Unser erstes gemeinsames Jahr
zu gary7s BlogübersichtEintrag vom 20.02.2010


Am 7. April wird sich mein Zusammensein mit meinem Gary das erste Mal jähren. Etwas weniger als 2 Monate davor lasse ich unser erstes Jahr Revue passieren.
Gewünscht habe ich mir einen Hund schon als Kind, aber meine Eltern war das (im Nachhinein glücklicherweise) nicht recht. Stattdessen habe ich alles verschlungen was ich über Hunde finden konnte.
Als ich das erste Mal in der Lage war Tiere zu adoptieren, habe ich mich gegen einen Hund und für zwei wundervolle Katzen aus dem Tierheim entschieden. Zu lang waren die Arbeitstage und zu kurz die freie Zeit für einen Hund. Aber der Wunsch blieb.
Als ich Ende März eine Freundin besuchte, die in einem Tierheim arbeitete, versprachen mir die Mitarbeiter mich zu informieren, sobald ein "geeigneter" Hund zur Vermittlung steht. Am 06. April bekam ich die Nachricht und direkt einen Tag danach bin ich die 250 km mit einem Freund zu meinen Hund in spe gefahren. Ein schwarzer Cocker-Mix, 1,5 jährig, abgegeben aus Zeitgründen waren die einzigen Angaben.
Vor dem Zwinger die Überraschung: ein kleiner, struppiger und wahnsinnig ängstlicher Hund, der sich in die äußerte Ecke verkroch, doch ich wollte ihn kennenlernen. Als die Tierheimmitarbeiterin ihn herausholte, hat er den Schwanz eingekniffen und er musste herausgeschliffen werden, solche Angst hatte er. Das Fell war bei näherer Betrachtung fast weiß, vor lauter Schuppen aus Stress. Der erste Spaziergang war nicht einfach mit dem kleinen, doch nach einer Stunde Überlegung war für mich klar, dass ich Gary vorerst für vier Tage mitnehme und schaue, wie es zu Hause läuft.
Unglücklicherweise war das Wochenende darauf Ostern und ich konnte keinen Urlaub nehmen, da ich in der Gastronomie tätig war. Mein Freund und viele Bekannte machten es möglich, dass Gary nicht alleine bleiben musste.
Schon beim ersten Gassi fiel uns auf, dass er schrie, aber in welchem Ausmaß wurde mir erst später klar. Die Vorbesitzer machten die Angaben, er würde aggressiv auf andere Hunde, Autos und Fahrradfahrer reagieren, doch wie das genau aussieht nicht.. Gary legte sich bei vielen Gelegenheiten in die Leine und schrie ohrenbetäubend - für mich als totalen Hundeanfänger nicht erklärbar. An einer befahrenen Straße konnten wir nicht entlang gehen, er blieb stehen und weigerte sich. Als die vier Tage um fahren, fuhren wir zum Tierheim und haben uns eigentlich erst im Auto für Gary entschieden. Seine Umweltverträglichkeit machte mir sehr zu schaffen und ich überlegt, ob er es nicht woanders besser haben könnte. Aber ich konnte diesen liebenswürdigen Hund nicht mehr zurückgeben - es war entschieden: er wird MEIN Hund!
Die nächsten Wochen waren erfahrungsreich. Wir gewöhnten uns aneinander, an die Verantwortung einen Hund zu haben, übten das Alleinbleiben, aber waren völlig verzweifelt mit diesen Verhaltensauffälligkeiten. Gary war gegen den Informationen des Tierheims nicht stubenrein (oder die neue Situation war schuld) und diese Situation war ziemlich stressig.
Da wir sehr abgelegen wohnten, konnten wir auch nicht in die Hundeschule und uns Tipps holen, die nächsten, die ich im Internet fand, waren über 100 km entfernt. Die einzige Möglichkeit war ein Hundesportverein, der mir aber erst mal eine Abfuhr erteilte, als sie hörten, dass Gary erst 3 Wochen bei mir war - wir sollten doch erst mal an unserer Bindung arbeiten. Trotzdem bin ich öfter vorbeigefahren, um mir die Arbeit anzuschauen. Als man mir mitteilte, ich darf nur mit einen Gliederhalsband mir Würgefunktion mitarbeiten, habe ich diesen Platz nie wieder besucht.
Den richtigen Tipp gab mir darauf meine Tierärztin, sie kannte eine Hundetrainerin, die auch Verhaltenstherapeutin war und "nur" 60 km entfernt wohnt. Sie schaute sich Gary auf ihrem Platz an, ich erklärte, was in den 6 Wochen geschehen ist und sie meinte, dass er sehr unsicher ist und wahrscheinlich sehr schlecht sozialisiert wurde. Mit ihrer Hilfe konnte ich die ersten Fortschritte erzielen und wurde sicherer im Umgang mit dem unsicheren Gary.
In dem Sommer 2009 haben wir hart gearbeitet, um Gary die Angst vor den bösen Dingen in der Welt zu nehmen. Ich habe vesucht, ihm ganz viele neue Sachen zu zeigen und dass diese nicht gefährlich sind.
In der Hundeschule haben wir an einem 3 monatigen Seminar zum "Familienhund" teilgenommen. Leinenführigkeit geübt, Sitz, Platz, Auflösungskommando, und einiges andere.
Im Herbst zogen wir dann nach Dresden und ich war froh, Gary die Monate vorher schon vorbereiten zu können. Autos waren mittlerweile erträglich, Busse und LKWs eher tagesformabhängig. Doch hier angekommen, gab es völlig neue Eindrücke: Straßenbahnen. Gary hatte ein neues Gefahrenpotential entdeckt.
Das Üben geht jeden Tag weiter, aber ich sehe immer wieder Fortschritte, die es mich nicht bereuen lassen, diesen schwierigen "gebrauchten" Hund aus dem Tierheim zu nehmen. Mittlerweile können wir an einem guten Tag an Straßenbahnen, Bussen und anderen Fahrzeugen vorbeigehen, ohne dass Gary mit dem Wimper zuckt. Regelmäßig gehen wir an den Bahnhof und fahren auch gern mal mit.
Hundebegegnungen sind immer noch problematisch, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Ich bin wirklich froh, dass sich unser Zusammensein in diese Richtung entwickelt hat, ich mag gar nicht dran denken, was mit ihm wäre, hätte ihn eine weniger geduldige Familie geholt..
Irgendwann möchte ich gern mir ihm die Begleithundeprüfung ablegen. Ich hoffe, dass er bald einmal ohne Angst durch die Welt laufen kann. Wenn ich den mittlerweile vor Selbstbewusstsein strotzenden Hund sehe (in dem meisten Situationen), weiß ich, dass es irgendwann eintreten wird. Er wird nie "normal" sein, aber wer ist das schon
Ich wünsche mir, dass alles so weiter läuft, wie bisher, dass ich viel von meinem Hund lerne und wir eine tolle, ereignisreiche Zeit miteinander verbringen dürfen.
Nadine mit Gary
Gewünscht habe ich mir einen Hund schon als Kind, aber meine Eltern war das (im Nachhinein glücklicherweise) nicht recht. Stattdessen habe ich alles verschlungen was ich über Hunde finden konnte.
Als ich das erste Mal in der Lage war Tiere zu adoptieren, habe ich mich gegen einen Hund und für zwei wundervolle Katzen aus dem Tierheim entschieden. Zu lang waren die Arbeitstage und zu kurz die freie Zeit für einen Hund. Aber der Wunsch blieb.
Als ich Ende März eine Freundin besuchte, die in einem Tierheim arbeitete, versprachen mir die Mitarbeiter mich zu informieren, sobald ein "geeigneter" Hund zur Vermittlung steht. Am 06. April bekam ich die Nachricht und direkt einen Tag danach bin ich die 250 km mit einem Freund zu meinen Hund in spe gefahren. Ein schwarzer Cocker-Mix, 1,5 jährig, abgegeben aus Zeitgründen waren die einzigen Angaben.
Vor dem Zwinger die Überraschung: ein kleiner, struppiger und wahnsinnig ängstlicher Hund, der sich in die äußerte Ecke verkroch, doch ich wollte ihn kennenlernen. Als die Tierheimmitarbeiterin ihn herausholte, hat er den Schwanz eingekniffen und er musste herausgeschliffen werden, solche Angst hatte er. Das Fell war bei näherer Betrachtung fast weiß, vor lauter Schuppen aus Stress. Der erste Spaziergang war nicht einfach mit dem kleinen, doch nach einer Stunde Überlegung war für mich klar, dass ich Gary vorerst für vier Tage mitnehme und schaue, wie es zu Hause läuft.
Unglücklicherweise war das Wochenende darauf Ostern und ich konnte keinen Urlaub nehmen, da ich in der Gastronomie tätig war. Mein Freund und viele Bekannte machten es möglich, dass Gary nicht alleine bleiben musste.
Schon beim ersten Gassi fiel uns auf, dass er schrie, aber in welchem Ausmaß wurde mir erst später klar. Die Vorbesitzer machten die Angaben, er würde aggressiv auf andere Hunde, Autos und Fahrradfahrer reagieren, doch wie das genau aussieht nicht.. Gary legte sich bei vielen Gelegenheiten in die Leine und schrie ohrenbetäubend - für mich als totalen Hundeanfänger nicht erklärbar. An einer befahrenen Straße konnten wir nicht entlang gehen, er blieb stehen und weigerte sich. Als die vier Tage um fahren, fuhren wir zum Tierheim und haben uns eigentlich erst im Auto für Gary entschieden. Seine Umweltverträglichkeit machte mir sehr zu schaffen und ich überlegt, ob er es nicht woanders besser haben könnte. Aber ich konnte diesen liebenswürdigen Hund nicht mehr zurückgeben - es war entschieden: er wird MEIN Hund!
Die nächsten Wochen waren erfahrungsreich. Wir gewöhnten uns aneinander, an die Verantwortung einen Hund zu haben, übten das Alleinbleiben, aber waren völlig verzweifelt mit diesen Verhaltensauffälligkeiten. Gary war gegen den Informationen des Tierheims nicht stubenrein (oder die neue Situation war schuld) und diese Situation war ziemlich stressig.
Da wir sehr abgelegen wohnten, konnten wir auch nicht in die Hundeschule und uns Tipps holen, die nächsten, die ich im Internet fand, waren über 100 km entfernt. Die einzige Möglichkeit war ein Hundesportverein, der mir aber erst mal eine Abfuhr erteilte, als sie hörten, dass Gary erst 3 Wochen bei mir war - wir sollten doch erst mal an unserer Bindung arbeiten. Trotzdem bin ich öfter vorbeigefahren, um mir die Arbeit anzuschauen. Als man mir mitteilte, ich darf nur mit einen Gliederhalsband mir Würgefunktion mitarbeiten, habe ich diesen Platz nie wieder besucht.
Den richtigen Tipp gab mir darauf meine Tierärztin, sie kannte eine Hundetrainerin, die auch Verhaltenstherapeutin war und "nur" 60 km entfernt wohnt. Sie schaute sich Gary auf ihrem Platz an, ich erklärte, was in den 6 Wochen geschehen ist und sie meinte, dass er sehr unsicher ist und wahrscheinlich sehr schlecht sozialisiert wurde. Mit ihrer Hilfe konnte ich die ersten Fortschritte erzielen und wurde sicherer im Umgang mit dem unsicheren Gary.
In dem Sommer 2009 haben wir hart gearbeitet, um Gary die Angst vor den bösen Dingen in der Welt zu nehmen. Ich habe vesucht, ihm ganz viele neue Sachen zu zeigen und dass diese nicht gefährlich sind.
In der Hundeschule haben wir an einem 3 monatigen Seminar zum "Familienhund" teilgenommen. Leinenführigkeit geübt, Sitz, Platz, Auflösungskommando, und einiges andere.
Im Herbst zogen wir dann nach Dresden und ich war froh, Gary die Monate vorher schon vorbereiten zu können. Autos waren mittlerweile erträglich, Busse und LKWs eher tagesformabhängig. Doch hier angekommen, gab es völlig neue Eindrücke: Straßenbahnen. Gary hatte ein neues Gefahrenpotential entdeckt.
Das Üben geht jeden Tag weiter, aber ich sehe immer wieder Fortschritte, die es mich nicht bereuen lassen, diesen schwierigen "gebrauchten" Hund aus dem Tierheim zu nehmen. Mittlerweile können wir an einem guten Tag an Straßenbahnen, Bussen und anderen Fahrzeugen vorbeigehen, ohne dass Gary mit dem Wimper zuckt. Regelmäßig gehen wir an den Bahnhof und fahren auch gern mal mit.
Hundebegegnungen sind immer noch problematisch, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.
Ich bin wirklich froh, dass sich unser Zusammensein in diese Richtung entwickelt hat, ich mag gar nicht dran denken, was mit ihm wäre, hätte ihn eine weniger geduldige Familie geholt..
Irgendwann möchte ich gern mir ihm die Begleithundeprüfung ablegen. Ich hoffe, dass er bald einmal ohne Angst durch die Welt laufen kann. Wenn ich den mittlerweile vor Selbstbewusstsein strotzenden Hund sehe (in dem meisten Situationen), weiß ich, dass es irgendwann eintreten wird. Er wird nie "normal" sein, aber wer ist das schon
Ich wünsche mir, dass alles so weiter läuft, wie bisher, dass ich viel von meinem Hund lerne und wir eine tolle, ereignisreiche Zeit miteinander verbringen dürfen.
Nadine mit Gary
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