Erziehungstipps für unseren sensiblen Spanier

Maya-Maus
  • Halbstarker
Beiträge: 286
Hallo ihr Lieben!

Wir haben seit gestern Zuwachs. Wir haben einen 1,5 jährigen Bretonen-Mix vom Tierschutz aufgenommen, er ist ein wahrer Schatz, hat es aber natürlich noch etwas schwer, kennt nicht viel usw usw.
Deshalb würde ich mich über ein paar Tipps freuen, vllt von Hundehaltern, die selbst Erfahrung mit Auslandshunden und deren Problemen haben.

Kito ist gegenüber Fremden sehr ängstlich, vor allem bei Männern, die lässt er in der Regel gar nicht an sich ran und bellt und knurrt, wenn sie ihm zu nah kommen, allerdings eher mit Rückwärtstendenz. Als wir ihn uns angeschaut haben, war er trotzdem von der ersten Sekunde an total in meinen Freund verliebt, er wich ihm nicht mehr von der Seite und saß ihm auf dem Schoß - wirklich Liebe auf den ersten Blick. Nun verbellt er ihn und knurrt ihn an, wenn er nach Hause kommt. Er beruhigt sich schnell wieder, ist aber sehr misstrauisch. Wie können wir ihm das etwas leichter machen? Einfach ignorieren?

Das nächste ist, dass Kito gern bellt und knurrt, wenn er im Haus Geräusche hört, meiner Meinung nach aus Unsicherheit, ich möchte ihn aber auch nicht zu forsch zurechtweisen, weil er sehr sensibel ist. Wie würdet ihr euch verhalten?

Und natürlich kennt Kito es noch nicht wirklich an der Leine zu gehen, geschweige denn auf Rufen zu einem zu kommen. Momentan läuft er an der Schleppleine und das klappt so ganz gut, aber Ziel wäre es natürlich, dass er iiiiirgendwann auch mal frei laufen kann. Sonderlich verfressen ist er auch nicht, er nimmt bis jetzt gar keine Leckerlis an. Wie trainiere ich mit einem Hund, der sich nichts aus Futter macht? Rein durch verbales Lob?

Natürlich werden wir nach Eingewöhnungsphase auch Einzeltraining mit einem Hundetrainer machen, aber erstmal soll er sich in Ruhe an sein neues Umfeld gewöhnen.

Natürlich ist Kito erst einen Tag da, es ist noch alles total neu für ihn und er muss sich erstmal eingewöhnen. Ich verlange momentan auch noch gar nichts von ihm, rufe ihn nur gelegentlich mal ran, ansonsten soll er erstmal die vielen neuen Eindrücke sacken lassen. Er ist sonst ein ganz lieber verschmuster aufgeweckter Bursche Ich möchte nur von Anfang an alles richtig machen, da ich nicht weiß was er erlebt hat und er eben sehr sensibel ist. Unsere Ersthündin ist da das glatte Gegenteil - hoffe er guckt sich ein bisschen was bei ihr ab
Ich würde mich freuen, wenn sich ein paar Leute melden, die Erfahrungen mit "Auslandshunden" und deren Problemen haben.

LG Cosi, Maya & Kito
Ein Hund hat keine Verwendung für schicke Autos, große Häuser oder Designerklamotten. Ein klatschnasser Stock reicht ihm völlig.

Einen Hund interessiert es nicht ob du reich bist, oder arm, clever oder dumm, pfiffig oder doof. Wenn du ihm dein Herz schenkst, schenkt er dir seins.

Mehlemer Bürgerin
  • Alpha Hund
Beiträge: 8098
Hallo, Maya-Maus, was ich nicht finde ist, wie Dein Freund auf diese Art der Begrüssung reagiert, bzw. wie intensiv er sich überhaupt um ihn bemüht...
auf jeden Fall sollte man kein grosses Aufsehen machen, egal, ob es die "bösen Männer" betriftt, oder eben andere Situationen, die ihn unsicher machen, also nicht draufeingehen, eher so tun, als sei alles völlig harmlos und normal, nicht dem Hund noch die Angst verstärken, indem man ihm gross was einredet...
Claudia ohne Nino am
Tapedog
  • Forenwelpe
Beiträge: 55
hey
Mein Ben hatte damals auch sehr sehr grosse Angst vor fremden vor allem Maennern.
Er hat auch keine Leckerlis gefressen.
Wir hatten damals die Empfehlung bekommen ihn niemals von der Leine zu lassen, da er ein Podenco Pointermix ist. Also Jagthund durch und durch

Nach viel viel Training laeuft er ueberall (bis auf an Strassen) ohne Leine, er geht sogar am Pferd.
Als Leckeris in der Hundeschule haben wir Fleischwurst genommen Das liebt er
Die Angst hat lange gedauert bis sie weg war, aber wir habens geschafft. Er hat Bachbluetentherapie bekommen, ausserdem haben wir ihn wirklich ueberall mit hingenommen und wir haben ihn auf Handzeichen trainiert, so das er mit den Augen immer bei uns sein muss.
Das hilft draussen und bei der Angst gegen die Fremden.
Wir haben auch viel Kopfarbeit mit ihm gemacht, er ist der Zirkushund, also im kann man wirklich alles beibringen, von Sitz bis zum Licht anschalten.

Besuchern haben wir immer gesagt, das sie den Ben ignorieren sollen. Nach kurzer Zeit geht er dann von alleine auf die Menschen zu. Als wir damit angefangen haben, hat das alles was laenger gedauert.
Wichtig war nur, das die Besucher ihn wirklich ignorierten, auch wenn er sich von hinten anschlich.
Ans Koerbchen sollten sie auch nicht ran.

Viel Glueck
malina
  • Begleithund
Beiträge: 1280
Hallo, Pepino kommt auch aus dem Süden und er hat auf südländische Männer, Männer mit basecap und nach Alkohol riechende Männer und Kinder genauso reagiert, wie Dein Hund. Zurück weichend, bis zum Einnässen und dann wiederum sich schützen wollend mit Knurren und bellen reagiert. Mein damaliger Freund, ein Südländer, hat von sich aus gut reagiert und Ihn erst ignoriert, dann hat er sich mein Freund auf den Rücken auf dem Boden gelegt und wir haben einfach weiter gequatscht. Er wiederholte das bei jedem Besuch und dann legte er sich Leckerlies in die Hand. Pepino ist sehr verfressen und es wurde immer besser, sehr schnell sogar, bis das er nach 3 Wochen auf dem Bauch meines Freundes lag. Dann bat ich Ihn mit Cappy rein zukommen und Pepino hatte Angst und wurde aggressiv, als das Cappy abgenommen wurde, sah er, das sein Leckerligeber und neuer Schmusefreund sich darunter verbarg. Die Angst vor anderen Männern schwand dann auch schnell, man muß den Hund langsam konfrontieren und nicht vermeiden oder Ihn bestätigen. Pepino wurde mit Hunde geprobten Kindern aus der Verwandschaft heran geführt und das heranführen an Kinder ging bei Ihm am schnellsten.
Der einen Hund braucht mehr Zeit und Geduld, der andere länger. Jeder Hund hat einen anderen Charakter und jeder eine andere Geschichte.

Ich grüße Dich und Deine Hunde
Nele12345
  • Forenwelpe
Beiträge: 144
+ 1

Hallo Maya Maus

das wichtigste ist erst mal den Hund ankommen lassen. Das heißt wenn er in der Wohnung einen Platz angewiesen bekommen hat ihn in Ruhe zu lassen. Erst hin gehen wenn man mit ihm Gassie gehen will oder wenn man ihm was zu fressen geben möchte.
Ich habe von 9 Monaten auch so eine Angsthündin aus einer Tötungsstation übernommen. Ich habe sie angeleint und die ersten
Tage war ich einfach nur mit ihr im Garten. Sie hatte große Angst und Stubenrein war sie auch noch nicht. Ich habe mich oft
einfach 1- 2 m weiter von ihr entfernt einfach auf den Boden gesetzt und nix gemacht oder gelesen. Irgendwann kam sie
von ganz alleine aus ihren Körbchen und bezwang ihre Angst und kam von selbst. Sie bekam Leckerlies und man konnte später sehen das sie richtig stolz war ihre Angst überwunden zu haben. Anfangs lief sie manchmal noch etwas geduckt aber nach kurzer Zeit lief sie aufrecht und der Schwanz war auch nicht mehr so eingeklemmt. Wir sind auch immer langsam an ihr vorbei gegangen.Wir haben erst nach 14 Tagen das erste mal das Grundstück verlassen und sie hatte schon die Angst vor uns verloren und begann uns etwas zu vertrauen. Aber am meisten hat sie sich gefreut, als wir mit ihr in die Hundespielstunde gefahren sind. Da sie Straßenhund war hat sie andere Hunde sehr vermisst. Sie kann es manchmal gar nicht abwarten bis sie abgeleint wird und endlich mit den anderen Hunden spielen kann. Auch in dem Junghundekurs kommt sie prima klar und sie lernt schnell. Draußen solltest du aufpassen wenn er Angst hat und versucht sich Rückwärts aus dem Geschirr zu befreien das ihm das nicht gelingt denn dann ist er weg. Wir haben zur Sicherheit anfangs
noch zusätzlich ein anderes Halsband mit an der Leine gehabt. Wenn er sehr ängstlich ist hilft das füttern aus der Hand auch ganz gut. Unsere Nele hatte z. B, Angst vor Pferden auf der Weide bei uns wo wir dran vorbei müssen. Sie hatte dann wieder ihre Fluchtendenzen, ich habe mich einfach hinter ihr gestellt und bin ruhig stehen geblieben. Nach 4 Tagen hat sie von ganz allen Halt gemacht an der Weide und sich hingesetzt. Wir sind immer ein bisschen näher zu den Pferden gegangen und nach ca 2 Wochen ist sie sogar von alleine noch dichter zu den Pferden gelaufen. Ihn solchen Situationen wenn ich ihr die Angst nehmen will rede ich nicht auf sie ein sondern bin ruhig und gelassen. Mit dem auf einen Hund ständig beruhigend
einreden bestärkt man den Hund bloss damit das er recht hat Angst zu haben.
Ich hab meine Angsthündin jetzt fast 9 Monate und wir haben die meisten ihrer Ängste schon abgebaut und sie kann ohne
Leine laufen und der Rückruf klappt auch schon prima. Es gibt noch viele kleine Tipps zu einzelnen Problemen aber das kann man jetzt nicht alles aufschreiben. Das kann man meist dann wenns Auftritt direkt besprechen. Wichtig ist niemals
dir Ruhe und die Geduld verlieren!

Liebe Grüße
Renate und Nele
Zuletzt geändert am 31.01.2012 19:28 Uhr
malina
  • Begleithund
Beiträge: 1280
Das ist wirklich ein wichtiger Punkt, erstmal ankommen lassen, den Hund erstmal die Wohnung und das direkte Umfeld erkunden lassen, damit er Sicherheit bekommt und nicht sofort mit Reizen, die starke Angst hervorrufen konfrontieren.
Hunde die voller Angst sind, fressen auch oft sehr schlecht und und sie sind so voller Angst, das Sie garnicht spielen wollen oder können. Angst ruft Reaktionen hervor körperliche, wie auch seelische. Die Angst bereitet im Körper alles auf Flucht vor. Wenn er spielt, hat er Angst, das er was übersieht, wovor es zu flüchten gilt. Der Körper ist meist angespannt. Ich bin die ersten 3 Wochen mit Pepino nur da gelaufen, wo es für Ihn überschaubar, ruhig und leer war und alle wollten vorbei kommen und sich meinen neuen Hund anschauen, ich habe Sie erstmal abgewiesen. Wenn der Hund sicherer wird, kann Spielen zur Entspannung und Ablenkung dienen. Das ist immer schlimm, wenn man dem Hund nicht erklären kann, das Ihm nun nichts mehr passieren kann. Wenn ein Hund schlechte Erfahrungen mit einem Mann etc. gemacht hat, läuft bei jedem Mann der gleiche Film ab. Ein Geräusch, ein Geruch etc. kann das auslösen. Nachdem Pepino ohne Angst war, sprach ein Freund Ihn auf spanisch an und er reagierte sofort mit Angst.
Maya-Maus
  • Halbstarker
Beiträge: 286

Danke!!

Danke schonmal für die vielen tollen Antworten!! Das hilft mir sehr
Wir sind bisher auch die Ignorieren-Schiene gefahren und dann bleiben wir dabei auch. Sonst machen wir alles wie immer, ich nehme natürlich Rücksicht auf ihn, aber ich packe ihn auch nicht in Watte.
Man muss einfach auf so vieles achten. Der kleine Mann reagiert so sensibel auf Körpersprache, beugt man sich nur ein klein wenig nach vorn, gehen direkt die Ohren zurück usw, man muss echt genau darauf achten, wie man sich bewegt.
Ansonsten lassen wir's natürlich ruhig angehen, wir waren aber schon etwas auf dem Feld und die zwei Hunds haben auch miteinander gespielt und Kito wälzte sich ständig auf der Wiese, er machte einen ganz zufriedenen Eindruck. Ist ja kein schlechtes Zeichen oder? Fressen tut er auch, wenn auch noch etwas zaghaft, allerdings bin ich von Maya auch eher an die Gattung Staubsaugerhund gewöhnt
In der Wohnung schlafen die beiden aneinander gekuschelt und Kito sucht immer meine Nähe, selbst wenn ich am Esstisch sitze, legt er sich neben mich auf den Boden. Man merkt also sehr, dass er unsicher ist und Schutz sucht, andererseits finde ich es schön, dass er meine Nähe sucht.
Bei meinem Freund ist er auch total neugierig. Er ist zwar sehr misstrauisch, aber er möchte eben trotzdem hin und schnuffeln... das schwierigste ist wirklich wenn er heimkommt, da wird gebellt und geknurrt, aber wenn er dann mal da ist, liegt Kito auch neben ihm auf der Couch. Ich bin mal gespannt wie er sich in den kommenden Wochen und Monaten einlebt
Ich werde mich sicher noch mit dem ein oder anderen Problemchen melden und freue mich jederzeit über Tipps
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Gast
Hey Maya-Maus,

ruhig angehen lassen ist auf jeden Fall schonmal eine gute Taktik bei so Schissern. Dennoch den Tagesablauf aber so weiterführen wie es "normal" ist, damit dann nicht wieder umgestellt werden muss.

Wir haben damals ein super Training mit Pia Gröning gemacht, und dort haben wir "das Picknick" für uns entdeckt, war nämlich mal Hausaufgabe. Dabei geht es vor allem darum, Ruhe in stressige Situationen zu bringen. Bei Abby war es eben draußen, Ihr könnt es aber ja auch erstmal drinnen versuchen (weil *brrrrr*, ist ja grad kalt).

Wir haben uns eine Decke genommen, und haben uns stumpf auf eine Wiese gesetzt. Dort mussten/durften wir so lange sitzen bleiben, bis Abby runtergefahren ist, und in der Lage war, Futter aufzunehmen. Wenn dieser Punkt erreicht war, dann gab es etwas zu kauen (kauen beruhigt ja bekanntlich), und wir blieben solange sitzen, bis Wuffi aufgegessen hat. So haben wir auch einige andere stressige Situationen lösen können. Verbunden mit einem bestimmten "Ruhekommando" kann man dieses Ruhegefühl auch wunderbar in fremden Situationen verbinden.

Ähnlich könntet Ihr ja auch erstmal im Haus arbeiten.

Grüße!
Zuletzt geändert am 31.01.2012 21:35 Uhr
Maya-Maus
  • Halbstarker
Beiträge: 286
"ruhig angehen lassen ist auf jeden Fall schonmal eine gute Taktik bei so Schissern. Dennoch den Tagesablauf aber so weiterführen wie es "normal" ist, damit dann nicht wieder umgestellt werden muss."

genau, das dachte ich mir auch.

das mit dem picknick klingt gut, vllt probieren wir das mal, wenn er sich etwas eingewöhnt hat.
ist ja supi, dass ihr ein training mit Pia gröning hattet, ich habe ihr AJT Buch verschlungen echt gut.
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Gast
+ 1
Ja, das Training war echt super. 1. Stunde: Freilauf auf eingezäunter Wiese. 2. Stunde: Abby musste operiert werden. 3. Stunde: ich habe mir den Finger gebrochen ... mehr steht dazu aber in meinem Blog. Und ehrlich, wir haben trotz allem vieeeel gelernt, und sie hat uns, und den Hund gut eingeschätzt.

Sie tourt auch durch Deutschland, vielleicht kannst Du ja "irgendwann" auch mal was mit ihr machen. Es lohnt sich!!!

Viel Spaß mit dem Neuzugang! Und -nur die Ruhe bewahren-
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