Landwirt schießt auf einen Tierarzt

tomstep
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Stand: 02.02.2017 14:59 Uhr - Lesezeit: ca.4 Min.
Osterbruch: Haftbefehl nach Schuss auf Veterinär
Nach dem Schuss auf einen Tierarzt im Landkreis Cuxhaven hat das Amtsgericht Otterndorf Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade, Kai Thomas Breas, gegenüber NDR.de mitteilte, wird dem 55-jährigen Landwirt versuchter Totschlag vorgeworfen. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Der Mann hatte am Mittwochvormittag auf seinem Bauernhof in Osterbruch (Landkreis Cuxhaven) im Beisein zweier Polizisten dem Leiter des Kreisveterinäramtes in den Bauch geschossen. Nach Angaben von Breas erlitt der Beamte erhebliche Verletzungen an den Organen. Sein Zustand sei stabil, aber weiterhin kritisch.


Auf einem Bauernhof in Osterbruch ist der Kreisveterinär durch einen Schuss schwer verletzt worden.

Veterinär in den Bauch geschossen
NDR//Aktuell - 01.02.2017 21:45 Uhr Autor/in: Matthias Schuch
Am Mittwoch hat ein Landwirt in Osterbruch (Landkreis Cuxhaven) einem Tierarzt in den Bauch geschossen. Das Amtsgericht Otterndorf erließ Haftbefehl gegen den Schützen.

Bauer schießt unvermittelt auf Veterinär
Der Vorfall ereignete sich, als mehrere Mitarbeiter des Veterinäramtes Rinder, Schafe und Pferde des Bauern wegen nicht artgerechter Haltung vom Hof abholen wollten. Das Verwaltungsgericht hatte zuvor ein Tierhaltungsverbot bestätigt. Weil der Landwirt den Kreisbehörden als Problemfall bekannt war, wurden die Tierärzte von den beiden Polizisten begleitet. Nach Angaben der Polizei wollte der Kreisveterinär dem Landwirt eine Verfügung über die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aushändigen, woraufhin dieser kurz ins Haus gegangen sei. "Als er wieder rauskam, hat er geschossen", sagte Polizeisprecher Helge Cassens. Einer der Polizisten habe anschließend einen Warnschuss abgegeben. Der 55-Jährige ließ sich daraufhin widerstandslos festnehmen. Kriminalbeamte aus der Polizeiinspektion Verden/Osterholz sicherten nach der Tat Spuren auf dem Bauernhof. Laut Cassens übernahmen sie aufgrund der indirekten Beteiligung eines Cuxhavener Polizeibeamten aus Neutralitätsgründen die Ermittlungen.

Landwirt als Waffenbesitzer bekannt
Wie das Ordnungsamt Cuxhaven bestätigte, besaß der Landwirt zwei Waffen, die er von seinem Vater geerbt hatte. "Er hat sie bereits Anfang der 80er-Jahre ordnungsgemäß angemeldet und auch die notwendigen Waffenbesitzkarten beantragt", sagte Amtsleiter Burkhard Wettwer gegenüber NDR.de. Zuletzt habe eine Überprüfung im Jahr 2011 ergeben, dass die Waffen in einem normgerechten Schrank gelagert wurden. "Er durfte die Waffen allerdings nur besitzen und nicht nutzen", so Wettwer. "Von daher hätte er keine Munition haben dürfen." Staatsanwaltschaftsprecher Breas sagte, es müsse im Rahmen der Ermittlungen noch geklärt werden, mit welcher Waffe geschossen worden sei und ob es sich dabei um eines der Erbstücke gehandelt habe.

Landrat: "So etwas hat es noch nie gegeben"
Polizeiband sperrt das Tor zu einem Bauernhof in Osterbruch ab. © dpa - Bildfunk Fotograf: Carmen JaspersenAuf einem Bauernhof in Osterbruch ist der Kreisveterinär durch einen Schuss schwer verletzt worden.
"Ich bin entsetzt darüber und fassungslos, was dort passiert ist", sagte Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos). Zwar gebe es bei derartigen Maßnahmen häufiger Rangeleien und Pöbeleien, jedoch keine schweren Gewalttaten. "Es war bekannt, dass der Landwirt ein schwieriger unkooperativer Mensch ist, aber mit einem solchen Gewaltexzess war überhaupt nicht zu rechnen", betonte Bielefeld. Davon habe auch die Polizei nicht ausgehen können. Der Veterinär sei zudem sehr erfahren in Konfliktsituationen. "So etwas hat es noch nie gegeben", sagte Bielefeld und äußerte die Hoffnung, dass der Tierarzt, der kurz vor der Pensionierung steht, sich wieder vollständig erholt.

Aggressionen gegen Behördenmitarbeiter nehmen zu
Anlässlich des Zwischenfalls in Osterbruch hat der Landkreis Stade auf die zunehmende Aggression gegen Behördenmitarbeiter hingewiesen. "Das ist bei uns in allen Ämtern zu spüren und reicht von Beleidigungen bis hin zu Übergriffen", sagte Landrat Michael Roesberg (parteilos). Verbale Attacken seien leider fast schon an der Tagesordnung. Im Kreishaus sei kürzlich von einem wütenden Bürger sogar eine Scheibe eingeschlagen worden. "Solche Sachbeschädigungen sind die Vorstufe zur körperlichen Gewalt", so Roesberg. Der Landrat betonte, dass sämtliche Beleidigungen und Bedrohungen angezeigt würden. Außerdem gebe es im Kreishaus ein Alarmsystem zum Schutz der Mitarbeiter.

NLT fordert mehr Respekt
Der Niedersächsische Landkreistag (NLT) mahnte in einer Mitteilung mehr Respekt für Behördenmitarbeiter an. "Wir appellieren, stärker zu trennen zwischen den behördlichen Entscheidungen und den konkreten Personen, die sie umzusetzen haben", sagte NLT-Präsident Klaus Wiswe. "Wir brauchen mehr gesellschaftliche Akzeptanz für diejenigen, die entsprechend unseren rechtstaatlichen Grundsätzen Entscheidungen vor Ort vollziehen."

2015: Bauer erschießt Tierarzt in Brandenburg
Andernorts hat es einen sehr ähnlichen Fall wie in Osterbruch im Jahr 2015 gegeben: In Nauen (Brandenburg) erschoss ein Landwirt einen Veterinär, als dieser seine Tiere beschlagnahmen wollte. Das Landgericht Potsdam verurteilte den 72-jährigen Schützen zu sieben Jahren Haft.

Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.02.2017 | 12:00 Uhr
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
christianeadler
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+ 1
Mir tut dieser Amtsveterinär sehr leid. Er wollte einfach nur seine Arbeit tun. Dieser Vorfall wird von vielen Seiten als typisches Beispiel für Übergriffe auf Staatsdiener ausgeschlachtet. Der Aspekt Tierschutz fällt dabei schnell unter den Tisch. In breiten Teilen der Bevölkerung gibt es kein Verständnis dafür, dass Tiere artgerecht gehalten werden sollen. Verrottete Ställe, unbehandelte Verletzungen und Krankheiten, Kettenhaltung... erzeugen kein Unrechtsbewusstsein, weil es doch schon immer so war. Für die Arbeit des Amtsveterinärs fehlt das Verständnis und erst recht der Rückhalt.

"Eine Nachbarin beschreibt „Hansi“ als eigensinnigen Außenseiter. „Die meisten Leute können mit ihm nichts anfangen, weil er anders ist“, fasst sie ihre Erfahrung zusammen. Um seine Tiere habe er sich aber immer ordentlich gekümmert. Auch wenn sie im Winter auf der Wiese liefen, hätte er sie mit Futter und Wasser versorgt. „Die Tiere waren sein Leben“, versichert die Nachbarin. Und die Ställe? „Die waren eben noch so wie früher.“"
http://www.cn-online.de/stadt-land/news/amtstierarztin-den-bauch-geschossen.html
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Feuerwolf
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Für mich stellt sich die Tragödie weitaus größer dar.

Das Anwesen des Landwirtes sieht ja etwas runtergekommen aus. Also scheint nicht viel Geld vorhanden zu sein. Es ist ein kleiner Landwirt, der wahrscheinlich ums Überleben gekämpft hat für sich, seinen Hof und die Tiere. Er hat wohl keine andere Alternative gesehen.
Natürlich berechtigt das nicht auf den Veterinär zu schiessen, zeigt mir aber auch, wie groß seine Not gewesen sein muss in diesem Moment.

Ich habe einmal einen Film über kleine Landwirte in Frankreich gesehen. Dort gibt es solche Situationen noch weitaus öfter. Die kleinen Höfe sind nicht mehr überlebensfähig, geschweige denn kann in eine gute Tierhaltung investiert werden. Also kommt immer öfter das Veterinäramt, beschlagnahmt diese Tiere und besiegelt so das Ende der jeweiligen Existenz des Hofes und nimmt dem Landwirt damit endgültig seine Lebensgrundlage.
In Frankreich gibt es aber auch eine Initiative, bei der den Landwirten Hilfe angeboten wird, bevor es zu spät ist. Es kommen enschen und helfem dem Bauer unentgeldlich bei der Tierhaltung und Instantsetzung der Gebäude, des Grundstückes etc. Sie bauen z.T: mit den Landwirten eine Art "Gewerbenetzwerk" auf, um den kleinen Bauern eine bessere Verhandlungsbasis zu geben und zeigen z.T. auch neue Vermarktungswege auf.
Oft sind es, wie in dem Fall in Osterbruch, alleinstehende Landwirte. Sie bekommen für ihre Arbeit (Milch, Fleisch, Getreide etc.) nicht mehr genug Geld um in die Höfe zu investieren, Hilfe wie z.B. Landarbeiter können sie sich auch nicht mehr leisten und eine Frau, die bereit ist, dieses Leben mitzutragen erst Recht nicht und leben selber unter fast menschenunwürdigen Verhältnissen irgendwann. Es leiden dann Mensch wie Tier darunter.

Natürlich gibt es auch immer noch Landwirte vom alten Schlag, denen das Tierwohl nichts bedeutet und die nach der Devise leben : "Das hat mein Großvater auch schon so gemacht. Punkt" Aber ich denke, dies ist ein Auslaufmodell.
Die Landwirte in dem Film aus Frankreich hatten sich zuerst auch gegen die Hilfe der Initiative gewehrt, bedeutet es doch auch ein Stück Eigenverantwortung abzugeben. Aber die eigene schlechte Situation un ddie drohende Enteignung der Tiere, haben sie dann doch dazu gebracht, die Hilfe anzunehmen.
Ein Jahr später hatte isch die Situation auf den Höfen deutlich gebessert. Und die Landwirte waren im Nachhinein sehr froh gewesen, die Unterstüzung und Hilfe angenommen zu haben.

Ursächlich scheinen für mich auch die großen Tierbetriebe und Molkereien zu sein, die zusätzlich zum Verbraucher, der immer weniger für Fleisch und Milchprodukte zahlen will, zusätzlich massives Preisdumping betreiben. Denn den großen Molkereien geht es finanziell sehr, sehr gut. zumindest den Besitzern bzw. Aktionären.

LG Feuerwolf
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 8969
na ja, ich bin ziemlich sicher, wenn dieser Bauer einen z.B. Wolf erschossen hatte, um seinen "Hofkonkurs" abzuwenden, weil dieser Wolf seine letzten Kühe gerissen hätte (Beispiel !!!), wäre es vorbei mit Erklärungen und / oder Verständniss der meisten Mitmenschen für seine Situation.
Dann hätte er absolut verschi..en
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(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Zuletzt geändert am 05.02.2017 13:26 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20678
+ 1
Ich finde eine Äußerung zu dem Vorfall ohne genauere Informationen schwierig, abgesehen von der Verurteilung der Gewalttat. Zu der natürlich jedermann schnell bereit ist, mit der es aber nicht getan ist. So forderte der ns. Landwirtschaftsminister, die von behördlichen Maßnahmen Betroffenen möchten doch bitte unterscheiden zwischen den Gesetzen und den Vollzugsbeamten. Das geht also an die Adresse von Leuten, die gerade dazu offenbar nicht imstande sind.

Von wem ist dieser verarmte Bauer das erste Mal angezeigt worden? Nicht von den Nachbarn, sondern von wem? Und mit welcher Begründung genau? Dieser Mann hat sich wahrscheinlich nie theoretisch mit dem Tierschutz befasst, aber er liebte seine Tiere und tat für sie alles, was ihm möglich war. Das genügte nicht.

Es gibt kein persönliches Recht auf eine wirtschaftlich selbständige Existenz, obwohl diese Existenzform durchaus gesellschaftlich und politisch gewollt und anerkannt ist. Auf dem Lande hat sie traditionell eine größere Bedeutung als in der Stadt. Und für manchen hängt eben der Wert des Lebens überhaupt an dieser Existenz.

Es gibt in unserer Bevölkerung viele Menschen, die unser Rechtssystem nicht verstehen. Sie verstehen nicht, dass das Recht im wesentlichen VERbote beschreibt, nicht GEbote, und entwickeln eine Art Michael-Kohlhaas-Mentalität. Wieder andere, „intelligenter“, entwickeln eine Meisterschaft darin, um die Verbotstafeln herumzusurfen.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 05.02.2017 17:58 Uhr
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 377
Ich sehe das so, der Landwirt ist irgend jemanden aufgefallen, vielleicht doch der Nachbar, der das nun abstreitet, aber egal. In unserer Gegend ist so etwas schon häufiger passiert, der Bauer versorgt seine Tiere nicht ordentlich, aus welchen Gründen auch immer. Das Ordnungsamt kommt, überzeugt sich von der Anzeige, informiert das Veterinäramt, die kommen und geben dem Bauern Vorschriften, was er zu hat. Bei uns mindestens dreimal. Dann sollen die Tiere abgeholt werden, der Bauer ist wütend, die einen reagieren mit wildem Geschrei und angedrohter Gewalt und andere üben Gewalt aus.

Durch viele Gespräche von Bauern und mir, wenn ich einen Mißstand beklage, werde ich ausgelacht, "ach die Ämter tun ja doch nichts, alles blödes Gerede, ich gehe mit meinen Tieren so um, wie ich das richtig halte", keiner nimmt die Anweisungen vom Verterinär ernst und sind dann empört, wenn nun doch die Behörde kommt....

Der Veterinär tut mir leid, auch er muss die Anweisungen befolgen und mit so etwas sollte er nicht rechnen müssen. Ich wünsche mir, das die Tierhalter offener wären um die Auflagen zu erfüllen, würde doch allen helfen.
Gewalt ist nie ein Mittel, egal um was es sich handelt!!!!
Feuerwolf
  • Begleithund
Beiträge: 912
Gut Aiderbichl hat ein z.T. ähnliches "Programm" um den Tieren und den Menschen zu helfen wie in Frankreich.

Landwirten, die allein nicht mehr wirtschaftlich ihre Höfe betreiben können und sonst Gefahr laufen würden Haus,Hof,Vieh und Äcker/Wiesen zu verlieren macht Gut Aiderbichl ein Angebot.
In einem Fall stand der Landwirt kurz vor dem Verkauf seiner Kühe an den Schlachter.

Sie kaufen die Tiere und z.T. Land (bei den Stallgebäuden weiss ich es nicht mehr genau), dafür arbeitet der Landwirt dann weiter als Angestellter auf seinem Hof, kann Schulden vom Kaufpreis bezahlen und seine Familie weiterhin in ihrem Haus wohnen bleiben. Der Landwirt kann in seinem erlernten und ausgeübten Beruf weiterarbeiten und die Kinder weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld leben und zur Schule gehen.
Falls kranke oder vernachlässigte Tiere vorhanden sind, wird der Tierarzt gerufen, die Stallgebäude werden für artgerechte Haltung umgebaut und renoviert,der Hof wird ökologisch weiterbetrieben als Bio-Hof. In evtl. leere Stallungen werden Aiderbichl-Tiere gebracht. Die Wiesen und Weisen werden so auch weiterhin bewirtschaftet und dadurch kommen wieder mehr Wildblumen- u. -kräuter auf diese, da ja ökologisch und wesentlich natürlicher mit ihnen umgegangen wird.
Mittlerweile soll es um die 50 Landwirte geben, die dieses Angebot angenommen haben.

Ich finde dieses Programm gut, auch wenn ich nicht alles gutheiße, was Gut Aiderbichl macht, und dieses Programm sicherlich auch kein Modell ist, was überall in Deutschland eingeführt werden sollte/könnte.
FÜr mich ist dies auch ein Stück Tierschutz. Es wird nicht nur gemotzt, sondern geholfen und unterm Strich haben alle etwas davon, Mensch und Tier. Dann werden auch keine Vetrinäre mehr angeschossen oder Wölfe

LG Feuerwolf
Zuletzt geändert am 05.02.2017 22:04 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20678
+ 1
@Feuerwolf: Ich finde so ein Angebot auch gut. Bloß ist ja beileibe nicht jeder, der in Schwierigkeiten gerät, bereit, die Selbständigkeit aufzugeben.

@weckener: Der Bauer war den Behörden als "schwieriger, unkooperativer Mensch" bekannt; die Äußerungen der in Christianes Beitrag zitierten Nachbarin lassen aber mMn nicht darauf schließen, dass Anzeigen aus der Nachbarschaft heraus erfolgten. Ich tippe eher auf eine Tierschutz-Orga, die über die Art der Tierhaltung informiert wurde.
Der Wunsch nach mehr Offenheit von Bauern für die Tierschutz-Gesetzgebung ist dann wenig realistisch, wenn a) die Einsicht in ihre Notwendigkeit und b) die Mittel bzw. die Arbeitskräfte dafür fehlen.
Ich meine damit nicht so selbstverständliche Dinge wie Bereitstellung von ausreichend Futter und Wasser, sondern bspw. Größe und Beschaffenheit der Ställe, Lüftung und Reinigung, tierärztliche Versorgung im Krankheitsfall usw.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
christianeadler
  • Moderator
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+ 1
Ich habe keine Informationen über die Art der Beanstandungen bei der Tierhaltung und über die Motive des Täters gefunden. Also gehe ich von einem normalen Ablauf aus, wie Weckener ihn beschrieben hat. Für den Schuss auf einen Menschen gibt es aus meiner Sicht ohnehin keine Rechtfertigung, aber auch für die Tierliebe sehe ich keine Belege. Sollte der Besitzer mit den Vorwürfen nicht einverstanden gewesen sein, stand ihm der Rechtsweg offen. Ansonsten geben Veterinärämter, wenn für die Tiere keine unmittelbare Lebensgefahr besteht, auch sehr lange Zeit, um beanstandete Mängel zu beseitigen oder eben die Tiere abzuschaffen.
Insbesondere bei Grosstieren ist keine Kommune an den Folgekosten einer Beschlagnahmung interessiert. Ich habe schon Fälle erlebt, in denen Rinder auf abgegrasten Weiden vor Hunger brüllten, Pferde mit verwachsenen Hufen nicht mehr schmerzfrei laufen konnten, Hunde nie aus ihrem Zwinger kamen, und trotzdem wurden nur Strafen und Auflagen fällig. Zu einer Beschlagnahmung gehört schon einiges mehr.

@ Feuerwolf

Mir gefallen solche Projekte wie in Frankreich, weil ich den Wunsch der Landwirte verstehe, ihre meist über viele Generationen vererbte Lebensart trotz industrieller Landwirtschaft beizubehalten. Für mich können aber Traditionen und persönliche Lebensumstände keine Rechtfertigung für Tierquälerei sein. Tiere gehören an die Kette, weil das schon immer so war? Tiere werden nur anständig versorgt, solange man sich das leisten kann? Ein Hund leidet Schmerzen, weil sein Halter arbeitslos ist, oder kommt nicht mehr vor die Tür, weil sein Halter bettlägerig ist?
Es gibt sicher jede Menge Fälle, in denen ich persönlich mir wünschen würde, dass den Besitzern geholfen wird, ihre Tiere zu behalten. Wenn aber solche Lösungen nicht gefunden werden, und in diesem Fall war es doch wohl so, muss zum Wohl der Tiere entschieden werden, dass sie dort nicht gut aufgehoben sind. Sich dagegen zu widersetzen, von Waffengewalt mal ganz zu schweigen, zeugt mMn nicht von Tierliebe
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Shibaherz
Beiträge: 20678
Die Presse hielt das doch nur wegen des Waffengebrauchs für berichtenswert, und den zu entschuldigen, darum geht es mir nun wirklich nicht.
Ich habe mich nur auf die Stellungnahme einer Nachbarin gegenüber den Cuxhavener Nachrichten bezogen, die Du in Deinem Beitrag selbst zitierst ("Um seine Tiere habe er sich aber immer ordentlich gekümmert" ). Da dazu keine genaueren Informationen vorliegen, bleibt alles Spekulation.

...
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Zuletzt geändert am 06.02.2017 10:15 Uhr
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