Obdachlose als Hunde-Walker - was haltet Ihr davon?

weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 429
+ 1
@catalou,
ich respektiere Deine Ansicht, bin aber anderer Meinung, natürlich habe ich beim ersten Mal Bauchgrummeln, wenn ich jemanden meinen Hund anvertrauen muss. Ich bin leider nicht in der Lage auf Familien oder Freunde zurückgreifen zu können. Deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, einen Fremden mit meinen Hunden loszuschicken. Vor 2 Jahren habe ich mir so den Fuß verstaucht, das ich nicht mehr laufen konnte, also musste ich das nun tun. Da ich auf dem Land lebe, meine Hunde kann ich schon wegen ihrem großen Jagdtrieb nicht irgend jemanden anvertrauen, habe ich im Tierheim gefragt, ob sie jemanden verlässlichen kennen, den ich beauftragen kann. Es gibt eine ganze Reihe Arbeitsloser, die sich damit was dazu verdienen möchten. Ich habe selbst als Kind, weil ich unbedingt mit Hunden zusammen sein wollte, mir von Nachbars den Hund geliehen und bin mit ihm stundenlang draußen rumgetobt. Die HH waren glücklich, weil der Hund hinterher platt war und ich, weil ich mit ihm zusammen sein konnte.
In USA gibt es den Beruf Dogwalker, die gehen mit vielen Hunde, scheinen ganz gut Geld damit zu verdienen.

Natürlich sollte ich gutes Gefühl bei einem Gassigänger haben, wenn er mir unsystematisch ist, dann eben nicht, dann bleiben die Hunde hier. Aber eine Wahl, wenn es erforderlich ist, habe ich nicht....
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1884
+ 1
@weckener - Laut Threadtitel handelt es sich um Obdachlose, aber OK Arbeitslose sind als Hunde-Walker durchaus akzeptabel, weil sie einem vielleicht nicht unbekannt sind und im Notfall wie es bei dir war, eine Art Rettungsanker sind, vor allem, wenn man sieht, dass der/diejenige auch vom Hund selbst als Begleitung anerkannt wird. Es hat ja nicht jeder jemand aus der Familie, dem man den Hund im Notfall anvertrauen könnte.
Meine Bella wäre mit keinem Fremden mitgegangen und hätte in diesem Fall ein Riesentheater gemacht.

Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht einfach nur übervorsichtig und es muss jeder selbst wissen, wie mit Gassigeh-Problemen dieser Art umgegangen wird.
Shibaherz
Beiträge: 20802
@weckener: "Es gibt eine ganze Reihe Arbeitsloser, die sich damit was dazu verdienen möchten."

Das ist nicht dasselbe. Arbeitslosigkeit führt nicht zwangsläufig in Obdachlosigkeit. Obdachlose werden von der Gesellschaft viel stärker abgelehnt als Arbeitslose.
Ein Hund macht diese Unterschiede nicht.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
melwin
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2086
+ 4
Nein, niemals würde ich meinen Hund einen Obdachlosen anvertrauen.
1. Ich würde meinen Hund nur dahin geben, zu dem ich vertrauen habe und auf den ich mich verlassen kann. Auch beim Gassi gehen.
2. Werde ich keine Schwarzarbeit fördern und demnach niemanden beschäftigen, der nicht angemeldet ist und nicht den §11 (den er nicht bezahlen kann und der nicht auf ihn ausgestellt werden kann, da kein Wohnsitz und kein Führungszeugnis hat) , den er benötigt, um für seine Dienste bezahlt zu werden hat.Auch Hunde ausführen muss angemeldet werden, sonst ist es Schwarzarbeit. Um ihn aber anzumelden oder um eine Steuernummer zu bekommen, muss man einen Wohnsitz nachweisen, den hat ein Obdachloser aber nun mal nicht.
3. Woher weiß ich, dass ich meinen Hund jemals wiedersehe, wenn ihn ein Obdachloser zum Gassi abholt? Möglicher Weise verkauft er ihn für eine Flasche Fusel und ich kann ihn nicht mal anzeigen, weil er ja keinen Wohnsitz hat. Wer soll ihn da finden?
4. Bei uns sind die Parke, Geschäfte, nachts auch die Sparkassen und Bahnhöfe (wo sie schon nach kurzer Zeit rausgeworfen werden) voll von Obdachlosen. Woran erkennt man die? Alkohol, dreckig, oft süchtig, kaum ansprechbar, meistens in eben solchen Gruppen. Solchen Leuten gebe ich doch nicht meinen Hund in die Hand. Der pennt da zwischen den Flaschen oder unter der Brücke/Park ein, mitten in solchen Gruppen und mein Hund mitten drin. Weiß mans, wo er sich beim Gassi aufhält?
5. Nur, weil es mal eine Obdachlose im TV gab, die mit einem Gassidienst aus der Obdachlosigkeit raus will, gebe ich doch meinen Hund nicht in solche Hände.
Sicher kann man mal Hilfe beim Gassi brauchen, da verlange ich aber, dass der Gassigänger zuverlässig und vertrauensvoll ist. Er muss also auch was vorweisen. Brauche ich einen Gassidienst, dann brauche ich ihn nicht nur 1x am Tag, sondern mindestens 3x am Tag. Ich muss ihn also auch meinen Schlüssel aushändigen können, damit er den Hund abholen kann.Weiß ich, ob sich der OL in meiner Wohnung breit macht und möglicher Weise noch seine Kumpels mitbringt oder ob er mir die Bude ausräumt, wenn ich nicht da bin? Gassi 1x am Tag reicht nicht. Gehe ich nur das eine mal nicht mit ihm raus, sondern der OL, dann kann ich auch dieses eine mal mehr mit ihm raus gehen.Brauch ich aber Tagesbetreuung für meinen Hund oder Gassidienst, dann suche ich mir eben jemanden, auf den ich mich verlassen kann oder gebe in für diese Zeit in zuverlässige Betreuung. Fast jedes TH bietet dass an oder vermittelt in solchen Fällen.
Nein, so blauäugig bin ich nicht, dass ich mich auf sowas einlasse.
Liebe Grüße von Melwin.
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1884
+ 3
Melwin
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 429
+ 2
Obdachlose sind nicht nur die Penner, die Du, melwin angesprochen hast sondern es gibt darunter sehr gebildete, die sogar seriösen Arbeiten nachgehen. Die halt aus Gründen, die sie nicht immer selbst verursacht haben auf der Straße leben. Die sich in öffentlichen Toiletten waschen und umziehen um anständig gekleidet beim Job anzukommen. Sie haben oft eine Postadresse bei Freunden, die brauchen sie schon wegen der Arbeit. Ich habe das oft in Frankfurt an der Hauptwache beobachten können, sie hatten ein Schließfach, wo ihre Sachen drin waren, sie sind dann im Anzug und Aktenkoffer dann z.B. als Bankangestellter arbeiten gegangen. Auch Frauen, die dann als Verkäuferin arbeiten.
Also wenn diese (die bei Maischberger war auch ordentlich gekleidet und hat sich gut verhalten) nun weil der Job weg ist, sich als Gassigeher verdingen wollen, einen seriösen Eindruck machen, vielleicht haben sie auch die Prüfungen, weiß ich, ob bei großen Gassigehbörsen, alle seriös sind?
Wir sollten nicht alle Obdachlosen über einen Kamm scheren, es gibt schlimme Typen darunter, die anderen fallen nur nicht auf, da sie weder saufen noch vergammelt rumlaufen. Sie schlafen auch nicht alle unter den Brücken, sondern in Obdachlosenasylen, bei Freunden oder Bekannten, halt jeden Tag wo anders. Trotzdem sind sie obdachlos.
Shibaherz
Beiträge: 20802
+ 2
@melwin, @Catalou: An so einem Projekt beteiligen sich doch ohnehin nur die, die wieder in die Gesellschaft zurückwollen. Sie werden angeleitet und kontrolliert und müssen ihren ernsten Willen und ihre Eignung unter Beweis stellen. Die wissen genau, was für sie auf dem Spiel steht.
Einem Trinker oder Kiffer würde ich meinen Hund auch nie geben. Mascha bellt Betrunkene an.
Melwin, ich denke, dass der Anteil von Arbeitssuchenden aus Ost- und Südosteuropa, die sich ohne festen Wohnsitz in Deutschland aufhalten, größer ist, als die Politiker wahrhaben wollen. Diese Menschen kommen für ein solches Projekt ohnehin nicht in Betracht.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
melwin
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2086
+ 4
Mag ja sein weckener, aber, ich werde jetzt nicht von einem BL ins andere BL auf Suche gehen, nur damit ich mal einen ordentlichen OL finde, den ich auch vertrauen kann. Wir haben auch einen ehemaligen Lehrer als OL bei uns im Wohngebiet. Der lebt lieber auf der Straße, als im OL-Heim. Der schläft in den Sparkassen und Wartehäuschen der Straßenbahn oder auf Parkbänke. Der hat sich von den üblichen OL abgesondert und möchte auch keinen Kontakt mit ihnen.Der hatte auch einen Platz im Wohnheim (nicht OL-Heim). Da hat es ihm nicht gefallen, weil es dort zu gewalttätig zugeht.Da lebt er lieber auf der Straße. Ja, sauber ist der im großen und ganzen, so weit es eben geht. Trotzdem würde ich ihm meinen Hund nicht anvertrauen. Außerdem sind solche Leute bei den OL nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.
Liebe Grüße von Melwin.
CEEYEET
  • Forenwelpe
Beiträge: 141
@Catalou Auch ich habe meine Lieblinge noch nie in fremde Hände gegeben. Ich bin der Meinung, daß wenn ich mir ein Tier anschaffe auch das für und wieder abwägen muß. Bei uns stehen immer die Tiere im Vordergrund. Aber wenn man berufstätig ist finde ich das nicht schlecht, dass jemand da ist, der mal nach meinem Hund schaut. Aber man sollte niemals nie sagen. Die wirren des Lebens sind unergründlich .Wir waren jetzt beide sehr krank. Wenn ich ķeine Kinder und Enkel hätte, wäre ich froh gewesen, wenn sich jemand anbietet sich um mein Tier zu kümmern.
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1884
+ 4
@CEEYEET Wenn man aus gesundheitlichen Gründen wegen der Betreuung des Hundes, inkl. Gassigehen in Bedrängnis kommt, und kein Familienmitglied oder Freunde einspringen können, dann ist man sicherlich froh, eine vertrauenswürdige Person zu finden, die gegen Bezahlung den Hund betreut und ausführt. In diesem Fall kann man gerne jemand aus der näheren Umgebung engagieren, dem man vertraut und dem mit Betreuunggeld auch ein wenig geholfen ist. Oder man wendet sich an Tierheime, die solche Leute vermitteln. Oder, falls man es sich zumindest kurzzeitig leisten kann, ein Hundehotel.
Aber - es tut mir leid - ich würde mit Sicherheit keinen Obdachlosen wegen Gassigehen ansprechen und schon gar nicht in mein Haus lassen.
Ich habe nichts gegen OL und sie tun mir auch Leid, aber so weit geht mein Vertrauen nicht.

Dieser Thread regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, wem man im Notfall seinen Hund (und sein Heim) anvertrauen könnte.
Kostenlos anmelden
MY dogSpot - LOGIN
Passwort vergessen?
Gerade online
wpm1981
wpm1981Online seit
29 Minuten