Bundesweite Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung: Experten begründen ihre Forderung

tomstep
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Bundesweite Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung: Experten begründen ihre Forderung


Notwendig, machbar, kostengünstig – Experten fordern Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen


Entlastung für die Tierheime durch die schnelle Rückvermittlung von Fundtieren, Erfolg im Kampf gegen den illegalen Welpenhandel, Vorteile für die Tiergesundheit, den Tierschutz und den Verbraucherschutz – all das wäre mit einer bundesweit einheitlichen Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Heimtiere möglich. Davon sind die Mitglieder des Netzwerks „Kennzeichnung und Registrierung (K&R)“, zu denen auch TASSO gehört, überzeugt. In der vergangenen Woche haben sie im Rahmen eines Parlamentarischen Abends in Berlin erläutert, welche Vorteile sie darin sehen, dass alle Hunde und Katzen mit einem Transponder gekennzeichnet und in einem Haustierregister registriert werden. Auch ein konzeptioneller Vorschlag zur Umsetzung wurde den anwesenden Bundestagsabgeordneten und weiteren interessierten Gästen präsentiert.

Bereits seit vielen Jahren fordern Fachleute von der Politik eine bundeseinheitliche Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen. Im vergangenen Jahr haben sich deshalb alle Landestierschutzbeauftragten, Vertreter aus Tierärzteschaft und Transpondertechnologie sowie Tierschutzvereine und Haustierregister zum Netzwerk „K&R“ (Kennzeichnung und Registrierung) zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für eine deutschlandweit einheitlich geregelte Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht einzusetzen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen EU-Mitgliedstaaten gibt es in Deutschland bis heute keine entsprechende Regelung. Und das, obwohl die Umsetzung schon mit wenig bürokratischem und finanziellem Aufwand möglich wäre.

Das Konzept Registerverbund

In einigen EU-Mitgliedstaaten gibt es bereits Modelle mit mehreren Registern, die in einem einzigen Datenbanksystem miteinander vernetzt sind. Eine solche Lösung wäre laut den Experten des Netzwerks „K&R“ auch eine optimale Lösung für Deutschland. So könnte auf mehr als zehn Millionen bereits registrierte Tiere aus den bestehenden Registern zurückgegriffen werden, ohne diese Daten kostenintensiv und mit hohem administrativem Aufwand erneut zu erheben. Die mit hohen Kosten verbundene Einrichtung und Verwaltung einer neuen Datenbank würde bei einem solchen Modell entfallen. Lediglich die Entwicklung einer speziellen Software, die alle Register im Verbund miteinander vernetzt, sowie die Bereitstellung eines Webservices durch alle angeschlossenen Register wären vonnöten. Tierhalter oder Finder von entlaufenen Tieren sowie öffentliche Stellen wie Städte, Gemeinden oder die Polizei könnten nach diesem Modell über individuell auf sie angepasste Abfragemöglichkeiten ihre Anfragen stellen. Darüber hinaus wäre ein solches System kompatibel mit einer europaweiten Kennzeichnung von Hunden und Katzen, wie sie vom Europaparlament seit Jahren gefordert wird.

„Mit einer bundeseinheitlichen Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen könnten wir vieles auf einmal erreichen“, sagt Dr. Hans-Friedrich Willimzik, Landesbeauftragter für Tierschutz des Saarlandes und Leiter des Netzwerks „K&R“. „Jetzt ist es an der künftigen Bundesregierung, unsere Forderung und den erarbeiteten Vorschlag zur Umsetzung zu überdenken und am Ende auch umzusetzen.“

Auch TASSO-Leiter Philip McCreight betont die Vorteile: „Bereits jetzt bringen wir jährlich rund 70.500 entlaufene Tiere wieder mit ihren Haltern zusammen. Etwa 45.000 Tiere mehr könnten pro Jahr wieder nach Hause zurückvermittelt werden, wenn es eine bundesweit geltende Kennzeichnungs- und Registrierungsflicht und somit eine gesetzlich verankerte Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen geben würde.“

Das Netzwerk K&R

Das Netzwerk „Kennzeichnung und Registrierung (K&R)“ ist ein interdisziplinärer Arbeitskreis von Experten unter der Leitung des Landesbeauftragten für Tierschutz des Saarlandes, Dr. Hans-Friedrich Willimzik, mit dem Ziel, dass in Deutschland die Rechtspflicht zur Kennzeichnung und Registrierung für Hunde und Katzen eingeführt wird. Deutschland ist hier Schlusslicht in Europa, zusammen mit vier weiteren Mitgliedstaaten. Die gravierenden Probleme, wie beispielsweise der illegale Welpenhandel, die stetige Zunahme von Straßenkatzen sowie überfüllte Tierheime, können nur mit einer stringenten europaweit und national harmonisierten vollständigen Rückverfolgbarkeit von Tierhaltern und Heimtieren gelöst werden. Weitere Hintergrundinformationen zur Arbeit des Netzwerks „K&R“ sind auf der neuen Internetseite www.heimtierverantwortung.net zu finden.




© Copyright TASSO e.V.
"Wäre doch nur ein Bruchteil der Schäferhundbesitzer so klug wie ihre Tiere."
(Stefan Wittlin, schweizer "Medicus-Canis", Kynologe-Hundetherapeut)
Lincan
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Wer da wohl mitmacht? Sieht man ja in Niedersachsen, wo die Registrierung Pflicht ist. Kaum einer macht es; kostet auch mächtig. Im Gegensatz zum kostenlosen TASSO ist das niedersächsische System nur gedacht zur Überwachung von Beissvorfällen, nicht zum Auffinden der Hunde. Es zahlen nicht gerne Hundehalter dafür, so überwacht zu werden....
Nicht meine Hunde brauchen einen Maulkorb sondern ich!
Zuletzt geändert am 05.02.2018 18:35 Uhr
Feuerwolf
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+ 3
@Lincan: Arbeitet das niedersächsische System auch mit Tasso etc. zusammen, wie oben im Komi beschrieben?

Ich denke es ist eher ein staatliches System zur reinen Überwachung und nicht so ein System, wie oben angedacht und beschrieben.

Wenn`s um reine staatliche Überwachung geht...bin ich auch dagegen....wegen "Big Brother is watching you" allgemein.

Ansonsten finde ich die Idee eigetnlich gar nicht s chlecht.
CairnLover
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Beiträge: 677
+ 1
Original von Lincan:

Wer da wohl mitmacht? Sieht man ja in Niedersachsen, wo die Registrierung Pflicht ist. Kaum einer macht es; kostet auch mächtig. Im Gegensatz zum kostenlosen TASSO ist das niedersächsische System nur gedacht zur Überwachung von Beissvorfällen, nicht zum Auffinden der Hunde.

So sehe ich das auch. Es geht hier mehr um die Erfassung von HH, die ihren Hund nicht mehr haben wollen, als darum, dass HH ihren Hund schneller finden.
Dass Hunde, die einen Besitzer haben, im TH sitzen, soll es mit diesem Überwachungssytem zukünftig genausowenig geben, wie ausgesetzte Hunde. Denn der HH soll damit erfasst werden, damit er ruckizucki ausfindig gemacht und zur Kasse gebeten werden kann.

Wer seinen Hund liebt, wird ihn wohl kaum im zuständigen oder einem umliegenden TH sitzen lassen, sollte er mal abgehauen sein.
christianeadler
  • Moderator
Beiträge: 20246
+ 3
Ich befürchte auch, dass hier die Tierschützer eine Allianz mit ganz anderen Interessen eingehen. So wäre z. B. ein Datenabgleich zwischen TASSO und den Kommunen eine willkommene Möglichkeit, um nicht angemeldete Hunde für ihre unerwünschte Hundesteuer zu finden. Wäre man an Tierschutz interessiert, würde man wohl mehr in die Tierheime oder die Kastration verwilderter Katzen investieren. Und weder Polizei, noch Strassenreinigung werden mit Lesegeräten für Transponder ausgestattet, um aufgefundene Tiere zu melden.
Die Registrierungspflicht von Hauskatzen hat bei uns auch eher das Gegenteil bewirkt. Die privaten Futterstellen werden seltener, weil die Ämter die gefütterten zu eigenen Katzen erklären. Ohne Anfütterung gibt es aber auch keine Gesundheitsversorgung und Kastration der verwilderten Katzen, also weniger Tierschutz.
Leben ist das, was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. (John Lennon)
CEEYEET
  • Forenwelpe
Beiträge: 138

Tyson

Meine Hunde sind beide gechipt und bei Tasso registriert. Hat mir bei unserem Arthur schon oft geholfen. Da er öfter mal Wandern war finde ich Tasso ganz in Ordnung. Hundesteuer müssen wir ja wohl alle bezahlen und wer eben meint , dass er keine Steuern bezahlen bezahlen muss, darf sich nicht über eine saftige Strafe wundern.Mittlerweile kennt man unseren Hund hier und schafft ihn nicht zum TA, wo man den Chip ausgelesen und uns dann angerufen hat. Alles andere empfinde ich als Nepp.Da soll uns mal wieder richtig Geld abgeknöpft werden. Wir bezahlen ja eigentlich schoun genug für unsere Lieblinge.
Shibaherz
Beiträge: 20798
Das ist mal wieder so ein Thema, bei dem sich prima aneinander vorbeireden lässt.
Die eine Frage ist, wie verhalten sich die Menschen tatsächlich; - und die andere: wie sollten sie sich verhalten?
Aber die Tatsachenfeststellung (soweit möglich; manches lässt sich auch aus Statistiken erschließen. Man könnte z. B. die Angaben über den Gesamtumsatz an Hunde-Fertigfutter in Beziehung setzen zur Zahl der angemeldeten Hunde. Klar, wenn und aber. Aber die Berücksichtigung der gebarften Hunde z. B. erhöht ja nur die Mengen-Einschätzung, nicht?) sollte doch nach Möglichkeit der Normierung vorausgehen, oder nicht?
Ceeyeet, wie wahrscheinlich ist es, dass Hundehalter eine Steuer bezahlen, die sie als ungerechtfertigt betrachten, solange sie bei Zuwiderhandeln ihr Risiko nur ganz gering einschätzen?
Gerade, was das Verhalten der Leute gegenüber dem Staat und seinen Geldeintreibungsmethoden betrifft, ist das ein weites Feld … da gibt es, vorsichtig ausgedrückt, wegen der Politik Legitimitäts- und Plausibilitätsbedenken ...
Klar würde die Registrierungspflicht die Tierheime entlasten und die Zuordnung von entlaufenen oder ausgesetzten Hunden verbessern. Aber was tun, wenn diese Pluspunkte bestimmten Hundehaltern egal sind?
Überzeugender wirkt die Registrierungspflicht sicher in Ländern, die die Hundesteuer abgeschafft haben. Aber daran ist ja in Deutschland nicht zu denken ...

...
Man sieht nur mit dem Herzen gut.Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar (Antoine de Saint-Exupéry)
CairnLover
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Beiträge: 677
Original von Shibaherz:

Überzeugender wirkt die Registrierungspflicht sicher in Ländern, die die Hundesteuer abgeschafft haben.

Wage ich zu bezweifeln. Einer Pflicht nachkommen zu müssen ist so ziemlich das Gegenteil von ein Recht wahrnehmen zu dürfen.
Und das sagt eigentlich schon alles zu den diversen durch Staaten eingeführte Pflichten aus. Denn die wurden und werden nur eingeführt, um andere in die Pflicht nehmen und Kontrolle über die Bürger gewinnen zu können.
CairnLover
  • Begleithund
Beiträge: 677
Was mir gerade noch als Schreckensbild durch den Kopf geht. Wird es im Sinne des Tierschutzes wirklich etwas zum Positiven verändern, wenn es eine Registrierungspflicht gibt, die ja die Besitzer auch deshalb erfassen soll, um zu verhindern, dass Hunde weiterhin einfach ausgesetzt werden, ohne dass man die Verantwortlichen finanziell zur Rechenschaft ziehen könnte? Ich glaube es nicht.
Wie hoch ist dann wohl die Chance, dass diese Leute den ungeliebten Hund, anstatt ihn wie bisher auszusetzen, einfach umbringen und irgendwo vergraben? Wer es fertigbringt seinen Hund auszusetzen, dem trau ich auch noch andere Gemeinheiten zu.
Catalou
  • Begleithund
Beiträge: 1882
Jeder Hundebesitzer muss Hundesteuer zahlen und somit ist der Hund zumindest steuermäßig registriert (Hundemarke!)
Ist es nun so, dass der Hund verstirbt oder abgegeben wird, erfolgt eine Abmeldung bei der Stelle für Hundesteuer und genau da sollte nachgewiesen werden müssen, wo der Hund beerdigt wurde, bzw. wer den Hund übernommen hat und somit der neue Hundehalter amtsbekannt und wieder steuerpflichtig wird.
Hunde, die nicht zwecks Hundesteuerzahlung angemeldet werden, fallen sowieso durch den "Rost", egal ob es eine Registrierungspflicht gibt oder nicht. Das sind "Schwarzhundehalter", denen die arme Socke Hund egal ist oder die Steuer zu hoch und die scheren sich sowieso keinen Deut um Vorschriften.

Schwieriger würde die Sache bei Katzenhaltung werden, da die Registrierungsunwilligen auf einmal keine Katzenbesitzer mehr sind, sondern nur eine fremde Streunerkastze hin und wieder füttern.
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