Der kynologische Hund

Severine Martens
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Beiträge: 2
+ 3
Was wir nicht alles von ihnen erwarten‭? ‬Wie ist das nur gekommen‭? ‬Hunde haben in unserer modernen Welt wirklich kein leichtes Leben mehr.‭ ‬Was reden und schreiben wir nicht alles darüber,‭ ‬wie viel wir von unseren Hunden so lernen könnten:‭ ‬Gelassenheit,‭ ‬Ruhe,‭ ‬Empathie,‭ ‬bedingungslose Liebe und was weiß ich noch.‭ ‬Was sie alles sein sollen‭! ‬Vom Plüschkumpel über Kinderersatz bis hin zum Zen-Meister,‭ ‬fast alles was die menschliche Vorstellungskraft hergibt ist mit dabei.‭ ‬Hundeliebe ist voll im Trend,‭ ‬aber wo bleiben die Hunde dabei‭?

Ich liebe meine Hunde über alles,‭ ‬sie sind für mich meine Familie und ich würde für sie durchs Feuer gehen‭ ‬-‭ ‬und sie für mich.! ‬Aber wie sieht es wirklich aus für für den armen Kerl von Hund an meiner Seite‭?

Sie sollen überall mit hinkommen können‭! ‬In der Stadt,‭ ‬auf dem Flohmarkt und in der Umkleidekabine des Bekleidungshauses sollen sie unauffällig und ruhig sein.‭ ‬Sie sollen niemandem auf den Keks gehen,‭ ‬sich in der Öffentlichkeit unauffällig benehmen und nahezu alle Regeln des menschlichen Miteinanders respektieren‭ ‬-‭ ‬was für eine harte Aufgabe,‭ ‬oder‭? ‬Im Wald sollen sie dann auch mal die Sau raus lassen,‭ ‬ganz Hund sein und so richtig frei von allen Zwängen‭ ‬-‭ ‬bis zum nächsten Pfiff,‭ ‬Ruf oder einem anderen Signal des stolzen Hundebesitzers.‭ ‬Die inneren schwedischen Gardinen auf Kommando sofort wieder hochziehen und je nach unserer Lust und Laune wieder runterlassen.‭ ‬Was für eine Herausforderung für eine kleine Seele.‭ ‬Auf der Straße und auf dem Hundeplatz sollen sie sich von allen anfassen lassen und zu Kindern sollen sie immer freundlich sein.‭ ‬Jeder darf ihnen Leckerchen ohne Ende reinstopfen,‭ ‬aber Betteln ist verboten:‭ ‬Hunger und Verzicht auf Befehl,‭ ‬was für eine Arbeitsleistung,‭ ‬die die Kleinen da vollbringen.‭ ‬Mit allen anderen Hunden sollen sie klarkommen,‭ ‬egal ob groß oder klein,‭ ‬und mit jedem ausgelassen rumtollen und spielen:‭ ‬Weil wir das so toll finden,‭ ‬auf unsere Hundlerkontakte nicht verzichten wollen und das alles sowieso die beste artgerechte Auslastung der Welt ist.‭ ‬Eine eigene Meinung dürfen sie nicht haben,‭ ‬weder zu den Anmachen des unsympathischen Kollegen noch zu unfreundlichen Menschen.‭ ‬An der Leine immer die Klappe halten,‭ ‬sich nie weiter als einen Meter von Euch entfernen und die unmöglichsten Situationen stoisch ertragen,‭ ‬die wir ihnen zumuten:‭ ‬das ist der Alltag unserer modernen Hunde‭!

Menschen die ohne Ende freundlich grinsen und andauernd vor sich her lachen landen irgendwann beim Psychiater‭ ‬-‭ ‬nur für Hunde soll das der Alltag sein,‭ ‬lebenslang‭! ‬Was für eine beknackte Welt‭ ‬…

Ja,‭ ‬früher war alles besser,‭ ‬oder‭?

Wie siehts aus, hier bei uns gehts so weiter ... mit Klick: http://fabelschmiede.org/2016/01/17/der-kynologische-hund/

Liebe Grüße und gute Inspirationen beim Lesen
Severine & die Wuffstock Band
Zuletzt geändert am 21.01.2016 20:26 Uhr
ghubert1
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Beiträge: 3
+ 1
Ja was doch alles von einem Hund abverlangt wird!
Was der Mensch mit seinem Mitmenschen nicht Schaft, ja das soll der Hund nun richten.
Er kann es auch nicht sagen was Ihm nicht gefällt ( wer aber die Gestik seines Hundes kennt merkt schnell was ihm nicht gefällt!) Ein Hund ist ein Tier und nicht ein Kinder oder Partner Ersatz. Er soll mit Artgenossen rumtollen, Katzen jagen
auch mal scheiße Fressen dürfen und Menschen anbellen die er nicht mag. Wir können ja auch nicht mit jedem, der eine ist zu Hochnäsig der andere zu Hässlich, der Partner zu Dick oder zu Dünn und schon wird sich getrennt. Nun soll der Hund
die Probleme richten lach nicht umsonst haben die Psychiater Hochkonjunktur. Last doch einfach mal euren Hund
so Tier sein,- wie ihr Mensch sein solltet.
Lieben Gruß und macht nicht jeden Blödsinn mit der jetzt gerade angesagt ist.
G. Hubert1
Gast
  • Forenwelpe
+ 3
Das Problem nennt sich "Normen".

Was haben wir nicht an Normen geschaffen. Von Verhaltensnormen über Bekleidungsvorschriften bis zur Netiquette.
Vieles davon ist nötig, um unser Leben durchschaubar zu machen. Das Problem dabei ist nur, dass wir (als Menschen) fast nur mehr nach Regeln (Normen) leben können.
Das ist der eigentliche Grund dafür, dass wir auch Normen für unsere Hunde entwickelt haben.

(Dabei sollten wir aber nicht übersehen, dass wir in der Regel dann planlos/hilflos werden, wenn keine unserer Normen auf das aktuelle Problem passt.)

Kann der Hund sich (diesen Normen) absolut unterordnen - dann ist er der "brave" Hund, ansonsten die "Bestie" (hab ich Betreff Jerry schon real gehört).

Sorry, für mich ist Jerry ein Kumpel, der seine Meinung (die übrigens fast immer stimmt) solange haben darf, bis ich "nein" sage. Im Gegenzug akzeptiere ich auch in gewissem. Maß sein "nein" bei manchem Training.
Er zeigt mir Dinge, die ich übersehen würde und spürt Situationen, bevor diese akut werden. Er passt auf uns auf und wir auf ihn.

Wir leben also in einer Art Symbiose, die für beide Seiten von Vorteil ist.
Der eigene Charakter beim Hund ist genau das, was für mich die Persönlichkeit des Hundes ausmacht.

Das einzige, was ich vom Hund verlange ist die Alltagstauglichkeit im Rudel und Vertrauen in Frauchens/Herrchens Entscheidungen.

Peter
Ein guter Hundeführer weiß, was sein Hund in der nächsten Sekunde machen will...
(Aussage des erfahrensten Hundetrainers, mit dem ich zu tun hatte)
melwin
  • Rudelbeschützer
Beiträge: 2061
Ich stelle mir gerade vor, wie unser ( und das des Hundes) Leben aussehen würde, wenn Hund machen könnte, was er möchte. Keiner setzt ihm Grenzen oder erzieht ihn. Die Hunde, mit denen man jetzt zum Therapeuten oder in die Hundeschule geht, damit sie lernen, wie man sich zu verhalten hat, wären normaler Alltag. Ein Hundeleben ohne Grenzen und Regeln Wems gefällt .
Liebe Grüße von Melwin.
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294
+ 1
Original von melwin:

Ich stelle mir gerade vor, wie unser ( und das des Hundes) Leben aussehen würde, wenn Hund machen könnte, was er möchte. Keiner setzt ihm Grenzen oder erzieht ihn. Die Hunde, mit denen man jetzt zum Therapeuten oder in die Hundeschule geht, damit sie lernen, wie man sich zu verhalten hat, wären normaler Alltag. Ein Hundeleben ohne Grenzen und Regeln Wems gefällt .

Ja, mit solchen Hundehaltern habe ich oft zu tun

Ich frage mich dann, in welcher Welt die überhaupt leben, zumal viele/die meisten dieser Hundehalter gar kein Problem damit haben, Kinder zu reglementieren, bis der Arzt kommt *grrrrrr*!

IRONIE an >> Dann bin ich doch mal sehr dafür, dass wir freie Fahrt für freie Autofahrer haben! IRONIE aus.

Psychologisch gesehen haben solche Hundehalter oft Probleme im Zusammenleben mit Menschen und wenden sich nicht nur vermehrt den Tieren zu sondern verklären sie auch.

Meine persönliche Einstellung zu Hunden >> guter Gehorsam plus gutes Sozialverhalten, damit sie möglichst frei leben können i.S.v. nicht dauerhaft an der Leine und schon gar kein Maulkorb nötig. Dabei dürfen meine Hunde gerne selbständig denken; auch Kadavergehorsam lehne ich ab, aber auf die Einhaltung der Regeln muss ich für ein friedliches Miteinander nicht nur in unserer Familie sondern auch für das gesamte Umfeld bestehen - eine Gefahr sollte nicht von meinen Hunden ausgehen.

Wer aber mit der rosaroten Brille durch die Welt geht und Hunde und ihr Wesen nicht ernst nimmt, der handelt nicht nur gegen seine Mitmenschen sondern auch gegen seinen Hund, sogar generell gegen Hunde allgemein/tut ihnen Unrecht und NICHT gut!
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
+ 3
Original von melwin:

Ich stelle mir gerade vor, wie unser ( und das des Hundes) Leben aussehen würde, wenn Hund machen könnte, was er möchte. Keiner setzt ihm Grenzen oder erzieht ihn. Die Hunde, mit denen man jetzt zum Therapeuten oder in die Hundeschule geht, damit sie lernen, wie man sich zu verhalten hat, wären normaler Alltag. Ein Hundeleben ohne Grenzen und Regeln Wems gefällt .


Das klingt, als ob Hunde das menschliche Regelwerk brauchen würden, was man ihnen gemeinhin in Deutschland und Mitteleuropa aufs Auge drücken will. Da muss ich doch nicht mal tausend Kilometer fahren, um zu erleben, dass ein Zusammenleben von Mensch und Hund auch anders geht. Ein Hund wird sich, wie jedes andere sozial motivierte Lebewesen, Kontakte suchen, und dafür gibt es Benimmregeln und Anpassung. Er muss aber für sein eigenes Wohlbefinden sicher keine Hundeschule besuchen und Sitz, Platz, Fuss können, und vermisst auch nicht, wenn er niemals Halsband und Leine kennenlernt.
In unseren Breitengraden ist Hundetraining gleichbedeutend mit einer mehr oder weniger vollständigen Unterdrückung von Hundeverhalten. Der Hund muss seinem Menschen an Orte folgen, wo er freiwillig niemals hingehen würde. Er darf sich nicht revanchieren, wenn ihm jemand auf die Pfoten tritt. Zu seinen Artgenossen hat er gefälligst freundlich zu sein. Ein eigenes Revier darf er sowieso nicht behaupten. Kaninchen dürfen ihm die Mittelkralle zeigen. Und wenn er nicht nach den Wünschen seiner Besitzer funktioniert, nennt man ihn Problemhund. Wir vergessen gern, dass wir uns dieses reglementierte Leben selbst ausgesucht haben, der Hund hat keine Wahl.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Shibaherz
Beiträge: 20679

Auf den Hund gekommen

Was meinst Du damit: Wir haben uns dieses durchreglementierte Leben selbst ausgesucht? Hätte ich auch ganz woanders, z. B. bei den Eskimos, geboren werden können?

Ja, das Zusammenleben der Menschen in unserer Gesellschaft ist reglementiert, geht nicht ohne, wenn im Einzelnen vielleicht auch mit anderen Regeln, und die Hundehaltung ist ebenfalls reglementiert. Aber abgesehen davon gibt es den unterschiedlichen Freiheitsspielraum, den der einzelne Hundehalter seinem Hund im Hinblick auf Zeitumfang und Ortswahl einräumt. Es geht in unserer Gesellschaft nicht allen Hunden gleich schlecht.

Die Frage ist doch: Warum wollen so viele Menschen Hunde haben, mit Hunden zusammenleben? Brauchen wir vielleicht die Spontaneität, die Zugewandtheit, die uns der Hund trotz aller Unterdrückung unerwünschter Verhaltensäußerungen freundlicherweise trotzdem anbietet, um unsere durchreglementierte, „gleichgültige“ Welt auszuhalten?

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
Eleonore
  • Begleithund
Beiträge: 674
Hallo zusammen,
da ich mit meinen Hunden NICHT allein auf einer Insel lebe, ist ein gewisses Maß an Regeln, sowohl für mich als auch für meine Hunde, notwendig. Keine Gemeinschaft kann ohne Regeln, schriftlich in Form von Gesetzen oder auch ungeschrieben, überleben bzw. existieren. Innerhalb meiner kleinen Enklave (Grundstück/Haus) erlaube ich mir und meinen Hunden aber auch ein Maß an Freiheit.
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20211
+ 3
@Shibaherz

Die Antwort auf deine Frage hat mMn Konrad Lorenz gegeben: "Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv - nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies." Ich kritisiere auch nicht das Phänomen an sich, dem ich selbst verfallen bin, sondern die egoistische Ausprägung, bei der das Wohl des Tiers nebensächlich ist. Es ist doch nicht nur der dauerkontrollierte Hund, wie er im Eingangsbeitrag beschrieben wird. Wenn der einsame Wellensittich in seinem viel zu kleinen Käfig verreckt, holt man sich einen neuen. Hauptsache, er lernt aus Verzweiflung, weil er keine Artgenossen hat, mit seinem Menschen zu sprechen. Kaninchen sind Spielzeug, Reptilien ein Statussymbol, die meisten Halter wissen nicht einmal, was ihr Tier brauchen würde, um sich wohl zu fühlen.

@Eleonore

Jede Gemeinschaft, auch eine hündische, gibt sich Regeln. Wir haben uns aber eine Gesellschaft geschaffen, in der sich eine Banane nicht über ihren Geschmack, sondern über ihre Länge und Dicke definiert, in der ein Unfall erst bei Facebook gepostet wird, bevor man vielleicht Hilfe leistet oder Helfer ruft. Die Treppe im Mietshaus wird nicht geputzt, wenn sie dreckig ist, sondern weil Freitag ist. Wir haben Eigenverantwortung und Rücksichtnahme durch ein detailliertes Regelwerk ersetzt. Und da kommen mMn die Hunde als Leidtragende ins Spiel. Kettenhaltung wurde verboten, Zwinger unterliegen Vorschriften, aber dafür wird der Alltag reglementiert. Da wird per Gerichtsbeschluss bestimmt, dass ein Hund dreissig Minuten bellen darf. Ein Hund, der jagt, ist gefährlich. Nicht der Mensch lernt, wie ich das aus meiner Kinderzeit kenne, dass man keine fremden Hunde anfasst, dass man mit dem Rad einen Bogen fährt, dass man nicht ungebeten ein fremdes Grundstück betritt.... Ein Hund soll per Gesetz so trainiert werden, dass der Mensch sich jederzeit aus Hundesicht wie ein Idiot benehmen darf. Ich muss nicht zu den Inuit oder auf eine einsame Insel auswandern, um Gesellschaftsformen zu finden, in denen der Hund noch als Hund wahrgenommen wird und der Mensch seine arttypischen Eigenschaften akzeptiert.
Tierhalter.... was für ein Wort? Aber leider trifft dies oft zu.... ein Mensch der das Tier davon ab-hält frei zu sein (Stefan Wittlin)
Zuletzt geändert am 31.05.2016 13:07 Uhr
Lincan
  • Begleithund
Beiträge: 1294
+ 1
Meine Güte, der ARME Hund – geht’s noch?????

Wir ALLE MÜSSEN uns an Regeln halten und werden sogar fremdbestimmt!

Oder >>

Lasst doch alle Hunde frei und lasst die freien Hunde endlich frei bleiben, anstatt ihnen ihre Freiheit zu rauben (Straßenhunde) und sie in diese unsere enge Welt zu stecken, nur damit wir uns besser fühlen, weil wir mal wieder einen armen Hund aus dem Auslandstierschutz gerettet haben *grrrrr*.

Lasst doch die Hunde in Menschen beißen und freuen wir uns darüber – besonders in die blöden Bratzen, die immer so laut sind oder in die Rentner, die uns eh auf der Tasche liegen.

Lasst doch die Hunde jagen, gerne auch ganze Schafherden killen, weil es um die Schafe doch nicht schade ist.

DAS ist der Grund, warum Hunde per Gesetz reglementiert werden.

Übrigens > > HUNDE geben sich selbst ein Regelwerk, auf dessen Einhaltung penibel geachtet wird!

DAS entspricht dem hündischen Wesen, ebenso wie hierarchische Strukturen – da unterscheiden sie sich überhaupt nicht von den Menschen

Komisch, dass Hunde KEINE Probleme haben und nicht seelisch verstört sind, weil sie sich an menschliche Regeln zu halten, aber gewisse Menschen (die ich oben schon beschrieben habe) sehr wohl glauben, dass die armen Hunde deswegen ein Trauma erleben *kopfschüttel*.

Noch was >> sind Hunde mehr wert als unsere Kinder????? Was wir diesen armen und schwachen Geschöpfen der eigenen Art antun schon vom Säuglingsalter an, hat wohl keine Relevanz – wie MIES ist DAS?!
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
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