt sich da häufig ein verzerrtes Bild.

Zur Gesamtpobulation an sich….
Die Anzahl der Hunde stagnieren seit Jahren, es werden nicht mehr! Im Europäischen Vergleich liegt Deutschland an drittletzter Stelle, wir haben hier also eine sehr geringe Hundedichte.
In Berlin gibt es ebenfalls immer weniger Hunde, jedes Jahr etwa 1000 weniger laut Statistik seit etwa 2002.
Das einzige was in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist, der Anteil an Listenhunden im Tierheim.n2005 waren 9,4 % der Hunde im Tierheim Listenhunde, 2009 dagegen waren es 50 %.

Die Zahl der Vorfälle mit Hunden sinkt in Berlin, Politiker schieben dies gerne auf die Gesetze, man mag aber, da man ja weiß das auch die Anzahl der Hunde sinkt, sich da seine eigene Meinung bilden .

Vergleich 2004-2008 Gesamtvorfälle (Fälle in denen Menschen gebissen oder gefahrdrohend angesprungen wurden)

2004 976 Vorfälle
2005 909 Vorfälle
2006 839 Vorfälle
2007 859 Vorfälle
2008 716 Vorfälle

Todesfälle

In den oben aufgeführten Jahren gab es keinen Todesfall in Berlin

Rassen

Ich habe mal, die Statistik an sich ist anders unterteil, die Top 5 angefertigt – der Jahre 2007 und 2008.

2007
Rasse und Anzahl der Vorfälle wo Menschen gebissen oder gefahrdrohend angesprungen wurden

1.Mischling (ohne Listenhundmischlinge) 230
2.Schäferhund 148
3.Unbekannte Rassen 132
4.Rottweiler 45
5.Terrier (ohne Listenhunde) 30

2008
Rasse und Anzahl der Vorfälle wo Menschen gebissen oder gefahrdrohend angesprungen wurden

1.Mischling (ohne Listenhundmischlinge)183
2.Unbekannte Rassen143
3.Schäferhund106
4.Terrier 39
5.Rottweiler 28

Um den Zahlensalat etwas abzurunden und um die Problematik einzugehen, das Rassen die es Anzahlmäßig viel gibt eben auch mehr beißen….

In Berlin war im Jahr 2003 (andere Zahlen sind schwer zu bekommen) jeder 185. Bullterrier auffällig und jeder 55. Schäferhund. Die Zahlen gleichen denen in Brandenburg wo jeder 277. Bullterrier auffällig wurde und jeder 36. Schäferhund.

Damit will ich natürlich auf gar keinen Fall behaupten Schäferhunde oder Mischlinge wären aggressive Rassen da der Bullterrier aber auf jeder Liste steht und auch eine der als 4 gefährlichen Rassen laut Bundesgesetz ist halte ich den Vergleich doch für sehr wichtig.

- Alles in allem gibt es keinen anderen logischen Rückschluss als: Gefährlichkeit lässt sich nicht an der Rasse festmachen.
- Es werden weniger Vorfälle und weniger Hunde
- Rottweiler fallen nicht mehr und öfter auf als früher
- Todesfälle durch Hundebisse liegen Statistisch gesehen auf einer Höhe mit der Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden

Quellen:
http://www.berlin.de/sen/verbraucherschutz/tierschutz/gefahrenabwehr/
http://www.morgenpost.de/berlin/article1272226/Zahl-der-Hundebisse-ist-in-Berlin-stark-gesunken.html
Mother Nature always wants to be balanced - Cesar Millan
Zuletzt geändert am 15.09.2010 17:48 Uhr
trixi11
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Danke für deine Mühe!

So hat man doch wenigstens Anhaltspunkte...
Gast
Respekt, Frau Kollegin!

Todesfälle durch Hunde (meines Wissens) in Deutschland pro Jahr: 3
Vergleichend in den USA: 10, aber jedes 5.(!) Kind, wurde wegen einem Hundebiss in der Notaufnahme behandelt.

Fazit: Die meisten Unfälle passieren im häuslichen Umfeld, was bei uns vermutlich ähnlich ist...
Gast
Danke Sandra für deine Mühe.
Und vergleicht man das jetzt noch mit dem Land: Da gibt es kaum Beissvorfälle.

Lieben Gruss von Helga und ihrer Bande
fellpfote
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Danke für die Auflistung, die wieder eindrucksvoll beweisst das die Einteilung in Listen- und Nichtlistenhunde absoluter Schwachsinn ist. Mittlerweile haben das ja auch schon einige Gerichte eingesehen, wie man an einigen Urteilen nachvollziehen kann.

Bei der Einteilung hat es sich um einen medienwirksamen Schnellschuß unser Politik gehandelt. Nicht lange nachgedacht, schnell mal ein Gesetz verabschiedet ohne sich mit dem Thema richtig auseinander zu setzen und fertig war das Gesetz. Klasse Leistung unser gewählten Volksvertreter

Leittragende sind die Tiere die dann in den Tierheimen sitzen und keine Chance auf eine Vermittlung haben, sie sind ja böse, einfach der Rasse wegen. So hilft man von Seiten der Politik weiter die Menschen zu verdummen was das Thema Kampfhund angeht. Die Obrigkeit hat entschieden, als muss es wohl so sein.

Das gleiche Engagement wie seinerzeit bei der Einführung der Listenhunde würde ich mir von der Politik bei dem Thema "Sexualstraftäter und Sicherheitsverwahrung" wünschen. Hier ist Handlungsbedarf gegeben und es ist noch keine Lösung auf dem Tisch.

Just my 2 Coins zu dem Thema.

mit tierischen Grüßen

fellpfote
Zuletzt geändert am 17.09.2010 17:39 Uhr
karolinadizha
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Gut zu wissen
wie sieht es mit französischen bulldoggen aus?! wüsste gerne was die so für beisstatistiken haben. bis jetzt heißt es ja die haben bell- und beishemmung

soooo und jetzt die statistiken wie viele menschen jemanden verletzen oder gar umbringen!!!! Erschreckend, tja bei den hunden heißt es gleich einschläfern... und die ar***** dürfen noch weiter leben und am besten vom staat.

Lg Karolina & Rolex
TickyTacky
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Hallo
es gab eine Anfrage der Grünen an den Berliner Senat über die Entwicklung der Vorfälle im Jahr 2010, das Bild hat sich nicht wesentlich gewandelt und hier mal eine kleine Zusammenfassung.

2010
Rasse und Anzahl der Vorfälle wo Menschen gebissen oder gefahrdrohend angesprungen wurden

1.Mischling (ohne Listenhundmischlinge) 262
2. Schäferhund 79
3.Unbekannte Rassen 51
4. Rottweiler 36
5. Terrier 25

(Zur allgemeinen Erheiterung möchte ich anmerken, das Platz 6. Golden Retriever sind mit 22 Vorfällen)

Orginalzitat:

Die Gesamtzahl der amtlich registrierten Bissvorfälle ist 2010 (1188 Fälle) gegenüber 2009 (896 Fälle) gestiegen, wobei festzustellen ist, dass der Trend der gemeldeten Bissvorfälle der Rasselistenhunde (auch die Rasselisten-Mischlinge) weiterhin rückläufig ist.

- Es ist nicht möglich eine Aussage darüber zu treffen, wie diese Beissvorfälle entstanden sind und wie schwer die Bissverletzung war. Auch eine Unterteilung nach gefahrdrohendes anspringen ohne jegliche Verletzung und Biss ist nicht möglich laut Berliner Senat.
- In den letzten 5 Jahren wurden in Berlin zwischen 6-8 Hunde von Amts wegen eingeschläfert, auch hier kann keine Auskunft darüber gegeben werden um welche Rassen es sich handelt.

Erschreckend finde ich persönliche folgende Entwicklung, nämlich die der Listenhunde im Berliner Tierheim.

2006: 1.947 Hunde, davon 253 Listenhunde = 13,0 %
2007: 1.729 Hunde, davon 367 Listenhunde = 21,2 %
2008: 1.789 Hunde, davon 361 Listenhunde = 20,2 %
2009: 1.883 Hunde, davon 942 Listenhunde = 50 %

Und der Umkehrschluß die wären wegen Vorfälle abgegeben wurden funktionieren laut dieser Statistik leider nicht, sie sind da ja kaum auffällig . Es sind wohl die erschwerten Haltungsbedingungen die hier zur Abgabe führen bzw zur Beschlagnahmung, es ist im Berliner Tierheim (und sicherlich auch in vielen anderen Tierheimen) ein großes Problem da die Hunde ja meistens bis zum Lebensende hier bleiben.

Oh und die Zahl der Hunde ist leicht angestiegen:
Im Kalenderjahr 2010 waren in Berlin 109.488 Hunde steuerlich angemeldet.
Im Vergleich zum Jahr 2009 ist die Anzahl der an-gemeldeten Hunde um 4.311 gestiegen.
Sonst sind es sinkende Zahlen bei den Hunden und auch sinkende Zahlen bei der Beisstatistik gewesen, nun steigen die Zahlen jeweils. Also alles wie gehabt
Stellt man folgende Rechnung auf, Gesamtpobulation geteilt durch Vorfälle, kann man sagen jeder x. Hund hat zugebissen.
Das war in 2009 jeder 229. Hund der einen Vorfall mit einem Menschen hatte.
Und 2010? Tja, da war es jeder 172. Hund...
Ob die Politiker jetzt weiter berichten werden wie toll ihre katastrophalen Gesetze gewirkt haben so wie es die letzten Jahre geschehen ist?
Oder werden nur neue Gesetze und eine Erweiterung der Liste in Betracht gezogen die dann genauso viel bringen wie bisher?
Man mag es sich selbst vorstellen.......................................

http://www.animal-health-online.de/klein/wp-content/uploads/2011/03/Hundebisse_KA_Hunde2010_DS-16-15238.pdf
Mother Nature always wants to be balanced - Cesar Millan
Zuletzt geändert am 01.04.2011 18:14 Uhr
Tapedog
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Beiträge: 61
Jeder Hund koennte jemanden Beissen, das kommt nicht auf die Rasse an.
Es gibt "Kampfhunde" die die liebsten Familienhunde sind und anders gibt es Hunde die totale Tyrannen sind.
Ein Hund ist nur das was sein Mensch aus ihm macht.
Schnorch1
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Beiträge: 4
Original von fellpfote:

Danke für die Auflistung, die wieder eindrucksvoll beweisst das die Einteilung in Listen- und Nichtlistenhunde absoluter Schwachsinn ist. Mittlerweile haben das ja auch schon einige Gerichte eingesehen, wie man an einigen Urteilen nachvollziehen kann.


Bitte mal Substanzielles dazu hier posten! Mit anderen Worten: Nenne uns mindestens zwei, drei Aktenzeichen zu solchen Gerichtsfällen! Ich persönlich möchte gern solche Richtersprüche lesen, so daß ich es a) selbst verwenden kann bei Gelegenheit und b) es auch weiterverbreiten kann, damit andere es lesen udn verwenden können.

Herzlichen Dank!
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