Schweinehaltung und Tierschutzgesetz

CairnLover
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Ich denke nicht, dass ich fähig wäre, ein Leasingschwein, dass ich mehrfach besucht habe, anschliessend zu essen. Auch wenn es dabei genau darum geht und es für heutige Verhältnisse ein langes und wenn man das sieht ganz sicher auch ein glückliches Leben hatte.

Aber wirklich interessant, wie der junge Mann das Leben seines Schweins bis zur Verarbeitung dokumentiert hat. Wen es interessiert, wie ein Schwein in Freiheit lebt:
www.youtube.com/watch?v=bdXBCrHwjxU
christianeadler
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@ Shibaherz

Du hast mich völlig missverstanden. Ich unterstelle dir nicht, dass du mit den Betreibern von Massentierhaltung sympathisierst. Für mich haben "systemimmanente" Klagen und sogenannte Erfolge nicht viel Sinn, weil das System an sich krank ist. Wenn mein Nachbar jeden Tag sein Kind verprügelt, würde es mir auch nicht reichen, wenn das Jugendamt einmal pro Woche einen Babysitter schickt, damit das Kind an diesem Tag Ruhe hat. Genau so geht aber der Gesetzgeber mit den Tieren in der Massentierhaltung um. Tiefgreifende Veränderungen, die den Tieren wirklich helfen würden, sind politisch nicht gewollt. Man zieht in Erwägung, den viel zu hohen Fleischkonsum durch Besteuerung zu reduzieren, statt den Landwirten einen anständigen Preis für eine tierfreundlichere Haltung zu bezahlen. Das ist krank!


www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/was-fur-eine-schweinerei


Um gleich Missverständnissen vorzubeugen, ich meine das jetzt nicht nationalistisch, sondern ökologisch, aber für mich ist eine Politik völlig absurd, die in Deutschland günstige Bedingungen für Produzenten in der Massentierhaltung für den Export schafft, während der Qualität suchende deutsche Verbraucher seine Milchprodukte oder sein Rindfleisch aus irischer und sein Schweinefleisch aus spanischer Weidehaltung kauft. (Das bekomme ich übrigens hier im ländlichen Supermarkt und kann mir nicht vorstellen, dass es das in Berlin nicht gibt) Ich bin kein Traumtänzer und erwarte nicht, dass sich die Einstellung aller Deutschen zur Nutztierhaltung und ihre Essgewohnheiten von heute auf morgen verändern. Es ist für mich aber unverständlich, warum man ausgerechnet in einem Land, das den Tierschutz ins Grundgesetz aufgenommen hat, derartig der Entwicklung hinterher hinkt. Ich kaufe z. B. seit Jahren mein Fertigfutter (frisches kommt aus Hausschlachtung) für Hunde und Katzen von einem schwedischen Hersteller, weil dort, wie auch in Österreich oder der Schweiz, Haltungsbedingungen für Nutztiere seit Jahrzehnten selbstverständlich sind, die in Deutschland noch in kleinsten Schritten eingeklagt werden.

Am Beispiel der Käfighaltung von Hühnern lässt sich gut zeigen, wie wenig der Begriff Erfolg in der deutschen Gesetzgebung bedeutet, Sie wird seit mehr als zwanzig Jahren als Tierquälerei angeprangert und ist seit 2010 in Deutschland verboten. Trotzdem leben noch mehr als zehn Prozent der Hühner so, weil die Übergangsfristen erst 2025, mit Sondergenehmigungen 2028, enden. Millionen sterben bis dahin vor sich hin, und als glorreicher Ersatz dürfen nun zwanzigtausend Tiere in sogenannter Bodenhaltung auf irgendwelchen Hallenböden picken und täglich um ihr Leben in einer nicht vorhandenen Rangordnung kämpfen, zugestandener Lebensraum ist ein DIN A 4 Blatt pro Huhn. Selbst in Freiland- oder Biohaltung sieht das nicht viel besser aus. Das Ganze ist immer noch so weit von artgerechter Haltung entfernt, dass ich es als zynisch empfinde. hier von einem Erfolg zu sprechen.

Im Gegensatz zu den von Cairnlover angesprochenen Tierschützern bin ich nicht grundsätzlich gegen Nutztierhaltung. Ich bin nur dagegen, andere Lebewesen, ob Mensch oder Tier, zum eigenen Vorteil auszubeuten. Für mich sind auch Hunde Nutztiere, weil sie der Bedürfnisbefriedigung ihrer Besitzer dienen. Meine Katzen fangen Mäuse, und meine Hühner legen Eier. Auch sie sind nützlich. Meine persönlichen Ziele betreffen in gleicher Weise die Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere im privaten wie im industriellen Bereich. Wir brauchen mMn keine Diskussionen um neue Nutztierhaltungsverordnungen, sondern eine konsequente Umsetzung des Tierschutzgesetzes. Der einzelne Wellensittich in seinem kleinen Käfig ist keine andere Tierquälerei als das Huhn in Käfighaltung. Schweine, ob Minipig oder Zuchtsau, wollen in Gruppen leben, sich bewegen, suhlen und wühlen. Punkt!!!! Selbst wenn man ein Tier am Ende schlachten will, kann man ihm respektvoll bis zu seinem Tod ein angenehmes Leben ohne Qualzucht, Massentierhaltung, lange Transporte und industrielle Tötungsmaschinerie ermöglichen.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Zuletzt geändert am 30.10.2017 07:53 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20684
Du hast mich auch missverstanden. Den Ausdruck „völlig“ spare ich mir. Ich will doch das kranke System nicht gesundbeten. Sondern sehe die Aktionen von Tierschützern und Tierrechtlern und evtl. danach angestrengte Gerichtsprozesse als Aufhänger für genau diese Diskussion, die Du hier führst, weil ich der Meinung bin bin, dass ohne sie eben nicht groß diskutiert würde.

Ich möchte hier noch mal auf den Unterschied zwischen Tierschützern und Tierrechtlern eingehen, der vielen vlt. nicht so geläufig ist.

Die Tierrechtsbewegung hat erst in den 90er Jahren Fahrt aufgenommen, sie entstand in Anlehnung an die Menschenrechtsbewegung. Nach ihr hat jedes Lebewesen fundamentale eigene Rechte, zuvorderst das Recht auf Leben. Von daher wendet sie sich gegen die Tötung von Tieren durch Menschen zu Nahrungszwecken und darüber hinaus gegen jede Art von Tiernutzung, bis hin zur Heimtierhaltung.

Tierschutzbestrebungen gibt es schon seit Mitte des 19. Jh., als menschenbezogene, paternalistisch-fürsorgliche Aktivität. Der Tierschutz stellt ganz selbstverständlich das Interesse des Menschen (am Verzehr von Fleisch) über das eigene „Interesse“ des Tieres. Er sagt: während der genehmigten Lebensspanne soll das Tier aber auf einer grünen Aue weiden dürfen.

Vgl. die von CairnLover eingestellte Videos zum Leben und Sterben von Miss Ellie
https://www.youtube.com/watch?v=n6coRmwrxw4

Das, was der Staat unter „Tierschutz“ praktiziert, bedeutet: Grüne Wiese oder Betonknast, egal. Die Tiere sollen aber nicht „unnötig“ leiden oder drangsaliert werden. D.h. z. B., vor der Tötung betäubt werden. Auch ist es wünschenswert, dass sich das Tier in seiner Wartebox um seine eigene Achse drehen kann und nicht im eigenen Kot versinkt. (nur zur Illustration, habe keine detaillierten Kenntnisse von Verordnungen)

Wir sind uns doch einig darin, dass die industrialisierte Tiermästung, -tötung und -verarbeitung nicht mit dem Tierschutzgedanken zu vereinbaren ist, dass sie zynisch ist. Das ist eh klar, da musst Du nicht Eulen nach Athen tragen.

Ich esse übrigens kein Schweinefleisch mehr – ich brauche also weder CairnLovers Empfehlung von Demeterhöfen noch Deine Hinweise auf Berliner Supermärkte .

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Shibaherz
Beiträge: 20684
Ich bitte Euch herzlich, Euch wenigstens heute an meinem Geburtstag Eure Beißattacken zu verkneifen
Morgen könnt Ihr ja wieder damit weitermachen

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weckener
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Beiträge: 379
+ 1
Was mich immer wieder erstaunt, ist, in Österreich wird Bio groß geschrieben, selbst ALDI (dort Hofer) hat in seinem Sortiment mindestens 50 % der Lebensmittel aus dem Biobereich. Wenn es nicht noch mehr ist, in den Supermärkten sind die Bioprodukte in der Überzahl. Kein Vergleich zu unseren deutschen Läden. Auf den Märkten bekommt man ganz selbstverständlich alte Schweinerassen, die im Freien gelebt haben (Wollschwein), diese Massentierhaltung, die hier betrieben wird, habe ich noch nicht in dem Ausmaß gesehen.
Mein Sohn und seine Familie leben in Österreich, deshalb habe ich da einen besseren Überblick, sie meinen spezielle Bioläden brauchen wir nicht, wird in allen Läden verkauft. Gut so billig wie bei uns ist das nicht, finde ich vollkommen in Ordnung... Aber die Ernährung auf Bioprodukte auszurichten, ist den Österreichern eine Herzenssache.
Warum sollte so etwas nicht bei uns gehen?
Da werden die Wünsche von der Bevölkerung ernster genommen, siehe AKW, das nicht betrieben werden durfte, weil die Abstimmung dagegen war, bei uns hätten die Betreiber bestimmt einen dringenden Grund gefunden, es doch hochzufahren, schließlich ist es ja fertig gebaut....
Shibaherz
Beiträge: 20684
@Christiane: Es tut mir leid. War zu frustriert. Ich sehe mich selbst zwischen Tierschützern und Tierrechtlern, während Du mir unterstellt hast, auf die Täuschungsmanöver der Politik als Interessenvertreterin der Tierverwertungsindustrie hereinzufallen.

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Zuletzt geändert am 30.10.2017 19:05 Uhr
CairnLover
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Hallo Shibaherz, erstmal alles Gute zum Geburtstag.

Original von Shibaherz:

Ich möchte hier noch mal auf den Unterschied zwischen Tierschützern und Tierrechtlern eingehen, der vielen vlt. nicht so geläufig ist.

Die Tierrechtsbewegung hat erst in den 90er Jahren Fahrt aufgenommen, sie entstand in Anlehnung an die Menschenrechtsbewegung. Nach ihr hat jedes Lebewesen fundamentale eigene Rechte, zuvorderst das Recht auf Leben. Von daher wendet sie sich gegen die Tötung von Tieren durch Menschen zu Nahrungszwecken und darüber hinaus gegen jede Art von Tiernutzung, bis hin zur Heimtierhaltung.

Deshalb hatte ich ja bereits geschrieben, dass es bei den Einbrechern in Stall- und Mastanlagen im Kern meist nicht um eine artgerechte Haltung der Tiere, sondern grundsätzlich um ein Ende der Ausbeutung von Tieren und damit generell um ein Ende der Nutztierhaltung geht.
Und das scheint mir in Sachen Tierschutz von Nutztieren jetzt nicht wirklich zielführend für das Thema zu sein. Denn denen kann man prinzipiell nichts recht machen. Und die unterscheiden auch nicht wirklich, ob in einem Betrieb katastrophale Zustände herrschen oder ob der eigentlich in Ordnung ist. Da die Tierhaltung selbst für sie nicht in Ordnung ist.

Tatsächlich habe ich mich noch nie so ausgiebig mit Schweinen befasst, wie zur Zeit.
Ich weiß jetzt, dass die EU gegen Deutschland wegen der schleppenden Umstellung der schärferen Tierschutzbestimmungen schon 2013 ein Vertragsverletzungverfahren eingeleitet hatte.
www.topagrar.com/news/Schwein-News-Schwein-Gruppenhaltung-Vertragsverletzungsverfahren-gegen-Deutschland-eingeleitet-1066268.html
Ich habe keine Ahnung, was unsere Politiker der EU erzählt haben, dass sie bis heute und mit den Übergangsfristen noch weit länger nichts zu machen brauchen, ohne Ärger zu bekommen.

Tatsächlich geht es bei der ganzen Geschichte wohl hauptsächlich um die Großbetriebe, Schweinebarone wie eben van Gennip. Straathof, die Dänen Per und Aksel Kirketerp. Braucht die jemand in D? Ich nicht. Von mir aus könnten die Behörden denen den Laden dicht machen und die könnten grad dahin gehen, wo sie hergekommen sind. Schon verdächtig, dass die sich hier angesiedelt haben. Das zeigt wahrscheinlich am Besten, dass hier einiges mehr als nur die Gülle zum Himmel stinkt. Aus der kleinen Anfrage der Grünen weiß ich z.B., dass van Gennip 50 sozialversicherungspflichtige Jobs, wahrscheinlich Billigjobs, anbietet. Auch nicht schade drum.

Kurioserweise habe ich gestern abend aber etwas ganz anderes entdeckt.
Dazu erstmal das Video einer Schweinezüchterin, die das alles gut erklärt und ihre Schweinezucht zeigt (die Schweine haben natürlich kein Miss Ellie Leben, aber sicher ein besseres als das Leben der Schweine bei den Baronen, wenn ich an die Fotos der von Gennip Anlage denke. Zudem wäre ein Miss Ellie Leben einfach nicht für alle Schweine zu realisieren.):
https://www.youtube.com/watch?v=FTIXFRGD-8w
www.topagrar.com/themen/Initiative-Tierwohl-1775745.html

Mit anderen Worten, der Handel ist gemeinsam mit dem Fleischhandel und den Bauern eine Kooperation für tierschutzgerechte Tiermast eingegangen.
Wer seine Schweine entsprechend der https://initiative-tierwohl.de/ aufzieht, wobei es meiner Ansicht nach um die Einhaltung der EU- Forderungen und etwas mehr geht, wird nach bestandener Prüfung aufgenommen.
Eine Prüfung erfolgt 2xjährlich unangekündigt und wer bei der Prüfung auffliegt, weil er sich nicht an die vereinbarten Halterichtlinien hält, fliegt sofort raus und muss alle Gelder zurückzahlen.
Das ganze Projekt läuft jetzt ab 2018 in der 2.Phase. Anfangs waren nicht genug Gelder da, um alle Schweinezüchter aufzunehmen, die die Bedingungen bereits erfüllt hatten.
Ab 2018 werden alle dabeisein, die das Audit bestanden haben. Und wer will, findet viele Berichte über diese Bauern, die es anders machen.
Natürlich haben die Tierschützer und Tierrechtler wieder jede Menge Kritik. www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/tierwohl-tierschutzbund-steigt-aus-initiative-aus/14558626.html
Die Gelder für die Bauern sind auch nicht gerade üppig. Ich finde aber, dass es eine klare Verbesserung ist und dass die Bauern damit klar Eigeninitiave zeigen
www.agrarheute.com/dlz/tiere/schwein/neue-kriterien-fuer-tierwohl-stehen-536727

Ab 2018 sollen immerhin bereits ca. 25% der deutschen Schweinezüchter in der Initiative sein.

Problem ist aber z.B., dass der Kunde meist gar nicht weiß, welches Fleisch aus einem solchen Betrieb ist und das damit natürlich auch Raubbau getrieben wird, wenn z.B. vor allem die Billigmärkte einen kleinen Teil Fleisch aus der Initiative Tierwohl anbieten, aber werben, als wäre all ihr Fleisch aus dieser Initiative. Was nämlich nicht der Fall ist.
So hat Greenpeace jetzt bei einem Lidl gelbe Warnschilder auf dem Fleisch angebracht, dass nicht aus der Initiative Tierwohl stammt, um darauf aufmerksam zu machen, wie die Kunden mal wieder verarscht werden. Recht so.
https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Greenpeace-beklebt-bei-Lidl-Fleisch-der-Initiative-Tierwohl-mit-Parolen-8795630.html
Hier ist das Bundekartellamt derzeit mit einer zukünftigen Kennzeichnungspflicht befasst.

Die Intiative scheint auch noch nicht wirklich bei uns angekommen zu sein. Ich hatte davon bisher nichts gehört.

Dass der Bund jetzt seine Aktionen auch unter dem Begriff Tierwohl handelt, ist zudem wenig hilfreich.

Es ist sehr traurig zu sehen, dass es offensichtlich recht viele Schweinezüchter gibt, die wollen, dass es ihren Tieren besser geht und wir gleichzeitig eine Politik haben, die anscheinend Jahre nichts auf die Reihe bekommen hat.
Da könnte man meinen, wir wären ein Entwicklungsland.
Und das alles vor allem für die Schweinebarone oder wie? Die dann noch fette Subventionen kassieren.
Da läuft echt was falsch. Denn es scheint ja nicht so schwierig zu sein, es den Schweinchen mit recht einfachen Mitteln angenehmer zu machen.

Ein Hoffnungsschimmer ist für mich diesbezüglich die Jamaika-Koalition, wenn sie denn zustande kommt. Auch wenn Frau Künast verständlicherweise die Schnauze gestrichen voll von der Agrarpolitik hat, würden die Grünen wohl den Bereich Landwirtschaft übernehmen.
Und dann gehe ich eindeutig von mehr Dynamik in der Sache aus, als das bisher der Fall war. Schließlich gibt es EU-Länder, die die Richtlinien zur tierschutzgerechten Haltung schon längstens umgesetzt haben.

Hallo weckener, wer weiß, ob die Deutschen bei einer Volksabstimmung das AKW abgewählt hätten. Ich für meinen Teil bin mir da wirklich nicht sicher. Der eindeutige Nachteil von Volksabstimmungen ist der, dass diese Abstimmungen nicht so ausfallen müssen, wie man das gerne hätte.
Zuletzt geändert am 30.10.2017 19:46 Uhr
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 571
Original von Shibaherz:

Das, was der Staat unter „Tierschutz“ praktiziert, bedeutet: Grüne Wiese oder Betonknast, egal.

Äh. Abgesehen davon, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, liegen dazwischen ja wohl Welten. Was heißt da egal?


Wir sind uns doch einig darin, dass die industrialisierte Tiermästung, -tötung und -verarbeitung nicht mit dem Tierschutzgedanken zu vereinbaren ist, dass sie zynisch ist. Das ist eh klar, da musst Du nicht Eulen nach Athen tragen.

Da frage ich mich gerade, ob Du nicht die ganze bäuerliche Nutztierhaltung letztlich genau so ablehnst, wie die Tierrechtler.
Denn falls dem so ist, und ich verstehe das so, dann gibt es doch eigentlich gar keine Diskussionsgrundlage mit dir in Sachen Nutztierhaltung.
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20212
+ 1
Original von CairnLover:


Original von Shibaherz:

Ich möchte hier noch mal auf den Unterschied zwischen Tierschützern und Tierrechtlern eingehen, der vielen vlt. nicht so geläufig ist.

Die Tierrechtsbewegung hat erst in den 90er Jahren Fahrt aufgenommen, sie entstand in Anlehnung an die Menschenrechtsbewegung. Nach ihr hat jedes Lebewesen fundamentale eigene Rechte, zuvorderst das Recht auf Leben. Von daher wendet sie sich gegen die Tötung von Tieren durch Menschen zu Nahrungszwecken und darüber hinaus gegen jede Art von Tiernutzung, bis hin zur Heimtierhaltung.

Deshalb hatte ich ja bereits geschrieben, dass es bei den Einbrechern in Stall- und Mastanlagen im Kern meist nicht um eine artgerechte Haltung der Tiere, sondern grundsätzlich um ein Ende der Ausbeutung von Tieren und damit generell um ein Ende der Nutztierhaltung geht.


Deine Kritik an Shibaherz ist für mich genauso unlogisch wie die Philosophie der extremen Tierrechtler. Industrielle Tierverwertung hat mit traditioneller Nutztierhaltung nichts zu tun. Der Mensch kam zu seinen Tieren, ob nun Hund und Katze oder Kuh und Schwein, weil das Zusammenleben beiden Vorteile brachte. Der Hund half bei der Jagd und beschützte den Menschen und seinen Besitz und bekam dafür Futter, einen Schlafplatz und medizinische Versorgung. Die Kuh gab ihre Milch und wurde dafür auf gute Weiden geführt und vor Raubtieren geschützt. Zu besonderen Anlässen wurden Nutztiere geschlachtet.
Es ist auch nicht so, dass diese Art der Nutztierhaltung komplett von der Erde verschwunden wäre, aber sie wird von der industriellen Tierverwertung bedroht. Der deutsche Landwirt muss gegen die Dumoingpreise kämpfen, und was der Deutsche nicht frisst, kann man immer noch nach Afrika schicken und dort den Bauern mit dem billigen Müll (z. B. ausgediente Legehennen als Suppenhühner) die Preise kaputt machen. Hier geht es um einseitige Ausbeutung von Tieren, um übelste Tierquälerei, von der letztlich nur die Produzenten profitieren, denn der Verbraucher wird durch den Verzehr der tierischen Produkte nicht erst mit Dioxineiern bewusst krank gemacht.

Mit der Philosophie der extremen Tierrechtler konnte ich nie viel anfangen, weil mir noch keiner glaubhaft machen konnte, dass er konsequent jedes Tierleben achtet. Dann dürfte ich z. B, nicht Auto fahren, weil jedes Insekt auf der Windschutzscheibe nicht nur von mir getötet wurde, sondern damit auch als Nahrung für Vögel oder Fledermäuse entfällt. Mit jedem Ackerbau nimmt man Wildtieren Weideflächen. Ich sehe den Menschen als Allesfresser am oberen Ende der Nahrungskette und habe beim Verzehr meiner Milch oder auch mal eines Stücks Fleisch aus einer tiergerechten Weidehaltung genauso wenig ein schlechtes Gewissen wie meine Katzen nach einer erfolgreichen Mäusejagd.
Trotzdem spreche auch ich von Tierrechten, denn wir haben Gesetze, die sie, zumindest theoretisch, schützen sollten. Das Staatsziel Tierschutz geht über wohltätigen Schutz auf der Basis von gutem Willen hinaus und verleiht den Tieren Rechte. Die Gesetze sind zwar noch nicht perfekt, aber selbst die werden durch politische Fehlentscheidungen und Gerichtsurteile permanent ad absurdum geführt. Wenn Gerichte es tierschutzkonform finden, dass jedes Jahr fünfzig Millionen Eintagsküken getötet werden oder dass zwölf Prozent Ferkel bei der Aufzucht und noch einmal zehn Prozent Schweine während der Mast durch schlechte Haltung sterben oder das Totprügeln eines Hundes 300 Euro Strafe kostet,..... ohne Worte! Dass der Deutsche Tierschutzbund aus der Initiative Tierwohl ausgestiegen ist, empfinde ich in diesem Rahmen endlich mal wieder als begrüssenswertes Signal. Das Erfüllen von schlappen EU- gesetzlichen Mindestanforderungen zu feiern und zu belohnen, ist auch für mich nicht nachvollziehbar. Ich möchte die Landwirte unterstützen, die ihre Tiere nicht quälen.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
CairnLover
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Beiträge: 571
Original von christianeadler:

Original von CairnLover:


Original von Shibaherz:

Ich möchte hier noch mal auf den Unterschied zwischen Tierschützern und Tierrechtlern eingehen, der vielen vlt. nicht so geläufig ist.

Die Tierrechtsbewegung hat erst in den 90er Jahren Fahrt aufgenommen, sie entstand in Anlehnung an die Menschenrechtsbewegung. Nach ihr hat jedes Lebewesen fundamentale eigene Rechte, zuvorderst das Recht auf Leben. Von daher wendet sie sich gegen die Tötung von Tieren durch Menschen zu Nahrungszwecken und darüber hinaus gegen jede Art von Tiernutzung, bis hin zur Heimtierhaltung.

Deshalb hatte ich ja bereits geschrieben, dass es bei den Einbrechern in Stall- und Mastanlagen im Kern meist nicht um eine artgerechte Haltung der Tiere, sondern grundsätzlich um ein Ende der Ausbeutung von Tieren und damit generell um ein Ende der Nutztierhaltung geht.


Deine Kritik an Shibaherz ist für mich genauso unlogisch wie die Philosophie der extremen Tierrechtler. Industrielle Tierverwertung hat mit traditioneller Nutztierhaltung nichts zu tun.

Erstmal kann ich nicht nachvollziehen, wo das eine Kritik an Shibaherz gewesen sein soll.
Allerdings ist es Fakt, dass diese Tierrechtler keinen Unterschied ziwschen Bauernhof und industrieller Mastanlage machen und durchaus auch Kritiken anbringen, die bei genauer Betrachtung nicht berechtigt sind.
Dann sehe ich ehrlich gesagt zwischen der bäuerlichen und der industriellem Tierhaltung nicht den großen Unterschied, den Du zu sehen scheinst. Auch beim Bauern kann das Schwein sein Leben im dunklen Stall in der eigenen Scheiße verbringen.
Man könnte Tiere in beiden System gut halten.

Original von christianeadler:

Der Mensch kam zu seinen Tieren, ob nun Hund und Katze oder Kuh und Schwein, weil das Zusammenleben beiden Vorteile brachte. Der Hund half bei der Jagd und beschützte den Menschen und seinen Besitz und bekam dafür Futter, einen Schlafplatz und medizinische Versorgung. Die Kuh gab ihre Milch und wurde dafür auf gute Weiden geführt und vor Raubtieren geschützt. Zu besonderen Anlässen wurden Nutztiere geschlachtet.


Du wolltest wohl schreiben, der Mensch hat sich die Tiere getreu der Bibel untertan gemacht, weil er daraus für sich Vorteile gezogen hat. Er hat sie sich zunutze gemacht und natürlich in seinem Sinne ausgebeutet. Schließlich gab die Kuh noch nie Milch, wenn man nicht dafür gesorgt hat, dass sie von Zeit zu Zeit kalbt.
Wir leben jedoch nicht mehr irgendwann in grauen Vorzeiten, wo fast jeder seine eigenen Tiere hatte. Und da sieht das Untertan machen und Ausbeuten schon lange anders aus als früher.
Damals gab es auch noch keine Tierschutzgesetze und manches wäre sicher auch damals nach diesen Gesetzen nicht in Ordnung gewesen.

Trotzdem spreche auch ich von Tierrechten, denn wir haben Gesetze, die sie, zumindest theoretisch, schützen sollten. Das Staatsziel Tierschutz geht über wohltätigen Schutz auf der Basis von gutem Willen hinaus und verleiht den Tieren Rechte. Die Gesetze sind zwar noch nicht perfekt, aber selbst die werden durch politische Fehlentscheidungen und Gerichtsurteile permanent ad absurdum geführt. Wenn Gerichte es tierschutzkonform finden, dass jedes Jahr fünfzig Millionen Eintagsküken getötet werden oder dass zwölf Prozent Ferkel bei der Aufzucht und noch einmal zehn Prozent Schweine während der Mast durch schlechte Haltung sterben oder das Totprügeln eines Hundes 300 Euro Strafe kostet,..... ohne Worte! Dass der Deutsche Tierschutzbund aus der Initiative Tierwohl ausgestiegen ist, empfinde ich in diesem Rahmen endlich mal wieder als begrüssenswertes Signal. Das Erfüllen von schlappen EU- gesetzlichen Mindestanforderungen zu feiern und zu belohnen, ist auch für mich nicht nachvollziehbar. Ich möchte die Landwirte unterstützen, die ihre Tiere nicht quälen.

Immerhin wird in der Initiative Tierwohl bereits jetzt kein Ferkel mehr betäubungslos kastriert oder entschwänzt. Behalten ihre Schwänze sogar, wie man in dem geposteten Video sehen kann.
Die Schweine werden in Gruppenhaltung gehalten, können frei laufen und haben 10% mehr Platz als die EU-Norm vorschreibt. Was bedeutet, dass ein an der Initiative teilnehmender Bauer auf 10% verzichten muss.
Es gibt Spielmöglichkeiten und diverse Wellnessbereiche für die Schweine. Teils auch Aussenanlagen.
Auch werden Strohbereiche und Rauhfutter angeboten und für ausreichendes Tageslicht gesorgt. Es wird zudem darauf geachtet den Antibiotikaverbrauch soweit wie möglich einzuschränken und für Wasser muss ständig gesorgt sein.
Ich finde, dass ist ein Anfang und schon ein sehr großer Unterschied zu den großen Mastanlagen.

Langfristig ist ein Ziel uns Eberfleisch schmackhaft zu machen, damit auf die Kastration der Ferkel ganz verzichtet werden kann.

Im Hühnerbereich der Initiative habe ich mich nicht weiters schlau gemacht, aber dort werden z.B. die männlichen Kücken nicht getötet.

In Holland wurde 2010 ähnlich der Tierwohl-Initiative durch eine Tierschutzorganisation in Kooperation mit Fleischproduzenten Fleisch eingeführt, bei der man an der Verpackung mit 1-3 Sternen erkennen kann, wieviel besser die Tiere gehalten werden. Mittlerweile hat dieses Fleisch einen Marktanteil von 15% . Dies zeigt, dass eine gewisse Anzahl an Menschen bereit sind, mehr für ihr Fleisch auszugeben, wenn sie wissen, dass es den Tieren gut ging. Aber es zeigt auch, dass diese Anzahl beschränkt ist.
Eine solche Initiative von einem Tierschutzverein gibt es hier in D übrigens auch. Der haben sich bisher aber nur 49 Bauern angeschlossen und die ist klein und unbekannt.

Letztlich ist es aber der falsche Weg, wenn private Initiativen für das sorgen, für das der Gesetzgeber anscheinend nicht in der Lage ist zu sorgen. Denn der müsste darauf dringen, dass die Gesetze umgesetzt werden. Auch weil es nicht nur ein Schutz der Tiere, sondern genauso ein Schutz der Menschen ist. Z.B. durch den dann geringeren Verbrauch an Antibiotika.
Der Gesetzgeber müsste auch regulierend auf die Preise einwirken, die nach meinen Infos besonders bei uns in D so niedrig sind.

Nur sollte auch klar sein, dass der Tierschutz, den Tierrechtler für Nutztiere einfordern, letztlich nur ein Ende der Nutztierhaltung bedeuten kann. Denn auch Nutztiere haben rein theoretisch ein Recht auf Leben, wie jedes Lebewesen dieser Erde. Und daher geht es denen hauptsächlich darum, dass wir uns fleischlos ernähren sollen.
Die logische Konsequenz daraus- Für was bitte Schweine, Hühner, Kühe etc. halten, um ihnen ein tierschutzgerechtes Leben zu bieten, wenn man sie nicht ausbeuten darf, was das Schlachten oder das Halten von Kühen zur Milchgewinnung in meinen Augen eigentlich komplett verbietet.

Dazu passend ganz aktuell: http://www.epochtimes.de/politik/welt/metzger-in-kalifornien-erinnert-kunden-tiere-haben-ein-recht-auf-leben-sie-zu-toeten-ist-brutal-und-ungerecht-a2186718.html

Dabei muss ich auch an die Rinder denken, die ich bei einem Besuch in England gesehen hatte. Die haben geröhrt wie Hirsche und nicht etwa gemuht. So wie die Schweine sich eigentlich lieber im Wald mit den Wildschweinen tummeln würden, anstatt in irgendeinem Stall.

Die Frage ist doch, wieviel Tierschutz soll und kann es sein, wenn wir weiterhin Tiere für unsere Zwecke ausbeuten wollen? Und ich gehe bei allen Mühen der Tierrechtler nicht davon aus, dass die Menschen sich in absehbarer Zeit zu Vegetariern entwickeln.
Nachher fängt ihr Hirn wieder an zu schrumpfen und das wäre bei dem wenigen Hirn, das manche haben, eine ganz fatale Entwicklung.
Zuletzt geändert am 02.11.2017 21:02 Uhr
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