PETA und der "Erlebniszoo" Hannover

CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 571
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Die Tiere verlieren eben nach und nach ihren „Wildtier“-charakter, d. h. aber doch: diejenigen Eigenschaften, wegen denen sie ursprünglich die Neugier auf sich zogen.

Nein. Man geht nicht in den Zoo, um Wildtiere bei der Jagd oder Rivalitätskämpfen zu sehen, sondern um die Wildtiere live vor eigenen Augen zu sehen. Und so, wie sich die Welt entwickelt, ist es die einzige Möglichkeit, manche Tiere überhaupt noch zu sehen und wird für andere bald die einzige Möglichkeit sein.

Es gibt zahlreiche Beispiele für Arten, die ihre Existenz nur noch Nachzuchten in Zoos verdanken. Die Arabische Oryxantilope gehört dazu, der Schwarzfußiltis, der Rotwolf, die Guamralle, der Kalifornische Kondor. Davon gab es 1982 noch gerade mal 22 Vögel. Deshalb wurden alle, die noch in freier Natur lebten, eingefangen und in die Zoos von Los Angeles und San Diego gebracht. Dort pflanzten sie sich in menschlicher Obhut fort, der Nachwuchs wurde mit großem Aufwand für das Überleben in der Natur trainiert. Heute leben wieder mehr als 200 Kondore in Freiheit.
Von 14 für die Region typischen Spezies der Mendesantilopen der Megafauna Lybiens sind 10 zumindest regional ausgestorben und manche bis auf ein Prozent des ursprünglichen Bestands dezimiert. Immerhin: Rund 1000 Mendesantilopen leben weltweit in Zoos und Zuchtzentren. Und dies sieht bei vielen Arten nicht anders aus.
Vom Aussterben bedrohte Tiere, die keine Vertreter in irgendwelchen Zoos haben, werden aussterben, ohne das etwas von ihnen übrig bleibt.

Ursachen sind die Abholzung der Urwälder, Kriege, Reisanbau und sonstiges. Es ist traurig, aber Du und ich werden es nicht ändern können. Warum genau sollten die verbliebenen Arten und Exemplare in Zoos kein Recht auf Leben haben?
Shibaherz
Beiträge: 20678
+ 2
Das sag ich ja gar nicht, dass die vorhandenen traurigen Exemplare in den Zos kein Recht auf Leben haben sollen. Ich bin nur gegen weitere Importe und gegen Nachzüchtung. Wenn die „verhaustierten“ Großwildtiere apathisch und „langweilig“ werden, könnten es letztlich auch ausgestopfte Attrappen tun. Mir ist das alles viel zu sehr vom Menschen her gedacht.

Ich bin für die Unterstützung von Wildtier-Reservaten und die Bekämpfung der Wilderei im Sinne des WWF (obwohl diese Organisation wiederholt ins Kreuzfeuer der Kritik geriet wegen ihres Fund Raising). Immerhin waren sie stark beteiligt an der Rettung der Existenz des Tigers in Indien.

Die Zoos sollten mMn einen größeren Teil ihrer Einnahmen für die Unterstützung des Kampfes gegen die Elefanten- und Nashornwilderei in Afrika ausgeben. Vor allem wegen der starken Nachfrage in Asien bringen die Stoßzähne eines einzigen Elefanten den Wilderern mehrere 10.000 € ein. Die Zähne werden abgetrennt, die toten Tiere einfach da liegengelassen, wo sie erschossen wurden.

Die weitgehende Gleichgültigkeit in der Bevölkerung gegenüber diesen Geschehnissen ist der Grund, weshalb die Selbstverständlichkeit, mit der Tiere derselben Art in den Zoos eingesperrt und zur Schau gestellt werden, für mich was Scheinheiliges hat. Und da soll man mir nicht mit dem Argument kommen, das fiele nicht in unseren Verantwortungsbereich oder wir hätten da keine Möglichkeiten zur Abwehr. Natürlich, mehr Schutzpersonal muss entsprechend ausgerüstet und bezahlt werden.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 571
+ 1
Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln.
Shibaherz
Beiträge: 20678
+ 2
Na dann mach das doch.
Hoffentlich sieht es bei Dir nicht so aus wie bei den Elefanten im Zoo.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
CairnLover
  • Halbstarker
Beiträge: 571
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Gästebuchbilder
Shibaherz
Beiträge: 20678
So ein bisschen Winderfrischung ist nicht gemeint.

Die verhaltensauffälligen Elefanten im Zoo oder im Zirkus schwingen ihre Köpfe hin und her, stereotyp.
Wenn Du den Kopf schüttelst, fährt Dir ja auch nicht bloß ein bisschen Wind in die Haare; also vera ... mich nicht.
Leider kann ich die Bilder auf dem Sammelvideo bei Youtube nicht herunterladen.


https://www.youtube.com/watch?v=igrMVWqiAio



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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 30.04.2017 21:06 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
+ 1
Warum müssen es denn immer die Gruselbilder von verhaltensgestörten Tieren sein? Dass sowas durch Tierquälerei entsteht, wissen wir doch alle. Die Frage ist doch, ob Zootierhaltung immer Tierquälerei sein muss, und das glaube ich nicht. Shibaherz fragte, ob sich ein afrikanischer Nationalparkelefant in der Enge eines Zoos wohlfühlen würde. Ich denke nicht, aber würde sich der Hannoveraner Elefant im Gegenzug gern gegen Löwen und Hyänen wehren, kilometerweit zum nächsten Wasserloch oder Fressplatz ziehen? Keine Ahnung, aber stellt sich die Frage nicht bei fast jeder Tierhaltung? Würde mein Hund nicht vielleicht auch lieber irgendwo leben, wo er ungestört seinem Jagdtrieb folgen könnte? Ich glaube schon, aber nicht, dass er deswegen gern auf seinen Sofaplatz und die volle Futterschüssel verzichten möchte. Die meisten von uns verschaffen ihren Hunden doch auch nur Ausgleichsbeschäftigungen für das, wofür sie eigentlich über Jahrtausende selektiert wurden. Völlig klar, dass sowas widersinnig ist, aber schadet es auch dem Tier? Langeweile ist sicher für jedes Tier grausam, aber wo ist der Unterschied, ob ich einen Hundewelpen oder ein Elefantenkalb mit Suchspielen bespasse oder ihm Körperpflege beibringe... Ist es einem Elefanten wichtig, echte Äste von echten Bäumen zu reissen oder tut es auch eine Raufe mit abgeschnittenen Ästen in luftiger Höhe?

Ich habe mir noch einmal alle Beiträge durchgelesen und keinen gefunden, in dem das Einfangen von Wildtieren für Zoos befürwortet wird. Die einzige Ausnahme machen Cairnlover und ich, wenn das Überleben einer Art in freier Wildbahn nicht mehr gesichert werden kann, was bei dem rasanten Bevölkerungswachstum der Menschen und der damit verbundenen Umwandlung von Natur in Nutzungsflächen und der massiven Umweltverschmutzung heute mehr Tierarten betrifft als jemals zuvor. Wobei ich mir davon auch nicht lebende Museumsstücke, sondern wie in den Anden beim Kondor oder in Deutschland bei Wisent, Auerochse, Luchs und Wildkatze eine Schaffung von Lebensräumen zur Auswilderung erhoffe. Der Optimismus stirbt zuletzt. Selbst wenn man den von Shibaherz angeführten KaZa- Nationalpark betrachtet, haben die Betreiberländer zwar diese gute Tat getan, verkaufen aber andererseits auch Jagdlizenzen an Trophäenjäger (z. B. 10 000 Dollar für einen Geparden). Und die Arbeitsplätze im Naturschutzgebiet sorgen für neue menschliche Ansiedlungen. Auch die vermeintliche Freiheit hat ihren Preis.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294
+ 1
Es gibt da einen Schimpansen bei einem Zirkus. Tierschützer haben es geschafft, ihn mit der deutschen Justiz da raus zu holen.

Ist das nun gut - oder doch eher schlecht?

Auch hier gehe ich vom Tier aus >> wie fühlt sich der Preis Schimpanse, der deutlich auf das Zusammenleben mit seinen Menschen geprägt ist und zu ihnen eine emotionale Beziehung aufgebaut hat? Er lebt seit 35 Jahren mit ihnen und gilt aus biologischer Sicht als verhaltensgestört , eben weil er diese Prägung hat. Es wurde sogar festgestellt, dass es mühsam wäre, ihn mit Artgenossen zu vergesellschaften, da er sie als solche nicht akzeptieren würde.

Ich frage mich, ob er auch überhaupt in der Lage sein wird, mit ihnen zu kommunizieren, denn er kennt seit 35 Jahren nur die menschliche Kommunikation. So bedeutet das Grinsen bei einem Affen eine Drohung, beim Menschen nicht mehr.

Meine Frage, wie sich das Tier fühlt, das angeschaut wird im Zoo, wurde von der TEin bislang ignoriert.

Ständig wird von ihr die moralische Keule aus menschlicher Sicht geschwungen und Argumente herbeigezogen, die mal vor Jahren ihre Berechtigung hatten, aber heute zumindest in Deutschland nicht mehr vorkommen wie Hospitalismus.

Auffällig ist, dass die TEin das Betrachten als Begaffen interpretiert , was wiederum eine sehr menschliche Wertung ist. Wie empfindet das betrachtete Tier seine Betrachtung? Wer schon mal in einem Zoo war, erkennt, dass viele Tiere ihre Zuschauer anbetteln, überhaupt auch in Kontakt treten mit dem Mensch.

Man mag darüber diskutieren, ob Zoos noch zeitgemäß sind oder wie sie beschaffen sein sollten, aber dabei seine eigenen Gefühle zu transportieren auf das Tier, also sich plötzlich betrachtet, beobachtet, begafft zu fühlen, ist keine Argumentationshilfe. Selbst ein Mensch, der von Anfang an eine bestimmte Lebenssituation durchläuft, wird auf diese Situation geprägt und empfindet sie normal. Solch ein Mensch möchte diese Situation nicht ändern, weil sie ihm Sicherheit gibt, er sie in gewisser Weise beherrschen kann. Die Folgen sind verlässlich, er wählt also das Vertraute, auch wenn andere Menschen es für ihn anders einschätzen.

So einfach ist das also mit dem Tierschutz nicht, also einfach weg von der Menschenfamilie wie beim erwähnten Affen, und hin zu Artgenossen. WIR empfinden es als besser, aber tut es der Affe auch? WIR oder besser die TEin bewerten die Haltung von Tieren in einem Zoo als moralisch verwerflich, als Begaffen, als würdelos usw. - aber noch einmal: wie empfindet es das Tier?
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294
Habe gerade gelesen, dass ja viele Katzen keinen Freigang bekommen. Na, das wäre ja mal was für die Tierschützer, gelle? DAS wäre doch sicher auch etwas für die TEin als Diskussionsbeitrag, denn wer A sagt, darf auch B nicht vergessen. Somit darf die TEin auch keinen Hund halten, wie ich es schon einmal erwähnte, denn der muss sich letztlich auch ihrem Willen fügen und hat sich das nicht selbst ausgesucht. Das hier nur als Einsatz der moralischen Keule aus einem andeten Blickwinkel.
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
Ich möchte noch was zum Aspekt der Verhaltensänderung nachtragen, die Shibaherz bei Zootieren bemängelt, weil die Wildtiere ihre ursprüngliche Wildheit verlieren. Jede Begegnung zwischen Menschen und Wildtieren bedeutet Veränderung. Spätestens nach dem hundertsten Safaribus wird sich auch der Elefant im Nationalpark nicht mehr "natürlich" verhalten. Vielleicht denkt er sich genervt, nicht schon wieder diese Touristen, oder er wird sich sogar neugierig nähern. Er wird aber nicht mehr dasselbe Verhalten zeigen wie seine Verwandten, die keine Menschen kennen. Diesen Anpassungsprozess erleben wir doch auch bei unseren heimischen Wildtieren. Die Rehe, denen ich jeden Morgen begegne, lassen sich durch meine Hunde nicht mehr beim Fressen stören, nichts mehr mit Flucht vor dem Beutegreifer. Waschbären kommen ganz freiwillig in menschliche Siedlungen und räumen die Mülltonnen aus. Sind diese Tiere verhaltensgestört?
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