"Gassifahren"

Shibaherz
Beiträge: 20682
+ 1
Vielleicht habt Ihr schon davon gehört, vor wenigen Tagen hat in Aschaffenburg eine 21jährige den Hund eines Bekannten beim sog. „Gassi-fahren“ unabsichtlich getötet. Die Frau hatte den Hund von ihrem Auto aus angeleint! Dabei ist er unter das Kfz geraten.

Sie bekommt hoffentlich eine saftige Strafe nach dem TierSchG, denn nach § 28 StVO stellt das nur eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit 5 € Bußgeld bestraft wird, ähnlich wie Falschparken.

Wenn Ihr so etwas beobachtet, Kennzeichen notieren und Anzeige erstatten! Nach Angaben der Polizei nehmen derartige Praktiken zu, u. a. bei Jägern und Landwirten, dann allerdings auf Feldwegen, wo die StVO nicht greift.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 8970
+ 3
Das habe ich auch schon in Beas Blog heute geschrieben, ist aber allgemeingültig für mich (!).
Mal ehrlich, wenn ich keinen Bock habe groß zu laufen, hole ich mir einen Leguan, oder einen Papagei, eine Alternative wäre evtl. (!) noch ein alter, gehandikapter Hund z.B. aus dem Tierschutz der nicht mehr so kann und/oder will, aber keinen fitten, jungen Powerhund !
Eine Ausnahme wäre allerhöchstens eine eigene vorübergehende Gehbehinderung durch eine Verletzung o.ä., aber das ich mit dem Auto fahre und der Hund läuft ist für mich auch in einem solchen Fall undenkbar !
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Zuletzt geändert am 18.10.2016 15:06 Uhr
brigitte6
  • Forenwelpe
Beiträge: 44
Auch ich habe in Beas Block meinen Kommentar dazu geschrieben....
Finde sehr gut was Tomstep geschrieben hat,ich Schlüsse mich dem an
Shibaherz
Beiträge: 20682
@Tomstep: Nicht jeder hier vertieft sich in die Blogs. Bin ansonsten völlig Deiner Meinung.

Es geht hier aber nicht in erster Linie um Moral, sondern um die Rechtsprechung. Moral und Rechtsprechung sind zwei verschiedene paar Schuhe. Also, genau gesagt, geht es darum, wie man in der Angelegenheit mehr Druck auf den Gesetzgeber ausüben könnte. Und das geht natürlich nicht über die StVO, sondern nur über den Tierschutz allgemein

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Zuletzt geändert am 18.10.2016 19:13 Uhr
weckener
  • Halbstarker
Beiträge: 379
Shibaherz:
ich habe das auch schon beklagt. Immer mehr Jäger, auch normale HH finden es Klasse, den Hund neben dem Auto herlaufen zu lassen... Ein Jäger in meiner Gemeinde hat auch den Hund an der Anhägerkupplung festgemacht. Beim Rangieren hat der Jäger den Hund vergessen und ihn überfahren. Er mußte eingeschläfert werden. Trotzdem hat der Züchter ihm einen neuen gegeben und auf Anfrage, wie er das machen kann, hat er gesagt: " kann doch mal passieren..." Die anderen Jäger fanden das auch.... Das Ordnungsamt sah keinen Anlass sich einzumischen, ist ja sein Hund.
Ich finde die Unsitte Hunde mit Auto Gassigehen einfach schrecklich. Mich als HH, der plötzlich im Wald von einem Jagdhund angepöbelt wird, oder auch sehr schön: 2 große Schäferhunde, die ohne Besitzer, der fährt auf der Straße parallel...
Ist zwar alles verboten, aber wen kümmert das schon?
Anzeigen haben keinen Erfolg.... Wie ich schon in einem anderen Thema geschrieben habe, bis die Ämter in Gang kommen, das dauert...
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
+ 1
Ich sehe das Thema Gassifahren schon unter dem Tierschutzaspekt viel differenzierter. Natürlich finde ich es auch daneben, wenn ein Hund an der Anhängerkupplung hinterher geschleift wird. Bei mir ist aber z. B. ein Jäger, der mit seinem Deutschkurzhaar in die Wiesen fährt, ihn dort raus lässt, gemütlich sein Revier abfährt und ihn etwa vier Kilometer weiter wieder einsammelt. Ich glaube nicht, dass dieser Hund weniger Spass an seinem Frühsport hat, als meine, wenn ich dieselbe Tour mit dem Rad fahre. Und man sollte auch bedenken, dass es eine Menge Hunde gibt, die Spass am Tempo haben. Sie wurden als Kutschen- oder Reitbegleithunde oder für die ausdauernde Jagd gezüchtet. Da ist es vielleicht eher Tierquälerei, sie im Schritt an der Leine zu führen.

Rechtlich finde ich die Beurteilung auch schwierig. Bei mir fährt z. B. ein Mann mit Elektrorollstuhl mit seinem Hund spazieren. Ist das dann auch tierschutzrelevant. Oder der Besitzer eines Schlittenhunderudels trainiert seine Hunde im Sommer mit dem Quad. Oder Hunde laufen neben der Kutsche her. Ich denke, die Grenzen kann man nur im konkreten Einzelfall ziehen. Da spielt die Rasse, das Alter, die Kondition... mit
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Zuletzt geändert am 18.10.2016 21:18 Uhr
Shibaherz
Beiträge: 20682
+ 1
Na toll. Der Jäger lässt seinen Hund kilometerweit unbeaufsichtigt.
Und als ob das "An-der-Leine-führen" die einzige Alternative wäre.
Wer kann im Ernst etwas gegen einen Rollstuhlfahrer oder Schlittenhundtrainer haben.
Aber hier geht es um einen gesellschaftlichen Trend, der u. a. mit Zeitknappheit zu tun hat.
Also wenn differenziert werden soll, dann differenziere auch richtig.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Zuletzt geändert am 18.10.2016 21:35 Uhr
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
Unbeaufsichtigt ist ein relativer Begriff. Der Hund ist genauso gut oder schlecht zu kontrollieren wie jeder andere freilaufende Hund. Dieser wurde erzogen, so dass er in der Nähe des Autos mitläuft. Ob das irgendwo ein neuer Trend ist, kann ich nicht beurteilen. Auf dem Land kenne ich das schon seit meiner Kinderzeit. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass diese Gassivariante heute mehr Zuspruch findet, weil mit zunehmender Leinenpflicht die Hunde sonst nicht genug Bewegung bekommen. Vielleicht kann man dann bald die Abstandhalter nicht nur für Fahrräder, sondern auch für Autos kaufen.

Wenn es um gesetzliche Rahmenbedingungen geht, ist das Beispiel vom Elektorollstuhl durchaus relevant. Der fährt genau so schnell wie ein Fahrrad mit Hilfsmotor oder Mofa. Ein Quad ist nicht langsamer als ein Auto, nur sitzt auch der Fahrer an der frischen Luft. Also was soll erlaubt sein und was verboten werden? Zur Zeit geht es nur um die Gefährdung im Strassenverkehr. So ist es verboten, ein Pferd am Fahrrad zu führen, während Hunde noch erlaubt sind. Wenn man nun das Wohl des Tieres in den Mittelpunkt stellen wollte, ist das nicht so einfach. Auch wenn ich es selbst nicht machen würde, finde ich es nicht schlimm, wenn lauffreudige Hunde neben Motorfahrzeugen laufen. Dafür sträuben sich meine Haare, wenn Hunde mit kurzer Leine am Halsband am Abstandhalter eines Fahrrads befestigt werden.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Shibaherz
Beiträge: 20682
+ 1
Sehe ich nicht so. Wir sprechen ja hier von verlässlich abrufbaren Hunden, o. k.? Auf deren evtl. unerwünschtes Verhalten kann ein HH, der per pedes mit ihnen „über Stock und Stein“ unterwegs ist, naturgemäß schneller reagieren als ein Autofahrer, dessen Aufmerksamkeit zunächst oder zugleich dem Funktionieren des Motorfahrzeugs, der Straßen- bzw. Wegebeschaffenheit, evtl. auch dem Gegenverkehr (bspw. von Radfahrern) gilt; der ggf. erst abbremsen, parken und aussteigen muss, bevor er seinen Hund rufen kann, welcher vlt. gerade hinter einem Wildtier her ist (im Fahrzeug wird sein Abruf ggf. vom Autolärm übertönt).
Das mit der Zulassung von Auto-Abstandshaltern sollte wohl ein Scherz sein

Du siehst in dieser Praxis vornehmlich das „Gute“, was man dem Hund damit angedeihen lässt, das „Auspowern“. Ich sehe darin hauptsächlich menschliche Bequemlichkeit, auf Zeitersparnis gerichtetes Kalkül, und die Degradierung eines unfreien Lebewesens zum Anhängsel einer Maschine.

Ich plädiere hier nicht für Fahrrad-Abstandshalter mit kurzer Leine. Im Zuge der Einführung bzw. Novellierung der Hundeführerscheinpflicht könnte die Erlaubnis, als Fahrradfahrer mit dem freilaufenden Hund unterwegs zu sein, als Zusatzqualifikation optional in diesem Führerschein vermerkt sein und die Erlaubnis könnte auf bestimmte dafür zugelassene Wege, in Berlin z. B. Die autofreien ehemaligen Mauerwege, beschränkt werden. Auch auf diese Weise kann der lauffreudige Hund „ausgepowert“ werden. In meinen Augen macht es eben einen Unterschied, ob der Hund durch ein mit menschlicher Muskelkraft betriebenes Fortbewegungsmittel wie das Fahrrad oder aber durch ein stinkendes und lärmendes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zur Beschleunigung animiert wird. Der Radfahrer ebenso wie der Fußgänger bewegt sich selbst, reagiert selbst auf die Signale seines Körpers, teilt mit dem Hund die Freude an der Bewegung oder auch das Gefühl der Erschöpfung, das Bedürfnis nach Ruhe; beim sich selbst von seiner Umwelt isolierenden „Couchpotato“ Autofahrer ist das nicht der Fall.

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Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1833
+ 2
Hundehalter, die mit ihrem Hund via Auto "Gassi fahren" sind für mich ein no go.
Gassi gehen sollte für Hund und Frauchen/Herrchen ein gemeinsamer Spaß sein und wenn der Hund hinter oder neben der Benzinkarosse herlaufen muss und er nicht mal Zeit zum Schnüffeln oder Haxelheben hat, dann empfinde ich das als pure Faulheit des Hundehalters.
Meine Empfehlung für diese Hundehalter: Kauft euch ein Plüschtier
Oder einen Hund, der nicht so viel Auslauf braucht.
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