Obdachlose als Hunde-Walker - was haltet Ihr davon?

struppilein
  • Halbstarker
Beiträge: 459
Original von CEEYEET:

Es ist doch vollkommen Wurst ob einer seinen Hund einen Obdachlosen anvertraut oder nicht. Schön finde ich nur, dass sich auch mal jemand Gedanken über Menschen macht, die nicht...

Klar ist es schön, dass sich da jemand Gedanken macht, dass reicht aber nicht. Es muss auch eine Handhabe dafür da sein. Und Wurst ist es mir absolut nicht, ob ich meinen Hund einen Obdachlosen anvertraue oder nicht. Ich muß vertrauen zu der Person haben und nachprüfen können, ob sie zuverlässig ist oder nicht. Ich gebe meinen Auftrag (und dass ist ja die Gassibetreuung) doch nicht an eine Briefkastenfirma raus, die ich nicht überprüfen kann. Ich höre schon die Kommentare hier im Forum, wenn ein User an eben so einen Gassigänger seinen Hund raus gibt und nicht wieder bekommt, weil der Gassigänger nicht mehr aufzufinden ist.
Übrigens wurde kaum eine Frage zum Thema beantwortet. Weder meine noch Melwins oder von jemand anderen.
Noch mal zur Erinnerung?
Sachkundenachweis §11 TSG, wer zahlt Lehrgang und Prüfung?
Führungszeugnis, wer zahlt dass? Wird überhaupt eins ausgestellt, wenn ohne Wohnsitz?
Arbeitserlaubnis / Gewerbegenehmigung? Wer zahlt und bekommt jemand ohne Wohnsitz eine?
Steuernummer ohne Wohnsitz?
Auftrag an Schließfach aufgeben? Wie soll ich die Firma überprüfen? Wer steht für die Schließfachfirma gerade? Wer zahlt deren Versicherung? Versicherung ohne Wohnsitz, geht dass? Wer kommt für Schäden auf? Wieviele Obdachlose haben ein Auto, um zum Kunden zu kommen? Mit den Ö ist dass kaum möglich.Ständig von einem Stadtende zum anderen zu laufen geht auch kaum.Zu weit und die Zeit dürfte auch kaum reichen.
Fragen über Fragen. Antworten gabs hier noch keine. Mir würden sicher noch mehr wichtige Fragen einfallen, die dann aber auch nicht beantwortet werden. Wer seine Hunde in fremde Hände gibt, sollte aber solche Fragen beantworten können.
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 496
+ 2
So zum Abschluß von mir, dann klinke ich mich aus, --Ihr wollt unter keinen Umständen das ein Obdachloser oder Knacki oder Exknacki Eure Wohnung betritt????
Tja, dann kauft Eure Geräte, Möbel oder macht Eure Umzüge ganz allein, keine Spedition, kein Lieferservice... Und transportiert sie vom Lager selbst!!
Ich habe schon mehrmals umziehen müssen, in der Nachbarschaft war in Frankfurt eine Umzugsspedition, also habe ich das aus erster Hand!
In jeder Stadt hat das Arbeitsamt außerhalb Niederlassungen, wo solche Menschen sich für einen Tag Arbeit suchen. Das ist speziell für Obdachlose, Tagelöhner, Ex- und Knackis, Polen oder andere Hilfskräfte, (auch die aus dem offenen Vollzug!). Da melden sich die Firmen, besonders viele Speditionen, die ihren Tagesbedarf an Arbeitern dort samt Stundenlohn anbieten. Da bekommen die Arbeiter einen Zettel mit Adresse in die Hand, Fahrgeld für die Hinfahrt und arbeiten dort soviel Arbeit da ist. Am nächsten Tag sind sie wieder am Schalter des Arbeitsamtes...
Die allermeisten Speditionen haben eine Kernmannschaft, aber benötigen zusätzlich Leute, wenn die Auftragslage es hergibt. Und so kommen diese zum Umzug, helfen die Sachen einpacken, transportieren und wieder aufbauen. In den Umzugsspeditionen mit denen ich zu tun hatte, waren jede Menge Straftäter, die das sogar erzählt haben, bei Transporten von Waschmaschinen, Möbel, größere Geräte, auch jetzt bei den Subunternehmen von Hermes, egal wo schwer gearbeitet wird, zu tragen ist, zu billigen Löhnen, Ihr werdet immer sie auch in Eurer Wohnung haben. Egal ob wegen einem Hund oder Lieferaufträgen... Die Männer haben oft eine Ausbildung, können deshalb auch handwerklich alles machen.

Ihr merkt das nur nicht, weil sie von der Firma Arbeitsanzüge bekommen und in Firmenwagen fahren.
Darüber gab es auch schon viel Reportagen im Fernsehen, da wurde zum Beispiel gezeigt, wo in Frankfurt ein solches Arbeitsamt ist, wo die Arbeiter leben, meist im Gebüsch in der Nähe..... Da war der "Polenstrich", so nannte man die Tagelöhner... Erbärmlich wie sie leben ....

@struppilein, glaubst Du wirklich, das jeder ein Führungszeugnis, alles was Du aufgeführt hast, nachweisen kann. Wenn jemand einen Gassigänger ruft, auch die können Dir eine Wohnadresse sagen, gehst Du hin überprüfst das ob der auch da wohnt, lässt Du Dir die Einkommenssteuer nennen, die Zertifikate , alle Papier? Glaub ich nicht. Wenn Du im Tierheim um einen Mitarbeiter bittest, wirst Du ganz selten einen finden, weil die so ausgelastet sind, das sie für Gassigänge keine Zeit haben. Also lässt du Dir jemand nennen und musst selbst abchecken, ob er vertrauenswürdig ist. Bei Internetportalen, die Hundepensionen oder Gassigänger vermitteln, bekommst Du in der Regel nur eine Telefonnummer, zum Teil erst nach einer Gebühr den ganzen Namen! Ob die seriös sind, wird in der Regel nicht überprüft. Das darfst Du selber machen. Wer die Kurse bezahlt und beaufsichtigt, ich denke, das geht über Behörden, so wie Du eine Gewerbe anmelden musst, egal für was, den Gewerbeschein bekommst Du ohne große Auflagen, wenn Du nicht ein Gewerbe mit Gesundheitsnachweis machen willst, fragt dich niemand. Hauptsache, Du zahlst die Steuern... Ob in dem Moment, wo jemand seinen Dienst anbietet, vielleicht eine Wohnung, oder ein gemietetes Zimmer hat, ist also ist nicht mehr Obdachlos, war es aber, so wie die junge Frau im TV. Ich denke, das ist alles mit dem Jobcenter erledigt wurde.
Und mit dem Transport, es gibt auch Fahrräder. In der Stadt sollte es kein Problem sein, innerhalb eines Gebietes genügend Hunde zu finden, die betreut werden müssen. Sagen wir mal, derjenige bekommt pro Hund 5 € und hat 10 Gassigänge am Tag, dann bekommt er im Monat 1.500€, davon kann man leben. Wahrscheinlich bekommt er aber wesentlich mehr, wahrscheinlich 10 €, da kann er, wenn es Wohnraum gibt, eine kleine Wohnung finanzieren.

Wenn Du eine Putzfrau anstellen würdest, müsste sie auch alle solche Unterlagen vorzeigen, weil sie sich in Deiner Wohnung aufhält?

Außerdem,---wer garantiert Dir, wenn Du einen Menschen mit allen Deinen Vorstellungen, wirklich auch nett zu Deinem Hund ist, wenn Du nicht dabei bist? Die Papiere sagen nichts aus!!!! Derjenige kann Dich täuschen, tut so als ob er ein Hundefreund ist und nur Dein Geld will.... Mir sind solche Sachen egal, wenn ich sehe, derjenige kann mit meinen Hunden gut umgehen, sie mögen ihn, ist sympathisch, macht eine guten Eindruck, ich würde die Hunde ihm, anvertrauen. Ich habe da mehr Vertrauen in die Menschheit, ich glaube nicht, das sie mir weggenommen werden, da müsste ich mich mächtig täuschen, meine Menschenkenntnis hat mich bisher nicht betrogen....Man kann aus allem eine Horrorstory machen. Allerdings habe ich auch keinen hochgezüchteten teuren Hund, den man leicht verscherbeln kann, es sind Mischlinge, die zudem nicht leicht zu händeln sind!
So, das wars von mir, ich klinke mich aus....
Shibaherz
Beiträge: 20931
+ 2
@Christiane: Auch aus einem ehem. Obdachlosen, der vlt. mittlerweile einen Platz in einer floh-freien Gemeinschaftsunterkunft ergattert hat (in der er nicht befürchten muss, dass ihm seine wenigen verbliebenen Habseligkeiten gestohlen werden), kann ja evtl. ein „Bekannter“ werden, nicht?

@ Ceeyeet: Nein, es ist nicht „Wurst“.
Ich habe hier keinen thread zur Obdachlosenhilfe allgemein eröffnet, sondern zu dem in der Sendung „Maischberger“ vorgestellten Projekt, das natürlich Hundehalter tangiert.

@struppilein: In der Sendung wurden zu Deinen Fragen – sofern sie eben nicht nur zynischer Art sind – keine näheren Angaben gemacht; sie stellte die Schicksale der Eingeladenen in den Vordergrund. Ich wusste da also zunächst auch nicht mehr als jeder andere Fernsehzuschauer (Du kannst Das gern überprüfen und Dir die Sendung wie gesagt in der ARD-Mediathek ansehn).
Dir zuliebe habe ich aber noch etwas recherchiert und bin dabei auf den folgenden Link gestoßen:

http://www.evangelisch.de/inhalte/145447/13-08-2017/evangelische-wohnungslosenhilfe-mainz-hundeausgehdienst



Die Frau auf dem Foto links war in der Sendung anwesend.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 28.01.2018 18:34 Uhr
struppilein
  • Halbstarker
Beiträge: 459
+ 1
Original von weckener:

So zum Abschluß von mir, dann klinke ich mich aus, --Ihr wollt unter keinen Umständen das ein Obdachloser oder Knacki oder Exknacki Eure Wohnung betritt????


Richtig, möchte ich nicht und ist auch mein Recht, dass nicht zu wollen.


Tja, dann kauft Eure Geräte, Möbel oder macht Eure Umzüge ganz allein, keine Spedition, kein Lieferservice... Und transportiert sie vom Lager selbst!!
Ich habe schon mehrmals umziehen müssen, in der Nachbarschaft war in Frankfurt eine Umzugsspedition, also habe ich das aus erster Hand!
In jeder Stadt hat das Arbeitsamt außerhalb Niederlassungen, wo solche Menschen sich für einen Tag Arbeit suchen. Das ist speziell für Obdachlose, Tagelöhner, Ex- und Knackis, Polen oder andere Hilfskräfte, (auch die aus dem offenen Vollzug!). Da melden sich die Firmen, besonders viele Speditionen, die ihren Tagesbedarf an Arbeitern dort samt Stundenlohn anbieten. Da bekommen die Arbeiter einen Zettel mit Adresse in die Hand, Fahrgeld für die Hinfahrt und arbeiten dort soviel Arbeit da ist. Am nächsten Tag sind sie wieder am Schalter des Arbeitsamtes...
Die allermeisten Speditionen haben eine Kernmannschaft, aber benötigen zusätzlich Leute, wenn die Auftragslage es hergibt. Und so kommen diese zum Umzug, helfen die Sachen einpacken, transportieren und wieder aufbauen. In den Umzugsspeditionen mit denen ich zu tun hatte, waren jede Menge Straftäter, die das sogar erzählt haben, bei Transporten von Waschmaschinen, Möbel, größere Geräte, auch jetzt bei den Subunternehmen von Hermes, egal wo schwer gearbeitet wird, zu tragen ist, zu billigen Löhnen, Ihr werdet immer sie auch in Eurer Wohnung haben. Egal ob wegen einem Hund oder Lieferaufträgen... Die Männer haben oft eine Ausbildung, können deshalb auch handwerklich alles machen.

Ihr merkt das nur nicht, weil sie von der Firma Arbeitsanzüge bekommen und in Firmenwagen fahren.
Darüber gab es auch schon viel Reportagen im Fernsehen, da wurde zum Beispiel gezeigt, wo in Frankfurt ein solches Arbeitsamt ist, wo die Arbeiter leben, meist im Gebüsch in der Nähe..... Da war der "Polenstrich", so nannte man die Tagelöhner... Erbärmlich wie sie leben ....


Schlimm genug, das das Arbeitsamt und damit der Staat so eine Ausbeutung zuläßt. Genau so schlimm, dass es Arbeitgeber gibt, die Arbeitssuchende auf diese Art ausbeuten. Ich nenne soetwas einen Skandal!


@struppilein, glaubst Du wirklich, das jeder ein Führungszeugnis, alles was Du aufgeführt hast, nachweisen kann.


Das ist mir egal, denn es ist die Aufgabe des Arbeitgebers, so etwas zu prüfen, nicht meine als Kunde. Gibt es Zwischenfälle, mache ich den Arbeitgeber dafür verantwortlich. Er hat für den Schaden oder auch Diebstahl den seine Leute begangen haben, gerade zu stehen.Da gibt es eine Anzeige für den Arbeitgeber.

++ Wenn jemand einen Gassigänger ruft, auch die können Dir eine Wohnadresse sagen, gehst Du hin überprüfst das ob der auch da wohnt, lässt Du Dir die Einkommenssteuer nennen, die Zertifikate , alle Papier? Glaub ich nicht.


Mußt Du nicht glauben. Ich lasse ihn zu mir kommen, schließe mit ihm einen Vertrag ab, für die Zeit, die er für mich arbeitet und melde ihn an. Damit ist er auch krankentechnisch versichert. Es wird ein Endgeld festgelegt, Name, Adresse laut PA und Steuernummer notiert.Damit bin ich abgesichert und habe keinen Schwarzarbeiter eingestellt.


++ Wenn Du im Tierheim um einen Mitarbeiter bittest, wirst Du ganz selten einen finden, weil die so ausgelastet sind, das sie für Gassigänge keine Zeit haben. Also lässt du Dir jemand nennen und musst selbst abchecken, ob er vertrauenswürdig ist.

Bei Internetportalen, die Hundepensionen oder Gassigänger vermitteln, bekommst Du in der Regel nur eine Telefonnummer, zum Teil erst nach einer Gebühr den ganzen Namen! Ob die seriös sind, wird in der Regel nicht überprüft. Das darfst Du selber machen.


Na selbstverständlich überprüfe ich den, den man mir empfiehlt. Was ist falsch daran? Tierheime und Portale geben höchstens Adressen raus. Es ist nicht ihre Pflicht, sie zu überprüfen. Es ist Deine Aufgabe als Auftraggeber.


++ Wer die Kurse bezahlt und beaufsichtigt, ich denke, das geht über Behörden, so wie Du eine Gewerbe anmelden musst, egal für was, den Gewerbeschein bekommst Du ohne große Auflagen, wenn Du nicht ein Gewerbe mit Gesundheitsnachweis machen willst, fragt dich niemand. Hauptsache, Du zahlst die Steuern...


Ja, nur selbst das Gewerbe, das Du anmelden möchtest und auch das Führungszeugnis, ohne das Du den §11er nicht machen darfst kostet Geld, das ein Obdachloser in der Regel nicht hat. Übrigens, alles was mit Hundeausbildung / Hundebetreuung (mit Endgeld) zu tun hat, muß nicht nur vom Gewerbeamt, sondern auch vom Ordnungsamt und Vet.-Amt genehmigt werden. Alle diese Unterlagen musst Du dort vorlegen. Du bekommst den Gewerbeschein also nicht so einfach ohne etwas vorzuweisen.



++Ob in dem Moment, wo jemand seinen Dienst anbietet, vielleicht eine Wohnung, oder ein gemietetes Zimmer hat, ist also ist nicht mehr Obdachlos, war es aber, so wie die junge Frau im TV. Ich denke, das ist alles mit dem Jobcenter erledigt wurde.


Ist das Jobcenter daran beteidigt, frage ich mich, warum das Jobcenter nicht für eine Wohnung sorgt und die Miete bezahlt? Ist man natürlich nicht beim Jobcenter gemeldet, weil man keine Auflagen erfüllen möchte, zahlt das Jobcenter natürlich auch keine Miete und wird auch die Kosten zur Ausbildung nicht tragen.Sozialamt zahlt übrigens auch die Mieten Bedürftiger.


Und mit dem Transport, es gibt auch Fahrräder. In der Stadt sollte es kein Problem sein, innerhalb eines Gebietes genügend Hunde zu finden, die betreut werden müssen. Sagen wir mal, derjenige bekommt pro Hund 5 € und hat 10 Gassigänge am Tag, dann bekommt er im Monat 1.500€, davon kann man leben. Wahrscheinlich bekommt er aber wesentlich mehr, wahrscheinlich 10 €, da kann er, wenn es Wohnraum gibt, eine kleine Wohnung finanzieren.


Bei uns habe ich noch keinen Obdachlosen mit Fahrrad gesehen. Den "Luxus" können sie sich nicht leisten. Ich denke, das Problem Hunde zur Betreuung zu finden ist größer, als Du denkst. Sicher gibt es viele Hunde, aber nicht viele Hundehalter, die ihre Hunde in fremde Hände geben möchten oder es sich leisten können, einen Gassigänger zu bezahlen. Wer es sich leisten kann, der hat seine zuverlässigen Anlaufstellen und ist nicht auf solche Gassigänger angewiesen.

Wenn Du eine Putzfrau anstellen würdest, müsste sie auch alle solche Unterlagen vorzeigen, weil sie sich in Deiner Wohnung aufhält?

Ja, die wird wie bereits gesagt in der Centrale angemeldet und ist damit sogar Krankenversichert. Damit ist sie und auch ich abgesichert. Ich stelle nämlich keine Schwarzarbeiter ein. Ich kann die Kosten für die Putzfrau sogar bei meinen Steuern geltend machen.


Außerdem,---wer garantiert Dir, wenn Du einen Menschen mit allen Deinen Vorstellungen, wirklich auch nett zu Deinem Hund ist, wenn Du nicht dabei bist? Die Papiere sagen nichts aus!!!! Derjenige kann Dich täuschen, tut so als ob er ein Hundefreund ist und nur Dein Geld will....


Der tut nicht nur so, als ob er mein Geld will, er will es wirklich. Aber mal im ernst, hast Du die Garantie, dass ein Obdachloser nett zu Deinem Hund ist, oder ob er auch nur das Geld möchte? Auch ein Obdachloser wird nicht nur aus Freude zum Hund seine Dienste anbieten.
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1318
+ 1
Ob ein Obdachloser, Nachbar oder sonst eine Person auf einen aufpasst, gilt:

Ohne eine Geldleistung, also als unentgeltliche Nachbarschaftshilfe, kräht kein Hahn danach, welche Qualifikation der Helfer hat. Einzig versicherungstechnisch sollte man als Hundehalter darauf achten, dass man in der Halterversicherung auch den Hüter mit drin hat, denn sonst wird es bei einem Vorfall sehr gruselig und ggf. sehr teuer.

Bei einer Betreuung gegen Geld, MUSS der Verantwortliche einen Sachkundenachweis fem. Paragraf 11 TSchG haben. Dieser kann auf diverse Art nachgewiesen werden, wobei jedes VetAmt sein eigenes Süppchen kocht. Ein 1. Hilfe-Kurs und Theorieteil Hundeführerschein, ja auch Praxisteil, reicht i.d.R. nicht aus.

Wenn der Projektleiter alles übernimmt, wären die Gassigänger Angestellte. Arbeiten sie auf eigene Rechnung bzw. Honorarbasis kann damit eine Scheinselbständigkeit bestehen, welche auch für den Projektleiter strafbar ist. Zu fragen wäre, ob Gassigeher ein Gewerbe anmelden müssen oder ob dies zu den Freiberufen gehört, doch Finanzamt und Krankenversicherung/Sozialversicherungen sind involviert. Der Projektleiter muss also sehr vorsichtig sein. Wenn er ein gemeinnütziger Verein ist, kann dies anders gehändelt werden.

Da der Projektleiter verantwortlich ist, wird er sich sicherlich nicht in die Nesseln setzen. Insofern könnte man durchaus obdachlosen Menschen, die einem solchen Projekt offiziell angehören, auch vertrauen. Allerdings würde ich mir mehr Vermittlung über Hingewiesen Wünschen, aber Nachbarn haben dies ja auch nicht unbedingt. Meinem direkten Nachbarn würde ich überhaupt keinen Hund anvertrauen, denn er hat bislang aus jedem Hund einen Sozialkrüppel und Beisser gemacht. Er ist Trainer im SV und findet sich toll, bekommt aber sonst nichts auf die Reihe, obwohl er arbeitet. Er hatte das Glück, zu Erben und dass seine Familie, insbesondere seine Mutter ihn unterstützt. Das nur bezüglich pauschale Einschätzung von Menschen. Ich kenne da noch mehr Kandidaten, u.a. Suchtkranke, die nicht obdachlos sind und nach aussen eine bürgerliche Existenz haben.

Also: wenn die rechtlichen und versicherungstechnischen Dinge geklärt sind und ausreichendes Wissen vorhanden ist sowie eine Aufsicht vorhanden ist in Form einer kompetenten Projektleitung, würde ich ein solches Engagement begrüßen. Allerdings sollten die Gassigeher auch ordnungsgemäss entlohnt werden und nicht als billige Arbeitskraft missbraucht werden. Das hat viel mit Menschenwürde und Motivation zu tun. Und Motivation ist immens wichtig, um zu verhindern, dass das alte Leben wieder aufgenommen wird und sich Betroffene "wert" fühlen, selbst Wert, aber auch wertgeschätzt von Dritten. Wichtig ist zudem, dass man nicht von Null auf Hundert geht sondern erstmal eine stundenweise Beschäftigung möglich ist, zum Beispiel auch sehr langsam über 1 Stunde pro Tag oder anderer Rhythmus, angepasst an den Betroffenen. Auch Tierheime könnten Gassigänger gebrauchen, doch sollte dies nicht ehrenamtlich geschehen sondern genauso angemessen entlohnt.
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Shibaherz
Beiträge: 20931
+ 1
@Lincan: Du gibst ja Rätsel auf!
Was meinst Du mit „mehr Vermittlung über Hingewiesen“? Hängewiesen?

Ich fände es gut, wenn Du mal die Bekanntmachung der Ev. Wohnungslosenhilfe in Mainz zum Aufbau eines „Hundeausgehdienstes“, die ich gestern hier eingestellt habe, überfliegen könntest?

Denn ich finde es interessanter, sich über ein reales Hilfsprojekt Gedanken zu machen, als immer nur wieder, wie andere hier, persönliche Vorurteile zu verbreiten.

Wir sind uns doch sicher einig:
Die reale Welt ist keine Welt schwarz-weißer Kontraste. Sie teilt sich nicht auf in Gesunde und Kranke, Malocher und Faulpelze, Tugendwächter und Kriminelle. Es gibt da viele Grautöne.
Ein Mensch kann den Halt verlieren, er kann ihn aber auch wiedergewinnen. Das erste geht schnell und meist „wie von selbst“. Das Zweite dauert und benötigt Unterstützung.
Für Obdachlose, die „geregelte Arbeit“ längst entwöhnt sind (bzw. noch nie an ihr teilgenommen haben, wie die junge Frau auf dem Bild/ in der Sendung) bietet die bei ihnen oft anzutreffende Liebe zu Hunden eine Chance, Zuverlässigkeit unter Beweis zu stellen und Selbstachtung aufzubauen.
Für mich ist es nicht in erster Linie eine Frage gesetzlicher/bürokratischer Vorschriften, sondern eher eine der Haltung/Einstellung. Z. B. ob man, wenn Obdachlose im räumlichen Horizont auftauchen, ihnen eher ausweicht oder aber ihnen allenfalls wortlos einen Euro hinwirft. Oder ob man sie eines, wenn auch vlt. notgedrungen kurzen, Wortwechsels für wert erachtet. Mit einem Wort: Ob man in ihnen Menschen sieht!

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 29.01.2018 16:30 Uhr
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1917
Es ist leider so, dass sich Obdachlose in der untersten Schublade mit der Aufschrift "Underdog" befinden und es sehr schwer ist,
Vertrauen zu erwecken oder auch anzunehmen.
Zudem habe ich das ungute Gefühl, dass solche Menschen, wenn es ihnen gelingt, eine Anstellung mit Sozialversicherung zu ergattern (zB. Hundewalker bei einer Orga) nicht sonderlich fair behandelt werden und wenig bezahlt bekommen, weil der "Arbeitgeber" auch verdienen will.
Für das Gassigehen will auch eine Privatperson nicht viel bezahlen und deshalb ist so ein Walker mit mehreren Hunden unterwegs und ich glaube, dass sich keiner darum kümmert, ob Schwarzarbeit geleistet wird oder nicht, weil man ja einfach sagen kann, der Hundebegleiter macht das kostenlos. Sollten sich Probleme ergeben, ist der Walker eine freundliche Wolke und die Hunde können selbst schauen, wie sie wieder nach Hause kommen.

Die Problematik ist wirklich nicht einfach zu lösen. Einerseits wünscht man diesen Menschen, dass sie in ein normales Leben zurückkehren können und andererseits will sie kaum jemand ohne Vorbehalte und Misstrauen beschäftigen. Wie immer - Geld regiert die Welt - oder Kleider machen Leute. Wer arm und ungepflegt aussieht, hat keine Chance.
Shibaherz
Beiträge: 20931
@Catalou: Es geht nicht an, alle „Arbeitgeber“ da über einen Kamm zu scheren.

Die Ev. Wohnungslosenhilfe in Mainz, ein anerkannt gemeinnütziger Verein, bekommt als Teil des Diakonischen Werkes der EKD finanzielle Zuwendungen sowohl von der Ev. Kirche wie vom Staat (Übernahme der Personalkosten).
Hier zählt nicht Dein „ungutes Gefühl“, sondern schlicht: Information.

...
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Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1917
@Shibaherz

Stimmt, aber da müsste man auch mal die Meinung der Betreuten erfahren und was die davon halten. Ich denke, dass sich viele schämen, obdachlos zu sein und das verheimlichen, solange es möglich ist.
Und vor allem, ob sie überhaupt betreut werden wollen ....
Die Straße ist Freiheit, Arbeit ist Zwang, aber man darf sicher nicht alle in einen Topf werfen.
Zuletzt geändert am 29.01.2018 17:31 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20931
Also, was dieses Projekt angeht, da haben sich die "Betreuten" freiwillig angeschlossen, aus wohlverstandenem Eigeninteresse.

...
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