Distanzlosigkeit - kann man einen direkten Bezug zur Erziehung / Beziehung Mensch ziehen?!

Keyla
  • Begleithund
Beiträge: 1761
Hallo ihr Lieben,

hatte gestern eine recht anregende Diskussion zum Thema Distanzlosigkeit von Hunden und das vermehrte "schwinden" der Kommunikation unter Hunden. Um einfach mal so darstellen, was ich meine - gebe ich mal ein kleines Beispiel :
Also, ich laufe mit meinem Hund Paule - der manchmal "impulsiv" ist - aber eine sehr klare und feine Kommunikation mit Hunden hat. Es kommt ein kleiner Pinscherrüde - der kleine Pinscher ist von der Körperhaltung sehr selbstbewusst und autark - stackst an Paules Po und schnüffelt. Paule ist es gar nicht geheuer und er empfindet es als unangenehm - er friert ein - er neigt den Kopf richtig Pinscher - er fixiert den Pinscher ( hier hätte der Pinscher eigentlich registrieren müssen - o.k., keine gute Idee und Paule warnt und dezent den Rückzug ankündigen müssen ) - Kopf neigt sich noch weiter Richtung Pinscher - er neigt den Kopf - Ohren gehen zurück - Augen verengen sich - er droht jetzt ganz klar.
Eigentlich klar - was dann folgt : Pinscher ignoriert die Drohung und Paule massregelt ihn in der Folge.

So, Pinschers FRauchen hat natürlich gar nix bekommen - von der ganzen Kommunikation, die im Vorfeld abgelaufen ist - ich nehme PAule weg und halt großes TRatra und "KLeinpinscher" auf dem Arm und gerettet.

Nun frage ich mich - da ich immer öfter solches Verhalten von "Größenwahn" und "unhöflichen Verhalten" beobachte - erziehen wir dieses Verhalten vielleicht auch an? Weil Hund vielleicht nicht mehr richtig in Rudeln aufwachsen?
Wir in der Junghundezeit - wo man Grenzen setzen muss - keine setzen, sondern "Kleinhundi immer alles darf und alles süß" ist?
Spiegelt das Sozialverhalten eines Hundes eventuell auch die Distanzlosigkeit / Respektlosigkeit in der Mensch-Hund Beziehung?
Warum können viele Hunde feine Kommunikation nicht mehr richtig lesen?

Freue mich auf Beiträge!

LG Jammie & Paule
"Alles Wissen die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten ist in den Hunden enthalten." Franz Kafka
silvie86
  • Moderator
Beiträge: 1135
Hallo Jammie,

Jan Nijober hat in seinem Buch "Hunde verstehen mit Jan Nijober" die Sache so betrachtet, dass die (ich versuch das jetzt mal zusammenzufassen) verschiedenen herausgezüchteten Rassenveranlagungen sich auch auf die Kommunikation ausgewirkt haben. D.h., indem wir als Menschen verschiedene "Jägertypen" gezüchtet haben, haben wir damit auch die Kommunikation verändert. Allein schon die Gangart, Die Ohrform/Stellung, die Rute in ihren verschiedenen Ausführungen macht es Hunden untereinander schwer-ähnlich wenn wir versuchen mit einem Ausländer zu kommunizieren. Auch Hunde müssen es lernen mit anderen zu kommunizieren. Also ja, es liegt am Menschen, aber nicht gänzlich nur an der Erziehung, sondern auch an der Züchtung...

In deinem Beispiel:
Der Pinscher, ein Hund der als "Solitärjäger" gezüchtet wurde, hat nach Nijober damit relative wenige Sozialkompetenzen. D.h. er ist schlecht darin andere Hunde richtig zu lesen.
Dein Paul dagegen ist ein Hund, der schon von seinen Veranlagungen her eine viel feinere, ausgeprägtere Kommunikation hat, Huskies lebten seit jeher in enegen Rudeln mit einer festen Rangordnung, mit einem starken sozielen Bezug untereinander- im Gegensatz dazu stehen die Meutehunde, die nach Nijober fast Kommunikationsblind sind, das sie selten in festen Rudeln mit einer klaren Rangordnung gehalten werden.
Nijober hat da so ein tolles Beispiel von dem Zusammentreffen eines Howis mit einem Goldie beschrieben. Der Howi, als sehr territorialer Hund, zeigt dem Goldie schon von Weitem an, dass ein Herankommen nicht erwünscht ist, indem er den Goldie fixiert und sich duckt und nach forn schleicht, der Goldie jedoch versteht dies als Spielaufforderung, weil er eher weniger territorial veranlagt ist, und rennt auf den Howi zu-der rastet daraufhin aus und geht auf den Goldie los und unterwirft ihn. Erst mit dieser mehr als deutlichen unterwerfungsgeste versteht der Goldie, was der Howi aus seiner Sicht von Anfang an klar kommuniziert hat...
Die Liebe zum Hund ist des Menschens Sehnsucht nach dem Paradies.
Zuletzt geändert am 02.02.2012 14:35 Uhr
Gast
  • Forenwelpe
Aber Hunde kommunizieren im Grund genommen alle gleich mit Augen, Körper und Mimik.
Für viele Hunde ist es heute schwer den anderen Hund richtig zu "verstehen", weil er entweder durch die Züchtung sein Gesicht und Körper zusehr mit Haaren bedeckt oder die Schnauze mit einem Beisskorb etc.. gerade zugeklebt ist, dass es zu Missverständnissen kommt. Dazu kommt noch die Leine, die besonders in Städten so kurz gehalten wird, dass ein Hund weder ausweichen, noch sich dem anderen mit seinem Körper mitteilen kann.
Viele Hundehalter geben noch eins drauf, indem sie ihre gutmütigen Vierbeiner jeden Kontakt mit anderen Hunden verbieten!
http://www.vierbeinigefreunde.com/forum
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