Der Labrador als Familienhund

jenss
  • Forenwelpe
Beiträge: 24
Hallo liebe Leute!

In meinem Freundeskreis haben fast alle einen Hund, ein Labrador ist jedoch nicht darunter. Obwohl die Rasse angeblich extrem populär ist. Daher wollte ich aus dem kollektiven Wissen des Forums schöpfen, um ein paar Erfahrungen aus erster Hand mit den Labs zu bekommen. Da wir eine junge Familie sind ist es äußerst wichtig, dass der Wauwi freundlich und sanftmütig ist!
Außerdem würde mich natürlich interessieren, auf welche Dinge man bei der Erziehung besonders achten muss im Vergleich zu anderen Rassen.

Ein herzliches Wuff und vielen Dank
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294
Ein Labrador ist NICHT das liebe große Hundchen per se, KANN es aber mit viel Glück sein. Ich kenne fast nur Labis, die territorial und temperamentvoll sind, also das Gegenteil der üblichen Vorstellung und Werbung auf Züchterseiten

Zunächst sollt man sich grundsätzlich über die bevorzugte Rasse intensiv informieren, also auch und vor allem Erbkrankheiten (HD, ED, Ektropium/Entropium, PRA usw.). Dann ist es auch wichtig, herauszufinden, ob der Zuchtclub, noch wichtiger >> der Züchter so verpaart, dass die Risiken minimal sind. Auch die Aufzucht ist extrem wichtig >> HÄNDE WEG VON REINER ZWINGERHALTUNG, BAUERNHOFSTALLHALTUNG usw.

Und besonders wichtig: BEVOR Welpen geboren sind schon mal Züchter persönlich besuchen! Wenn erst so ein kleines Welpi angewatschelt kommt, sind oft alle guten Vorsätze über den Haufen geworfen und man lässt sich auch einen kranken Welpen aufschwatzen!
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Eleonore
  • Begleithund
Beiträge: 674
Deine Art sich eine Hunderasse aus zu suchen, weil im Freundeskreis nicht vorhanden, ist mir neu. Das Kriterium nach dem ich eine Rasse aussuche geht mehr in die Richtung Gesundheit, Temperament und Wesen. Aussehen kommt in zweiter Linie.

Unter einer jungen Familie verstehe ich auch, das ein oder zwei kleine Kinder vorhanden sind. Das Kinderliebhabengen hat noch kein Hund, also muss bei der Erziehung des Welpen großer Wert darauf gelegt werden, das die Kinder Tabu sind. Genauso muss den Kindern beigebracht werden das der Hund in Ruhe zu lassen ist. So ein Hund, dein Wauwi, ist ein Raubtier und hat vorne Zähne und an allen vier Pfoten Krallen zum wehtun.

Erziehung ist alles das, was mir das Zusammenleben mit einem Hund angenehm macht. Rassetypische Unterschiede in der Erziehung richten sich höchstens nach der Späteren Größe des Welpen. Für mich ist es ein Unterschied, ob ein Chi oder ein Yorki auf der Couch liegt oder eine ausgewachsene Dogge. Bei mir hieße das, das eine Dogge, oder eine andere großwüchsige Rasse gar nicht erst auf die Couch darf.

Natürlich kann man mit sehr viel Glück auch einen freundlichen und sanftmütigen Vertreter der Sorte Hund bekommen. Mein Labbimix ist 12- 13 Jahre alt, hat ein Temperament wie ein einjähriger und was im Weg steht, wird umgeworfen wenn er losgeht. Er ist sehr territorial, verteidigt sein Revier, und ist zudem recht distanzlos im Umgang mit Besuch. er klettert einfach dem Besucher/in auf den Schoß oder sie werden bei Nichtbeachtung angestupst bis er Beachtung bekommt. Labbymanier halt.
VlG, Eleonore
bridge2703
  • Forenwelpe
Beiträge: 164
+ 3
Bei den Labrador-Retrievern gibt es 2 Linien, das ist einmal die Arbeitslinie und einmal die Show Linie. Diese unterscheiden sich nicht nur optisch sondern auch vom Wesen. Die Show-Linie ist optisch gesehen i.d.R. der kräftigere Typ Hund, dem man manchmal vielleicht auch mehrmals sagen muss was man von ihm will. Der Typ "Arbeitslinie" ist i.d.R. der leichtführigere Hund mit viel will to please der sehr schnell lernt, somit aber genau so auch die negativen Verknüpfungen und oft auch sensibler ist. Mit diesen Hunden ist aber auch ein MUSS zu arbeiten, sonst werden diese in der Familie nicht glücklich. Übrigens kam hier gerade ein neues Buch raus, wo die 2 Typen von Hund unterschieden werden.

Hier gibt es 2 Zuchtverbände, das ist einmal der DRC und der LCD. Damit die Tiere in die Zucht kommen sind die Gesundheitsergebnisse, ein bestandener Wesenstest und beim DRC auch Arbeitsprüfungen erforderlich (zumindest von einem Elterntier). Hier wird auch der Wurf Welpen vom Zuchtwart abgenommen. Meine beiden Labis sind vom DRC und ich habe noch heute mit den Züchtern ein gutes Verhältnis und diese stehen immer noch unterstützend an meiner Seite. Das habe ich sonst selten erlebt. Auch ist im Kaufvertrag eine Kaution einbehalten worden, damit die Welpen auf HD, ED, Augen und Wesen getestet werden. Die Züchter wollten einfach die Ergebnisse ihrer Nachkommen ausgewertet haben, damit sie eben wissen ob sie weiter züchten können oder nicht. Selbstverständlich wurde anschließend die Kaution auch zurückbezahlt.

Habt Ihr Euch schon mal überlegt einen älteren Labrador zu Euch zu nehmen? Oft sind Hund für die Zucht nicht ideal geeignet, aber dennoch tolle Familienhunde und im Alter von einem Jahr sieht man bei einem Hund oft schon mehr vom Charakter.

Viel Erfolg bei der Suche!
Zuletzt geändert am 17.03.2016 20:09 Uhr
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294
Da muss ich bridge2703 leider gepflegt widersprechen – sooo einfach ist das NICHT!!!!

Ich habe hier z.B. regelmäßige recht stämmige schwarze Rüden mit einem Temperament – herrlich, aber nicht gut für junge Familien!

Wir dürfen auch nicht vergessen, welch genetisches Potential in so einem Labbi steckt, welches zum Vorschein kommt, z.B. in seinem Wachverhalten und seinem Territorialverhalten. Da kommen eben die uralten Molosser durch, u.a. sogar Do Khyi - wer hätte das wohl gedacht? Übrigens- das sind die gemeinsamen Vorfahren mit den Neufundländern

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass es außer den beiden Clubs auch noch Züchter außerhalb des VDH gibt – und da gibt es einen Zuchtverband, der auch DRC heißt, aber das ist der Deutsche Rassehunde Club und nicht zu verwechseln mit dem Deutschen Retriever Club (DRC) im VDH!


ALSO - GANZ GENAU DIE ZUCHTSTÄTTE BETRACHTEN und den Züchter VIEL fragen!!!!
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294

Die Distanzlosigkeit der Retriever ist legendär ;-)

Ob Labrador Retriever oder auch der Golden Retriever etc. sind gerne distanzlos und NICHT einfach zu führen!

Oft gibt es Probleme, die sich deswegen auch bei der Begegnung mit Artgenossen zeigen. Die Halter denken oft, dass ihr Hund ja so lieb wäre und nur freundlich kontakten wolle anstatt zu sehen, dass ihr Hund sehr dreist und frech ist.

Farblich gesehen gibt es auch blaugraue Labis, die aber nicht als Farbe beim VDH erlaubt ist. Es wird gesagt, dass die Blaugraufärbung von der Einkreuzung mit Weimaranern käme....

Andererseits kann eine blonde Hündin auch schwarze und braune Welpen werfen - Überraschung ;-D - hat schlicht was mit Genetik zu tun, ist also normal

Vllt. bekommst du in Labbiforen noch wesentlich mehr Hinweise, evtl. sogar Empfehlungen, denen ich allerdings auch nicht blind vertrauen würde sondern würde es intensiver hinterfragen und mir den Züchter VORHER ansehen (vor dem Welpenkauf).
Als Hinweis wäre das aber schon nicht schlecht.
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Volker RE
  • Forenwelpe
Beiträge: 16
Hallo Jenss!

Ich selber habe zwar auch keinen Labrador (bin Fan von kleinen Hunden ), aber ich kenne viele. Und so allgemein kann man das leider nicht beantworten. Es kommt wie so oft auf den Hund auf seine Erziehung an. Ich kenne einen Labby, der eine komplette Schmuse-Bestie ist und alles mit sich machen lässt, zumindest wenn es um Kinder geht. Ich kenne aber auch einen, der recht störrisch und temperamentvoll ist. Aber wenn ich mir die Haushalte und Familien ansehe, in denen die Beiden leben, wird mir auch klar, dass sie sich ein wenig ihren Menschen angepasst haben. Ich habe neulich auch einen interessanten Artikel über Labs gesehen, den habe ich mir mal rausgesucht: http://www.haustier-news.de/labrador-dem-familienhund-auf-den-zahn-gefuehlt

Ich würde schon davon ausgehen, dass ein Labrador-Welpe, wenn er in einem herzlichen Familienumfeld aufwächst, zu einem sehr gemütlichen Tier wird. Natürlich hast du keine Garantie, dass es wirklich so sein wird. Aber Garantien hast du nie, wenn es um lebende, denkende und fühlende Dinge geht
bridge2703
  • Forenwelpe
Beiträge: 164
+ 3
Gut, dass Lincan das mit dem DRC angibt, ich meine hier nur den Deutschen Retriever Club und den LCD.

Was die Distanzlosigkeit angeht bin ich etwas anderer Meinung. Klar, liest man die Rassenbeschreibung des Labradors, dann ist dieser i.d.R. sehr menschenfreundlich. Wenn ich dann auch wirklich genau so einen Kandidaten habe, dann bin ich eben in der Welpenzeit / Junghundezeit hier gleich mal als Besitzer gefordert, denn dann darf eben genau dieser Typ Hund nämlich nicht zu allen Menschen hin und diese wild bestürmen sondern dann muss ich dem Hund eben von Anfang an Zurückhaltung beibringen, das ist für mich aber ein Erziehungsthema. Wie gesagt, ich habe hier mit beiden Labis absolut keine Probleme und kenne aus dem Freundes- und Bekanntenkreis viele Labis und kenne dieses Problem in der von Lincan beschriebenen Form nicht wirklich, auch nicht was das Territoriale Verhalten angeht, allerdings muss ich dazu sagen, dass es sich fast ausschließlich um Hunde aus der Arbeitslinie handelt in meinem Freundes - und Bekanntenkreis.

Lincan spricht oben auch die "silbernen" Labradore an.... Meiner Meinung ist das eine Verpaarung, die nicht glücklich ist. Hier kenne ich wirklich nur schwierige Hunde...... Weimaraner mit Labrador... 2 völlig unterschiedliche Hundetypen. Beim Weimaraner ist Mannschärfe gewünscht, beim Labrador überhaupt nicht..
meerestaucher
  • Hundetrainer
Beiträge: 4196
Hallo Jenss,

finde schon dass der Labrador ein Familienhund ist, vor allem auch so im Vergleich zu anderen Rassen. Beschäftigung braucht er aber natürlich auch.

Eine Freundin von mir hat einen, aus einer Showlinie, aus Zucht mit Papieren (also nix anderes drin), und der ist wirklcih super gutmütig, sehr freundlich, eher gemütlich und neigt ein wenig zum dicksein . Im Vergleich zu meinen quirligen Terriern find ich den sogar schon ab und an ein wenig phlegmatisch. Dem machts nix aus den ganzen Tag mit im Büro zu verbringen, und begrüßt Kollegen wie auch Fremde die ins Büro kommen sehr freundlich, oder er bleibt eben auf der Decke. Also sehr relaxt. Ist der erste Hund von ihr, hatte vorher also keine Hundeefahrung, und geht eigentlich wunderbar.
Die geht mit dem auch in die Hunde-Spielstunde, Ärger gabs da noch nie, der kommt mit anderen recht gut aus. Ist aber wie gesagt aus einer Show linie.
Arbeitslinie hab ich auch schon gesehen, wäre mir too much.
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast

Antoine de Saint-Exupéry
Zuletzt geändert am 18.03.2016 17:47 Uhr
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294
Ganz aktuell heute >> schwarze Hündin mit blonder Mutter - Showlinie - Temperamentsbolzen (Mutter gemütlicher Typ).

Ebenso heute >> 2 Rüden >> Showlinie, kräftige Statur >> Temperamentsbolzen, großes Territorial-/Wachverhalten.

Das nur mal zur Show- und Arbeitslinie.

Ja, Distanzlosigkeit ist schlicht auch Erziehungssache, wobei der Retriever noch mehr körpernah und distanzlos ist als andere Junghunde im Rüpelalter. Das Problem ist die Einstellung der Hundehalter, die solch einen Hund führen. Auch sehr sanfte Labbis können sehr distanzlos sein, machen das aber geschickter/sanfter.... Das kann eben zu Ärger führen mit Menschen und Artgenossen.

Auch andere Labbis kenne ich, also die träger und sanfter erscheinen, doch das ist genauso typbedingt wie bei anderen Hunden auch.

Es ist allerdings sehr gruselig, wenn man eine Rasse xy als besonders familienfreundlich bezeichnet, weil es so nicht stimmt. Das verursacht zudem in den Köpfen der Interessenten die Vorstellung, dass die Erziehung fast von alleine geht und führt zudem zu Fehleinschätzungen des jeweiligen Hundeverhaltens.

Daher spreche ich hier so vehement gegen diese Verallgemeinerungen. Im Gegensatz zu meerestaucher kenne ich nicht nur viel mehr Labbis sondern habe auch mehr praktische Erfahrung mit ihnen.

####### themenfremd, editiert #############

Also bitte - den Labbi als Familienhund zu sehen ist ok, aber ihn dann noch besser als Familienhund zu sehen als andere Rassen, so wie meerestaucher es geschrieben hat, ist ein Nachplappern von Werbeanzeigen von Züchtern. Von einem oder zwei Labbis im Bekanntenkreis auf alle Labbis und deren Verhalten zu schließen, ist - sagen wir mal - doch sehr gewagt

########### editiert ###########
Daher noch einmal nach den Ausführungen hier >> du merkst, dass es eine pauschale Aussage zu Labbis nicht gibt, da sie so verschieden sind wie andere Hunde auch (es wird diskutiert, ob explizit schwarze Labbis zur Kategorie temperamentvoll und/oder territorial sind und blond/hell oder braun eher nicht, aber ich kenne auch braune Temperamentsbolzen mit einem gehörigen Dickkopf ). Deswegen wären Labbiforen vllt. die bessere Wahl für deine Frage. Vllt. mag dir ja auch Bridge Züchteradressen geben und intensivere Aussagen dazu machen
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Zuletzt geändert am 18.03.2016 18:53 Uhr
Kostenlos anmelden
MY dogSpot - LOGIN
Passwort vergessen?
Gerade online
Mietze888
Mietze888Online seit
42 Minuten