Schritt.. für Schritt.. für Schritt - ein Angsthund holt auf
zu gary7s BlogübersichtEintrag vom 28.02.2010


Bei Angsthunden rechnet man nicht in Tagen oder Wochen, sondern in Jahren.
Das habe ich Anfang Dezember 2009 gelesen, als ich im Forum unseren Fall geschildert habe. Ich habe Kraft daraus geschöpft und Mut, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Fortschritte sind manchmal so unglaublich klein, man kann sie nur schwer erkennen, meist dann, wenn es wieder Riesensätze zurück macht. Doch wie könnte man auch schnell fast 2 Jahre fehlender Sozialisation und Erfahrung überbrücken. Zeit, Geduld, viele viele Nerven und Ruhe sind nötig, um zum Ziel zu gelangen, dass habe ich aus diesem Satz mitgenommen.
Als ich im Oktober nach Dresden gekommen bin, hatten wir etwas mehr als ein halbes Jahr Übungsphase hinter uns. Auf Usedom war es nicht perfekt gewesen, aber ein Anfang - die ersten Schritte in die richtige Richtung haben wir gemacht.
Hier ging es weiter.. immer wieder üben. Jedes Puzzlestück einzeln erstellen: an einer stark befahrenen Straße entlang laufen, eine Straßenbahn in weiter Entfernung ertragen, dann immer weiter ran gehen, in nächster Nähe an ihr entlang laufen, Straßenbahnhaltestellen ertragen - mit vielen Straßenbahnen! Alles was Angst macht, alles was Gary zum Schreien bringt, üben wir - und die Liste ist sehr lang: schreiende Kinder, Kinder, die hochgenommen werden, Kinderwagen, klappernde Fahrräder, Busse, LKWs, alte Herren am Krückstock, Rollstuhlfahrer, Skateboardfahrer,.. ich weiß gar nicht wo ich anfangen, wo ich aufhören soll. Obwohl Gary aus Berlin kommt, macht ihm alles Angst. Ich versuche ihm Halt und Orientierung zu geben, nicht immer einfach.
Gestern waren wir 4 Stunden unterwegs, haben bei dem schönen Wetter ausgiebig getobt, gespielt und Spaß gehabt. Heute morgen sah ich den ausgeruhten Gary und das schlechte Wetter und habe beschlossen, ein erstes großes Puzzlebild zusammen zu fügen: eine Stadttour. Bislang waren es immer nur kurze Besuche, mal am Hauptbahnhof, mal eine große Hauptstraße, aber noch nie eine längere Sightseeingtour, so weit waren wir nicht, aber heute wusste ich, es war ein guter Tag, um es zu probieren.
11 Uhr Start, warten auf die S-Bahn und Gary war aufgeregt, er zitterte während der Fahrt zum Hauptbahnhof. Dort angekommen liefen wir die Prager Straße entlang, an einem Sonntag haben die Geschäfte zu, das schlechte Wetter tat das übrige: nur wenige Leute waren unterwegs. Gary war ruhig, schnüffelte, schaute sich die Tauben und die Gegend an. Die Überquerung der Straße zum Altmarkt war keine Hürde, die Straßenbahn interessierte ihn gar nicht. Ich guckte mir die Schaufenster an und mein Hund wartete bis es weiter ging. Es kamen immer mehr Menschen, je näher wir der Frauenkirche kamen, aber Gary entspannte sich auch immer mehr. Ich wagte gar nicht mich zu atmen, geschweige denn mich zu freuen, zu verwegen fand ich es. Niemals hätte ich erwartet, dass er so ruhig an meiner Seite läuft, kein ziehen, nein, an meiner Seite, immer wieder meinen Blick suchend, lief mein Angsthund in dieser Situation. Zwinger, Semperoper, Brühlsche Terasse, Fürstenzug, Straßenbahnen, Kinder, Fahrradfahrer,.. alles kein Problem, noch nicht einmal andere Hunde brachten ihn aus der Ruhe.
Einmal machte mein Herz einen Satz: ein Doppeldeckerbus fuhr um die Ecke, Gary hat so etwas meines Wissens nach nie gesehen, aber er schaute kurz interessiert hin, setzte sich und blickte mich an - unglaublich, ich hätte weinen können vor Glück.
Wir überquerten die Elbe auf der Albertbrücke und ich ließ Gary kurz auf der Elbwiese laufen. Eine Straßenunterführung mit Skateboardern machte mir etwas Sorgen, aber mein Hund belehrte mich eines besseren: zwar etwas hibbelig, aber durchaus im Rahmen schafften wir auch dieses Hindernis.


Etwa 2 Stunden schauten wir uns die Innenstadt an, bevor wir in eine Straßenbahn einstiegen, um an die Elbwiesen am Blauen Wunder zu gelangen. Weitere 2,5 Stunden gingen wir spazieren, um uns von diesen spannenden Tag zu erholen.
Um aller guten Dinge drei zu machen, sind wir die letzten zwei Stationen mit dem Bus gefahren.
Ich bin so stolz auf meinen kleinen schwarzen und könnte wirklich weinen vor Glück. Ein weiterer wichtiger Schritt ist gemacht, der uns Selbstbewusstsein und den Glauben gibt, dass wir zusammen alles erreichen. Kein einziger Moment sah ich heute den Hund, der vor allem und jeden Angst hatte, den ich aus dem Tierheim übernommen habe. Es war, als wäre er total souverän und würde Spaziergänge dieser Art ständig machen.
An alle mit einem traumatisiertem Hund: Glaubt an euch, auch ihr werdet eure Glücksmomente haben, die jede harte Arbeit wert machen!
Mit Grüßen, Nadine und Gary
Das habe ich Anfang Dezember 2009 gelesen, als ich im Forum unseren Fall geschildert habe. Ich habe Kraft daraus geschöpft und Mut, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Fortschritte sind manchmal so unglaublich klein, man kann sie nur schwer erkennen, meist dann, wenn es wieder Riesensätze zurück macht. Doch wie könnte man auch schnell fast 2 Jahre fehlender Sozialisation und Erfahrung überbrücken. Zeit, Geduld, viele viele Nerven und Ruhe sind nötig, um zum Ziel zu gelangen, dass habe ich aus diesem Satz mitgenommen.
Als ich im Oktober nach Dresden gekommen bin, hatten wir etwas mehr als ein halbes Jahr Übungsphase hinter uns. Auf Usedom war es nicht perfekt gewesen, aber ein Anfang - die ersten Schritte in die richtige Richtung haben wir gemacht.
Hier ging es weiter.. immer wieder üben. Jedes Puzzlestück einzeln erstellen: an einer stark befahrenen Straße entlang laufen, eine Straßenbahn in weiter Entfernung ertragen, dann immer weiter ran gehen, in nächster Nähe an ihr entlang laufen, Straßenbahnhaltestellen ertragen - mit vielen Straßenbahnen! Alles was Angst macht, alles was Gary zum Schreien bringt, üben wir - und die Liste ist sehr lang: schreiende Kinder, Kinder, die hochgenommen werden, Kinderwagen, klappernde Fahrräder, Busse, LKWs, alte Herren am Krückstock, Rollstuhlfahrer, Skateboardfahrer,.. ich weiß gar nicht wo ich anfangen, wo ich aufhören soll. Obwohl Gary aus Berlin kommt, macht ihm alles Angst. Ich versuche ihm Halt und Orientierung zu geben, nicht immer einfach.
Gestern waren wir 4 Stunden unterwegs, haben bei dem schönen Wetter ausgiebig getobt, gespielt und Spaß gehabt. Heute morgen sah ich den ausgeruhten Gary und das schlechte Wetter und habe beschlossen, ein erstes großes Puzzlebild zusammen zu fügen: eine Stadttour. Bislang waren es immer nur kurze Besuche, mal am Hauptbahnhof, mal eine große Hauptstraße, aber noch nie eine längere Sightseeingtour, so weit waren wir nicht, aber heute wusste ich, es war ein guter Tag, um es zu probieren.
11 Uhr Start, warten auf die S-Bahn und Gary war aufgeregt, er zitterte während der Fahrt zum Hauptbahnhof. Dort angekommen liefen wir die Prager Straße entlang, an einem Sonntag haben die Geschäfte zu, das schlechte Wetter tat das übrige: nur wenige Leute waren unterwegs. Gary war ruhig, schnüffelte, schaute sich die Tauben und die Gegend an. Die Überquerung der Straße zum Altmarkt war keine Hürde, die Straßenbahn interessierte ihn gar nicht. Ich guckte mir die Schaufenster an und mein Hund wartete bis es weiter ging. Es kamen immer mehr Menschen, je näher wir der Frauenkirche kamen, aber Gary entspannte sich auch immer mehr. Ich wagte gar nicht mich zu atmen, geschweige denn mich zu freuen, zu verwegen fand ich es. Niemals hätte ich erwartet, dass er so ruhig an meiner Seite läuft, kein ziehen, nein, an meiner Seite, immer wieder meinen Blick suchend, lief mein Angsthund in dieser Situation. Zwinger, Semperoper, Brühlsche Terasse, Fürstenzug, Straßenbahnen, Kinder, Fahrradfahrer,.. alles kein Problem, noch nicht einmal andere Hunde brachten ihn aus der Ruhe.
Einmal machte mein Herz einen Satz: ein Doppeldeckerbus fuhr um die Ecke, Gary hat so etwas meines Wissens nach nie gesehen, aber er schaute kurz interessiert hin, setzte sich und blickte mich an - unglaublich, ich hätte weinen können vor Glück.
Wir überquerten die Elbe auf der Albertbrücke und ich ließ Gary kurz auf der Elbwiese laufen. Eine Straßenunterführung mit Skateboardern machte mir etwas Sorgen, aber mein Hund belehrte mich eines besseren: zwar etwas hibbelig, aber durchaus im Rahmen schafften wir auch dieses Hindernis.
Etwa 2 Stunden schauten wir uns die Innenstadt an, bevor wir in eine Straßenbahn einstiegen, um an die Elbwiesen am Blauen Wunder zu gelangen. Weitere 2,5 Stunden gingen wir spazieren, um uns von diesen spannenden Tag zu erholen.
Um aller guten Dinge drei zu machen, sind wir die letzten zwei Stationen mit dem Bus gefahren.
Ich bin so stolz auf meinen kleinen schwarzen und könnte wirklich weinen vor Glück. Ein weiterer wichtiger Schritt ist gemacht, der uns Selbstbewusstsein und den Glauben gibt, dass wir zusammen alles erreichen. Kein einziger Moment sah ich heute den Hund, der vor allem und jeden Angst hatte, den ich aus dem Tierheim übernommen habe. Es war, als wäre er total souverän und würde Spaziergänge dieser Art ständig machen.
An alle mit einem traumatisiertem Hund: Glaubt an euch, auch ihr werdet eure Glücksmomente haben, die jede harte Arbeit wert machen!
Mit Grüßen, Nadine und Gary


Glückwunsch, man kann deinen Stolz auf deinen Hund sehr gut fühlen und auch verstehen.
Super, das macht allen Angsthundebesitzern Mut durchzuhalten!!!
Ein Beweis, Ihr habt super gearbeitet!
Lg Steffi und Emma
Super, das macht allen Angsthundebesitzern Mut durchzuhalten!!!
Ein Beweis, Ihr habt super gearbeitet!
Lg Steffi und Emma


Huhu,
das ist toll, dass es bei euch so gut läuft!
Und ja, mir als Besitzer eines traumatisierten Hund macht es allemal wieder Mut.
Ich hoffe, dass ich irgendwann mit ihm auch an so einem Punkt gelangen werde..
Liebe Grüße
Conni und Balou
das ist toll, dass es bei euch so gut läuft!
Und ja, mir als Besitzer eines traumatisierten Hund macht es allemal wieder Mut.
Ich hoffe, dass ich irgendwann mit ihm auch an so einem Punkt gelangen werde..
Liebe Grüße
Conni und Balou
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