Schweinehaltung und Tierschutzgesetz

weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 379
Ein Bericht über Schlachthöfe hat aufgezeigt, nicht nur die Massentierhaltung macht den Preis kaputt, auch die Schlachthöfe.

Deren Politik ist auf große Mengen und Superschlachthöfen ausgerichtet, die kleinen Ortsnahen werden kaputt gemacht, die Tiere quer durch Deutschland unter großem Stress gekarrt und dann von Schlachtern, die von Subunternehmen zum Dumpingpreis arbeiten, geschlachtet. Da braucht kein Mindestlohn eingehalten zu werden, sie arbeiten zu Löhnen in ihrem Heimatland, Deutsche sind nicht mehr dabei... Aus dem Grund sind die Preise so niedrig, es wurde in dem Bericht gesagt, wenn nur der Mindestlohn bezahlt würde, wäre das Fleisch wesentlich teurer...
Gerade bei der Schweinezucht wird den armen Tieren nicht die Möglichkeit gegeben, im Freien zu leben. Wegen der Schweinepest, die die Wildschweine unsere Hausschweine anstecken könnten. In einem Nachbarort lebt eine TÄ, deren Mann Schweinezüchter ist, ich habe sie gefragt, ob ihre Tiere besser gehalten werden, sie ist doch TÄ...! Ihre Antwort, warum??? Das Gesetz gibt vor, was erlaubt ist und wenn sie da mehr tut, kostet das sie Geld und der Gewinn ist geschmälert....

Ich habe gestern ein Schweinekotelett von einem spezielle Schwein (alte Rasse mit Freilauf) für einen Kilopreis von 28 € gekauft. Das Schwein war wirklich sein Leben auf der Weide, schmeckt daher wesentlich besser, wurde auch vom Metzger des Ortes geschlachtet, keinen langen Weg... Gut bei den Preis ist das auch nur ein seltenes Stück Fleisch auf dem Teller....
Shibaherz
Beiträge: 20685
Ich finde, die vielen Leute, die sich hier in den Einkaufsgegenden an den Buden nach Currywürsten anstellen (es sind nach meiner Beobachtung v. a. Männer mit einem Flaschenbier in der Hand), die sollten mal den Zuständen in den Mastanlagen und in den Schlachthöfen konfrontiert werden, da würde ihnen vlt. der Appetit vergehn.
Kann mir nicht helfen, mich plagt da immer die gedankliche Assoziation mit den Zwangsmaßnahmen der US-Amerikaner (die uns in Bezug auf Fleischkonsum kein Vorbild sind): was die nach der Kapitulation der Nazis 1945 mit der Bevölkerung von Dachau machten.
Klar, Kannibalismus hat man den Nazis nicht vorgeworfen, insofern hinkt der Vergleich. Es war aber industrielle Tötung, und bei den Tieren ist es das auch.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 26.10.2017 18:14 Uhr
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 572
+ 1
Original von christianeadler:

Ein Farmer in Neuseeland kann durchaus fünfzigtausend Schafe oder einer in Argentinien fünfzigtausend Rinder halten, aber der packt sie nicht in Ställe auf Beton und unter Kunstlicht.


Vor allen Dingen sind das keine Turbozuchten, wie sie in Mastbetrieben eingesetzt werden.
Das heißt, dass diese Tiere so gezüchtet werden, dass sie praktisch in viel kürzerer Zeit das volle Gewicht und mehr eines normalen Tieres bringen.
Ich weiß nicht, wer sich das 2-teilige Projekt Hühnerhof von Dirk Steffens seinerzeit angeschaut hat.
Auf youtube kann man das noch. Und ich finde, das sollte man auch.
https://www.youtube.com/watch?v=7qWvGKgk1uA

Denn dann realisiert man, dass hier Tiere gezüchtet wurden, die, wie am Beispiel Huhn zu sehen, Probleme aufweisen, die normale Tier gar nicht haben.
Kein normales Huhn muss aussortiert und getötet werden, weil es aufgrund des Eigengewichts und der angezüchteten starken Brust ständig vornüber fällt und nicht in der Lage ist, sich aufrecht zu halten. Kein normales Tier stirbt, weil die lebenswichtigen Organe des jungen Tiers die Belastungen des schon viel zu schweren Körpergewichts nicht verkraften. Und so sterben viele der Turbotiere bereits in der Aufzuchtphase, ohne dass man was dagegen tun könnte. Ausser auf solche Zuchten zu verzichen. Aber dann eben kein Billigfleisch.

Denn der eigentliche Preis des Billigfleisch ist das genetisch veränderte Tier, dass eben sehr viel krankheitsanfälliger ist und bei der Massenhaltung auch sehr viel mehr Medikamente braucht, wenn es überhaupt überleben soll. Aus diesen Tieren, die in keinster Weise mit den normalen robusten Nutztieren der Freilandhaltung vergleichbar sind, kann mit den besten Haltungsbedingungen kein hochwertiges Fleisch entstehen und das soll es auch nicht und ist auch nicht das Ziel. Deshalb ist die Rolle des Tierschutzes in dieser Sache für mich leicht zwiespältig. Denn er deckt zwar etwas auf, aber benennt nicht die eigentlichen Probleme, die bei Turbotieren zu einer erhöhten Todesrate führen. Für mich ist das sehr nahe am Verdecken des eigentlichen Problems und führt in gewisser Weise sogar dazu, dass der Verbraucher nicht mehr zwischen der Qualität robuster Nutztiere und der minderwertigen Qualität der Turbozuchttiere unterscheiden kann.

Es ist eigentlich, wie mit allem anderen auch, was sich so schädlich auf die Umwelt und die Menschen auswirkt.
Die Macht des Verbrauchers ist die größe Macht, die wir überhaupt besitzen.
Doch Verbraucher kaufen und schaffen damit die Nachfrage, die befriedigt werden will.
Letztlich sind wir Verbraucher Schuld, dass es Turbozuchten gibt oder Getränke in zweifelhaften PET-Flaschen oder Pflegeprodukte mit Chemikalien, die nicht nur auf uns, sondern auch die Umwelt eine katastophale Wirkung haben, und vieles andere mehr. Das ist die ganz einfache Wahrheit.

Eigentlich müsste das Ziel des Tierschutzes in meinen Augen vor allen Dingen darin bestehen, den Menschen die Bedeutung und Perversität der Turbozuchten, von mir aus täglich, vor Augen zu führen und dagegen anzugehen. Damit sie vielleicht irgendwann kapieren, was für Qualzuchten sie essen. Denn so, wie das jetzt läuft, geht es doch höchstens um die halbe Wahrheit in Sachen Nutztier und Mastbetrieb.
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20213
Original von Shibaherz:

@Christiane: Auf dieses Argument bist Du leider nicht eingegangen, dass eine sozusagen "systemimmanente" Klage, etwa auf mehr Bewegungsfreiheit, wenn sie erfolgreich ist, dazu führen kann, dass der Betrieb (die fabrikmäßige Massentierhaltung) ganz eingestellt wird, weil er nicht mehr rentabel ist.


Aus dem, was ich geschrieben hatte, müsste doch eigentlich klar sein, dass dieses Argument für mich nicht zählt. Tierwohl und Rentabilität sind Begriffe aus verschiedenen Welten. Industrielle Landwirtschaft und Tierschutz passen nicht unter einen Hut. Durch intensive Flächennutzung werden im Anbau die Wildtiere vom Regenwurm über Vögel bis zum Hasen ausgerottet und in den Hallen die sogenannten Nutztiere gequält. Deutschland gehört weltweit zu den Ländern, in denen die Menschen den geringsten Prozentsatz ihres Einkommens für ihre Ernährung ausgeben. Es wird Zeit, die Einstellung zu ändern, weil Qualität, auch die Lebensqualität der Nutztiere, ihren Preis hat.
Bei der Massentierhaltung sind die sogenannten Fortschritte im Tierschutz ein schlechter Witz von Schreibtischtätern. Einem 100 Kilo Schwein steht ein Quadratmeter zu. Nun wechseln wir von Einzel- auf Gruppenhaltung. Man stelle sich also sechs Bernhardiner in seinem Badezimmer vor, die dort fressen, schlafen und sich entleeren. Die Tiere werden sich gegenseitig verletzen und sogar töten, und die Produzenten werden den Tierschützern sagen, dass das keine gute Idee war, und sie haben sogar recht. Von mehr Platz hätten diese Tiere aber auch nicht viel, weil sie dank Qualzucht für mehr Schinken und weniger Vorderbeine kaum stehen können. Entweder verabschiedet man sich grundsätzlich von dieser Art der Tierhaltung, oder man ersetzt nur eine Tierquälerei durch eine andere.
Ich komme hier in den Genuss von Schweinen in Freilandhaltung, die ihren Tag abwechslungsreich mit wühlender Futtersuche, Faulenzen und Suhlen verbringen. Ihre Kloecken liegen weitab, denn Schweine sind von Natur aus saubere Tiere. Sogar einen recht grossen Züchter gibt es ein paar Dörfer weiter. wo man den Ferkeln mit ihren Müttern im Sommer und Winter beim Spielen zusehen kann.


@ Weckener

Das Argument mit der Schweinepest gegen Freilandhaltung ist auch so eine Erfindung der Profitgeier. Dagegen können die Tiere geimpft werden, bei Wildschweinen wird das viel gemacht, und für Hobbyschweinebesitzer ist es selbstverständlich. Nur muss dann sechs Monate länger gewartet werden, bis das Fleisch in den Handel kommen darf, und das ist wieder unrentabel. Da keult ein Maststallbesitzer lieber zwanzigtausend Schweine und lässt sich für seinen "Schicksalsschlag" entschädigen.


@ Cairnlover

Die Sache mit der Qualzucht hat noch einen schlimmen Haken, den du nicht erwähnt hast. Die etwa zwölf Millionen kranken Industrieschweine in Deutschland gehen auf ganze drei Zuchtlinien zurück. Wenn der Verbraucher nicht zügig umdenkt, steht bald kein Genpool an gesunden Schweinen, die noch robust im Freiland leben können, mehr zur Verfügung. Die meisten alten Hausschweinerassen sind akut vom Aussterben bedroht.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Zuletzt geändert am 28.10.2017 08:05 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20685
OMG Christiane, da hast Du mich aber völlig falsch verstanden. Ich sehe das doch genauso wie Du. Ich meinte, dass das dann ein Erfolg der Tierschützer wäre.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Shibaherz
Beiträge: 20685
@CairnLover: Wie kommst Du eigentlich darauf, dass nur Du die „ganze Wahrheit“ weißt und etwas gegen „faule Kompromisse“ (Christiane) hast? Meinst Du wirklich, das, was Du hier ausführst, ist den Tierschutz-Organisationen und beteiligten Stiftungen nicht klar? Aber sie haben nun mal nicht die Machtmittel, die fabrikmäßige Massentierhaltung und -tötung von einem Tag auf den anderen zu beenden.
Trotzdem sind sie gegen die tierfeindliche Entwicklung eingestellt, und manche der Tierschützer versuchen, die Aufmerksamkeit, die sie für Aktionen bekommen, für nicht oberflächliche Aufklärung zu nutzen. Sie hoffen darauf, so nicht nur kleine, unmaßgebliche Verbesserungen für die Tiere zu erreichen, sondern GLEICHZEITIG den Bevölkerungsanteil, die gesellschaftliche Minderheit, die heute schon in Opposition zu Qualzuchten und Mastanlagen steht, sich z. T. vegetarisch ernährt, zu vergrößern und den öffentlichen Diskurs in Richtung einer Kehrtwende voranzutreiben.
Im übrigen hat der Fleischverzehr in Deutschland im Vergleich zu den achtziger Jahren bereits abgenommen. Der deutsche Markt gilt als „gesättigt“. Die „Nutz“tierknaste produzieren zu einem erheblichen Teil für den Export.

Mehr als die Aufforderung zu einer Aufklärung, die nichts beschönigt, ist in Deinem Beitrag an praxisrelevanten Vorschlägen ja auch nicht enthalten. Aber Deine Videoaufnahmen können noch so grausam sein, bei vielen landen sie in „Spontanverdrängung“ (Christiane), bewirken Abstumpfung und Verweigerungshaltung, sich damit zu befassen. Die aufgrund der zögerlichen Haltung der Behörden (vgl. meinen Beitrag vom 25.10.) leider notwendig gewordene „Bespitzelung der Täter“ (Christiane) lehnst Du aber ab, wenn ich Dich richtig verstanden habe.

Ich esse auch kein Schweinefleisch aus dem Supermarkt mehr, genauer gesagt: ich habe meinen Fleischkonsum überhaupt sehr eingeschränkt, hauptsächlich allerdiings deswegen,weil ich hier nicht wie Christiane oder weckener auf Fleisch von Tieren aus Außenhaltung ausweichen kann bzw. dafür weite Wege in Kauf nehmen müsste. Aber dieses „gute Gewissen“ ist mir kein „sanftes Ruhekissen“. (Ich meine damit nicht, dass es das für Euch ist; aber ich kenne Leute, die sich für die Auseinandersetzungen nicht mehr interessieren, seit sie Vegetarier geworden sind.)

Einen Ansatzpunkt für das Streben nach einer Umkehr in der Nutztierhaltung sehe ich nicht bloß in moralischen Appellen an den Verbraucher – dem steht eben die in weiten Bevölkerungskreisen verbreitete Geringschätzung der Nutztiere als Lebewesen entgegen, wie sie auch weckener im Fall der Tierärztin geschildert hat – als bei den gesundheitlichen Folgen eines überhöhten Konsums von minderwertigen Fleischprodukten für den Menschen und den Kosten, die der Solidargemeinschaft (ja, die existiert noch, auch wenn sie an Stabilität eingebüßt hat) durch dadurch bedingte Krankheiten und gesundheitliche Einschränkungen entstehen. Wissenschaften, Tierschutzbewegung und Politik können hier zusammenwirken, um über Abgaben, die den Eignern der Mastanlagen auferlegt werden, durch deren Mehrkosten bedingte Preissteigerungen und zusätzliche Steuererhöhungen (Wegfall der reduzierten Mehrwertsteuer) einen Rückgang des Verzehrs von minderwertigen Fleischprodukten zu erreichen und mit Subventionen für andere Haltungspraktiken die Tierknaste nach und nach verschwinden zu lassen.

„Der stete Tropfen höhlt den Stein“. Mir ist auch klar, dass Tierwohl und kapitalistische Rentabilität verschiedene Welten sind. Aber nennt mir einen anderen Weg jenseits der Resignation. Es ist doch nicht damit getan, dass Einzelne von sich sagen können, sie essen nur das Fleisch von „glücklichen“ Schweinen, Rindern, Hühnern oder Puten.

@Christiane: Du begrüßt das Urteil, bezogen auf das menschliche Gemeinwohl und die Gewaltenteilung, und erklärst es, bezogen auf das Tierwohl (hier: der Nutztiere) für irrelevant? Die Richter haben die ILLEGALITÄT des Vorgehens der Tierschützer mit dessen LEGITIMEM Zweck in einen ausdrücklichen Zusammenhang gebracht, und sie von daher relativiert.
Ist der bestehende gesetzliche Tierschutz für Nutztiere für Dich nur eine Farce? Für die Tierschützer, die sich selbst gestellt haben, wie auch für die Richter war er das offenbar nicht, sondern ein Ansatzpunkt.

Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass in 50 Jahren, wenn 10-12 Milliarden Menschen den Planeten bis zur Unkenntlichkeit seiner natürlichen Ressourcen beraubt haben werden, diese Frage keine große Rolle mehr spielen wird, weil Fleischprodukte dann für die meisten zur unerschwinglichen Delikatesse geworden sind. Grundnahrungsmittel sind dann vielleicht Insektenlarven und Algen.

Die Ernährungsprobleme der Menschheit (und die mit diesen zusammenhängenden Migrationsprobleme) lassen sich in Zukunft nicht lösen, wenn weiterhin auf 70 % der weltweiten Anbauflächen Tierfutter wächst und dieser Anteil sogar noch zunimmt. Mehr als 1/3 aller weltweit produzierten pflanzlichen Kalorien dient als Futter für Rinder, Schweine und Hühner. Von 100 Kalorien aus Tierfutter kommen im Fall von Schweinefleisch nur 10 % beim Menschen an. Weniger Fleisch zu essen, setzt also große Mengen an Nahrung frei.
Von den durch die industrialisierte Fleischproduktion verursachten Treibhausgasen, Verunreinigung von Grundwasser und Oberflächengewässern usw. ist da noch gar nicht die Rede.

Einen interessanten Einblick in die deutschen Verhältnisse gibt der Fleischatlas:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/fleischatlas-2016-massentierhaltung-wird-zum-standard-a-1071716.html

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 572
+ 1
Original von Shibaherz:

Aber sie haben nun mal nicht die Machtmittel, die fabrikmäßige Massentierhaltung und -tötung von einem Tag auf den anderen zu beenden.


Die haben weder die Macht, sie von einem auf den anderen Tag, noch sonst irgendwann zu beenden. Eine Beendigung der fabrikmäßigen Massentierhaltung durch Tierschützer halte ich für vollkommen illusorisch.
Wenn die irgendwann kommen sollte, was wir wahrscheinlich nicht mehr erleben werden, dann muss es schon wesentlich wichtigere und global existentiellere Gründe als Tierschutz geben.

Trotzdem sind sie gegen die tierfeindliche Entwicklung eingestellt, und manche der Tierschützer versuchen, die Aufmerksamkeit, die sie für Aktionen bekommen, für nicht oberflächliche Aufklärung zu nutzen. Sie hoffen darauf, so nicht nur kleine, unmaßgebliche Verbesserungen für die Tiere zu erreichen, sondern GLEICHZEITIG den Bevölkerungsanteil, die gesellschaftliche Minderheit, die heute schon in Opposition zu Qualzuchten und Mastanlagen steht, sich z. T. vegetarisch ernährt, zu vergrößern und den öffentlichen Diskurs in Richtung einer Kehrtwende voranzutreiben.
Im übrigen hat der Fleischverzehr in Deutschland im Vergleich zu den achtziger Jahren bereits abgenommen. Der deutsche Markt gilt als „gesättigt“. Die „Nutz“tierknaste produzieren zu einem erheblichen Teil für den Export.

Abgesehen davon, dass sich, wie ich in vorhergehenden Beiträgen aufgezeigt habe, vor allem über das EU-Gesetz von 2009 doch schon einiges ganz wesentlich zum Positiven geändert hat, sonst wäre auch die 2003 noch für alle Mastschweine übliche Kastenstandshaltung nämlich heute noch für alle Schweine üblich. Ist sie aber tatsächlich derzeit nur noch auf 35 Tage begrenzt für Sauen. Und das ist für mich schon ein ziemlich großer Unterschied.

Wie ich auch schon geschrieben hatte, wächst das Exportgeschäft mit Fleisch immer weiter an. Dass hierzulande der Fleischverbrauch schon lange zurück geht, ist also nicht entscheidend für die Produktion von Mastschweinen. Es sind trotzdem schon weitere Schweinemastbetriebe in Planung.

Ganz abgesehen davon, dass sehr große Mengen an Fleisch und tierische Erzeugnisse in unzähligen Produkten des menschlichen Bedarfs verwendet werden.

Wie sich aktuell beim erwartungsgemäß hundsmiserabel ausfallenden Hühner-Nugget Test zeigt, müssen die aber nicht aus D kommen, weil es global billigere Anbieter als uns gibt.

Mehr als die Aufforderung zu einer Aufklärung, die nichts beschönigt, ist in Deinem Beitrag an praxisrelevanten Vorschlägen ja auch nicht enthalten. Aber Deine Videoaufnahmen können noch so grausam sein, bei vielen landen sie in „Spontanverdrängung“ (Christiane), bewirken Abstumpfung und Verweigerungshaltung, sich damit zu befassen.

Diese Aufnahmen zeigen nur den Status Quo der in der Hühnermast eingesetzten Hybriden. Den finde ich erschreckend und über die Zustände aufklärend. Grausam ist hier für mich nicht das passende Wort.

Und natürlich hat christiane vollkommen Recht, wenn sie schreibt, dass wir Verdrängen. Klar, Menschen sind die größten Verdrängungskünstler. Und wir verdrängen ständig und tagtäglich die schlimmsten Dinge, die auf der Welt geschehen, weil wir das müssen, wenn wir einfach so weiterleben wollen.
Wie sollten wir noch lebensfähig sein, wenn wir all die schlimmen Geschehnisse ständig an uns ran liesen? Wir müssten in tiefe Vezweiflung über diese Welt versinken. Wir könnten 10 Minuten auf die Uhr schauen und abzählen, wie viele Menschen wohl gerade verhungert sind, weil der Wohlstand sehr ungerecht verteilt ist, uns fragen wie viel unser Wohlstand mit deren Armut zu tun hat, wie viele Menschen wohl in dieser Zeit aufgrund von Kriegen gestorben sind, die die Industrienationen wegen der Wahrung ihrer Interessen an deren Bodenschätzen begonnen hatten, usw.
Das Leid der Tiere ist also nur ein Teil des Leids in der Welt.

Du bist mir auch diesbezüglich die Antwort auf meine Frage schuldig geblieben:
Du überlegst dir bei jedem Schluck Milchcafe, den Du irgendwo trinkst, und jedem Eis und jedem Stück Torte, dass du irgendwo isst, wie wohl die Kuh lebt, deren Milch/Sahne du gerade zu dir nimmst?
Oder wo die Eier herkamen und wie die Hühner dort leben? Oder ob die Sachen Gelatine enthalten, die aus Knochen hergestellt wird und wie die Tiere dafür gehalten wurden?
Und wenn Du Nahrungs- und Genussmittel kaufst, achtest Du strengstens darauf, dass keine tierischen Produkte aus Mastbetrieben enthalten sind?

Ich behaupte, dass es heutzutage kaum ein Mensch schaffen wird, sich so zu ernähren, dass er Produkte aus Mastbetrieben in seiner Ernährung komplett vermeiden kann.
Und ich behaupte, dass die allermeisten Menschen nicht in jeder Sekunde ihres Lebens darüber nachdenken, ob sie Produkte aus der Tiermast zu sich nehmen und diesbezüglich bei uns allen schon längstens ein Verdrängungsmechanismus aktiv ist.

Die aufgrund der zögerlichen Haltung der Behörden (vgl. meinen Beitrag vom 25.10.) leider notwendig gewordene „Bespitzelung der Täter“ (Christiane) lehnst Du aber ab, wenn ich Dich richtig verstanden habe.

Diese Bespitzelung wird unter Berücksichtigung des hier eingestellten Urteils meiner Meinung nach dazu führen, dass sich langfristig gesehen in Zukunft jeder Mastanlagenbetreiber mit einer umfassenden Sicherheitsanlage ausstatten wird und auch muss, um sich selbst zu schützen und Einbrüche sofort erfassen und melden zu können.

Etwas ganz anderes bei diesen Tierschutzaktionen ist für mich, dass es bereits mehrfach vorgekommen sein soll, das von den Tierschützern tote Schweine mitgebracht und für Filmaktionen gezielt plaziert wurden. Das konnte man bereits mehrfach im Nachhineinen zweifelsfrei aufklären.
Zudem scheint es in den Mastanlagen einen Bereich zu geben, in dem kranke Tiere separiert von den anderen Tieren untergebracht werden. Auch dieser Bereich scheint ein von vielen Tierschützern bevorzugter Ort für ihre Tierfilme zu sein.
Denn sind wir ehrlich- den meisten Tierrechtlern geht es im Kern nicht um eine artgerechte Haltung der Tiere, sondern grundsätzlich um ein Ende der Ausbeutung von Tieren und damit generell um ein Ende der Nutztierhaltung.

Dass es in der Schweinemast eine gewisse Verrohrung gibt, will ich aber nicht abstreiten. Dies zeigt für mich etwas ganz anderes überdeutlich.
Da das Fleisch von Ebern nicht schmeckt, werden die Eber in der Schweinemast kastriert.
Mit den EU-Vorschriften 2009 wurde es verboten den männlichen Ferkeln zur Kastration einfach mit der Hand und ohne Betäubung die Teile aus dem Körper zu reissen oder ohne Betäubung das Schwänzchen abzuschneiden.
Aber wer will wissen, wie viele Leute, die seit Jahrzehnten in der Schweinemast arbeiten, das auch weiterhin machen.

Ich esse auch kein Schweinefleisch aus dem Supermarkt mehr, genauer gesagt: ich habe meinen Fleischkonsum überhaupt sehr eingeschränkt, hauptsächlich allerdiings deswegen,weil ich hier nicht wie Christiane oder weckener auf Fleisch von Tieren aus Außenhaltung ausweichen kann bzw. dafür weite Wege in Kauf nehmen müsste. Aber dieses „gute Gewissen“ ist mir kein „sanftes Ruhekissen“. (Ich meine damit nicht, dass es das für Euch ist; aber ich kenne Leute, die sich für die Auseinandersetzungen nicht mehr interessieren, seit sie Vegetarier geworden sind.)

Es gibt auch viele Demeterhöfe rund um Berlin. Und Bio- und Ökowochenmärkte. Und Freilandschweine. http://www.backschwein-tenne.de/freilandschweine
http://oeko-co.de/oeko-co-naturfleischerei/weideschweine-freilandschweine/
Hersteller, bei denen man auch Freilandschweinefleisch- und produkte online bestellen kann sind über ganz Deutschland verteilt. Man kann sich sein Fleisch ja auch bestellen. Man kann sich sogar sein Freilandschwein leasen. Das Schwein schlachten und verarbeiten lassen und bei sich einfrieren. Ich finde aber nicht, das Schwein auf der Speisekarte sein muss, denn es ist dem Fleisch des Menschen sehr ähnlich.

Es ist richtig, dass sich die meisten Leute, die sich dafür entschieden haben kein Fleisch mehr zu essen, sagen, das ist nicht mehr mein Problem. Und genau betrachtet ist dem auch so. Letztlich hat doch das nicht mehr dafür verantwortlich fühlen wollen oft mit den Ausschlag für diese Entscheidung gegeben.

Einen Ansatzpunkt für das Streben nach einer Umkehr in der Nutztierhaltung sehe ich nicht bloß in moralischen Appellen an den Verbraucher – dem steht eben die in weiten Bevölkerungskreisen verbreitete Geringschätzung der Nutztiere als Lebewesen entgegen, wie sie auch weckener im Fall der Tierärztin geschildert hat – als bei den gesundheitlichen Folgen eines überhöhten Konsums von minderwertigen Fleischprodukten für den Menschen und den Kosten, die der Solidargemeinschaft (ja, die existiert noch, auch wenn sie an Stabilität eingebüßt hat) durch dadurch bedingte Krankheiten und gesundheitliche Einschränkungen entstehen. Wissenschaften, Tierschutzbewegung und Politik können hier zusammenwirken, um über Abgaben, die den Eignern der Mastanlagen auferlegt werden, durch deren Mehrkosten bedingte Preissteigerungen und zusätzliche Steuererhöhungen (Wegfall der reduzierten Mehrwertsteuer) einen Rückgang des Verzehrs von minderwertigen Fleischprodukten zu erreichen und mit Subventionen für andere Haltungspraktiken die Tierknaste nach und nach verschwinden zu lassen.

„Der stete Tropfen höhlt den Stein“. Mir ist auch klar, dass Tierwohl und kapitalistische Rentabilität verschiedene Welten sind. Aber nennt mir einen anderen Weg jenseits der Resignation.

Es tut mir leid. Aber realistisch betrachtet kann ich nur sagen, träum weiter davon, dass die Mastanlagen mit ihren Hochleistungszuchten wieder verschwinden werden. Ich sehe das nicht.
Ich sehe im Gegenteil, dass deutsches Billigfleisch auf dem weltweiten Markt jetzt schon nicht das billigste ist und würde mich nicht wundern, wenn die Tiere bald mit neuen Hybridzüchtungen noch schneller wachsen würden, damit sie anstatt mit aktuell 6 Monaten schon mit 5 Monaten schlachtreif sind und damit noch billiger in der Erzeugung werden.
Der Tierschutz kann letztlich immer nur so weit gehen, wie es die Bedingungen und die internationale Konkurrenzfähigkeit am Markt erlauben. Denn Geld regiert die Welt. Und aktuell ist es vor allem das Geld der Chinesen, die aufgrund eines gewissen Wohlstands in den letzten Jahren einen großen Bedarf an Schweinefleisch entwickelt haben.


Es ist doch nicht damit getan, dass Einzelne von sich sagen können, sie essen nur das Fleisch von „glücklichen“ Schweinen, Rindern, Hühnern oder Puten.


Aber es ist das Einzige, was man als Fleischesser tun kann, um die Produkte der Mastanlagen zu vermeiden und selbst ein gutes Gefühl zu haben. Und bekanntlich ist man sich selbst immer der Nächste.

Die Ernährungsprobleme der Menschheit (und die mit diesen zusammenhängenden Migrationsprobleme) lassen sich in Zukunft nicht lösen, wenn weiterhin auf 70 % der weltweiten Anbauflächen Tierfutter wächst und dieser Anteil sogar noch zunimmt. Mehr als 1/3 aller weltweit produzierten pflanzlichen Kalorien dient als Futter für Rinder, Schweine und Hühner. Von 100 Kalorien aus Tierfutter kommen im Fall von Schweinefleisch nur 10 % beim Menschen an. Weniger Fleisch zu essen, setzt also große Mengen an Nahrung frei.

In diesem Zusammenhang darf man allerdings auch nicht die großen Anbauflächen vergessen, die nur dem Biosprit dienen und an deren Existenz sich praktisch jeder schudig macht, der tanken muss. Auch so eine menschliche Fehlentscheidung.

Das mit denn Anbauflächen viel mehr Menschen zu ernähren wären, zeigt auch dieser Artikel: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/heutiges-ackerland-koennte-vier-milliarden-menschen-mehr-ernaehren-a-914457.html
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 379
+ 2
Ich lebe nun ja in einer Landschaft, die besonders gute Ackerböden aufweist. Die ehemaligen Flußablagerungen haben dafür gesorgt. Die Felder werden fast ununterbrochen bearbeitet, immer etwas angepflanzt, gesät, der Boden bekommt keine Ruhe, wie ich schon oft berichtet haben, das ganze Jahr wird gespritzt, gedüngt, gepflügt... Dabei gehen auch die Bodenorganismen kaputt, die Erde kann sich nicht erholen, die Blühstreifen, auf die die Landwirtschaft stolz verweist, damit Vögel, Insekten was zur Nahrung finden... werden abgemäht, bevor sie blühen, der Samen könnte auf den Acker kommen, also keine Lebensgrundlage für Tiere...
Da es sich herausgestellt hat, man kann viel Geld mit Rollrasen machen, werden viele der Flächen damit bearbeitet, was für Gift darauf kommt, weiß ich nicht, aber alle Insekten, Waldtiere meiden das Gras, da sieht man keinen Vogel darauf hüpfen, Würmer sind auch nicht da....
Außerdem die tolle Gelegenheit für Firmen große Lagerhallen zu bauen um laut Gemeindemitglieder so superviel Geld zu bekommen und Arbeitsplätze ..., die Innenstädte verweisen, es muss immer neues Bauland her... Seit ich hier wohne sind bestimmt ein drittel der Böden verschwunden, die anderen so intensiv genutzt, das die Böden kaputt sind... Viehfutter ist nur ein kleine Menge der Böden angelegt, die Tiere bekommen ja Futter aus der Fabrik, sie werden mit Kraftfutter ernährt und wo das Zeug herkommt wird verschwiegen, jedenfalls von unseren Böden nicht!
Da wäre ja auch garkein Platz für Tiere auf der Weide, bringt nicht genug ein, im Stall hat der Landwirt nicht soviel Arbeit, er wohnt nicht mal mehr in der Nähe, Kameras sind schon längst installiert...
Schon weil soviele Viehdiebe regelrechte Rollkomandos unterwegs sind, haben die Landwirte aufgerüstet... Ein Bericht aus Brandenburg zeigte, innerhalb von 2 Stunden sind einem Bauern 56 Kälber gestohlen worden, das wäre nun das 5. Mal in 4 Jahren, ein benachbarter Bauer hatte 5 Kühe von der Weide. Dieses Jahr auch bei Obstbauern ganze Obstplantagen innerhalb einer Nacht , mehrerer Tonnen!!! da braucht es keine Tierschützer zum Aufrüsten, dafür haben da die Banden dafür gesorgt.

Solange die Menschen Fleisch wollen, das nach nichts schmeckt, damit sie mit Gewürzen schmackhaft machen, bleibt es bei Mastbetrieb. Z.B. Kalbfleisch, im Ausland hat es eine rote Farbe, schmeckt gut, weil die Kälber Pflanzen bekommen, hier wird gewünscht, weißes Fleisch von Milchkälbern, die obwohl sie alt genug sind feste Nahrung aufzunehmen, werden sie mit Milch gefüttert..., Hähne werden wegen ihres Eigengeschmacks nicht gezüchtet, der Verbraucher wünscht kein Eigengeschmack...
So ist der Verbraucher doch Schuld, weshalb Tier so leiden müssen. Sie finden das wabbelige wässrige Fleisch toll, nicht das feste von älteren gesunden Tieren.
Mein Kotelett von neulich hat fantastisch geschmeckt, es ist in der Pfanne nicht ein wenig kleiner geworden, das ist Qualität!!!!

Übrigens, als wir die BSE Krise hatten, war mein Bauer verzweifelt, weil er seinen Kälbern nun nicht mehr die Kälberersatzmilch geben durfte, auf die Frage, warum nicht die Muttermilch füttern, da hat er mich entsetzt angesehen: Bloß nicht, die Milch der Mütter ist giftig für Kälber.... Ich habe darauf geantwortet, hoffentlich wissen das die Kühe auf den Weiden mit ihren Kälbern! Die Bauern haben das so von den Vertretern der Firmen gelernt...
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 572
Original von weckener:
Übrigens, als wir die BSE Krise hatten, war mein Bauer verzweifelt, weil er seinen Kälbern nun nicht mehr die Kälberersatzmilch geben durfte, auf die Frage, warum nicht die Muttermilch füttern, da hat er mich entsetzt angesehen: Bloß nicht, die Milch der Mütter ist giftig für Kälber.... Ich habe darauf geantwortet, hoffentlich wissen das die Kühe auf den Weiden mit ihren Kälbern! Die Bauern haben das so von den Vertretern der Firmen gelernt...

Das erinnert daran, dass Frauen im Krankenhaus nach der Entbindung ja bereits seit Jahrzehnten sofort mit Proben industrieller Säuglingsnahrung zugeworfen werden.

Und wer Tiere klaut, der kann sie nur sofort zum in die Sache eingeweihten Schlachter bringen, weil es kein Nutztier in der EU gibt, das nicht über seine Ohrmarke identifiziert werden kann.


Aber um zurück zum Thema zu kommen.
Die meisten Schweinemastbetriebe sind reine Mastbetriebe.
Da werden in der Regel keine Ferkel erzeugt, da das eigene Probleme in Sachen Haltung mit sich bringt, sondern nur aufgekaufte und bereits fix und fertig kastrierte/entschwanzte Ferkel gemästet.

Laut einem Spiegel-Artikel von 2013 ist die Betäubung der Ferkel zur Kastration bei den großen Bioverbänden schon lange vorgeschrieben (dort bleiben die Schwänzchen sowieso dran), aber bei konventionellen Betrieben soll eine bundesweite Betäubungspflicht zur Kastration/Abschneiden der Schwänze bei Ferkeln erst 2019 in Kraft treten.

Das bedeutet für mich, dass es auch eine mindestens 10-jährige Übergangsfrist gibt, bis die EU-Vorschriften 2009 umgesetzt werden müssen.

So lange es Verstösse gegen den Tierschutz gibt, die gleichzeitig gesetzlich erlaubt und damit vollkommen legal sind, werden Tierschützer oft nicht viel mehr als über aktuelle Zustände aufklären können, ohne dass es weitere Konsequenzen hat.
Diese Konsequenzen sind in meinen Augen nur deshalb unvermeidlich, weil es eben schon entsprechende Gesetzesänderungen gibt, deren Übergangsfristen bald auslaufen werden.

Daher wäre es für mich genauso interessant zu erfahren, was in dem Eingangs geposteten Fall, abgesehen von einer Rufschädigung, die tatsächlichen Folgen für den Schweinemastbetrieb waren, um den es dort geht.
Gab es die überhaupt oder konnte der sich darauf berufen, dass seine Anlage eingedenk der gesetzlichen Übergangsfristen den derzeit gültigen Anforderungen entspricht?
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 572
So ich habe mir den Schweinemastbetrieb jetzt mal angeschaut.
Das Ganze ist ja bereits aus dem Jahr 2013.

Auch die vollständige Anzeige und die Bildersammlung sind übrigens online.

Verantwortlich für die Sandbeiendorfer Anlage ist die aus Utrecht stammende Familie van Gennip, sie gehört zu den größten Schweinezüchtern Deutschlands.
Laut Bundesanzeiger werden im sachsen-anhaltischen Sandbeiendorf 62.000 Schweine gehalten.

Mit den Vorwürfen, dass man nicht mal die Mindeststandards der Schweinehaltung beachte, kann der Betriebsleiter Jan Groen nichts anfangen.
"Ich denke, dass die Vorwürfe nicht gerecht sind, und dass wir nach den Vorschriften handeln. Und wenn wir nicht nach den gesetzlichen Vorschriften handeln, ist das mit dem Veterinäramt vereinbart."

Für die grüne Landtagsabgeordnete Dorothea Frederking ist das völlig unverständlich, sie verlangt einen Umbau der gesamten Landwirtschaft Sachsen-Anhalts. Die Vorwürfe der Tierschützer kommen aber nicht überraschend, sagt sie.

Denn Sachsen-Anhalt sei für die Massentierhalter ein geradezu paradiesisches Billiglohnland. Hier würden die Gehälter deutlich unter dem Mindestlohn liegen, die Gülle muss nicht teuer entsorgt, sondern kann auf die umliegenden Felder gebracht werden.

Wegen der jetzt bekannt gewordenen Zustände in den Schweinezuchtanlagen von Sandbeiendorf hat das zuständige Veterinäramt des Landkreises Börde erst kürzlich eine unangemeldete achtstündige Kontrolle vorgenommen.
Zu den Ergebnissen will man aber nichts sagen, auch wegen des schwebenden Verfahrens gegen die Betreiber.
Es war jedoch zu erfahren, dass die van Gennip Tierzuchtanlagen GmbH gegen gesetzliche Vorschriften verstoßen haben, weshalb bereits ein Zwangsgeld erhoben wurde.
Genauere Details wollte Pressesprecher Detlef Thiel vom sachsen-anhaltischen Landwirtschaftsministerium nicht sagen; gesteht aber, dass die großen Tierbetriebe letztlich zu selten kontrolliert würden, dass die sachsen-anhaltischen Veterinärämter schlicht überfordert seien.
www.deutschlandfunk.de/fleischindustrie-tierquaelerei-in-ostdeutschen.697.de.html?dram:article_id=271625


Man könnte das als faule Begründung der Veterinärämter sehen, denn es gab ja schon ein Vorspiel und man wusste, auf was man sich einlässt.
www.abendblatt.de/politik/deutschland/article107389298/Schweinezucht-in-der-Ex-DDR-es-riecht-nach-Korruption.html

Und hier jetzt die für mich eigentlich relevante Nachricht in der Sache:
Magdeburg, 12.11.2015: Animal Rights Watch (ARIWA) veröffentlichte 2013 schockierendes Material aus der „van Gennip Tierzuchtanlagen GmbH“ in Sandbeiendorf in Sachsen-Anhalt.
Wegen massiver Tierquälerei und zahlreicher tierschutzrechtlicher Verstöße zeigte ARIWA den Betreiber darüber hinaus an. Bei der anschließenden behördlichen Kontrolle wurden die Verstöße gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bestätigt und mit Bußgeld im sechsstelligen Bereich geahndet.

Die Staatsanwaltschaft Magdeburg stellt nun jedoch die Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ein. Gleichzeitig wird weiter gegen die Tierschützer wegen Hausfriedensbruch ermittelt. Damit zeigt sich erneut, dass das Tierschutzgesetz keinen wirklichen Wert hat.

Die Staatsanwaltschaft bezweifelt, dass die Tiere im Sinne des Tierschutzgesetzes erheblich leiden, dass ihnen Schmerzen zugefügt werden oder dass das Wohlbefinden über ein schlichtes Unbehagen hinaus beeinträchtigt ist.
www.openpr.de/news/879230/Staatsanwaltschaft-stellt-Ermittlungen-gegen-van-Gennip-ein-und-ermittelt-weiter-gegen-Tierschuetzer.html

Also der Mastanlagenbetreiber ist gegen Zahlung von irgendwas um die 100.000 Euro Strafe raus aus der Sache. In wieweit der seine Anlage umbauen muss und weitere Auflagen erfolgt sind, ist nicht nachvollziehbar.
Es würde mich aber nicht wundern, wenn der Laden genauso weiterläuft, wie bisher.

Aber das ist nicht der einzige Laden in Sachsen-Anhalt bei dem schon massive Verstösse festgestellt wurden.
Und es würde mich kein bisschen wundern, wenn es hier vor allem darum ginge, Großbetriebe um jeden Preis zu halten und die Veterinärämter in Absprache mit der Politik handeln.
Zuletzt geändert am 29.10.2017 14:04 Uhr
Kostenlos anmelden
MY dogSpot - LOGIN
Passwort vergessen?
Gerade online
Elvis07
Elvis07Online seit
25 Minuten