Mal wieder das alte leidige Thema - Leinenführigkeit, die beiden Spass macht????????

Kiraboss
  • Forenwelpe
Beiträge: 2
Kira ist eine einjährige, leicht ängstliche, freundliche, kräftige (!), zärtliche, quirlige Appenzellerin mit guten Potential und positiver Lerneinstellung!

Habe sie vor 3 Wochen als "Notfall" von einer durch die rassespezifischen Eigenarten des Appenzeller Sennenhundes total überforderten Familie übernommen. Eine zweite Chance hätte sie unter Garantie nicht gehabt!

Inzwischen haben wir innige Freundschaft geschlossen und ich habe mich gewundert, dass sie ihrer alten Family in keinster Weise "nachgejault" hat! Kira ist extrem verschmust, entspannt und gut drauf.

Allerdings bin ich Realist genug, zu wissen, dass noch eine Menge Arbeit auf uns beide zukommt, da im Welpenalter die grundlegendsten Erziehungsbausteine vernachlässigt wurden.
Aber ich merke beim Üben der Grundkommandos ihre hohe Lernbereitschaft, auch wenns oft an Aufmerksamkeit mangelt!

Unser absolutes Basisproblem ist die nicht vorhandenen Leinenführigkeit! Ein No Go hier im Stadtraum! Kira zieht, hechelt, geifert, springt von Seite zu Seite, ist unaufmerksam, irgendwie völlig desorientiert, ... trotz Zuspruch, Lob wenn's dann doch mal ne Sekunde klappt, energischen Leine kürzen, Richtungswechsel, usw usf!
Es klappt weder bei Fuß noch an der langen Leine, dass sie entspannt in Höhe Knie läuft!!!

Unangeleint ist sie locker, aufmerksam, hört, kommt, aber ebenfalls nie freiwillig direkt am Mann!

Ich merke, wie sich bei unserem Leinen-Training beiderseitig Genervtsein und Unmut aufbaut, was ich natürlich unbedingt vermeiden will! Schließlich wollen wir ein gutes Team werden, was auf Vertrauen und positiven Erlebnissen aufbauen kann!

Im Internet habe ich etliche Fachliteratur inhaliert und vieles ausprobiert, es gibt ja so viel unterschiedlichste Erfahrungen zu dem Thema - aber besonders hilfreich war das bisher nicht!

Ich vertrete keine Erziehung durch Belohnung mittels Leckerchen, habe keine Lust von meinem Hund als wandelnder Futterautomat angesehen zu werden! Und der Hund ist nicht doof, sobald die schmackhafte Motivation weg fällt, warum dann noch anstrengen? Nachvollziehbar!
Viel mehr bin ich der Überzeugung, dass man mit Lob in Form von Stimme, Gesten u Spiel viel erreichen kann ohne zur wandelnden Leckerlietüte zu mutieren!
So habe ich auch Kiras altes Würgekettenhalsband sofort mit einem Brustgeschirr ausgetauscht und möchte ein Halti weitesgehend vermeiden!

Wir machen lange Spaziergänge, kleinere Fahrradtouren, ich lasse Kira in Hundegruppen spielen um ihrem rasse-bedingtem Laufbedürfnis Rechnung zu tragen! Aber auch völlig ausgepowert ändert sich Kiras leine-Verhalten nicht, es wird gezogen bis der Arzt kommt!

Habt ihr Tipps und Tricks für mich?
Freue mich über rege 1. Hilfe zum Thema und konstruktive Forenbeiträge!
Gruß an Alle von Frank&Kira!
visitor
  • Moderator
Beiträge: 7446
Hallo Frank,

ich lese aus deinem Beitrag, dass du dir schon viele Gedanken machst.
Das finde ich gut!
Nur deine Gedanken zum Verteilen des Futters teile ich nicht. Warum?

Ganz einfach: ein Hund, der erst so kurze Zeit bei dir ist, soll etwas für dich tun. Wieso sollte er? Lohnt es sich für ihn? Was kannst du ihm bieten, damit er es tut? Für nichts gibt´s nichts, mal salopp gesagt. Warum dann nicht mit Futter einen einfachen und sicheren Weg gehen? Das Futtergeben wird ja mit der Zeit abgebaut. Oder mit einem Spielzeug arbeiten- auch eine gute Möglichkeit.

Motivation ist das Zauberwort- womit kann ich den Hund motivieren?

Noch weiß Kira nicht, wie dauerhaft euer Verhältnis werden wird. Vielleicht freut sie sich über nette Ansprache; aber das kann auch heißen, dass sie sich auch freut, wenn ihr überhaupt mit ihr sprecht oder einfach nicht schimpft.

Bis dein Hund für dich etwas tut, wird noch einige Zeit vergehen. Eine Zeit, in der ihr euch aneinander gewöhnt.
Eine Zeit, in der du ihr zeigen kannst, das es sich lohnt, wenn sie sich nach dir oder euch richtet.

Nun zur Leinenführigkeit; da möchte ich dir einen interessanten Link geben:

http://www.uni-tuebingen.de/manfred.wolff/hunde/welpe.html#Halswirbel

Hier wird beschrieben, wie eine Leinenführigkeit für eine Prüfung aufgebaut wird.
Dieses "Fuß laufen" benutze ich im Alltag nur, wenn meine Hunde wirklich dicht bei mir bleiben sollen. Sonst bleiben sie bei lockerer Leine "bei mir". Oder im Gedränge "hinter mir".

Du wirst dort auch lesen, wie wichtig es ist, kleine Lernschritte durchzuführen. Kurze Übungen und erfolgreich abschließen.
Verlange nicht zu viel und ärgere dich nicht und frustriere den Hund! Denn wenn das passiert, dann hast du dein Ziel zu hoch gesteckt und kannst mit doppelter Arbeit wieder von vorne Anfangen.

Nichts geht über einen Hund, der freudig arbeitet!

Lieben Gruß Tina
Ein Australian Terrier ist gut - zwei sind besser!


Der Mensch versteht aus gutem Grund am besten sich mit seinem Hund, vor allem seiner Meinung wegen: Der Hund sagt nämlich nichts dagegen ...
Räubertochter08
  • Forenwelpe
Beiträge: 18
Hallo, nun habe ich auch mal eine Frage zu diesem Thema an die erfahrenen Hundehalter hier.
Im Juni letzten Jahres habe ich meine Mischlings-Hündin Ronja bekommen. Sie wurde von der "Arche" aus Griechenland hierher gebracht. Ich war bis dahin fest davon überzeugt, mir keinen Jagdhund anschaffen zu wollen, aber es kam wies kommen musste und sie verzauberte mich ziemlich...
Ronja sieht ein bisschen aus, wie ein Dalmatiner mit der falschen Farbe, nämlich Schokobraun. Es wurden aber schon die verschiedensten Rassen in sie "hineininterpretiert", vom Weimaraner-, Vizsla-, brauner Labi-Mix usw.
Sie ist sehr lebensfroh und eine bewegungsfreudige quirlige Maus. Glücklicherweise habe ich die Mögichkeit, sie am Pferd mitlaufen zu lassen, was sie wenigstens ansatzweise auslastet.

Nun zu meinem eigentlichen Anliegen: Da sie als ehemaliger Straßenhund natürlich hinter allem was sie bewegt herläuft, muss sie leider oft an der Leine bleiben. Wenn ich nun mit ihr Gassi gehen will, ist sie so begeistert, dass sie von einer Seite zur nächsten zieht, sich ins Halsband hängt und zerrt, dabei abwechsend Nase in der Luft oder dicht am Boden. Dies ändert sich auch im Lauf mehrstündiger Spaziergänge oder Ritte nicht. Mit Leckerlies zu arbeiten gestaltet sich bei ihr ebenfalls schwierig, da sie sich dann zum Springball entwickelt, und Kopflos hinter meiner Hand herhüpft, jedoch nur so lang, wie sich dort Leckerlies befinden.

Das Jagd-Problem habe ich bereits mit der Schleppleine zu "therapieren" versucht, doch ist sie dafür leider zu schlau, sie hört wunderbar, solang diese dran ist, sobald sie frei ist, macht sie ihr Ding. Da sie sehr schnell ist, wird ihr das Spiel mit anderen Hunden oft schnell zu langweilig, dann geht sie lieber Mäuse-Graben...

Nun hoffe ich auf andere Blickwinkel oder Tipps von euch. Falls ihr noch Fragen zu Ronja oder mir habt, meldet euch einfach.

Danke und Grüßis, Conni mit Ronja
visitor
  • Moderator
Beiträge: 7446
hi,

das hört sich nach einem netten Hund an, der gelernt hat, dass er an sich machen kann, was er gerne möchte. Der bisher wenig an "Etiquette" gelernt hat...

Zu schlau für die Schleppleine? Ein Training eines erwachsenden Hundes, der schon Jagderfolg hatte, dauert Monate und länger, eine Zeit, in der der Hund NIE unkontrolliert laufen darf.

Springt an deiner Hand wie ein Kasper?
Jeder Hund kann lernen, konzentriert und aufmerksam zu arbeiten. Und wenn er das kann, kann man auch an der Leinenführigkeit arbeiten.

Ohne Fleiß keinen Preis

Gib hier im Forum mal die Begriffe in die Suche ein und versuche, dir einen Überblick zu verschaffen. Dann sortiere schon mal, was für dich in Frage käme- und wenn du weitere Fragen hast, immer her damit!

Vielleicht Zeit für einen Neuanfang und ein wenig Zusammenarbeit

Lieben Gruß Tina
Ein Australian Terrier ist gut - zwei sind besser!


Der Mensch versteht aus gutem Grund am besten sich mit seinem Hund, vor allem seiner Meinung wegen: Der Hund sagt nämlich nichts dagegen ...
AdPuBi
  • Forenwelpe
Beiträge: 11

Genau so funktioniert es eben mit einem Appenzeller

Zitat entfernt, da der Zusammenhang klar ist. Gruß Tina, mod

ICh habe 2 Appenzeller Mischlinge, beide sind genau so wie Du Frnak es beschrieben hast. Doch so langsam funktioniert es auch ander Leine besser, weniger ziehen und mehr freude. Häuffiges üben und positives beenden, mit einer guten Menge Geduld bringt Dich ans Ziel. Bedenk zu dem, der Appenzeller ist ein Hofhund und von Haus aus somit ein Triebhund, der muss laufen und viel zu tun haben. Ich vergleiche die Rasse immer wieder gerne mit dem Boder-Collie. Das kommt schon Gut Frank. Duchheklten heisst die Devise und Du bist doch der Boss oder?

Schöne Grüsse aus der Schweiz
Das Trio AdPuBi
blubbl
  • Begleithund
Beiträge: 1535
Zum Thema Leinenführigkeit schaut mal in meinen Blog.
Was das Füttern angeht bin ich sogar komplett entgegengesetzter Meinung, ich bin für komplette Handfütterung, schließlich müssen alle Lebewesen auf der Welt für ihr Auskommen Arbeiten, warum also unsere Hunde nicht?
Wenn der Hund zum Springball wird, muss man einfach mehr an der Selbstregulation arbeiten. Der Hund muss verstehen, dass er nur mit ruhigem Verhalten ans Futter kommt, nicht mit Drängeln.
Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.

ukbcegla
  • Forenwelpe
Beiträge: 1
+ 1

Typisch Appenzeller

Hallo Frank,
ich habe nun den zweiten Appi und ich kenne deine Probleme. Irgendwie "typisch Appenzeller".
Das bedeutet sehr viel Arbeit.
Immer Übermotiviert!!)) Und das macht sich wie bei Dir, mit Leinenziehen, bemerkbar.
Wobei meine Frau weniger Problem bei der Erziehung hat.

Ansonsten ist es auch sehr schwierig, eine vernüftige Hundeschule oderVerein zu finden.
Die wenigsten beschäftigen sich mit dem rassetypischen Verhalten.
Alle denken: "..ist ja wie ein Berner" und das wir nicht in der Lage sind, Hunde zu erziehen.
So wird man jedenfalls behandelt. Naja, diese Erfahrungen, falls Du vorher noch keinen Appi hattest, wirst Du noch machen.
Also, ob mit oder ohne Leckerchen, viel Geduld ist gefragt.
Wir haben noch das sagenhafte Glück, nah am Wald zu wohnen. Da hat man schon mal die Möglichkeit, ganz alleine mit dem
Hund zu sein. Da ist das Ablenkungspotenzial auf ein minimum reduziert.

Da dei Beitrag nun schon 1,5 Jahr alt ist, würde mich mal interessieren wie es nun so klappt bei Euch?

Gruß Udo
Maike2906
  • Begleithund
Beiträge: 1353
+ 1
Hallo Frank,
also zunächst ganz kurz zum Thema Futter: ich füttere aus der Hand! Glaube mir, wenn man es richtig macht, brennt der Hund darauf Kommandos auszuführen, nach dem Festigen eines Kommandos baut man das Leckerchen dafür wieder ab...also ich bin bestimmt kein Futterautomat. Aber da gibt es bestimmt verschiedene Meinungen und Ansätze zu, völlig ok!
Grundsätzlich kann ich dir nur zu einem raten: Geduld und Übung!!!
Leinenführigkeit braucht Zeit und klappt meist erst nach langer gemeinsamer Arbeit, wenn man sie nicht schon im Welpenalter aufgebaut hat. Ich würde mit "Stop and go" oder "Richtungswechsel" oder "Rückwäts gehen" arbeiten. Funktioniert ja alles nach einem Prinzip, so lange der Hund zerrt, erreicht er nicht sein Ziel! Genau das ist aber auch die wichtigste Grundregel, niemals den Hund sein Ziel erreichen lassen solange er zieht. Das ist oft anstrengend, nervig und manchmal kommt man sich auch doof vor.
Machst du es aber konsequent werdet ihr euer Ziel gemeinsam erreichen!
Ich wünsche dir ganz viel Kraft und Geduld, viel Spaß und Entspannung mit deiner süßen...
Maike
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kessy
  • Begleithund
Beiträge: 986
Als Alternative zum Leckerchen in der Hand, ist der Futterbeutel bzw. Futterdummy

Aber wenn du sie gerade mal ein paar Wochen hast- ich denke dass du da einfach länger an einer Methode dran bleiben musst.

Wir haben mit Kalle auch das Problem dass er bei Straßenspaziergängen schnell unaufmerksam wird, die Vorbesitzer waren mit ihm nie wirklich spazieren.. im Feld usw. klappt alles super. Wir portionieren solch aufregende Situationen eher mit geringen Strecken, dafür aber mit sehr viel Zeit. Wir fahren zum Beispiel auf Parkplätze (auf dem Dorf ist es da ja eh was ruhiger als in der Stadt) und parken sehr weit hinten. Wenn wir mit ihm aussteigen läuft er an der langen Leine und darf erstmal im hinteren Bereich die Umgebungsgeräusche kenennlernen. Wenn wir mal woanders sind, versuchen wir immer wieder in einer Einfahrt oder ähnlichem zu verschwinden dass er wieder unter kommt. Also einfach mal durch die Fußgängerzone komplett durch, würden wir mit ihm jetzt nicht machen.. Wir versuchen uns am Parkplatz dann an das Getümmel anzunähern, aber wenn wir merken dass sein Stresspegel zu hoch wird drehen wir wieder um, in die ruhige Gegend. Und wieder das gleiche von vorn..

Wenn wir ein bis dreimal durch das Getümmel sind, fahren wir wieder nach haus..

Wenn du mit deinem Hund 3km durch Getümmel läufst, während er dich aber kein einziges mal anschaut oder sonst wie auf dich achtet, ist es eher ein negativer Lernerfolg. Daher den Hund nicht überfordern.
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt."
Mahatma Gandhi
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