Ein Tierschutzhund aus Rumänien?

soleggiata
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Liebe DogSpotler,

ich brauche mal ein paar ehrliche Antworten.

Nachdem meine liebe, hübsche und gelehrige Tierheim-Schäferhündin Nora leider gestorben ist, fühle ich mich mitunter ohne Hund wie amputiert. Ich möchte wieder einem Hund ein Zuhause geben.

Nun bekam ich einen mittelgroßen Mischling aus Rumänien ans Herz gelegt, den ich echt nett finde. Mit der Pflegestelle habe ich gestern lange telefoniert. Er ist fünf Jahre alt, schüchtern, eher viel zu lieb, völlig problemlos, bellt kaum, bleibt alleine, fährt Auto, macht nichts kaputt, kann überall dabei sein und sucht einfach nur ein nettes Körbchen. Ein bescheidenes Tölentier, ein bisschen traurig, wer weiß, was er erlebt hat. Leider viel zu dick wg. falscher Ernährung und wenig Bewegung im rumänischen Tierheim. Eine leicht deformierte Pfote, die ihn aber kaum einschränkt.

Nun, ich bin auch zu dick und habe auch ein verkürztes Bein. Irgendwie fühle ich mich zu der armen Socke hingezogen.
Das Gewicht lässt sich hinkriegen (bei mir und bei ihm) - aber: Der Hund kann überhaupt noch nichts. Das ist mein Problem.
Er ist fünf Jahre alt und total brav, aber er kann kein Sitz, kein Platz, kein Komm, kein Bleib. Nichts. Lernfähig ist er wohl, die Pflegestelle hat ihm immerhin in zwei Monaten Leinenführigkeit beigebracht.

Nun meine Frage: Was kann man einem Fünfjährigen noch beibringen? Ich hätte, wenn, es Aussicht auf Erfolg hat, schon Lust, mit ihm zu arbeiten und zu üben. Mein Pachtgarten schreit nach einem Hund, der erzogen werden muss.

Wer von Euch hat Erfahrung mit der Erziehung erwachsener Hunde?

Gruß
sole
meerestaucher
  • Hundetrainer
Beiträge: 4196
also erfahrung mit so einem alten hund hab ich nicht.
meine damalige hündin kam auch aus dem tierheim, und war eins, und die konnte auch nix. dazu hatte sie nch ein paar aggressionsprobleme. die grunkommandos hatten wir aber relativ schnell drauf.

mir persönlich wäre also wichtig was der hund für einen grundcharakter hat. ist er angstaggressiv, wie verhält er sich in normalen situation (viele leute in der stadt, autos, etc). und da scheint er ja lt pflegestelle ein netter kerl zu sein. das ist doch auch schon mal viel wert.

so sitz und platz ist ja relativ schnell beigebracht, da hätt ich jetzt keine bedenken. und komm her, ich denke mit ein wenig mühe geht das auch, (davon abgesehen dass das viele hund auch nicht können)

bekannte hier haben auch einen podenko ganz ohne pfote (da fehlen komplett ca. 10 cm), die kann das aber ganz gut kompensieren.

ich würd ihn mal besuchen und schauen ob der funke überspringt, mal mit ihm spazieregehen etc.
bestimmt wirdt du vielleicht die eine oder andere blume opfern müssen, aber wenn du dir jetzt z.b. einen welpen nimmst, wäre das mit sicherheit auch der fall.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
loona3282
  • Forenwelpe
Beiträge: 96
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Hallo Sole,

meine Hündin war zwar erst um die 2 Jahre alt, als ich sie bekam, aber dennoch ein erwachsener Hund. Ebenso wie der Dackel, den meine Mutter 4jährig als ausgedienten Zuchthund übernahm, und der Spitz, den sie aus dem Tierheim holte als er ebenfalls 4 Jahre alt war.
Meine Erfahrung mit diesen Hunden besagt, dass das Alter eines Hundes dem Erlernen von Kommandos/Tricks/Verhaltensweisen keinen Abbruch tut. Die Lerngeschwindigkeit entspricht wie bei jungen Hunden dem Charakter und der Intelligenz des jeweiligen Hundes sowie natürlich dem Trainigsgeschick und der -konsequenz des Halters. Bei stark ritualisiertem Verhalten, das der Hund schon jahrelang in jeder SItuation mit entsprechender Reizkonfiguration zeigt, kann es u.U. etwas länger dauern, diese Verhaltensgewohnheit aufzulösen und stabil neues Verhalten zu etablieren. Aber selbst unser fast 12jähriger Pointer kann noch neue Dinge lernen.
Kurz gesagt: Ein älterer Hund braucht vielleicht manchmal etwas mehr Geduld von Dir beim Lernen, aber ein Welpe hat dafür z.B. vielleicht mehr Unsinn im Kopf, ist weniger gelassen etc. Wenn Du den Hund, der Dir nahegelegt wurde, magst, dann störe Dich nicht an seinem Alter, denke ich, er kann trotzdem noch alles lernen.

Lg,
Rike
tomstep
  • Alpha Hund
Beiträge: 8970
Also ich finde Deine Idee super und kann mich den Vorschreibern nur anschließen.Lernen kann ein Hund immer,egal wie alt.Evtl. ists etwas schwieriger,also langwieriger aber wenn,dann sitzt es auch.
Der Rumäne wird sicher dankbar sein und ihr könnt ein gutes Team werden.Garantiert !
Die leichten Behinderungen machen Hundi und Dir keine Probleme,also los.Rette ihn und Dich .
Meine Dalmatinerin ist mit 3 Jahren aus dem TH zu mir gekommen.Sie war im TH weil sie nicht allein sein konnte.Wir haben geübt und geübt und sie kann locker 4-5 Std, ohne Streß alleine bleiben.
Man muß halt alles langsam trainieren und dann funzt es auch.Wird bei dem Rumänen absolut identisch sein.Da bin ich zu 100 % sicher.
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Gast
Dieses liebevolle EP hat meine Mundwinkel in Sekunden nach oben gezogen.

Einfach klasse!
Piggeldy
  • Begleithund
Beiträge: 1441
Original von soleggiata:


Mit der Pflegestelle habe ich gestern lange telefoniert. Er ist fünf Jahre alt, schüchtern, eher viel zu lieb, völlig problemlos, bellt kaum, bleibt alleine, fährt Auto, macht nichts kaputt, kann überall dabei sein und sucht einfach nur ein nettes Körbchen. Ein bescheidenes Tölentier,



-Das hört sich doch wiklich traumhaft an!
Und genau das sind doch die Dinge auf die es ankommt im Zusammenleben, da sind so Sachen wie Sitz, Platz, etc... doch zweitrangig und eh mit ein bischen Liebe leicht zu vermitteln.-

ein bisschen traurig, wer weiß, was er erlebt hat.

- egal, fangt einfach bei Null an.-


Eine leicht deformierte Pfote, die ihn aber kaum einschränkt.

- Unter solchen hanicaps leiden leider viele osteuropäische Tierschutzhune, ehemalige unbehandelte Unfallfolgen.
Bei uns lebte kürzlich als Gast eine moldawische Pflegehündin mit einem verkrüppelten Hinterbein und einem blinden Auge.
Agility geht natürlich nicht, jedoch Spaziergänge selbst Galloppieren stellten für sie kein Problem dar, sie lernen sehr schnell, damit zu leben und ihre Leben auch zu genießen.-

Nun, ich bin auch zu dick und habe auch ein verkürztes Bein. Irgendwie fühle ich mich zu der armen Socke hingezogen.
Das Gewicht lässt sich hinkriegen (bei mir und bei ihm) - aber: Der Hund kann überhaupt noch nichts. Das ist mein Problem.

-oh doch, er kann sehr vieles, wie du ja auch schon schriebst :
allein bleiben, ohne die Nachbarn zu tyrannisieren, ohne deine Möbel auseinanderzunehmen, Auto fahren, ein wunderbarer Begleiter halt.


Er ist fünf Jahre alt und total brav, aber er kann kein Sitz, kein Platz, kein Komm, kein Bleib. Nichts. Lernfähig ist er wohl, die Pflegestelle hat ihm immerhin in zwei Monaten Leinenführigkeit beigebracht.


na siehste


Nun meine Frage: Was kann man einem Fünfjährigen noch beibringen?

ALLES was ein Junghund auch fähig zu lernen ist.
Zudem hat ihm sein Leben im Ursprungsland wohl eh schon sehr viel "mit auf den Weg" gegeben.
Diese Hunde sind meist enorm anpassungsfähig, sehr freundlich und routiniert im Umgang mit Artgenossen, seltenst auf Krawall gebürstet.


Wer von Euch hat Erfahrung mit der Erziehung erwachsener Hunde?



Gruß
sole
Hunde sind bodenständig, der Mensch ist abgehoben (Michael Grewe)
kaythalia
  • Forenwelpe
Beiträge: 2
+ 1
Hallo,

wollte mich auch mal kurz zu Wort melden.
Ich habe Anfang des Jahre 2 Bichons aus einer Beschlagnahmung eines Vermehrers übernommen. Der Rüde war 9, mittlerweile ist er 10 geworden, die Hündin wird morgen 7 Jahre alt. Der Rüde ebenfalls mit einem verkümmerten Bein, welches ihm per Fußtritt gebrochen wurde und dann ohne tierärztlich Behandlung verheilt ist. Aber es schränkt ihn nicht sonderlich ein.
Außer einem Bretterverschlag und Schlägen kannten die Beiden nichts.
Mittlerweile können beide ordentlich an der Leine gehen, können sitz, platz und komm. Beide wissen was erlaubt ist und was nicht. MIR reicht das vollkommen aus, die Fellies müssen niemandem mehr was beweisen und sollen nach all den Jahren einfach nur glücklich sein.
Vielleicht dauert halt alles ein bisschen länger und man muss viel mehr Geduld haben, aber es lohnt sich einfach.
Mich macht jeder noch so kleine Fortschritt happy, Dinge, die bei "normalen" Hunden selbstverständlich sind und ihre kleinen Macken werden akzeptiert.
Liebe Grüße Pia und die Fellies
Gast

Das Alter ..

.. sollte nicht der entscheidende Punkt sein. Hunde können immer lernen. Und wenn Ihr Euch nett kennen lernt und der Rest auch noch passt -VIEL SPASS BEIM LERNEN! Und leben!
Zuletzt geändert am 09.09.2011 21:25 Uhr
lillymäuschen
  • Begleithund
Beiträge: 852
ich möchte mich den Vorrednern anschließen....
die Pflegehunde, die ich aus Griechenland hatte, waren auch alle älter und kannten auch nix....man braucht etwas mehr Geduld...
mein Leo z.B hat über ein halbes Jahr gebraucht, bis der Sitz und Platz konnte...hat man ihn angeschaut oder angesprochen, schmiess der sich sofort auf den Boden...
Dora war auch total scheu und ließ sich nicht anfassen...sie ist seit 2 Monaten bei uns aber sie kann schon teilweise ohne Schleppleine laufen...sie kann Sitz und Platz... ich bin die Einzige in unserer Familie, der sie vertraut...
wenn ein Auslandshund zu uns kommt, lass ich ihn immer erst so ein bis zwei Wochen "Leben", bevor ich anfange ihm was beizubringen...
ich finde es toll, dass du dich für diesen Hund interessierst...also auf und rette die Welt für diesen einen Hund...
liebe Grüße
Heike
Man kann nicht alle Hunde dieser Welt retten.....
aber für einen Hund die ganze Welt!!!!!

eine der blamabelsten Angelegenheit der Menscheit ist, dass das Wort Tierschutz geschaffen werden musste (Theodor Heuss)

Ein Leben mit Hund bedeutet unter Umständen auch mal die eine oder andere Katastrophe. Ein Leben ohne Hund wäre von vornherein schon eine Katastrophe.
Palla
  • Forenwelpe
Beiträge: 9
Hallo , habe selber einen rumänischen Mischlingshund, der ,bevor er zu uns kam auf der Straße lebte und dann in eine Tötungsstation kam. Er ist ca. 9 Jahre alt und lebt jetzt seit einem dreiviertel Jahr bei uns. Anfangs war er sehr verängstigt, hatte Angst vor Männern und wollte nur sein Ruhe haben. Nach 2 Monaten ist er dann aber aufgetaut und wir konnten anfangen mit ihm zu üben. Inzwischen beherrscht er die Grundkommandos und freut sich über alles neue, das er lernen darf. Zum Teil verhält er sich auch wie ein Welpe-muss wohl alles nachholen, was er in seinem bisherigen Leben verpasst hat
Aber wenn ich mir das Datum deines Eintrages ansehe, hast du dich bestimmt schon enschieden?!! Wie läufts denn so?
Liebe Grüße =)
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