Hundeschauen- wie steht ihr dazu?

KessyMaus4
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Beiträge: 6
Ich war am Wochenende bei einer Hundeschau, dort stellte meine beste Freundin ihren Barsoi vor. Nur ihre Begeisterung kann ich nicht ganz teilen. Die Tiere wurden auf alles untersucht, Zähne, Haarlänge, Augen, ob sie gerade gewachsen sind oder nicht. Also es ging nur um Perfektion! Und das gefiel mir überhaupt nicht.

Daher würde ich gerne eure Meinungen dazu hören, was haltet ihr von solchen Schauen?
Shibaherz
Beiträge: 20685
Dann würdest Du wohl selbst auch nicht gern für eine Miss-Wahl kandidieren wollen

Aber so ist die vorherrschende Lebensphilosophie eben, die Konkurrenz, Erfolgsstreben und Siegeswillen aus dem ökonomischen Bereich in andere Lebensbereiche überträgt und dabei auch den ästhetisch-sinnlichen nicht ausspart. Und in dieses allgegenwärtige Konkurrenzmodell auch noch andere Lebewesen einbezieht.

Der Hund wird dabei hochgradig objektiviert und instrumentalisiert. Er muss passiv etwas erdulden, was seinem Wesen überhaupt nicht entspricht. Es handelt sich ja nicht um einen Wettbewerb zwischen Hunden – z. B. einen Agilitywettbewerb – sondern um einen zwischen Menschen als Hundebesitzern, unter Akzeptanz bestimmter festgelegter „rassetypischer“ ästhetischer Standards.

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
CEEYEET
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Beiträge: 115
Wenn Du mit dort warst wirst du ja festgestellt unter welchen Stress die HH stehen.Bei Züchtern , die ihre Zuchttiere und deren Nachwuchs vorstellen wollen sehe ich das noch ein bischen anders .Das ist Stress pur vor allem für die Tiere.Warum sollte ich meinen Tieren so ein Theater antun ,wenn ich den Pokal auch noch selbst finanzieren soll.Dir scheint das auch nicht so richtig gefallen zu haben .
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 8970
+ 2
ich weiß, das ist jetzt wieder eine sehr boshafte Meinungsäußerung meinerseits, aber solche sog. Ausstellungen erinnern mich (!) irgendwie an das 17., 18. Jahrhundert, genauer gesagt an die Sklavenmärkte in Frankreich, England, oder sonst wo.
Sorry an alle evtl. Aussteller hier, aber das ist meine Meinung !
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Zuletzt geändert am 16.01.2017 13:52 Uhr
CEEYEET
  • Forenwelpe
Beiträge: 115
@tomstep Und da hast du auch zu 100 Prozent Recht LG CEYEET
melwin
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2061
+ 1
Solche Schauen sind Zuchtschauen. Sie verschaffen in erster Linie dem Züchter einen Überblick über die Qualität seiner Rasse und einzelner Tiere, die er ev. für seine Zucht mal nutzen möchte. Verschafft sich also erst mal einen Überblick über die Deckrüden seiner Rasse um dann später gezielter den passenden Rüden für seine Hündin wählen zu können oder den Zwinger, aus dem er seinen nächsten Welpen kaufen möchte. Wie aber soll man die Qualität der Tiere beurteilen, wenn die Tiere nicht bewertet werden? Zur Bewertung gehört nun mal diese "Untersuchung". In der Regel entsprechen alle Hunde ihrem Rassestandard und sind fast fehlerfrei. Hier geht es dann aber darum die Besten zu finden. Also die Hunde genau zu beurteilen und die Besten zu platzieren. Dabei sind all diese Bewertungspunkte wichtig.
Dann gibt es aber auch die Rüdenbesitzer, die mit ihren Rüden in die Zucht einsteigen möchten. Sie müssen ihren Rüden so gut wie möglich präsentieren um als Deckrüde ausgewählt zu werden.Viele hervorragende Rüden werden nie zur Zucht eingesetzt, weil sie nicht oder nicht gut ausgestellt/präsentiert werden. Der Züchter möchte nur den "besten" und "passenden" Rüden für seinen zukünftigen Wurf.
Und dann gibt es noch den Hobbyaussteller, der nur so aus Spaß seinen Hund präsentieren möchte und mal wissen möchte, ob er einen guten, fehlerfreien Hund hat. Manche Leute wollen sich auch nur präsentieren und mal wieder im Mittelpunkt stehen. So nach dem Motto "Seht her, was ich exquisites besitze!"
Ich selber sehe mir gern mal eine Ausstellung an und informiere mich über die einzelnen Rassen, die mich interessieren. Dabei komme ich mit vielen Züchtern ins Gespräch und wir führen dann auch einen regen Erfahrungsaustausch. Ausgestellt habe ich schon lange nicht mehr, war aber fast 50 Jahre regelmäßig Aussteller. Ausgestellt habe ich nicht nur meine eigenen Hunde, sondern auch viele Zuchthunde bekannter Züchter. Für mich war es ein Hobby.
Für Dich würde ich eher Veranstaltungen im Hundesport empfehlen. So etw. im THS, AGI oder ähnliches.Auch Spaßturniere würden besser passen.
Liebe Grüße von Melwin.
Shibaherz
Beiträge: 20685
Das ist schon alles richtig, Melwin, aus der Binnenperspektive der Züchtung von Rassehunden gesehen. Wer unbedingt einen Rassehund haben will, wird möglicherweise auch dem ganzen Ausstellungsbetrieb nicht so kritisch gegenüberstehen wie jemand, der auch an einem Mischling Spaß hat.
Die TEin hat ja selbst einen Rassehund, sie wird also an dessen rassetypischen Merkmalen interessiert gewesen sein vor ihrer Kaufentscheidung – die eben Zucht voraussetzen.

Es kommt eben darauf an, ob man Zucht bzw. Züchtung für sich genommen bedenkenlos bejaht oder nicht. Mit „verschiedenen Arbeitsaufgaben“ kann man das heute ja kaum noch begründen.

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melwin
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2061
+ 1
Es ging doch eigentlich hierrum.

Original von KessyMaus4:
Nur ihre Begeisterung kann ich nicht ganz teilen. Also es ging nur um Perfektion! Und das gefiel mir überhaupt nicht.
Daher würde ich gerne eure Meinungen dazu hören, was haltet ihr von solchen Schauen?

Mit Rassehund besitzen hat das wenig zu tun. Man kann Ausstellungen auch interessannt finden, wenn man keinen Rassehund besitzt, sich aber für Rassen und deren Aussehen interessiert, mehr über entsprechende Rassen wissen möchte.Anders rum genau so. Man muss Ausstellungen nicht gut finden, nur weil man einen Rassehund besitzt.Kritisch oder uninteressannt kann man es in beiden Fällen sehen oder eben nicht.Warum muss man da bedenkenlos befürworten oder ablehnen? Es gibt doch nicht nur schwarz und weiß auf einer Ausstellung.
Ich besitze auch zwei Hunde ohne Papiere aus dem Tierschutz. Trotzdem finde ich Ausstellungen interessannt. Es ist nicht nur ein "zur Schau stellen", sondern für die meisten Aussteller und viele Besucher eine Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Dass sich einige Aussteller nur zur Schau stellen wollen steht doch auf einem ganz anderem Stück Papier. Dass ist doch aber überall so, nicht nur in der Hundewelt.
Liebe Grüße von Melwin.
Shibaherz
Beiträge: 20685
Du hast doch in Deinem vorletzten Beitrag selbst auf den engen Zusammenhang zwischen Hundeausstellungen bzw. Zuchtschauen und Züchtern abgestellt, oder hab ich da was falsch verstanden? Da ja die Wertungen eine Basis für die Auswahl von Hunden zur Zucht bilden.

Kommt es überhaupt vor, dass bei diesen Veranstaltungen auch mal der Hund eines Nicht-Züchters Champion wird? (Entschuldige bitte mein Nicht-Wissen)

Außerdem gibt es wohl auch einen Zusammenhang zwischen der Selektion auf bestimmte Rassemerkmale hin und der Entstehung von Qualzuchten?
Und dass Hunde, die bei diesen Wettbewerben erfolgreich sind, in der Zucht mehr als andere zum Zuge kommen, obwohl sie evtl. Erbkrankheiten vererben?
Sind nur Fragen.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 16.01.2017 17:24 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20212
+ 1
Zunächst einmal halte ich persönlich nichts davon, aus menschlicher Eitelkeit und zur menschlichen Erbauung Hunde dem Stress von überfüllten, lauten und stickigen Hallen auszusetzen. Solche Ausstellungen wären für mich eher ein Fall fürs Tierschutzgesetz.
Was den Sinn für die Zucht angeht, habe ich auch meine Zweifel. Wenn Züchter und Interessierte sich treffen möchten, können sie das auch ohne Hunde tun. Und wie Melvin schon sagte, fallen viele rassetypisch geeignete Hunde für die Zucht weg, weil ihre Besitzer sich und ihren Hunden den Rummel dieser öffentlichen Zurschaustellung ersparen möchten. Im Zuge verschwindend kleiner Genpools gesunder Hunde bei vielen Rassen kann das nicht im Interesse seriöser Zucht sein. Eine Beurteilung der Zuchttauglichkeit liesse sich auch in einem kleineren, stressfreien Rahmen machen. Die Konkurrenz bei Ausstellungen und Siegerprämierung einzelner Hunde schadet mehr als sie nutzt. Der Züchter kann sich danach zwar rühmen und höhere Welpenpreise bzw Decktaxen verlangen, aber so ein prämierter Rüde kommt dann laufend zum Einsatz, verringert somit weiter den Genpool und erzeugt im schlimmsten Fall hunderte Nachkommen, bevor Erbkrankheiten erkannt werden.
Überhaupt stellt sich mir die Frage, ob Schönheit ein geeignetes Zuchtziel ist. Sicher gibt es auch optisch rassetypische Merkmale, die sich der Käufer wünscht (Grösse, Fellart... ). Inzwischen sind die Festlegungen aber teilweise so detailliert, dass die zuchtzugelassenen Hunde auf mich nicht mehr wie Individuen, sondern eher wie Klone wirken. Da muss man bei fünf Golden Retrievern auf einer Wiese schon pfeifen, um seinen eigenen zu erkennen. Der Charakter und die Gesundheit bleiben dabei auf der Strecke. Und im Fall, dass Züchter das ähnlich sehen wie ich, erfolgt dann eine Trennung in Show- und Arbeitslinie, oder es wird ganz ausserhalb der Zuchtnormen des FCI gezüchtet, was es für unkundige Welpenkäufer völlig unübersichtlich macht, ob er es mit einem seriösen Züchter und Liebhaber der Rasse oder einem gewerbsmässigen Vermehrer zu tun hat.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
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