Obdachlose als Hunde-Walker - was haltet Ihr davon?

Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1884
Liebe Shibaherz - ich sage dem Obdachlosen gar nichts, höchstens, dass ich ihm/ihr viel Glück für den Start in ein besseres, selbstverantwortliches Leben wünsche.
Ein Obdachloser ist für mich kein minderwertiger Mensch. aber wem ich die Betreuung und das Gassigehen meines zukünftigen Hundes im Falle einer Notsituation überlasse, kann mir niemand vorschreiben. Ich nehme mir nur dann einen Hund, wenn gewährleistet ist, dass ich ihm geben kann, was er braucht und ich möchte vor allem selbst für seine Bedürfnisse zuständig sein.

Aus deinen Beiträgen ersehe ich, dass du kein Problem damit hättest, deine Mascha einem "organisierten" obdachlosen Gassigeher zu überlassen und das finde ich tolerant und gut. Man weiß ja nie, in welche Lebenssituation man kommen wird und im Falle des Falles ist das eine annehmbare Lösung.
CEEYEET
  • Forenwelpe
Beiträge: 140
Bei mir ist im Moment gerade ein Obdachloser aus dem Haus gegangen. Der junge Mann ist mit 15 zu hause rausgeflogen und hat somit jeglichen Halt verloren. Meine Hunde freuen sich immer derart, wenn er bei uns auftaucht. Er ist aus dem bekannten Kreis meines Sohnes und dem würde ich jederzeit meine Hunde anvertrauen. Nur mit der Zuverlässigkeit ist das so eine Sache. Bei ihm beginnt der Tag eben erst nach 12 Uhr. Durch die Krankheit meines Mannes muß ich in letzter Zeit öfter auf die Hilfe anderer zurückgreifen. Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, aber man sollte niemals nie sagen.
Shibaherz
Beiträge: 20799
@Catalou: Nein. Ich würde Mascha nicht ohne weiteres einem Fremden anvertrauen, egal ob obdachlos oder als was er sich ausgibt. Die Ausnahme, die ich gemacht habe, ist die Tierpension in Schönwalde, aber da habe ich mich auch erst von den Gegebenheiten überzeugt und das Ehepaar hat mir Referenzen gezeigt und ich habe gesehen, dass andere Hunde sich auf dem weitläufigen Grundstück wohlfühlten.
Wenn mich aber ein an ein Projekt oder eine Organisaton angebundener Obdachloser von seiner Zuverlässigkeit überzeugen könnte, und Mascha ihn akzeptieren würde, dann wäre es für mich o.k. Und Ich würde dann sowieso erst ein paarmal mit ihm zusammen gehen, um mir einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Ich möchte auch nicht, dass einer, der meinen Hund ausführt, zu abgerissen aussieht und dadurch vlt. Aggressionen von Cliquen Heranwachsender auf sich zieht, das passiert hier in Berlin schnell. In dem Fall könnte er sich bei Humana oder so ein paar anständige Klamotten aussuchen, nach seiner Wahl.
Aber aktuell ist das nicht, denn Mascha wird ja aller Voraussicht nach nicht mehr lange leben und ich werde sie nicht mehr allein lassen.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 31.01.2018 02:14 Uhr
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1884
@ Shibaherz - damit sagst du in anderen Worten genau das, was ich die ganze Zeit zu vermitteln versuche.
Das Projekt Dog-Walker ist OK und förderungswürdig, aber für MEINEN (künftigen) Hund ziehe ich das eher nicht in Betracht, vorbehaltlich von "Sage niemals nie). Das hat nichts mit Herabwürdigung dieser armen Menschen zu tun, denn ich würde auch einem sogenannten "Normalo" nur nach Prüfung seiner Einstellung zu Tieren im allgemeinen und zu Hunden im besonderen meinen Hund zum Gassigehen (oder sonstigen Betreuungstätigkeiten) überlassen.

Ich hoffe, dass deine Mascha noch ein gute Zeit vor sich hat
Shibaherz
Beiträge: 20799
Nein. Wir sagen nicht dasselbe, und können das auch aushalten. Ich würde mich bei jedem vergewissern. Für Dich kommt ein Obdachloser, der über den Hund einen ihm gangbaren Weg sucht, von Nicht-Obdachlosen akzeptiert zu werden, nicht in Betracht.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1884
+ 1
Original von Shibaherz:

Nein. Wir sagen nicht dasselbe, und können das auch aushalten. Ich würde mich bei jedem vergewissern. Für Dich kommt ein Obdachloser, der über den Hund einen ihm gangbaren Weg sucht, von Nicht-Obdachlosen akzeptiert zu werden, nicht in Betracht.
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Du hast recht - ich ziehe keinen obdachlosen Hundewalker in Betracht, weil ich derzeit keinen Hund habe und wenn ich einen hätte, würde ich eine andere Möglichkeit suchen.
Das Projekt an sich ist OK und ich wünsche allen Beteiligten gutes Gelingen.
Zuletzt geändert am 31.01.2018 14:46 Uhr
melwin
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2086
+ 1
Eigentlich wollte ich nichts mehr zum Thema sagen, aber, dieser Text sagt m.M.n. überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, man versucht sich auf keinen Fall festzulegen.Man versucht erstmal positiv in der Presse zu stehen, legt sich aber mit nichts fest. Gehts schief, werden die OBs schuld sein, gehts gut, ist es der Verdienst der Diakonie. Obs wirklich eine Hilfe für die Betroffenen ist oder nur Werbung für die Diakonie werden wir in der Zukunft sehen.


Original von Shibaherz:

Ich habe die Leiterin der Stelle in Mainz angemailt und heute die folgende Antwort erhalten:



Sehr geehrte Frau ……………...

vielen Dank für Ihr Interesse und ihre Nachfragen.

Unter https://www.mission-leben.de/hundetraum erhalten Sie einen ersten Überblick über unseren Service u.a. die AGBs und den Vertrag.

Natürlich sind die Hundeausgeher als Mitarbeitende versichert, ebenso die Hunde und der Wohnungsschlüssel.
Ein reiner Hundeausgehservice wird sich dauerhaft nicht rechnen können, wir streben aber die Eröffnung einer Hundetagesstätte mit Kooperationspartnern an.

Stimmt, es wird sich nicht rechnen können. Die meisten Gassigeher, die sich bezahlen lassen sind weit unter den vorgestellten Preis. Meistens ist der Stundenlohn zwischen 5,- € bis 8,- €, in Außnahmefällen auch mal 10,- € für besondere Dienste (Erziehung, Ausbildung wie Leinenführigkeit, Grundkomandos, Frisör, Tierarzt u.s.w.). Das wären im Monat für den Kunden , bei einer Stunde Gassi von Mo - Fr. 200,- € und wer krank ist und jeden Tag nur eine Stunde Betreuung benötigt , 300,- €. Bei einer Stunde am Tag. Der Hund muss aber mindestens 3x am Tag raus. Das wären dann für kranken Kunden 30,- € am Tag , also bei 30 Tage 900,- €. Die 10,- € sind für die Diakonie aber nicht kostendeckend. Doch, welcher kranke Mensch kann 900,- €im Monat für die nötige Gassirunde bezahlen? Klar, Bessergestellte können dass. Die werden sich aber sicher nicht diesen Gassidienst aussuchen. Da gibt es bessere Möglichkeiten.
Hundetagesstätten? Dafür werden Hundefachleute benötigt, nicht nur Tierfreunde. Hundetagesstätten mit Kooperationspartner? Nicht nur Gassigänger kämpfen ums überleben sondern auch Betreiber von Tagesstätten. Wer will da wohl Kooperationspartner werden? Und was soll der Tag Betreuung kosten, wenn eine Stunde mit 10,- € schon nicht kostendeckend ist?
Ich schätze mal, dass die Diakonie mit dem Arbeitsamt zusammen arbeiten möchte, als gemeinsames Projekt. Da kommt dann nämlich das Amt für die Kosten auf. Solange das Amt zahlt, bekommen die Gassigänger Geld für ihre Arbeit. Zahlt es nicht mehr, ist das Projekt gestorben.
Auch bei uns arbeitet die Diakonie mit dem Arbeitsamt zusammen. Das Amt vermittelt 1,- € - Jobs. Ist das halbe Jahr um, gibt es kein Geld mehr, es sei denn, das Amt läßt mit sich reden und verlängert um ein weiteres halbes Jahr. Einen Job bekommt von der Diakonie keiner. Sie nutzen nur die Zeit, wo das Amt zahlt aus. Dann ist Schluß mit der Nächstenliebe. Ich habe eine Zeit lang für die Diakonie in der Öffentlichkeitsarbeit (Büro) gearbeitet. Ich weiß, wie weit ihre Nächstenliebe reicht. Solange es nichts kostet, sondern was einbringt, ist man für vieles offen. 1,- € - Jobs, Flüchtlinge, ehemalige Straffällige, gestrauchelte Jugendliche u.s.w. Ja, auch bei der Wohnungsbeschaffung waren sie behilflich. Doch wehe, es kommt kein Geld mehr oder nicht genug Geld, dann wird auch das Projekt fallen gelassen. Die Flüchtlingsunterkünfte gegenüber meiner Wohnung stehen auch wieder leer, weil nicht mehr genug gezahlt wurde und es Probleme mit den Flüchtlingen gab. Der Jugendliche bekam seine Kündigung, weils doch nicht so einfach lief, wie vorgestellt, naja, und die 1, - € Jobs laufen eben aus und eingestellt wird keiner. Egal, wie fleißig die Leute waren.

Letztendlich geht es bei diesem Projekt nicht "nur" um den Hund sondern vor allem darum Menschen, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte wenig Vertrauen in Menschen aber viel Zuneigung zu Tieren haben, Chancen zu geben Selbstvertrauen aufzubauen und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Den Hund verstehe ich dabei als Mittler. Auf der Hundwiese ist es egal, ob man Geld hat oder nicht es ist wichtig, dass sich die Hunde verstehen und so kommt man dann ins Gespräch.
Ich hoffe ich konnte Ihnen die Fragen beantworten
Mit freundlichen Grüßen
Tanja Scherer

Egal, ob man Geld hat oder nicht?
Was fällt denn eigentlich für die Gassigänger an Geld ab? Es ist ja nicht kostendeckend. Was bekommt davon die Diakonie, was der Gassigänger?
Nein, so einfach, wie es hingestellt wird, wird es nicht werden. Warten wir mal ab, was wird.

Unter denen, die so ein Hilfsprojekt ablehnen, gibt es sowohl soziale Zyniker, kategorische Ablehner, wie auch einfache Bedenkenträger. Enthusiastisch zustimmen wird wohl kaum einer. Wie die Reaktion letztlich ausfällt, hängt sicher entscheidend davon ab, wie man so ein Vorhaben unter die Leute bringt und wie vertrauenswürdig der Projektträger ist.

Ich denke, Bedenken sollte man auch haben. Es ist nun mal nichts so rosa, wie man es darstellen möchte. Also sollte man doch wohl Bedenken haben dürfen und auch Fragen stellen dürfen.

Einem institutionellen Träger entstehen auch andere Kosten als einer auf sich gestellten selbständigen Dogwalkerin.

Denke ich mal nicht. Auch der selbständige Gassigänger brauch eine Haftpflichtversicherung, Krankenversicherung, hat Fahrkosten, muss für die Rente vorsorgen, hat Werbekosten u.s.w.
Liebe Grüße von Melwin.
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 428
+ 1
Ich wollte eigentlich nicht mehr mitmachen, aber ich möchte darauf hinweisen, Obdachlos bedeutet nur Wohnungslos. Nicht in der Hecke oder Brücke schlafen , kein Alkohol, keine Drogen. Es sind Rechtsanwälte, Banker, Ingenieure, studierte Menschen, Handwerker darunter, die sehr wohl auf ihr Aussehen achten, sie gehen zur Kleiderkammer um sich mit anständigen, sauberen Anziehsachen zu versorgen, sie gehen zur Tafel essen, Ihr würdet auf der Straße nie darauf kommen, das sie Obdachlos sind. Sie sitzen im Bahnhof, am Flughafen, in U-+.S-Bahnhöfen und sehen aus, als ob sie auf jemanden warten. In Bahnhöfen der größeren Städte, in den Flughäfen sind Duschen, die benutzen sie... zum Teil ist das kostenlos.

Was Ihr so im Kopf habt sind nicht die, die gerne aus dem Elend raus wollen, sie sind zum Teil ihr Leben lang so und finden das ok. Ich habe einen Bildungsurlaub in der DDR gemacht, da gab es die Arbeitspflicht, trotzdem gab es eine ganz anständig große Zahl von Obdachlosen, die sich nicht integrieren ließen. Das haben wir von dem Funktionär erfahren, der uns begleitet hat. Auf dem Land, auch hier, leben solche Menschen oft in Erdhöhlen, die sie sich in Hecken gegraben haben, ich bin in Frankfurt über solche beim Spazierengehen gestolpert... Die Höhlen sind ziemlich geräumig, da können auch mehrere Menschen drin leben.... Die wird niemand mehr in eine Wohnung bringen, das widerspricht ihrer Lebensphilosophie.

Zu Eurer Überzeugung, man kann im Leben alles planen und das wird auch so, das ist leider nicht so. Z.B. ich habe bevor ich mir einen Hund zugelegt habe, erst eine Möglichkeit gesucht, wo ich ihn in Notzeiten unterbringen kann. Ich habe auch eine Frau gefunden, die sich bereit erklärt hat, einzuspringen. Mit den Katzen ging das einfach, meine Nachbarin und ich machen das gegenseitig. Klappte bisher prima, für Hunde gibt es nicht die Möglichkeit, die Nachbarn haben selbst 2 Hunde, sind zu alt und wacklig auf den Füßen, und andere mögen keine Hunde... Ich lebe allein, meine Familie ist in Österreich, in Berlin, Hannover... Also auch keine Unterbringung... Nun hat die Frau , die sich sehr um meine Hunde gekümmert hat, Knieprobleme, kann kaum laufen, also habe ich nach einer anderen Möglichkeit umgesehen, habe auch ein tolle Familie gefunden, die meine Hunde sehr lieben. Jetzt habe ich feststellen müssen, sie sind total ausgebucht bis Oktober, meine Katzenbetreuerin hat Krebs, ist also nicht zuverlässig zuhause. Nun darf mir nichts passieren, erst muss Ersatz da sein. Da ich öfters hinfalle und mir Knie oder Fußgelenk verstauche, bräuchte ich jemanden, der zumindestens 1x 1-2 Stunden mit den Hunden läuft. Gäbe es eine Initiative, würde ich sie vielleicht in Anspruch nehmen. Kommt auf die Sympathie an, das muss passen. Warum nicht?

Zu den Kosten, es gibt hier jemand, der für 10€ am Tag sich um die Tiere kümmert, ehemalige Tierheimangestellte. Sie bekommt Hartz 4, und bessert sich das auf (ob angemeldet oder nicht, weiß ich nicht). Und ob sie die nötigen Prüfungen und Versicherungen hat, bezweifel ich. Sie hat einen großen Kundenkreis...
Die Gassigänger der Tierheime machen das alle ehrenamtlich, einfach hingehen, sich einen Hund holen und dann wiederbringe. Erst wird getestet, ob der Mensch dafür geeignet ist, hat man das Gefühl, das ist ok, dann bekommen sie die Leine in die Hand... Da die Tierheime chronischen Geldmangel haben, sind sie froh über jeden der hilft.

Ich bin den ganzen Tag zuhause, bräuchte also nur für den Notfall Hilfe, manchmal muss sowas schnell gehen, kann man nicht immer planen, und das das Geld kostet ist klar, aber an die Decke hängen kann ich meine Hunde nun nicht. Da ist vielleicht so ein Projekt, zumal es beaufsichtigt wird vielleicht nicht so verkehrt....
Soviel zur Realität....
Shibaherz
Beiträge: 20799
+ 4
Diesen post sah ich heute mehr zufällig bei web.de, unter „Miet-Wahnsinn“ (derzeit 610 Kommentare)



aufgrund von Eigenbedarfskündigung suche ich ebenfalls in eher ländlicher Umgebung von Baden-Würrtemberg, ein bezahlbare Wohnung, absolut unmöglich, und schon gar nicht mit Hund, wobei Kinder sind ja noch schrecklicher für manche Vermieter. Unter 900 euro kalt nichts zu finden. Bald bin ich obdachlos. So ist das in Deutschland. Und falls für irgendwen das hier wichtig ist, ich habe keinen Migrationshintergrung, einen festen (wenn auch im Niedriglohnsektor) Arbeitsplatz aber eben einen Hund.
Also wenn ich meinen ganzen Nettolohn für eine Wohnung + Nebenkosten und Fahrtkosten zum Arbeitsplatz investiere, hätte ich ein Dach über dem Kopf aber wovon soll ich dann noch leben und wozu.
Gisela Krüger

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
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