Einschläfern nach schlimmem Biss

xmillax
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Beiträge: 12
Hallo Leute,

ich habe mir vor über zwei Jahren einen wunderschönen, lieben Hundeschatz geholt. Damals noch mit Freund und Haus.... doch dann zerbrach die Beziehung, das Haus musste weg und der Hund kam zu meinen Eltern, da die neue Wohnung viel zu klein war.

Damals war Charlie etwa anderthalb Jahre alt, auch schon eher mittelmäßig (weil inkonsequent) erzogen aber immernoch unser liebster Kuschelbär. Nachdem er dann aber öfter agressiv geworden ist (er hat mich mal in den Arm gebissen - eine bleibende Erinnerung in die Haut gezeichnet...), meinen Vater beim Spaziergang attackiert (die Lederjacke hat schlimmeres verhindert) und einige Male weniger erfolgreich versucht, zuzuschnappen.
Ich gebe zu: bei diesem 35 kilo Hund, der blitzschnell und für uns völlig überraschend zugebissen hat, war vor lauter Schreck an Strafe nicht zu denken - wir hatten in solchen Situationen immer mehr Angst als Unterwerfungsübungen im Kopf und haben ihn dann einfach nur aus dem Blickfeld geleitet.

Natürlich war uns klar, dass es so nicht weiter gehen kann und wir haben auch eingesehen, dass wir nicht mehr Herr der Lage sind. Deshalb haben wir ihn an eine professionelle Hundetrainerin abgegeben - er war für 8 Wochen und viel Geld in einer Ausbildung und kam danach doch sehr gut erzogen zurück, muss man sagen.

Meine Mama hat sehr, sehr viel mit ihm trainiert, denn zur Ausbildung gehörte auch die Schulung des Frauchens. Und obwohl komm, sitz und platz ganz wunderbar funktionierten, passierte gestern das:

nach dem Spaziergang war Charlie wohl immernoch nicht müde und kläffte laut und aufgebracht am Fenster, wahrscheinlich weil er einen anderen Hund auf der Strasse gehört hatte. Mein Vater, der nach einem langen Arbeitstag etwas schlafen wollte, ging zu ihm hin und sagte (mit sehr, sehr lauter Stimmer, er hat ein ordentliches Organ!) "Charlie, was ist hier los". Da hat Charlie meinen Vater angesprungen und ihm ins Gesicht gebissen!!!!!

Der Schock war groß, meine Mutter erzählt mir nur von Blut und der Lippe, die in Fetzen vom Gesicht hing. Sofort fuhren sie ins Krankenhaus und ließen es nähen. Heute mittag fand mein Vater noch ein Stück von seiner Lippe im Flur.

Ihr könnt Euch vorstellen, wie ich mich fühle. Mein armer Vater, hätte ich den Hund bloss nie geholt! Meine Narben auf meinem Arm sind ein Witz im Vergleich zu der Verunstaltung, mit der er sich nun abgeben muss - mitten im Gesicht!

Die Hundetrainerin versteht, dass wir an den Gang zum Arzt denken. Sie hat einen Wesenstest mit dem Hund gemacht, den er bestanden hat. Sie sagt aber auch, dass er sehr, sehr willensstark ist und immer wieder versuchen wird, in der Rangordnung aufzusteigen. Sie sagt weiter, ein Jäger hätte wohl seine Freude mit ihm - aber wo soll ich nun auf die Schnelle einen Jäger herholen? Ihr könnt Euch vorstellen, dass er unmöglich länger bei meinen Eltern bleiben kann.

Ich sage Euch, er lebt nur deshalb noch, weil die Tierärzte Mittwochs wohl nur halbtags arbeiten. Morgen wird es vorbei sein - und ich habe meinen Hund seit drei Monaten nicht gesehen! Meine Eltern wohnen nämlich in einer anderen Stadt und ich kann wegen der Arbeit nicht einfach weg. Ehrlich gesagt bin ich mir auch nicht sicher, ob ich mir das antun will. Es tut jetzt schon so weh...
PrincessBeauty
  • Begleithund
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+ 2
Das ist natürlich sehr schlimm was da passiert ist... Das deine Eltern den Hund so nicht mehr haben wollen, kann ich schon irgendwo verstehen, aber gibt es denn wirklich keine andere Möglichkeit ausser einschläfern?!
Wenn Menschen denken Tiere können nicht fühlen, werden Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken!!!
Mehlemer Bürgerin
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+ 1
absolut tragisch, zumal ein wenig "hausgemacht" das Problem, kann denn die Trainerin nicht irgendwas vermitteln, wenn er doch eigentlich durch die Kontrolle gekommen ist und "nur" eine konsequente Hand braucht...
Obwohl kommt so ein Hund wirklich durch den Wesenstest, dann staunt man nicht schlecht, aber wenns so ist, dann ist es leider nur das Umfeld, dass ihn wohl dazu gebracht hat, ohne Deine Eltern jetzt zu verurteilen/anzugreifen...
Wie fühlst Du Dich gerade, bestimmt total zerissen?
Claudia und Nino am
Zuletzt geändert am 01.09.2010 20:45 Uhr
anka66
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Wie wäre es wenn du dich mal in einem Jagd - oder Jägerforum umhörst?
Was passierte war wirklich schrecklich und ich wünsche vor allem deinem Vater eine gute Genesung. Kann man den Hund nicht bis auf weiteres in einem TH unterbringen? Der Hund ist doch noch jung und vielleicht ergibt sich etwas. Auch wenn du selber nicht vor Ort bist könnte man doch versuchen etwas umzuorganisieren?
Auch Hunde die solche Ausfälle haben können durchaus bei entsprechender weiterer Haltung und Ausbildung in erfahrener Hand zu einem "normalen" Verhalten finden.
Wie ihr es auch entscheidet - ich wünsche euch alles Gute.
!!! Einmal ein Aussie - Immer ein Aussie !!!
Mehlemer Bürgerin
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vermute mal, es muss von jetzt auf gleich sein, weil die Eltern einfach nicht mehr können...
Claudia und Nino am
TickyTacky
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+ 3
Hallo
mach das was ich häufig erlebe, Trainerin ansprechen, Hund sucht neues zu Hause. Wenn sie einen Wesenstest gemacht hat und sagt der Hund funktioniert dann muss er in andere Hände und nicht eingeschläfert werden. Viele Trainer nehmen solche Hunde auch eine Zeitlang auf, habe ich selbst schon gemacht. Bitte um Hilfe - nicht einfach töten und gut isses. Wenn die Trainerin sagt der wäre in Jägerhände völlig ok mit der richtigen Führung gibt es vor dem Gesetz keine Rechtfertigung fürs Einschläfern.
Gruss
Sandra
Mother Nature always wants to be balanced - Cesar Millan
anka66
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Eine weitere Möglichkeit wäre über den Züchter eine Vermittlung zu versuchen.
Zwar kann nicht jeder Züchter einen erwachsenen Rüden zurücknehmen, allerdings könnte er bei dieser Rasse, die er züchtet, durchaus auch Kontakte zu Jägern haben.
!!! Einmal ein Aussie - Immer ein Aussie !!!
xmillax
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Beiträge: 12
+ 1
Danke sehr für Eure Antworten und Euer Verständnis. Was meine Mutter betrifft, bin ich mir ganz sicher, dass sie sich sehr, sehr viel Mühe beim Training gibt - das schon immer, aber diese typischen Fehler passierten dann schon: ein schöner Schlafplatz auf dem Sofa, viel streicheln und kuscheln, wenig körperliche Zurechtweisung. Immer nur im Lieben - das geht mit so einem Jagdhund natürlich nicht,

Ich mache meine Familie aber trotz all der Erziehungsfehler keine Vorwürfe, ganz im Gegenteil. Ich bin immer total dankbar gewesen, dass sie ihn aufgenommen haben, solange ich ihm nicht das richtige Umfeld bieten kann (Zeit, Haus, Garten..) - schließlich haben sie sich einen so "schwierigen" Hund nicht ausgesucht, sie bekamen ihn mehr oder minder aufgedrückt.

Nach der Situation mit der Attacke meines Vaters beim Spaziergang und den Biss in meinen Unterarm haben wir natürlich schon alles hin und her überlegt: ein Aushang im Tierheim (es meldete sich niemand - kein Wunder), Anzeigen im Internet, Herumfragen im Bekanntenkreis und natürlich wie gesagt die zweimonatige Ausbildung...

Selbst wenn sich jetzt noch jemand melden würde - kann ich so einen Hund jemandem zumuten? Charlie ist praktisch unberechenbar, man kann kaum vorausahnen, wann er plötzlich beisst. So meine Meinung. Vielleicht würde mir ein erfahrener Jagdhundausbilder widersprechen? Aber auch NUR bei einem solchen könnte ich mir vorstellen, dass Hund wie Besitzer ein glückliches, gemeinsames Leben führen können. Eine normale Familie? Ich fürchte, dass noch schlimmeres passieren würde, als bei uns...

Und Tierheim - natürlich haben wir auch darüber nachgedacht. Aber ist das für den Hund nicht eine einzige Qual? Keiner wird ihn nehmen, und wenn doch, muss man wiederum um die neuen Herrchen Angst haben. Ich sehe keinen anderen Ausweg...

Und ja, ich fühle mich schrecklich, schuldig, naiv und ich vermisse ihn so!

Nachtrag, nachdem ich weitere Beiträge gelesen haben:
Die Trainerin will ihn nicht nehmen, der Züchter wohnt 1000km weit weg.
Zuletzt geändert am 01.09.2010 21:12 Uhr
TickyTacky
  • Moderator
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+ 1
Original von xmillax:>> Und Tierheim - natürlich haben wir auch darüber nachgedacht. Aber ist das für den Hund nicht eine einzige Qual? Keiner wird ihn nehmen, und wenn doch, muss man wiederum um die neuen Herrchen Angst haben. Ich sehe keinen anderen Ausweg...>>

Die EInschläferung ist kein Ausweg sie ist im gegenteil im Zweifelsfall sogar Gesetzteswidrig.
Das Tierheim ist weniger Qual, als das Töten des jungen Hundes der von einem Trainer bereits getestet und als ok befunden wurde und nur sehr spezielle Halter braucht.

Ich habe bereits einen Hund in der Art zu Hause und es ist durchaus zumutbar. Am Ende des gemeinsamen Weges sollte das Tierheim stehen, auch wenns nicht schön ist, aber nicht das Einschläfern. Sorry wenn das Hart klingt, aber Du fragst.

Gruss
Sandra
Mother Nature always wants to be balanced - Cesar Millan
Zuletzt geändert am 01.09.2010 21:19 Uhr
Mehlemer Bürgerin
  • Alpha Hund
Beiträge: 7556
aber vielleicht wird er es ja doch noch (berechenbar), weil er aus dem Umfeld rauskommt und dann gleich jemand nichts dergleichen zulässt, was er sich so angewöhnt und erkämpft hat...
Claudia und Nino am
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