Hundeerziehung

WENKI
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+ 6
Habe dies bekommen und will es weiterleiten ,
denn besser kann man es nicht sagen .
Vor allem aber , sollte man darüber nachdenken .




Hundeschule "Die Spreewölfe"


Wo bleibt die Natürlichkeit in der Hundeerziehung?

Heutzutage liest man überall: "Wir arbeiten nur mit positiver Verstärkung"

Ich frage mich immer, was das genau heißen mag.

Ohne Frage, ich finde positive Verstärkung klasse - ich selbst möchte auch nicht ohne Lob und Motivation lernen. Ich finde es äußerst wichtig, seinem Gegenüber, ganz gleich ob Mensch oder Hund, mitzuteilen, dass derjenige etwas richtig gemacht hat bzw. was von ihm verlangt wird.

Hier nutze ich die Möglichkeiten der positiven Verstärkung: Was der Hund richtig macht, wird natürlich honoriert - ein Feedback ist hier - in meinen Augen - unumgänglich.

Allerdings finde ich auch grenzsetzende Feedbacks unumgänglich. Woher soll mein gegenüber sonst wissen, dass hier eine persönliche Grenze übertreten wurde?

Ich nutze die positive Verstärkung - ganz genau wie alle anderen Teile der Lerntheorie (neg. Verstärkung, neg. Bestrafung, pos. Bestrafung) und ich nutze alle diese Bereiche.

Auch andere Lernformen (soziales Lernen, Modelllernen etc. pp.) nutze ich gerne für die Hundeerziehung - mal bewusst und reflektiert aber auch oft aus dem Bauch heraus.

KEIN EINZIGER MENSCH, aber auch wirklich nicht ein einziger arbeitet komplett ohne Strafe, das funktioniert nicht.

Wer das behauptet, lügt sich gehörig in die Tasche.

Schon alleine der Spielabbruch, um die Beißhemmung zu lehren, ist eine Strafe - in dem Fall eine negative Bestrafung.

Ich entziehe dem Hund hierbei etwas was ihm angenehm ist.

Setzt man hierzu noch das vielpropagierte "Aua-Quietschen" als Unterbrecher ein, sind wir schon mal bei einer positiven Bestrafung (Welpe beißt zu fest, Mensch quietscht, Welpi erschreckt sich, lässt los).

Man muss dazu sagen, dass ein Aua-Quietscher nicht für jeden Welpen erschreckend ist. Gerade die Terrierfraktion findet Quietschgeräusche häufig sehr, sehr spannend und durchaus animierend.

Selbst wenn nach dem Quietschen eine Belohnung folgt (z.b. Spiel geht weiter), ist die Abfolge:

Hund spielt mit Mensch, beißt zu fest, Mensch quietscht (positive Bestrafung), sensibler Hund lässt erschreckt los - Spiel geht weiter (pos. Verstärkung).

Das ganze ohne Quietscher mit Spielabbruch: Hund spielt, beißt zu fest, Mensch geht (negative Bestrafung), Hund beruhigt sich, Aufmerksamkeit kommt zurück (pos. Verstärkung).

Selbst bei einem "netten" Aufbau der Beißhemmung geht nichts ohne Strafe - genausowenig wie es ohne positive Verstärkung geht.

Mal abgesehen davon, dass Hunde sehr verschieden sind. Für den einen ist der Spielabbruch eine sehr schlimme Strafe, der nächste erschreckt sich vor nem Quietscher zu Tode und das kleine Terriermonster muss eventuell einfach mal kurz festgehalten werden, bis der Übermut aus dem Körper herausgewurschtelt ist.

Und genau das führt mich zum nächsten Thema: Körperlichkeit in der Hundeerziehung.

Viele Hundehalter sind heutzutage enorm verunsichert, weil ihnen an jeder Ecke gesagt wird, dass Körperlichkeiten immer tabu sein müssen.

Wie ich jüngst in einem bekannten Hundeforum lesen musste, ist bereits ein körperliches Abblocken für den Hund eine grausame Reglementierung, ein Festhalten eines augeregten Hundes führe zu einem unwiderruflichen Vertrauensverlust und und ein Griff ins hündische Fell sei eine brutale Straftat gegenüber dem Mitgeschöpf Hund.

Hinzu kommt, dass das körperliche Spiel zwischen Mensch und Hund völlig verpöhnt ist, weil hier Erregungsprozesse in Gang gesetzt werden und Konflikte entstehen können. Konflikte sind heutzutage in der Hundeerziehung, sowie auch in der Erziehung kleiner Menschenkinder unerwünscht - deshakb werden diese umgangen, anstatt sie zu lösen.

Die Devise für den modernen Hundehalter heißt hier: "Equipment statt Persönlichkeit."

Wenn ich solche Pauschalaussagen lese, muss ich teilweise schwer schlucken.

Was ist an liebevoller Körperlichkeit schlecht?

Ich führe teilweise bis zu 10 oder 11 Hunde gleichzeitig und greife öfter mal irgendwo rein - je nachdem, was gerade Sinn macht.

Und keiner meiner Hunde reagiert auf nen Griff ins Fell, als wollte ich ihm nach dem Leben trachten. Keiner der hunde hat Angst vor mir.

Alle Hunde, die ich in meinen Gruppen führe vertrauen mir - trotz körperlicher Erziehung.

Mir geht es hier nicht darum, Gewalt am Hund zu propagieren - das liegt mir fern.

Mir geht es um einen natürlichen Umgang mit dem hochsozialen Mitgeschöpf "Hund", den ich, trotz der viel gepriesenen neuesten Erkenntnissen in Lernthoerien und co, immernoch nicht als Konditionierungsmaschine sehen möchte.

Körperlich heißt nicht zwangsläufig brutal. Ich benutze meinen Körper in der Hundeerziehung - Körpersprache, Körperkontakt, taktile Reize, Gestik, Mimik und Blicke sind in meinen Augen millionenmal wichtiger, als jedes Leckerlie oder Spielzeug - was nicht heißt, dass ich nicht auch Leckerlies nutze, um Lernprozesse bei Hunden zu beschleunigen oder sie in unterschiedlichen Situationen zu unterstützen.

Meine Hände können streicheln, knuddeln, Zeigegesten vollführen, aber sie können auch stoppen, zugreifen und maßregeln - was nicht heißt, dass ich den hunden dafür weh tun muss.

Warum Körperlichkeit immer mit Brutalität gleichgesetzt wird, verstehe ich nicht.

Als ich noch als Erzieherin tätig war, war ich auch eher der körperliche Typ: Ich hab mit den Kindern gerangelt, getobt, sie durften auf mir herumklettern. Wenn ich "Schluss" gesagt habe, war auch immer Schluss.

Wir haben gekuschelt, geknuddelt und ich habe die Kids in den Schlaf gekrault.

Wenn ein Kind einen überdreht war, wurde es aber auch mal am Arm festgehalten, am der Kaputze geschnappt bevor es auf die Straße rannte (Was in der Hundeerziehung vielleicht mit dem Griff ins Fell vergleichbar ist.) oder mal auf sein Stühlchen gesetzt.

Der Trend hin zu Hilfmittel und weg von der natürlichen körperlichen Kommunikation ist riesig und schwappt wie eine Welle über Hundebesitzer und verunsicherte Eltern hinweg.

Konfliktvermeidung ist ein gesellschaftliches Problem. Die Kompetenz "Nein" zu sagen, Grenzen aufzuzeigen und diese nachhaltig durchzusetzen verschwindet immer mehr aus unserer Gesellschaft, ob in der Menschenerziehung oder in der Hundeerziehung und nicht zuletzt sogar im Strafrecht unserer zivielen Gesellschaft.

Konsequenzen, die auf dem Fuß folgen, sterben langsam aus.

Sie weichen neuen Problemlösungsstrategien. Es wird umgelenkt, abgelenkt, erklärt und am Konflikt vorbeigedacht.

Ein Beispiel aus der Kindererziehung: Da haut Klein-Liesa mit ihren zwei Jahren der Mama mitten ins Gesicht und Mama fängt an zu erklären, erklärt und erklärt, anstatt einfach das Ärmchen zu greifen, festzuhalten und deutlich zu sagen, dass das nicht geht, was die kleine Maus da tut.

Der Konflikt wird umschifft. Doch sind es nicht gerade die Konflikte, die uns enger zusammenbringen?

Sind es nicht die klaren Grenzen, die dem Gegenüber zeigen, wer wir sind?

Haben wir solche Ängste, unsere Persönlichkeiten zu zeigen und zeigen deshalb lieber ein nettes, lächelndes, erklärendes, umleitendes Gesicht?

Was bleibt, sind Kinder ohne Grenzen und - in der Hundeerziehung - Hunde ohne Grenzen, ohne Führung, ohne Klarheit.

Und hinzu kommt in der Hundeerziehung eine riesengroße Kluft zwischen Mensch und Hund, weil Clicker, Spielie und Co zwischen den beiden Lebewesen stehen.

Vorab: Ich habe nichts gegen Hilfsmittel, wie z.b. Leckerlies und Clicker. Ich nutze viele Möglichkeiten und Methoden. In der Gegenkonditionierung von Ängsten und Unsicherheiten, sowie im Signalaufbau können Clicker und Leckerlie hilfreiche udn wichtige Bausteine sein.

Jedoch sind sie - in meinen Augen - nicht als alleinstehende, heiligbringende Wegweiser gedacht, neben denen nichts anderes funktioniert.

Sie sind eben Hilfsmittel - die Basis für eine funktionierende Mensch-Hund-Beziehung stellen sie, meiner Meinung nach, nicht dar.

Dazu gehört viel mehr.

Es geht mir nicht darum, Hunde und Kinder in einen Topf zu werfen, sondern ein gesellschaftliches Problem anzusprechen: Konfliktmanagement statt Konfliktlösung.

Ich persönlich finde es richtig, über reflektiert zu Handeln, neue Erkenntnisse und Methoden in der Erziehung unserer Schützlinge zu benutzen.


Aber aus einer kleinen, normalen Grenzsetzung, wie z.b. den übermütigen Junghund flugs zu greifen und kurz festzuhalten, eine brutale Handlung machen zu wollen, find ich komplett daneben.

Wo bleibt die Natürlichkeit, der instinktive normale Umgang mit dem Sozialpartner Hund?

.
seid ich die menschen kenne ... liebe ich das tier .
benchen
  • Begleithund
Beiträge: 896
Kurze Erfahrung zum Thema : Mein Schnuffi steigt über seine Rampe ins Auto. Er steht auf der Rückbank und was sieht er aus dem Fenster ? Shar Pei! Frechheit ! Den kann er auf den Tod nicht leiden. Ehe bei meinem Bösling die Heule angeht, erinnert ihn ein Buff in seinen weichen Hintern daran, was er eigentlich zu tun hat. Sich umzudrehen und hinzusetzen. Er leistete der deutlichen Aufforderung Folge, die Heule blieb aus. Ohne Worte ein Buff in den Hintern und die gewünschte Handlung, Hinsetzen , wurde beendet. Binnen einer Sekunde war er bereit zum Abfahren, ohne lange Diskussion.
Lolobrigida
  • Halbstarker
Beiträge: 299
Original von benchen:

Kurze Erfahrung zum Thema : Mein Schnuffi steigt über seine Rampe ins Auto. Er steht auf der Rückbank und was sieht er aus dem Fenster ? Shar Pei! Frechheit ! Den kann er auf den Tod nicht leiden. Ehe bei meinem Bösling die Heule angeht, erinnert ihn ein Buff in seinen weichen Hintern daran, was er eigentlich zu tun hat. Sich umzudrehen und hinzusetzen. Er leistete der deutlichen Aufforderung Folge, die Heule blieb aus. Ohne Worte ein Buff in den Hintern und die gewünschte Handlung, Hinsetzen , wurde beendet. Binnen einer Sekunde war er bereit zum Abfahren, ohne lange Diskussion.

Genau, wir können die Gewalt aus der Erziehung zwar herausnehmen, aber Maßnahmen kann ich nicht mit meinem Hund "ausdiskutieren". Er hat einfach zu gehorchen.

Grüße

Lolobrigida
benchen
  • Begleithund
Beiträge: 896
Noch eine Erfahrung, ganz aktuell. Mein Süßer ist mit uns im Germendorfer Zoo (sehr schön, immer einen Besuch wert ). Er steht bei den Ziegen und bellt sie an, mit Vorsatz Mord. Ich buff ihn in den Maulwinkel, heißt - Maul halten. Er weiß, was es heißt, macht auch sonst. Hier fühlte er sich bei seinem liebsten Hobby gestört und hapste zur Seite. Sofort langte ihm seine Alte eine Schelle, er zog gleich den Kopf ein - pardon,Fehlzündung. Solche Fehlzündungen ziehen einen strengen Tadel nach sich. An dem Tag stand er noch öfter bei den Ziegen. Das Gebrüll fing noch mal an, aber das Abstellen desselben funktionierte ohne Haps.
filou23377
  • Forenwelpe
Beiträge: 109
Herzlichen Dank,Wenki.
horselady83
  • Begleithund
Beiträge: 628
SO sehe ich es auch!
SUPER geschrieben!!!
PitaPata Dog tickers
marina0211
  • Halbstarker
Beiträge: 398
Hund oder Mann?-Die Frage ist doch: "Lass ich mir nur den Teppich versauen, oder gleich das ganze Leben?!"

PitaPata - Personal picturePitaPata Dog tickers
meerestaucher
  • Hundetrainer
Beiträge: 4196
na ja, sehe den artikel ein bisschen überzogen. also ich habe noch nie jemanden kennengelernt der noch nie NEIN zu seinem hund gesagt hat, ein griff ins fell, davon stirbt keiner und ich denke die leute die sich darüber aufregen sind doch wohl eher auch eine klitzekleine gruppe.
hört sich ja jetzt so an also ob die leckerlie fraktion nur bestechenderweise durch die gegend rennt und jedes böse wort auf die waage legt, das dürfte nun wirklich nur der kleinste teil sein.
auch antiauthoritär erzogenene kinder hab ich noch nie kennengelernt (GsD ).
Denke ein viel größeres Problem ist einfach die mangelnde Konsequenz bei vielen.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
WolfsSong
  • Halbstarker
Beiträge: 498
Original von meerestaucher:

na ja, sehe den artikel ein bisschen überzogen. also ich habe noch nie jemanden kennengelernt der noch nie NEIN zu seinem hund gesagt hat, ein griff ins fell, davon stirbt keiner und ich denke die leute die sich darüber aufregen sind doch wohl eher auch eine klitzekleine gruppe.
hört sich ja jetzt so an also ob die leckerlie fraktion nur bestechenderweise durch die gegend rennt und jedes böse wort auf die waage legt, das dürfte nun wirklich nur der kleinste teil sein.
auch antiauthoritär erzogenene kinder hab ich noch nie kennengelernt (GsD ).
Denke ein viel größeres Problem ist einfach die mangelnde Konsequenz bei vielen.

Das muss ich mal komplett so unterschreiben
Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen.
(Ernst R. Hauschka)
WENKI
  • Begleithund
Beiträge: 903
Ich denke um dieses " nein-sagen " geht's auch gar nicht .

Was ich allerdings vermisse in dem post , das auf das thema beziehung und
vertrauen nicht eingegangen wurde . sind dies doch die grundpfeiler bei
mensch und hund beziehungsweise sollte es dies sein .

Eines sollte auch klar sein , konditionieren hat meiner meinung nach nichts mit
beziehung und vertrauen zu tun .

.
seid ich die menschen kenne ... liebe ich das tier .
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