Hundeerziehung: welche Hilfsmittel sind für Euch noch akzeptabel ?

Gast
Hallo,
manchmal wissen Hundehalter keine andere Möglichkeit und greifen bei der Erziehung ihrer Hunde
zu unterschiedlichen Hilfsmitteln wie Erziehungshalsband, Maulkorb, Halti , Würge- oder Stachelhalsband,
Erziehungsgeschirr, Schleppleine, Hundebox, oder den unterschiedlichen Aversiv- und Fernhaltemitteln in Sprayform , Wurfketten, Fußleine usw.

Natürlich kann man der Meinung sein, Hunde grundsätzlich nur mit positiver Verstärkung zu erziehen,

doch was soll man machen, wenn man seinen Hund nicht unter Kontrolle hat
und er auch zu einer allgemeinen Gefahr werden kann ?

Fritz.
Zuletzt geändert am 19.03.2016 20:56 Uhr
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 8969
ich hatte mal einen Weimaranermix Hund der ein echter Jäger war und durch ein Rehhatz auffiel.Er war dann ein sog. "Gefahrhund" und der Wesenstest war wirklich erste Sahne !
Egal , ich hatte damals (vor 11 Jahren !) aus Not und Unwissenheit ein "fernauslösbares Sprayhalsband" eingesetzt und der Erfolg war umgehend sehr beachtlich,
Aber nur mit dem Teil am Hund , also null Erziehungseffekt , nur Angst (ähnlich Teletakt)
Sehr schnall habe ich geschnallt , daß es Mist ist und ein ewig langes und anstrengendes Schleppleinen Training begonnen und das dann etwa 8 Monate konsequent durchgezogen und .......
alles war hervorragend , vorausgesetzt ich passte auf , auf Anzeichen seiner Jagd"sucht" !!!
Eine unterstützende Sache ist o.k. , aber man muss wirklich genau schauen was und vor allem es etwas bewirkt !
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Zuletzt geändert am 19.03.2016 21:47 Uhr
Eleonore
  • Begleithund
Beiträge: 674
Hallo Frietz,
zur Erziehung brauch ich nur meine Stimme und Hände, später kommt Leine und Halsband (normales Nylon-Klickhalsband) dazu. Meist benutze ich sogar die verteufelte Flexi. Je nach Ausbildungsvorhaben kommt ein Suchgeschirr und eine 10-Meterleine zum Einsatz. Hab auch schon zur Umerziehung einen Kettenwürger benutzt, weil sich der Hund aus jedem Halsband und jedem Geschirr befreit hat.

Bei meinen DSH war bei allen ein Kettenhalsband angesagt. Aus der Zeit kenne ich auch Wurfketten, Stachelhalsband und Teletakt. Bei einem notorischen Wilderer (DSH) hat es nicht geholfen, wohl aber bei einem Boxer, der auf Spaziergängen sehr gerne aus dem Auto geworfene benutzte Kondome fraß.

Ein Hund, der zu einer allgemeinen Gefahr wird, der Menschen mit Zerstörungsabsicht angeht würde bei mir eingeschläfert.
VlG, Eleonore
bridge2703
  • Forenwelpe
Beiträge: 164
Also ich kann über das Sprühhalsband nur positives berichten. Mein damaliger Schäferhund war auch ein totaler Jäger und ich hatte mit dem Sprühhalsband gute Erfolge und nein, er lief auch nicht geknickt durch die Gegend. Bevor das Sprühhalsband zum Einsatz kam, hatte mein Hund den Sprüher über Wochen bereits beim Spaziergang dran und es wurde noch nicht gesprüht. Auch hatte ich ihn hier ewig an der Schleppleine und habe mit ihm an der Leinenführung gearbeitet mit allen möglichen anderen Dingen aber eben noch nicht am Wild. Unterbrechungssignal wurde aufgebaut, ein guter Rückruf trainiert und als diese alles klappte haben wir uns erst ans Wild gewagt.

Für diesen Typ Hund passte der Sprüher gut, allerdings würde ich diesen aber auch nicht bei jedem Hund einsetzen, gerade nicht wenn der Hund recht sensibel ist. Bei einem STARK ausgeprägten Jäger kommt man aber i.d.R. mit einem reinen Schleppleinentraining nicht ans Ziel.....
Ilko 1
  • Forenwelpe
Beiträge: 94
+ 3
Hi Fritz,

Hilfsmittel sind immer nur so schlecht/gut wie der Bediener!



Moin Eleonore,

jeder hat eine 2. Chance verdient!!

Ein Tier zum Tode zu verurteilen, weil es Reaktionen auf falsche Behandlungen vom Vorbesitzer zeigt???

Gottlob, gibt es mittlerweile qualifiziertere Weg!


Angelika & Vierbeiner
"Wer immer gesagt hat, man könne Glück nicht kaufen .... hat vergessen, dass es Hundebabies gibt." Gene Hill
Eleonore
  • Begleithund
Beiträge: 674
Hallo Ilko,
dann hast du noch keine unkontrollierbare Kampfmaschine an der Leine gehabt. Von welchen qualifizierteren Wegen die es mittlerweile geben soll sprichst du? Wie willst du so was kontrollieren ohne selbst schwere Schäden davon zu tragen? Arbeitsunfähigkeit, weil dich dein eigener Hund ins Knie beißt, kannst du dem Arbeitgeber vielleicht einmal verkaufen. Aber beim zweiten, spätestens beim dritten mal hast du die Kündigung. Wer es sich leisten kann, soll es gerne versuchen.
VlG, Eleonore
melwin
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2061
+ 1
Original von Eleonore:

Ein Hund, der zu einer allgemeinen Gefahr wird, der Menschen mit Zerstörungsabsicht angeht würde bei mir eingeschläfert.
VlG, Eleonore


Bei mir würde er umgearbeitet werden, denn jeder Hund hat erst einmal das Recht auf ein hundewürdiges Leben. Ist eine Umarbeitung nicht möglich und alle Versuche schlagen fehl, kann man immer noch über eine Einschläferung nachdenken. Nur dann ist eine Einschläferung in meinen Augen gerechtfertigt.


Zur Erziehung brauche ich keine Hilfsmittel. Weder bei den eigenen, noch bei fremden Hunden. Leine und Halsband gehören zwar auch zu den Hilfsmitteln, rechne ich im Normalfall aber nicht dazu, da sie zu dem "täglichen Bedarf" eines Hundes gehören. Anders sieht es da schon bei der Ausbildung und Umerziehung aus. Hilfsmittel bei der Ausbildung sollten keinen Schmerz oder Angst erzeugen. Grundsätzlich gehören Hilfsmittel nur in erfahrene Hände.Sollten also nur unter Anleitung eines erfahrenen Trainers verwendet werden. Die Flexileine ist in meinen Augen zur Erziehung oder Ausbildung völlig ungeeignet. Sie dient nur zur "größeren Bewegungsfreiheit" bei Spaziergängen, wo Leinenpflicht besteht oder für unerzogene Hunde. Die Flexi ist unhandlich und hat einen ruckartigen Stopp, der bei der Ausbildung hinderlich ist. Man kann dadurch nicht Punktgenau arbeiten.Selbst beim Fährten ist sie ungeeignet, da sich der Stopp stöhrend auswirkt und den Hund ablenkt. Zumindest bei der VPG- Fährte oder Fährtenhundprüfung. Übrigens, so sieht meistens eine Ausbildung (Fußarbeit) oder Erziehung an der Flexi aus. Kann man überall beobachten.
Über Hilfsmittel in der Umarbeitung von gefährlichen Hunden brauchen wir hier nicht reden, da diese Ausbildung NUR in fachliche Hände gehört. Der Einsatz von HM ist hier Hunde gebunden und Zweckbestimmend.Aber auch hier darf dem Hund kein Schaden zugefügt werden.
Liebe Grüße von Melwin.
Ruedieltern
  • Halbstarker
Beiträge: 314
Als Hilfsmittel finde ich sowohl Führ- als auch Schleppleine gut und nützlich. Bisher arbeite ich nur mit der Schleppleine, da wir hier wieder auffrischen müssen. Der Jagdtrieb ist stärker geworden. Um die Schleppleine kommen wir grad nicht rum.

Bei sehr unkonzentrierten Hunden finde ich ein Halti auch nicht verkehrt, wenn es nicht nur zum reinen rumziehen benutzt wird. Auch dabei sollte man sich den richtigen Umgang zeigen lassen. Das kann bei Hunden, die permanent die Nase in die Luft hängen und gar nicht mehr auf den Besitzer achten können! bei stärkeren "Fährten" sicher helfen.

Von Sprühhalsbändern oder Kettenwürgern halte ich nichts. Habe dafür auch nie Notwendigkeit verspürt.

Maulkorbtraining ist ein Muss. Zumindest, wenn man den Hund überall mitnehmen möchte. Meistens wird ein Maulkorb in öffentlichen Verkehrsmitteln als Pflicht gesehen. Auch wenn Hunde anfangs überall Müll aufsaugen, führt oft kein Weg dran vorbei. Das kann man wohl meistens trainieren. Aber bis es so weit ist, kann das hilfreich sein. oder bei Hunden, denen man den Erfolg vom Schnappen zunichte machen will. Es gibt viele Situationen, in denen ein Maulkorb notwendig sein kann. Manche Tierärzte machen Untersuchungen, die dem Hund sehr unangenehm sind auch nur, wenn der Hund einen Maulkorb trägt. Dann hast du ein Problem, wenn dein Hund den nicht gewohnt ist.

Ich glaube, dass sogar Wurfketten und Wasserpistolen sinnvoll sein können. Je nach Härtefall und Trainingsansatz. Aber auch nur als allerletztes Mittel und nur unter erfahrener (wird schwierig) Anweisung. Wenn ich meinem Hund, der doch losjagt, die Leine oder ne Flasche an den Hintern oder neben ihn werf, ist das immer noch besser, als wenn er in ein Auto rennt.

Ich würde sagen, da gibt es keine klare Antwort. Mit Schmerzen sollte ein Hund nie erzogen werden. Mit nem Schrecken vielleicht! in manchen Fällen schon eher. Nur positiv funktioniert nicht. Der Hund muss schon erfahren, was man selbst als negativ einstuft. Aber nicht auf Teufel komm raus. Bevor ich meinem Hund aus Unfähigkeit oder weiß der Kuckuck was, zu einem Leben in Schmerz und Angst verurteile (weil vielleicht kein Erfolg dadurch) würde ich ihn tatsächlich auch lieber einschläfern ... Bevor das aber passiert, gebe ich ihn lieber in Hände, die besser mit ihm umgehen können.
Zuletzt geändert am 20.03.2016 20:06 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
+ 2
Original von Eleonore:

Hallo Ilko,
dann hast du noch keine unkontrollierbare Kampfmaschine an der Leine gehabt. Von welchen qualifizierteren Wegen die es mittlerweile geben soll sprichst du? Wie willst du so was kontrollieren ohne selbst schwere Schäden davon zu tragen?


Am Zustand unkontrollierbar kann man arbeiten, und erste Hilfe wäre schon mal ein Maulkorb. Wenn man davon keine Ahnung hat, sollte man aber tatsächlich die Finger weg lassen. Deswegen einen Hund einzuschläfern, kommt für mich nicht in Frage.Es gibt, gerade im Tierschutz, sehr kompetente Helfer. Und selbst wenn eine Korrektur nicht möglich ist, finden sich häufig noch Plätze, wo man einen solchen Hund sicher und trotzdem artgerecht unterbringen kann.

Die Sache mit den Hilfsmitteln sehe ich wie Ilko 1. Es kommt in erster Linie darauf an, warum und wie geschickt sie eingesetzt werden. Auch ein einfaches Halsband oder Geschirr mit Leine schadet häufig dem Hund. Da muss ich nur an die vielen Hunde denken, die mangels Leinenführigkeit röchelnd ihre Halter hinter sich her ziehen. Schäden für die Wirbelsäule, die Atemwege oder das Herz- Kreislaufsystem sind vorprogrammiert.
Die nächste Frage ist, ob eine Korrektur von mir persönlich kommen soll (z. B. Würgehalsband) oder ob ich anonym abschrecken will (Sprayhalsband). Ich unterscheide nicht wie Ruedieltern zwischen Schreck und Schmerz. Beide Erfahrungen sind für den Hund negativ, müssen für mich schon einen schwerwiegenden Hintergrund haben und dann auch genau geplant sein. Die Verwendung von Hilfsmitteln hängt für mich von der Wirkung auf den Hund und dem Ausgangsproblem ab. Schon bei einem Sprayhalsband kommen Tomstep und Bridge2703 zu unterschiedlichen Erfahrungsberichten. Ich selbst hatte einen Pflegehund, der durch den Einsatz eines Antibellhalsbands völlig verhaltensgestört zwischen Panik und Aggression pendelte. Ich würde so ein Ding schon deswegen nicht einsetzen, weil mir der Impuls zu ungenau kommt, und man nicht weiss, wovor sich der Hund erschreckt und welche Verknüpfung dabei entsteht.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Ruedieltern
  • Halbstarker
Beiträge: 314
Die nächste Frage ist, ob eine Korrektur von mir persönlich kommen soll (z. B. Würgehalsband) oder ob ich anonym abschrecken will (Sprayhalsband). Ich unterscheide nicht wie Ruedieltern zwischen Schreck und Schmerz. Beide Erfahrungen sind für den Hund negativ, müssen für mich schon einen schwerwiegenden Hintergrund haben und dann auch genau geplant sein. Die Verwendung von Hilfsmitteln hängt für mich von der Wirkung auf den Hund und dem Ausgangsproblem ab. Schon bei einem Sprayhalsband kommen Tomstep und Bridge2703 zu unterschiedlichen Erfahrungsberichten. Ich selbst hatte einen Pflegehund, der durch den Einsatz eines Antibellhalsbands völlig verhaltensgestört zwischen Panik und Aggression pendelte. Ich würde so ein Ding schon deswegen nicht einsetzen, weil mir der Impuls zu ungenau kommt, und man nicht weiss, wovor sich der Hund erschreckt und welche Verknüpfung dabei entsteht.


Ein Antibellhalsband würde für mich auch überhaupt nicht in Frage kommen. Ein bellender Hund ist für sich und die Nachbarn eine Belastung, du bekämpfst mit diesem Band aber nur die Symptome. Der Hund hat immer noch dasselbe Verlangen zu bellen, weil er frustriert ist oder ihn Geräusche erschrecken oder aus anderen Gründen. Daran ändert das Band nix. Außer, dass der Hund am Ende komplett gestört ist. Ein Hund, der bei Lautäußerung einen Schlag oder was auch immer bekommt, hat kein würdiges Leben mehr.

Ich denke da eher an Hunde, die sich durch ihr Verhalten in Lebensgefahr begeben. Wenn sie beispielsweise Autos oder Züge jagen und kein anderer Trainingsansatz fruchten würde, so hartnäckig ich ihn auch durchführen würde. Wenn alles nicht klappen würde, würde ich mir womöglich Unterstützung von jemandem holen, der mit einem "Druckhalsband" (wie heißen die Halsbänder, die keinen Elektroschock abgeben, aber auch nicht sprühen. Sondern so eine Art Kälte ohne Srühgeräusche?) arbeitet. Das wäre für mich das letzte Mittel.

Nun leben wir hier so, dass es genügend Möglichkeiten gäbe, den Hund auch untrainiert in den Freilauf zu lassen. Falls gar nichts fruchten würde. Würde ich aber wo leben, wo ich diese Möglichkeiten nicht habe, würde ich das schon in Erwägung ziehen. Ein komplettes Hundeleben an der Leine, ist für die meisten Hunde aus meiner Sicht schlimmer, als ein erfolgreich beendetes Training mit so einem Halsband.

Bei einem bellenden Hund, einfach automatisch Schrecken auszulösen, würde für mich nicht in Frage kommen. Genauso wenig wie bei einem Hund, der beißt oder der an Menschen hochspringt.

Ich halte Schrecken nicht für harmlos. Aber ich bin froh, dass das schon manchen Hunden das Leben retten konnte, die keinen Schaden davon getragen haben. Auf eigene Faust würde ich mit sowas aber auch nicht rumexperimentieren. Permanenten Schmerz, z.B. bei ziehenden Hunden ein Stachelhalsband, finde ich schon noch eine Nummer krasser. Chronische Schmerzen verkraftet kein Tier auf Dauer. Der Schrecken kann bei manchen Hunden aber sicher genauso traumatisch sein. Das sollte natürlich gut überlegt sein.
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