Der Rumäne kommt. Erfahrungen mit Straßenhunde als Zweithunde.

Carlatrice24
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Beiträge: 1
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Guten Tag,

wir haben uns nun doch für einen Zweithund aus Rumänien entschieden. Mops Carlos (unser Ersthund, aus schlechter Haltung übernommen) ist ein sehr geselliger Kerl und freut sich immer über absolut jeden Hund (oder Mensch, oder alles was irgendwie lebt ) Ich denke also Carlos wird sich wahnsinnig über den neuen Kumpel freuen. Beide sind kastriert und ungefähr im gleichen Alter, Carlos wird im September 2 und der Rumäne soll auch um die 2 Jahre haben. Nur die Größe ist etwas unterschiedlich, der zweite soll wohl 50cm haben. Das macht Carlos allerdings nichts aus, er hat viele große Hundefreunde und glaubt sowieso er sei auch ein ganz großer .

Die Voraussetzungen sollen doch im Prinzip in Ordnung sein?
Ich würde mich über ein paar Erfahrungen freuen. Hat noch jemand hier (rumänische) Straßenhunde? Wie habt ihr das Kennenlernen der Hunde gehandhabt? War es schwer die Hunde aneinander zu gewöhnen? Habt ihr besondere Tips für mich?
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20213
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Hallo

Wir haben vor über zehn Jahren angefangen, als Pflegestelle auch Hunde aus dem Auslandstierschutz aufzunehmen. Zwei von ihnen, eine Spanierin und ein Italiener, sind für immer geblieben. Ich hoffe also, dass du mir meine Warnung nicht übel nimmst, die voran stelle. DEN Strassenhund gibt es nicht. Mal davon abgesehen, dass sowieso jeder Hund mit seiner Persönlichkeit seine Vergangenheit unterschiedlich gut verarbeitet, ist die Herkunft der sogenannten Strassenhunde auch völlig verschieden.

Manche sind wild geboren, andere ausgesetzt, wieder andere wurden nur einfach in der Nähe menschlicher Behausungen lästig (z. B. Fangaktionen vor der Urlaubszeit in der Nähe von Hotels und Campingplätzen). In Rumänien werden wegen der Fangprämien auch Hunde von ihren Besitzern vorm Haus gestohlen. Wenn dir die Organisation, von der du deinen Hund bekommst, nichts Näheres über seine Herkunft sagen kann, kann man auch keine Spekulationen über sein Sozialverhalten machen. Manche Hunde haben keine oder schlechte Erfahrungen mit Menschen, andere waren gut versorgt.

Auf ähnliche Unterschiede muss man auch beim Verhältnis zu anderen Hunden gefasst sein. Manche Hunde haben sich durchgekämpft und sehen in ihren Artgenossen nur Konkurrenten bei der Futtersuche, sind absolut nicht verträglich. Manche haben in Rudeln gelebt und sind eigentlich gut mit anderen Hunden sozialisiert. Das ist unter deutschen Bedingungen aber auch nicht immer ideal, weil dir hier Hundebesitzer begegnen, die schon das kleinste Stänkern oder eine Unterwerfung als Aggression bewerten. Und dann gibt es auch noch die schwachen Hunde, die auf der Strasse und erst recht in den überfüllten Auffangstationen fast tot gemobbt wurden und dann bei Hundebegegnungen panisch reagieren. Dass also DER Strassenhund sozial verträglich wäre, ist ein Märchen. Ich hoffe, dass du hier noch einige Erfahrungsberichte bekommst.

Meine spanische Hündin könnte gut ohne Menschen und Hunde auskommen. Sie ist wahrscheinlich ein ausgesetzter, ehemaliger Jagdhund, die ihr Futter selbst erjagt hat und es auch heute noch gern machen würde. Sie akzeptiert auf Dauer nur Rüden, die ihr deutlich überlegen sind, oder Hunde, die sich ihr sofort unterwerfen. Bei allen anderen Begegnungen muss ich regulierend eingreifen.
Mein italienischer Rüde ist wahrscheinlich wild geboren, wurde mit etwa vier Monaten todkrank eingesammelt und lebte dann in einem Rudel, in dem er wohl gemobbt wurde. Er hatte bei seiner Ankunft grosse Angst vor allen anderen Hunden, konnte überhaupt nicht zwischen freundlichen und unfreundlichen Annäherungen unterscheiden und ergriff sofort die Flucht. Das hat sich in den letzten anderthalb Jahren langsam ausgewachsen, und nun ist er ein sehr freundlicher und sozialer Hund.

Ob Hunde kastriert sind oder nicht spielt übrigens nach meiner Erfahrung für das Sozialverhalten keine entscheidende Rolle. Meine beiden unkastrierten Rüden sind verträglich, markieren jeden Baum und besichtigen jede neue Hündin gemeinsam. Mein letzter kastrierter Rüde war, wie meine kastrierte Spanierin, ein Streithammel.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Terrortöle
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Beiträge: 189
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Hallo,

nach 3 Tierschutzhunden kann ich dir leider auch nur sagen: Jeder Hund ist anders und das kann hier sogar ganz anders sein als im Herkunftsland. So mancher Hund entspricht plötzlich gar nicht den Beschreibungen der Orga. Dafür können sie meist gar nichts.
Meine erste Hündin kam aus Spanien und sollte lieb, katzenverträglich, verspielt und kuschelig sein.
Ich bekam einen Panikhund der erst nach über einem Jahr der Beschreibung entsprach.
Hund zwei, ein Rüde, sollte ruhigen Charakters und ausgeglichen sein.
Ich bekam den nächsten Panikhund. Dank Erfahrung konnte ich ihn gut managen und er war nach gut 3 Jahren ein Hund mit dem man prima leben konnte. Leider musste er fast ständig an der Leine sein (Jagdtrieb) und seine Panik bei Gewitter, Sylvester und Knallgeräuschen hat er nie abgelegt.
Dritte Hündin ein Traum, wenn man akzeptiert das sie sich von keinem Fremden anfassen lässt (auch nicht nach 9 Jahren) und einfach geht wenn sie keine Lust hat mit uns zusammen zu sein. Bein Agility ist das manchmal echt blöd.

Ich würde mir zwar einen Plan A machen (mit vielen Alternativen) und dann schauen wie der Neue ist.
Vielleicht braucht es dann Plan B oder C oder .......
Kennenlernen der Hunde auf jeden Fall auf neutralem Gebiet, wenn das geht.
Der Hund kann total easy sein und alles ist eine Sache von Minuten. Es kann aber genau so gut möglich sein das er einen totalen Kulturschock bekommt und erst einmal gar nicht zurecht kommt.
Da braucht es dann gute Nerven und Zeit, aber auch sehr problematische Hunde passen sich an.
Ich drück die Daumen das er sich schnell eingewöhnt und die beiden Hunde sich verstehen.

LG Terrortöle
holy underdog
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 3812
+ 2

Betrifft: Kulturschock....mal abgesehen, von der Sozialisierung...Ernährung usw...spielt auch ne Rolle...

...ich setz mal einen Foren-Link hier rein....http://www.dogspot.de/forum/thema/durchfall10/#431982

...Ich hoffe, Lupine ist damit einverstanden ! Ich finde ihren Beitrag ganz toll !

LG holy underdog
„Haben Tiere eine Seele und Gefühle“ kann nur fragen, wer über keines der beiden verfügt.
(Eugen Drewermann)
Zuletzt geändert am 20.07.2015 20:27 Uhr
Lupine 3
  • Alpha Hund
Beiträge: 7317
+ 3
Danke für die lieben Worte! Natürlich habe ich nichts dagegen, holyunderdog, sondern hoffe, dass es den Neulingen und dazugehörigen Menschen hilft, einen guten Start ins gemeinsame, neue Leben zu erleichtern.

Bei uns leben seit vielen Jahren immer wieder Straßenhunde mit im Rudel. Vieles zum Charakter und vorherige Lebensumstände wurden bereits beschrieben. Aus meiner Erfahrung passen sich die Hunde mit (teilweise wirklich Kulturschock) individueller Geschwindigkeit richtig gut diesem neuen Leben an, wenn Mensch an ihrer Seite ihnen dabei hilft mit viel Geduld, aber auch mit Grenzen und vor allem viel Zeit - manchmal, wenn auch eher seltener, braucht es den Zeitfaktor gar nicht, weil die Hunde einfach nur pflegeleicht sein können und schon stubenrein sind oder keinerlei Problem mit dem "neuen Leben" aufweisen.
Bevor bei uns das erste "Überraschungspaket" einzog (und danach - bis sicherlich lebenslänglich ), habe ich mich viel ausgetauscht mit erfahrenen Leuten, denn niemand weiß alles und niemand kann vorhersagen, wie alles mit Neuling klappt.

Das Kennenlernen fand vorzugsweise auf neutralem Gebiet statt. Noch häufiger aber war das aufgrund von nächtlichen Uhrzeiten nicht möglich, also wurde erst dem Neuling rund ums Haus angeboten, sich (doppelt gesichert!) "umzusehen" und zu wissen, wer alles hier lebt, bevor es ins Haus ging.

Bitte unbedingt die ersten Wochen den Neuling doppelt sichern, d. h. Leine (nicht Flexi-!), (Zugstopp-) Halsband und Sicherheitsgeschirr und nicht ohne alles in den Garten lassen. Viel zu oft entlaufen Hunde aus den unterschiedlichsten Gründen, weil sie nicht doppelt gesichert wurden und sich meistens erschraken oder die Gunst der Stunde nutzten, den neuen Eindrücken (es besteht ja noch keine Bindung zu Menschen oder vorhandenen Hunden) zu entgehen.
Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen. (Ernst R. Hauschka) Beurteile Menschen nicht nach ihren Worten, sondern nach ihren Taten, denn viele reden vortrefflich, aber handeln schlecht. (Matthias Claudius)
Streifling
  • Forenwelpe
Beiträge: 70
Hallo Carlatrice, da hast du ja schon ganz viele tolle Tipps bekommen, denen ich nur zustimmen kann. Wir haben immer mal wieder Pflegehunde und haben diese dann oft in ihre neue Heimat, auch als Zweithund, begleitet. Wie oben schon beschrieben, läuft das wirklich immer anders ab, denn keine Situation ist identisch. Ich lege dir nur ans Herz: lasst euch Zeit und gebt den Hunden Zeit. Wir haben oft erlebt dass die Menschen zu früh aufgeben wollten und es am Ende doch ein tolles Hunde-Team ergab. Ich wünsche euch viel Spaß, einen langen Atem und Glück! Haltet uns auf dem laufenden wenn er da ist
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