Schweinehaltung und Tierschutzgesetz

Shibaherz
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Vermintes Gelände

Ich stimme Dir in vielen Punkten zu. (Über die Wölfe wird in einem anderen thread diskutiert)
Auch darin, dass Tierwohl und Mastanlagen sich prinzipiell widersprechen. Trotzdem muss auch bei der von Tierfreunden grundsätzlich abgelehnten massenhaften Mästung von Tieren in geschlossenen Anlagen geltendes Recht i. S. von Mindeststandards durchgesetzt werden – wer sonst dringt drauf, als eben diese Tierfreunde? Beispielsweise hat Animal Rights Watch 2014 in NRW erfolgreich gegen die enge Kastenstandhaltung von Muttersauen geklagt und damit einen bundesweiten, in die Gegenwart hineinreichenden Reformprozess initiiert.

Der Kampf für den Schutz von „Nutz“tieren wird in vermintem Gelände ausgetragen.

Zunächst mal gehört das Tierschutzrecht weithin zum Verwaltungsrecht, in dem der Grundsatz gilt, dass nur der klagen kann, der seine eigenen Rechte verletzt sieht. Die angesichts der menschlichen Grausamkeit und Gleichgültigkeit im wahrsten Sinne des Wortes „sprachlosen“ Tiere sind auf Fürsprecher angewiesen, deshalb fordern Tierschützer ein bundesweites Verbandsklagerecht (das es bereits in einigen Bundesländern gibt, aber bspw. nicht in Bayern).

Sodann hängt viel davon ab, wie die Staatsanwaltschaft einen angezeigten Verstoß gegen das Tierschutzgesetz bewertet, denn nicht jeder Verstoß wird von ihr als Straftat angesehen. Es muss eine persönliche Schuld in Form von Vorsatz oder Nachlässigkeit nachzuweisen sein.
Auf der anderen Seite können erfolgreiche Klagen dazu führen, dass gängige Praktiken in der Massentierhaltung allein deshalb beendet werden, weil eine gesetzeskonforme Haltung sich nicht mehr lohnt, nicht rentabel ist.

Während der Staatsanwalt eine in der Vergangenheit liegende Rechtsverletzung von öffentlichem Interesse der Bestrafung zuführen soll, ist es Aufgabe der Amtstierärzte, die Einhaltung der Tierschutz-Standards in den Mastanlagen für Gegenwart und Zukunft sicherzustellen. Sie sehen sich dabei Drohungen von Seiten der Eigentümer konfrontiert, des Inhalts, die Veterinärämter vor den Verwaltungsgerichten zu verklagen (wg. Verletzung eigener Rechte, s. o.). In ihrer abwehrenden Haltung erhalten die Eigentümer Rückendeckung durch die Bauernverbände. Ist der Eigentümer vor dem Verwaltungsgericht erfolgreich, kann er danach zivilrechtlich Schadensersatzansprüche dem Staat gegenüber geltend machen. Das ist der Hintergrund für das oft zögerliche Verhalten der Veterinärämter, wie es weckener schon mehrmals beschrieben hat.

Die freigesprochenen Tierschützer haben mMn in doppelter Hinsicht Verantwortungsbereitschaft gezeigt. Einmal dadurch, dass sie sich für hilflose gequälte Tiere eingesetzt haben. Zum anderen dadurch, dass sie ihren Hausfriedensbruch selbst angezeigt haben.

Das Urteil hat eine erhebliche öffentliche Signalwirkung. Es wäre fatal, wenn es vom zuständigen Oberlandesgericht kassiert würde.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 571
Ich sehe, dass Du dich schon ausgiebig mit der Situation befasst hast.

Das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass derzeit Übergangsfristen von bis zu 17 Jahren zur Diskussion stehen und um die 5% der Betreiber in NRW schon aufgegeben haben sollen.
http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Tier/Neuregelung-der-Kastenstandhaltung-Uebergangsfrist-bis-zu-17-Jahre_article1503220185.html

Nach meinem Dafürhalten gibt es gesetzliche Mindestanforderungen, die in der gesamten EU gelten.
http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32008L0120&rid=3
Die gelten seit 2009 und haben nach meinem Eindruck wenig mit Kastenstandsanlagen zu tun. Da die Schweine danach in Gruppenhaltung in einem Umfeld leben sollten, indem sie ihren Bewegungs- und Spürtrieb befriedigen können und nicht fest auf einen Platz fixiert sind. Die Einzelhaltung an einem festen Platz ist danach zu verbieten. Gleichwohl sind die 1 m² pro Mastschwein und um die ca. 2 m² pro Sau eben so oder so wenig, um dem Bewegungstrieb nachzukommen.

Dann geht es eigentlich um eine versäumte Umsetzung der gesetzlichen Mindestanforderungen von 2009. Oder sehe ich da was falsch?

Andererseits können wir meiner Ansicht nach keine von den EU-Mindestanforderungen groß abweichende Regelung in Deutschland einführen, auch wenn mir das ein sympathischer Gedanke ist, weil die Folgen am internationalen Markt eine unbillige Härte gegenüber den Betreibern von Mastanlagen darstellen könnten. Denn das würde die Produkte des Schweins einfach verteuern, womit wir nicht mehr wettbewerbsfähig wären.
Dann könnte man möglicherweise zusehen, wie die Schweine zukünftig verstärkt aus dem Ausland hier nach Deutschland eingeführt würden. Weil sämtliche Großmärkte, die im Einkauf knallhart sind, immer um jeden Cent verhandeln.
Und unsere Mastanlagenbetreiber könnten zusehen, wie sie ihr Schwein noch losbekommen.
Und deses geht ja aktuell auch schon immer stärker in den Export.
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 378
Original von CairnLover:



Meine Ansichten zur Natur scheinen mit deinen nichts zu tun zu haben. Sie haben auch nichts mit dem Wolf zu tun, der für mich mehr eine zusätzliche und überflüssige Grausamkeit der Natur darstellt und nichtmal annähernd für eine ausgeglichene Natur sorgt.
.

Dazu werden die Wildtiere im Winter reichlich mit Futter versorgt, manche Jagdpächter sollen hierzu sogar Kohl anbauen, damit es im Sommer viel zu jagen gibt.
Das Füttern des Wilds im Winter hat nun mal gar nichts mit der Natur zu tun, sondern ist ein klarer Eingriff des Menschen in die Natur. Wir sorgen mit diesen Strukturen selbst für vermehrte Wildschäden, die dann als Begründung für die Einführung eines Raubtiers herhalten müssen. Blöder geht es wirklich nicht. Ganz abgesehen davon sorgen wir mit diesen Jagdstrukturen selbst dafür, dass sich die Füchse wie blöde vermehren, die genauso im Rudel leben, wie Wölfe uund sich ohne Bejagung wesentlich weniger stark vermehren würden. Nichtmal der Fuchsbandwurm kann als Jagdgrund herhalten, weil man den mit Fraßködern schnell in den Griff bekommen könnte.
Wenn einer die Natur und das, was für die Natur wirklich wichtig ist, auf den Wolf reduziert, dann hat er in meinen Augen nicht kapiert, was Natur bedeutet. Wir tun alles dafür die Natur kaputt zu machen und jedes natürliche Gleichgewicht zu vernichten. Der Wolf nutzt da auch nichts, um die Lage zu verbessern. Die Rettung der Bienen wäre in meinen Augen eine sehr viel wichtigere Aufgabe für die Natur und die gesamte Menschheit.

Was hat das alles mit den Schweinemastbetrieben zu tun? Sind Wölfe heute schon dort aufgetreten?
Na da wissen wir dann das die toten Ferkel, kranken Schweinen von ihnen verursacht wurden. dann kann der arme Viehwirt nichts dazu....
Ist schon bekannt, das Dir zu Raubtieren außer: "Bringt sie um" nichts zu sagen hast. Also nach Deiner Logik, wir schießen alle Wölfe ab und sie sind weg, Füchse bekommen dann mehr Nachwuchs, wenn die geschossen werden ... Seltsame Logik.... Ach ja hast Du das bei Brehm gelesen, das mit den Fuchsrudeln??? Ich glaub das müssen wir den Jägern und Biologen mal sagen, die denken doch alle, es sind Einzeltiere....!!!! Wo wir doch alle sooooo ungebildet sind und das glauben, was wir sehen und erleben....
Gut das Du den Überblick behältst....
Shibaherz
Beiträge: 20679
@CairnLover, @weckener

Ich bitte Euch höflich, Euch an das Thema des threads zu halten.

@CairnLover

WAS habe ich geschrieben, das „nicht über Übergangsfristen HINWEGTÄUSCHEN“ kann?
Vlt. überdenkst Du mal Deine Unterstellungen und Verunglimpfungen mir gegenüber.
Ob einer ein Demokrat ist, erweist sich für mich nicht nur an den Positionen, die er vertritt, sondern auch daran, wie er sie in einem demokratischen Diskurs vertritt.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 25.10.2017 15:44 Uhr
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 571
Original von Shibaherz:

@CairnLover, @weckener

Ich bitte Euch höflich, Euch an das Thema des threads zu halten.

Hier hatte ich nur eine Frage deinerseits beantwortet, die du dir auch hättest sparen können, da sie mit dem Thema nichts zu tun hat. Nicht wahr?


@CairnLover

WAS habe ich geschrieben, das „nicht über Übergangsfristen HINWEGTÄUSCHEN“ kann?
Vlt. überdenkst Du mal Deine Unterstellungen und Verunglimpfungen mir gegenüber.
Ob einer ein Demokrat ist, erweist sich für mich nicht nur an den Positionen, die er vertritt, sondern auch daran, wie er sie in einem demokratischen Diskurs vertritt.

Irgendwie glaube ich bald, dass es nicht mehr möglich ist, normal mit dir zu kommunizieren.
Du verstehst offensichtlich nicht nur nicht, was man schreibt, sondern verstehst es darüber hinaus, mir völlig unverständlich, auch noch als persönlichen Angriff.

Aber gut. "Das" war vielleicht auch etwas unspezifisch.

Meine Antwort bezieht sich auf deinen Beitrag zu den von NRW ausgehenden Änderungen (Dachte, das könnte man klar herauslesen.), die nach meinem Endruck bislang noch nichtmal in eine abschliessende gesetzliche Form gebracht worden zu sein scheinen.
Denn bislang geht es ja anscheinend noch etwas schleppend um die Spezifizierung der Details. Und darum geht es ja nicht nur bei uns in D und das schon seit Jahren.
Ganz aktuell:
Die Agrarministerkonferenz hatte kürzlich getagt, aber zu den wirklich wichtigen Fragen gibt es keine Beschlüsse. Wie es mit der Stoffstrombilanz weitergeht, steht noch in den Sternen. Bund und Länder haben teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen dazu. Ganz ähnlich ist es mit der Haltung von Sauen im Kastenstand. Welche Übergangsfristen sollen gelten und unter welchen Voraussetzungen?
Topagrar.com - Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Vielleicht-naechstes-Jahr-Der-Stillstand-in-der-Politik-nervt-8765054.html


Letzlich bedeuten lange Übergangsfristen, die bereits jetzt klar sind, doch nichts anderes, als dass sich trotz gesetzlicher Neu-Regelungen erstmal nicht alllzu viel ändern wird, da die Mastbetriebe aufgrund der Übergangsfristen noch bis zu 17 Jahre oder nach Forderung der CDU in Sachsen-Anhalt sogar 20 Jahre Zeit haben, bis das alles in den Mastbetrieben wirklich umgesetzt werden muss.

Und damit relativiert sich der angebliche Sieg der Tierschützer in meinen Augen ganz gewaltig. Denn noch ist nichtmal wirklich was passiert. Das ist erst der Fall, wenn es auch eine verbindliche Neuregelung gibt, die umgesetzt ist.
Mehr noch ist schon in den EU-Regeln von 2009 keine Rede von Einzelhaltung und Fixieren von Schweinen. So dass die Änderungen schon längstens überfällig sind und sowieso längstens anstanden.

Wobei klare Verstösse gegen den Tierschutz, um die es im Urteil geht, nochmal was anderes sind und sowieso jederzeit zur Anzeige gebracht werden können.

Meiner Ansicht nach wäre es leicht dafür zu sorgen, dass es allen Tieren besser geht, wenn wir einfach mal mehr für das Schwein zahlen würden.
So lange die Mastbetriebe einem ewigen Kampf um Billigpreise ausgeliefert sind, der kaum die Erzeugerpreise deckt, werden sie nicht viel für ihre Schweine tun können. Selbst wenn sie wollten. Und das kann ich sogar verstehen.

Wenn es also Videos gibt, auf denen kranke Tiere nicht behandelt werden, was ja nu gar keinen Sinn macht, da der Bauer von seinen Tieren lebt und nur das lebende Tier Geld bringt, dann liegt das meiner Ansicht nach am Ehesten daran, dass der Bauer nicht das Geld hat, dass er bräuchte.
Daher sage ich, bezahlt den Leuten einen ordentlichen Preis für ihr Schweinefleisch, der klar über dem Erzeugerpreis liegt, dann können sie sich auch ordentlich um ihre Schweine kümmern. Mit Biligpreisen ist das nicht machbar.

Super artgerecht gehaltene Schweine zu Biligpreisen wird es in D zu keiner Zeit geben, weil das nicht realiserbar ist.
Die findet man nur im Biobereich, wo die Bauern noch ordentlich Geld für das Schweiinefleisch bekommen.
Ich selbst kaufe allerdings schon seit vielen Jahren kein Schwein mehr.

Wenn man sich die Sache mit dem Kastenstand anschaut, dann ist der doch eh keine Dauereinrichtung, sondern nur für maximal 35 Tagen erlaubt. Nach der Neu-Regelung soll er dann laut proplanta für 8 Tage erlaubt bleiben.
In der Schweinezucht ist ein Kastenstand ein Platz in einem Schweinestall (Abferkelbucht), der für die Fixierung von Sauen vorgesehen ist. Das Halten der Sauen in einem Kastenstand ist nur für einen begrenzten Zeitraum erlaubt. In Deutschland dürfen Sauen nach der Besamung für maximal 28 Tage sowie vor dem Abferkeln bis zum Absetzen der Ferkel in Kastenständen gehalten werden.
Topagrar.com - Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/themen/Kastenstand-1781612.htmlDein Text
Zuletzt geändert am 25.10.2017 18:40 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20679

Langsam reichts

So schwer ist es nun auch wieder nicht, Dich zu verstehen, CairnLover.
Du schreibst, süffisant, so einen nichtssagenden Satz: „Ich sehe, dass Du dich schon ausgiebig mit der Situation befasst hast.“ Aha. Du siehst.

Und fährst fort mit:
„Das kann aber nicht darüber hinwegTÄUSCHEN ...“

Mach Dir mal Gedanken über Deine Ausdrucksweise.
Ich habe mich in meinem Beitrag überhaupt nicht zu Übergangsfristen geäußert.



...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 571
Original von Shibaherz:

So schwer ist es nun auch wieder nicht, Dich zu verstehen, CairnLover.
Du schreibst, süffisant, so einen nichtssagenden Satz: „Ich sehe, dass Du dich schon ausgiebig mit der Situation befasst hast.“ Aha. Du siehst.

Und fährst fort mit:
„Das kann aber nicht darüber hinwegTÄUSCHEN ...“aein

Mach Dir mal Gedanken über Deine Ausdrucksweise.
Ich habe mich in meinem Beitrag überhaupt nicht zu Übergangsfristen geäußert.


Ich lese da nichts Süffisantes. Das war eine reine und eigentlich positive Feststellung meinerseits.

Nein. Du hast dich nicht zu Übergangsfristen geäußert. Wohl wahr.
Deshalb habe ich ja geschrieben, dass deine Beiträge nicht darüber hinwegtäuschen können, dass es aufgrund der Übergangsfristen zu dem noch nichtmal bestehenden neuen Mastschweinehaltungsgesetz mit den Umsetzungen in den Mastanlagen noch weit hin ist.

Da kann ich nichts dafür. Ich schaffe hier keine Fakten. Aber ich sehe da ehrlich gesagt keinen Grund zur Freude.
Weil eigentlch ist noch nichts passiert und es wird auch weitgehend nichts passieren, bis die Übergangsfristen ablaufen.

Und ich kann auch die Anlagenbetreiber zum Teil verstehen. Es ist ja nicht so, dass die gar nichts machen.
Als es 2009 die neuen EU-Regeln zur Gruppenhaltung gab, hatten viele Betriebe bereits vor 2003 groß in ihre Mastanlagen investiert. Die Einzelhaltung in Kastenständen war bis 2003 nicht nur gesetzeskonform, sondern sogar Mittel der Wahl.

Ihre bestehenden Wartestallungen waren 2009 nicht nur voll funktionstüchtig, sondern teilweise noch gar nicht mal abgeschrieben. Solche Betriebe zögern die anstehende Umstellungsinvestition für die Gruppenhaltung natürlich bis zuletzt hinaus. Keine Ahnung, ob das überhaupt schon alle geschafft haben.
Nun wird wieder eine Umstellung gefordert, die neue Investitionen erfordert, wo gerade erst in den Umbau auf Gruppenhaltung investiert werden musste.

Auf jeden Fall kann es nicht sein, dass der Gesetzgeber und die Tierschützer immer nur fordern, die Mastanlagenbetreiber ständig in die neuen Forderungen investieren sollen, und die Verbraucher nichts dafür zahlen möchten.
Zuletzt geändert am 25.10.2017 21:23 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
Ich würde bei einem Mastbetrieb mit 60 000 Schweinen nicht von einem Landwirt sprechen. Die Eigentümer sind Konzerne und Investmentgruppen, denen das Wohl der Tiere völlig egal ist, solange sich ihr Kapital anständig verzinst. Sie machen die Dumpingpreise, mit denen sie den Landwirten mit überschaubaren Beständen, in denen z. B. keine kranken und verletzten Tiere elendig verrecken, die Existenzgrundlage rauben. Ich hege keinerlei Mitgefühl für diese Produzenten, die das Leiden und den Tod der Tiere nur als Kosten für den Abfallcontainer und die Tierkörperbeseitigung in ihre Kalkulationen einbeziehen. Wenn anständige Tierschutzverordnungen und eine konsequente Überwachung ihnen Deutschland als Produktionsstandort verleiden, weine ich ihnen keine Träne nach. Angesichts unserer wenigen Nutzflächen, die durch zu intensive Landwirtschaft ohnehin schon verseucht sind und Tiere und Pflanzen zum Aussterben verurteilen, sehe ich die einzige vernünftige Zukunftsperspektive in Klasse statt Masse.


Original von Shibaherz:

@Christiane:

Aber zum eigentlichen Thema.
Die vollziehende staatliche Gewalt funktioniert nicht oder nicht zufriedenstellend, also muss sich der Bürger „selbst für die Erhaltung von Gesetzen einsetzen“? Ganz allgemein, oder bloß Tierquälern gegenüber? Denn es gibt ja noch andere Bereiche, in denen man zu diesem Schluss kommen kann. Du hast selbst das Sicherheitsbedürfnis angesprochen.
>


Du glaubst nicht mehr an öffentliche Aufmerksamkeit für den Tierschutz? Welches andere Druckmittel stellst Du Dir dann vor?(denn Druck muss ja immer wieder gemacht werden. Das Tierschutzgesetz datiert aus dem Jahr 1972; die Verankerung im Grundgesetz kam erst 2002; historisch betrachtet, eine kurze Zeitspanne, denn das Bewusstsein gerade den Tieren gegenüber ändert sich nur langsam.) Oder resignierst Du? Kann ich mir bei einem so tierlieben Menschen wie Dir eigentlich nicht vorstellen.

>


Tierschutz ist für mich ganz klar nicht der einzige Bereich, in dem ich die Initiative von Bürgern für eine konsequente Durchsetzung von Gesetzen befürworte. Unsere Polizei und Behörden sind in Personaldecke und Kompetenz an vielen Punkten überfordert. Ich habe Respekt vor Tierschützern, die mit Dokumentationen über Verstösse gegen das Tierschutzgesetz versuchen, die Öffentlichkeit zu mobilisieren.
Beim Thema Massentierhaltung ist das aber nicht mein Weg. Ich werde mich auch nicht dafür einsetzen, dass Hundezwinger einen Quadratmeter grösser werden sollten, sondern für eine Abschaffung der Zwingerhaltung. Massentierhaltung ohne Tierquälerei ist mMn zumindest unter deutschen Verhältnissen nicht möglich. Ein Farmer in Neuseeland kann durchaus fünfzigtausend Schafe oder einer in Argentinien fünfzigtausend Rinder halten, aber der packt sie nicht in Ställe auf Beton und unter Kunstlicht. Tierschutz kann aus meiner Sicht nur sein, wenn Weidetiere, und dazu gehören auch Schweine, auf die Weide gehen. Alles andere sind faule Kompromisse. Ich halte es für eine wesentliche Aufgabe des Tierschutzes, die Verbraucher über das zu informieren, was ihnen Produzenten, Handel und Verbraucherschutzminister geflissentlich verschweigen. Auch wenn ein Schwein 1,5 Quadratmeter Lebensraum statt einem bekommt, bleibt es gestresst, Kunstlicht ersetzt kein Tageslicht... Die Tiere werden krankheitsanfällig bleiben, und ihr Fleisch bleibt medikamentenverseuchter Müll ohne die Nährstoffe von echten Weidetieren. Über den Geschmack muss man nicht mal reden. Es gibt keinen vernünftigen Grund, diesen Schrott zu essen, aber zahllose, die dagegen sprechen. Tierschutz ist besonders bei den sogenannten Nutztieren gleichzeitig auch Menschenschutz.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Shibaherz
Beiträge: 20679
Ich stimme Dir zu. Das sind überzeugende Argumente.
Unwürdige Haltungsbedingungen für die Tiere durch die Industrialisierung der Landwirtschaft („Effizienzsteigerung“), enorme Schäden für die Umwelt (Treibhausgase, Verschmutzung von Grundwasser und Oberflächengewässern durch Nitrat und Phosphat, Rodung von Wäldern in Südamerika für den Anbau von Futterpflanzen) und für die Gesundheit der Menschen (Darmkrebs, Adipositas u. a.), qualitative Mängel der Fleischerzeugnisse: Fleisch ist zu billig. Der Fleischkonsum hat ständig zugenommen, die Preise sind gesunken. Der Verbrauch in Deutschland beträgt pro Kopf und Jahr 90-100 kg, davon zu zwei Dritteln vom Schwein, und übersteigt damit den weltweit durchschnittlichen um das Doppelte.
Das Umweltbundesamt fordert die Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Fleischerzeugnisse.
Greenpeace will unabhängig davon die Produzenten mit einer Stickstoffüberschussabgabe belegen.

http://www.foes.de/pdf/2013-05-Oekonomische-Instrumente-zur-Senkung-des-Fleischkonsums.pdf
(FÖS = Forum für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, München, erstellte die Studie 2013 im Auftrag von Greenpeace)

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Zuletzt geändert am 26.10.2017 07:43 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20679
@Christiane: Auf dieses Argument bist Du leider nicht eingegangen, dass eine sozusagen "systemimmanente" Klage, etwa auf mehr Bewegungsfreiheit, wenn sie erfolgreich ist, dazu führen kann, dass der Betrieb (die fabrikmäßige Massentierhaltung) ganz eingestellt wird, weil er nicht mehr rentabel ist.

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